14. Dezember – So in 10-12 Jahren


Ich bin kein grundsätzlich netter Mensch, manchmal sogar ein wenig rachsüchtig. Jedenfalls wenn mich die Kinder morgens um 4 wecken, weil sie (Y) die Geburtstagsgeschenke für die Party (um 14 Uhr) einzupacken planen und kein Klebestreifen finden, oder wenn sie mich morgens um halb sechs wecken, weil sie (Äm) mich am Geruch ihrer Flatuliertäigkeiten teilhaben lassen möchten. Ja, dann nehme ich mir fest vor in ungefähr 10-12 Jahren wochenendlich frühmorgens in die Teenagerzimmer zu stürmen und zu fragen, ob ich meine Gleitsichtbrille zwischen den Seiten ihres Tagebuches vergessen habe.

Dann sind da noch die Situationen, in denen die Kinder ihrem Liebreiz mit Worten Ausdruck verleihen, zum Beispiel diese:

Y: „Ich habe starke Knochen, schau Mama! Das kommt vom Zalkium in der Milch. Schau wie stark!“, streckt mir ihr Knie entgegen.
Ich: „Ja, sehr stark. Hast du das vom Kalzium im Kindergarten gehört, am Milchtag?“
Y: „Nein, das ist einfach so in meinen Kopf gekommen.“, piekst mit ihrem Zeigefinger in meinen Oberschenkel, „Du hast zu wenig Kalzium, da ist nur… Weiche.“
 

Was soll man da noch sagen? Es stimmt ja. Es ist nur so… fürchterlich direkt. Es hilft nur einmal Tränen runterschlucken, ein Stück Schokolade vertilgen,  irgendeine sportliche Aktivität in die Agenda eintragen (Es muss ja dann nicht hingegangen werden.), Vergeltungspläne schmieden und, damit er in 10-12 Jahren sitzt, schon mal den Text üben: „Nein mein Kind, es ist nicht schlimm, dass du dir nun die halbe rechte Augenbraue weggezupft hast, das lenkt ganz gut von dem Gigantopickel am Kinn ab.“

Besonders einfach wird die Heimzahlen aber, wenn es sich um öffentliche Peinlichkeiten handelt, dann können die Darbietungen der Kinder, so in 10-12 Jahren, eins zu eins, in umgekehrten Rollen wiederholt werden:

Äm/Ich, zum Mann/Freund meiner Tochter neben uns im Bus/am Esstisch: „Mein Papa einen Penis. Hast du auch einen Penis?“ (Ich, zum Freund meiner Tochter neben uns im am Esstisch: „Mein mein Partner hat einen Penis. Hast du auch einen Penis?“)
 
Im Bus, Y wühlt in meiner Tasche, ich sehe es nicht, weil ich ins Handy starre, und findet plötzlich einen Tampon, streckt ihn mit Schwung in die Höhe und ruft „Ich habe dein Scheidenpflaster gefunden, schau!“ (Im Bus, ich wühle in Ys Tasche, sie sieht es nicht, weil sie ins Handy starrt, und finde plötzlich einen Tampon, strecke ihn mit Schwung in die Höhe und rufe: „Ich habe dein Scheidenpflaster gefunden, schau!“)
 

Usw.

Jawoll, ICH bin jedenfalls vorbereitet, für so in 10-12 Jahren.*

*Selbstredend wäre ich auch gerne bereit, all die Lieblichkeiten und  Herzschmelzmomente zurückzuzahlen, da fehlt es aber an annähernd äquivalenten Rückzahlungsressourcen.

 

 

Adventsbloggen im Jahre 2012:

14.Dezember (Vor einem Jahr kam das Wort Rache auch schon vor, das liegt durchaus nicht daran, dass ich derart rachebesessen bin, glauben Sie mir, ich liess mich nur vom Text vor einem Jahr zum heutigen Erguss inspirieren.)

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Elternsein, Neulich

2 Antworten zu “14. Dezember – So in 10-12 Jahren

  1. Ahahahaa. Ich habe ja hier die gesamte Spanne (also das Kleintieralter und das Alter in 10 Jahren). ich habe sehr gelacht beim Lesen. Mein Klassiker ja noch immer: Klein-Tochter mit mir in einer Kabine der Autobahnraststättentoilette sehr laut: „Oh Mama, du hast eine Micki-Maus-Schlüppi an und ich nicht! Das ist gemein!“ (ich wollte am liebsten nicht mehr aus der Kabine rausgehen).

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