11. Dezember – Ein Bahngedicht


(Dieser Text entstand für die Schweizerischen Bundesbahnen und wird am 12.12.13 auf dem  SBB-Blog erscheinen. Normalerweise poste ich die Artikel, die ich für die SBB schreibe zeitgleich oder etwas später, aufgrund eines sbbfreudigen Ereignisses (4. Mio SBB-App-Downloads), verschob sich die Veröffentlichung dort,  hier aber wird der Fahrplan (für morgen ist ein anderer Eintrag geplant) eingehalten.)

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Ein Bahngedicht
 
Es dämmert schon, der Wecker schrillt,
Sie sind heut fürchterlich gewillt,
Sie brauchen keine Snoozelzeit,
sind nach Minuten schon bereit,
steh’n wartend an der Haltestell’,
nicht lang denn heut geht alles schnell.
 
Das Menschenmeer am Bahnhof teilt
sich freiwillig mit Leichtigkeit,
wenn Sies durchschreiten ohne Hast,
sogar die Bodenmust’rung passt
zu ihrem Schrittmass ganz exakt
die Welt scheint völliglich im Takt.
 
Am Perron stehen Sie allein,
der Zug fährt nach Sekunden ein,
er bremst, die Bremse quietscht heut nicht,
statt dessen bleibt der Wagen dicht,
ganz ohn’ Ihr Haar noch zu verweh’n,
vor Ihren Füssen schliesslich steh’n.           
 
Ihr Lieblingssitz ist unbelegt, 
beim Sitzen merken Sie bewegt:
Ihr Sitz ist flauschiger als sonst,
und sein Odeur aus Einhorndunst,
sie schmiegen sich genüsslich an
und rucklos fährt nun an die Bahn.
 
Noch eh’ die Bahn den Hof verlässt,
Sie schon die Kaffeemuse küsst,
betritt den Raum mit Minibar
und reicht Kaffee ganz wunderbar
wohltemperiert mit Zuckerstück,
sehr stark und schwarz, schlicht pures Glück.
 
Der Akku ihres Phons ist voll,
und der Empfang besonders toll,
von draussen strahlt ein sanftes Licht,
Ihnen genau auf Ihr Gesicht,
der Lichteinfall ist optimal,
betont nicht Bildschrims Staubefall.
 
Und wenn der Kaffee Wirkung zeigt
das Urnierbedürfnis steigt,
betreten Sie das Zug-WC,
worin’s heut riecht nach Jasmintee,
es glitzert hier, selbst das Papier,
ist samten, weich und eine Zier.
 
Zurück an ihrem Lieblingsplatz,
bei Laptop, Buch und Kaffeeschatz,
tun Sie was Sie am liebsten tun,
arbeiten, gammeln oder ruhn.
Viel Zeit dafür bleibt Ihnen nicht,
der Zielbahnhof ist fast in Sicht.
 
Im Lautsprecher knistert es leis,
der Sprecher nennt das Ankunftsgleis
und spricht hernach rasch ein Gedicht
an Ihr Genie und Ihr Gesicht.
Sie steigen aus, Sie sind beschwingt,
Ihr Kopf das Liedchen weiter singt,
von Perfektion, von Harmonie
und von der Bahnfahrutopie.
 
Ein Bahngedicht
 
 
Bloggen im Jahre 2012:
11. Dezember
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