Monatsarchiv: Oktober 2013

Konservierte Konversationen, die Xte Ausgabe


Äm: „Jaaa, jaaa Bébé, jaajaa, zu mir kommen, ich traaage. Jaaa, jaaa, Jana.“, tut so, als wiege sie ein Baby im Arm

Y: „Das ist nicht Jana! Jana liegt da auf dem Sofa!“, zeigt auf das leere Sofa.

Äm: „Nei, Jana-Bébé is bei mir. Jaa, jaaa, Jana.“ , wiegt ihr imginäres Baby etwas nachdrücklicher.

Y: „Näähääiin, das Bébé schlähäft, daha!“, zeigt wieder aufs leere Sofa. „Dein Bébé ist nicht Jana!“

Äm, sehr laut: „Doch!!! Das is Jana!!!“, wiegt ihren imaginären Säugling auf erheblich kindswohlgefährdende Weise.

Y, jetzt ebenfalls sehr laut: „Nein!!!“

Äm, noch lauter: „Doch!!!“, wutwiegt ihr Kind dem sicheren Tod entgegen.

Ich, aus Angst vor einem Gehörsturz: „Erfindet doch einfach noch ein weiteres Bébé, es kann ja auch Jana heissen.“

Beide Kinder, sofort ein Herz und eine Seele, brüllen einstimmig und unverhältnismässig laut: „Nein!“

Y setzt nach: „Man kann doch nicht einfach Kinder machen, nur damit niemand weint!“

Beide Kinder kopfschüttelnd ab.

 

Aus: Die Leiden einer jungen Mutter.

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Blinzel, blinzel, kleiner Starr


„Wer zuerst blinzelt, hat verloooreeen!“ rief man in meiner Jugend, stellte sich vor das Opfer seiner Wahl und zwang sein Gegenüber damit, sofern dieses sich nicht der Schmach widerstandslosen Kapitulierens aussetzen wollte, zu langanhaltendem Augenkontakt, der nur durch Blinzeln auf der einen oder anderen Seite abgebrochen werden konnte. Ich hasste das Spiel, befand mich aber in der unglücklichen Lage, dass ich in eine ausgeprägte Dichte von Blinzelspielliebhabern geboren wurde. Es ist nicht so, dass ich nicht gewinnen wollte, ich war immer schon sehr gerne Siegerin, aber wenn ich dafür minutenlang in irgendjemandens treudoofen Augen starren musste, schien mir der Preis doch ziemlich hoch, ja, ich war und bin nicht die grösste Anhängerin innigen Versinkens in Gegegenübers Augen. In der Absicht meine Gegener nachhaltig zu langweilen, begegnete ich Binzelspielinitianten mit möglichst unauffällig absichtlich herbeigeführtem Unterliegen und schob als Erklärung einige Erläuterungen zu von Natur aus trockenen Augäpfeln nach. Leider schien ich als sichere Verliererin nicht wie geplant uninteressanter, sondern um so willkommenere Möglichkeit zu sicherem Sieg zu werden. Naheliegend, dass mir somit nur konsequentes, vernichtendes Siegen um jeden Preis blieb. Als nicht sonderlich wassernah gebaute Person fiel blinzepräventives Befeuchten der Augen als Strategie weg, denn trotz lebhafter Phantasie vermochte ich nie, mir Tränen in die Augen zu denken. Da halfen nicht mal gedanklich gemeuchelte Hundebabies. Es blieben nur Hartnäckigkeit und Konsequenz als Mittel zum Sieg. Und so lernte ich fürs Leben: Ich lernte perfektionierten Stoizismus und absolute Ignoranz. Den Blick starr auf den Punkt zwischen den Augen geheftet, der unweigerlich diesen einen Zwangswitzgedanken in mir auslöst („Weisst du wer zusammen ist? … Deine Augenbrauen!“), liess ich mich nicht ablenken oder beirren. Resistent gegen alle äusseren Einflüsse, starrte ich mich durch Pausen, Mathe- und Turnstunden, bis mein Gegenüber blinzelnd seine Niederlage eingestand. Ich war der Starr meines Jahrgangs.

Heute spiele ich das Blinzelspiel mit Vorliebe am Wochenende, wenn auch nicht direkt und eher heimlich, wenn es darum geht, nicht die erste zu sein, die von Kaffee und Zeitung aufblicken, wenn die Kinder sich und die Wohnung verwüsten. Ich sagte doch:

Die wertvollsten vorbereitenden Erfahrungen fürs Muttersein sammelte ich ja im Spiel „Wer zuerst blinzelt, hat verloren“.

