9. Dezember – Gesetze aus der Kinderstube 1-24


Vor einiger Zeit habe ich eine Liste von Gesetzmässigkeiten und Erkenntnissen angefertigt und eine Fortsetzung angekündigt, hier ist sie, ab Punkt 12:

Unser Leben wird von Gesetzmäßigkeiten bestimmt, denen wir mehr oder weniger unterworfen sind. Sie beeinflussen die Wirkung unseres Handelns, unser Handeln wenn es erst eine Intention ist. Praktisch, wenn die Wirkung einer Handlung einigermaßen berechenbar ist, wie beispielsweise der Umstand, dass mir völliglich klar ist, dass ich meine Tasse frischgebrühten Kaffee mit Vorteil nicht ins Leere, sondern klüger auf stabiler Unterlage platziere, da die Schwerkraft meinen Kreislauf umgehend am der Inkorporation der Krönung der Getränkeschöpfung hindern und damit relativ viele Menschen potentiell gefährden würde. Ich kann damit, dass ich um diese Gesetzmäßigkeiten weiß, Unglück(lichen) vorbeugen. Als Frischlingsmutter wäre mir lieb gewesen, ich hätte bereits um die zahlreichen Gesetzmässigkeiten im Leben mit Kindern gewusst, aber niemand hat mich vorgewarnt, oder mir gar das entsprechende Gesetzesbuch in die Hände gedrückt.

  1. Sie können die Frühstücksbrotscheibe Ihres Kindes nicht zu seiner Zufriedenheit (nicht) durchschneiden.
  2. Die Kinder können noch so Vertieft in irgendwelche Kindereien sein, sobald sie die Klotür hinter sich schliessen*, steht die Brut mit Harndrang, fehlenden Gliedmassen und anderen unaufschiebbaren Dringlichkeiten vor der Tür. (Der Schweizerische Ausdruck „I ga anes schtius Örtli“ („Ich gehe an ein stilles Örtchen(Klo).“) wurde von einem Kinderlosen erfunden.)
  3. Sie werden keine Ersatzkleidung brauchen, wenn sie tatsächlich welche einpacken. Und umgekehrt. Vor allem umgekehrt.
  4. Welche Kleidung auch immer Sie ihrem Kind zum Anziehen rauslegen, es ist die falsche.
  5. Winterkleidung wird nur einmal freiwillig angezogen: Im Hochsommer.
  6. Ihre Kinder mögen Ihre Lieblingsspeise so lange nicht, bis Sie zusätzlich ein Kindermenu und von Ihrer Leibspeise bewusst wenig kochen.
  7. Es gibt Spielzeuge, die immer vernachlässigt in der Ecke liegen. Es sei denn, sie versuchen das Verschmähte in den Keller auszuquartieren.
  8. Je länger und intensiver ein Ausgehabend geplant**, desto schwerer Kindes spontane Krankheit.
  9. Wo nachts Weinentzapfungsgeräuschen ausreichen, um die Kinder aus dem Tiefschlaf zu holen, können mittags, begleitet von Blasorchestern, dieselben Weinflaschen an der Schlafzimmerwand zerdeppern und hätten damit keinen Erfolg.
  10. Je unerreichbarer ein Klo, desto stärker Kindes Harndrang.
  11. Am tiefsten, längsten und durchsten schläft das Kind, wenn Sie nicht da sind.
  12. Babyfeuchttücher reinigen alles.
  13. Kinder verlieren alles und finden nichts wieder, ausser das letzte, gut versteckte Stück Schokolade.
  14. Der gesunde Organismus kann jeden eingetretenen Gegenstand auseitern, auch Legosteine.
  15. Das Jahr lässt sich in zwei Perioden unterteilen: die Winterkleideranziehdramenperiode und die SonnencremeeinschmierundSandausRitzenduschperiode, der Übergang ist fliessend und findet statt, wenn die Abläufe so konsolidiert sind, dass noch ein Leben daneben stattzufinden begänne.
  16. Legospielen ist lustiger ohne Kinder.
  17. Eigentlich sollten nur Kinderärzte Kinder kriegen.
  18. Knackende Gelenke und Kinderhaben sind inkompatibel.
  19. Die positiven Auswirkungen elterlicher Fremdsprachekenntnisse auf den Familienalltag werden unterschätzt. (Nein, die Rede ist hier nicht von Bilingualität, im Gegenteil, die Rede ist von elterlichen Konversationsmöglichkeiten jenseits kindlichen Verständnisses.)
  20. Den Begriff „Implosion“ versteht nur, wer je neben einem eben erst unter erschwerten Bedingungen eingeschläferten Kind Niesbedürfnisse verspürte.
  21. Je trotzaltriger die Kinder, desto schöner einsame Haushaltstätigkeiten.
  22. Ein drei Sekunden unbeaufsichtigtes Kind mit Farbe, hat die Wirkungskraft eines drei Stunden arbeitenden Malers.
  23. Kraftaufbau und Ausdauertraining sind auch mit Kindern möglich. Im linken Arm. (Oder dem Rechten, je nach Lateralität und Geschick mit der freien Hand.)
  24. Pro Kind und Jahr dürfen an elterlichen Geburtstagen mindestens 6 Monate Zusatzalter angerechnet werden.

tbc…

*den Laptop aufklappen, sich mit frisch gebrühtem Kaffee aufs Sofa setzen

**je näher das Abreisedatum, je alleinerziehender, je kränker man selber

Adventsbloggen im Jahre 2012
9. Dezember
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9 Kommentare

Eingeordnet unter Elternsein, Erziehung, Neulich

9 Antworten zu “9. Dezember – Gesetze aus der Kinderstube 1-24

  1. lajulitschka

    Wunderbar! Vielen Dank

  2. Ich konnte die Pointe nicht finden und weine nun vor Rührung.

  3. Sehr gut. Ich kann allen Punkten zustimmen.

  4. Ich hätte noch einen Vorschlag: Eine Stunde Kindergeburtstag ist die gefühlt langsamste Stunde der Welt

  5. Pingback: Woanders – diesmal mit Instagram, Dürrenmatt, Naturgesetzen und anderem | Herzdamengeschichten

  6. Pingback: Dentaku » Gesetze aus der Kinderstube 1-24

  7. kinderdok

    No. 17 versteh ich nicht :-)

    • Dann erkläre ich es Ihnen sehr gerne: Gerade auf Reisen wäre ich ab und zu äusserst dankbar gewesen, über mehr als nur Google zu verfügen, um die Ernsthaftigkeit der krankheitsbedingten Lage realistisch einschätzen zu könne. Google ist gut für Kopfkino und hat hauptsächlich Thriller und Dramen im Angebot.

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