 

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Zehn Fragen


Die werte Frau Miez  stellte mir im Rahmen eines neuerlich grassierenden Taggingvirus‘ zehn Fragen:

DER oder DAS Blog? DIE oder DAS Nutella? DER oder DAS Laptop?

Ich unterscheide nach Sprache/Dialekt in der/dem ich mich gerade unterhalte, die erste Variante ist im Folgenden Hochdeutsch, die zweite Variante Berndeutsch: Das Blog/ dr Blog, die Nutella/ ds Nutella, der Laptop/ dr Laptop.

Welches ist Dein liebstes Fest im Jahreskreis und warum?

Ich bin ein Feiertagsmuffel, aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich wohl den Jahresübergang wählen. Ich mag es, mich durch die Fotos des letzten Jahres zu wühlen, mir chronologische Gedanken über das vergangene Jahr zu machen und mir das Kommende auszumalen.

Hast Du Geschwister und welchen Stellenwert haben sie in deinem Leben?

Ich habe eine Schwester, die mir sehr wichtig ist und mit der ich relativ engen Kontakt pflege. Ausserdem ist sie meine Sportmotivatorin und jagt mich endlich wieder regelmässig Kletterwände hoch.

Wenn Du Dir eine Fertigkeit über Nacht – im Schlaf – aneignen könntest, welche wäre das?

Ich wollte diese Frage erst mit „Spielt keine Rolle, ich möchte einfach irgendetwas richtig, richtig gut beherrschen.“ beantworten. Das ist nicht gänzlich falsch, denn tatsächlich kann ich sehr viele Dinge, manches sogar ziemlich gut, aber ich habe kein herausragendes Talent, würde mir aber manchmal genau das wünschen: Perfektion, echtes Können. Aber nach genauerem Nachdenken schien mir die Talentwahl doch wichtig, denn wenn ich schon wählen kann, möchte ich nicht mit der Fähigkeit zu perfektem Steeldrumspiel erwachen, wenn ich auch perfektes Russischsprechen oder so hätte haben können.

Du hast ein Blog. Aber war bedeutet für Dich Schreiben generell?

Kopfreinigung, Magenentleerung und Gehirnstütze.

Welches war die teuerste Anschaffung, die Du für eins deiner Kinder getätigt hast. Und welche die Wertvollste?

Die teuerste Anschaffung, wenn auch nicht in konkret materiellem Sinne, ist die KiTa der Kinder. Wir bezahlen monatlich einen nicht unwesentlichen Beitrag, der sich aber auf der ganzen Linie lohnt, ja, vielleicht ist die KiTa zugleich auch unsere wertvollste Anschaffung. Sie gibt uns die Möglichkeit unseren Alltag so zu gestalten, wie wir es aktuell können und möchten.

Bist Du mit Deiner Berufswahl zufrieden?

Nicht immer, manchmal, aber grundsätzlich denke ich, dass ich für mich, meine damalige und heutige Situation die richtige Wahl getroffen habe, mit allen Vor- und Nachteilen, die der Beruf der Heilpädagogin mit sich bringt. Ich bin allerdings überzeugt davon, dass ich in mittelferner Zukunft noch andere berufliche Wege beschreiten werde.

Tacker oder Büroklammern?

Bei meinem Geschick? Zum Wohle Aller (Verletzungsgefahr) und für die Umwelt (niedrige Treffer-, hohe Abfallquote) benutze ich Büroklammern.

Dein aktuelles Lieblingslied ist …

Ich habe kein Lieblingslied. Ich höre Musik entsprechend der Verfassung, in der ich mich befinde, das heisst so divers wie mein MP3Player es erlaubt. Ich habe Musik fürs Fernwehen, Selbstmitleidsuhlen, Vorfreude und Musik die zur Bodenplattenmusterung im Berner Bahnhof passt.

Bitte vervollständige: Wenn die Kinder schlafen …

beginnt hier das grosse Gammeln. Ich surfe, schaue Filme, schreibe, unterhalte mich mit Herrn G., esse all die Süssigkeiten, die wir vor den Kindern versteckt halten oder trinke ein Glas Wein.

Laut Spielregeln müsste ich nun 10 weitere Blogs mit Fragen traktieren, wer immer gerne von mir befragt würde, melde sich an dieser Stelle, ansonsten lasse ich diesen Kelch mit fauler Freude an mir vorbeigehen.

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