19. Dezember – Donnerstage


An Donnerstagen bin ich nicht selten schon um 7:30 Uhr völlig erschöpft. Deswegen:

6:00: Der Wecker klingelt. Ich möchte ihn nicht hören. Er nimmt mich nicht ernst. Ich stehe auf.

6:02: Ich suche meinen Linsenbehälter durch gezieltes Tasten.

6: 03: Ich versuche mich vor dem Spiegel zu entfalten, nur so kann ich mich waschen, all zu tiefe Falten sind nämlich schwer zu reinigen. Ich wasche mich.

6:05: Ich erblicke einen kleinen Pickel und drücke ihn in Übergrösse.

6:07: Ich putze meine Zähne völlig zwischenfallsfrei.

6:10: Ich schmiere mir was auf die Augen, um von dem Pickel in Zweitkopfgrösse (siehe 6:05) abzulenken.

6:12: Ich befülle die Zmorge- und Znüniboxen der Kinder mit komplizierten, essbaren, dreidimensionalen Nachbildungen romanischer Fresken mit Äpfeln, Honigbroten und Sesamkeksen. Parallel dazu wärme ich die Morgenmilchen der Kinder auf die gewünschte kommastellgenaue Temperatur.

6:18: Ich packe die KiTa- und Kindergartentaschen der Kinder, selbstredend sind nicht zwei gleiche Handschuhe zu finden und die neuen Ersatzkleider sind noch nicht angeschrieben, ich verliere wertvolle Zeit mit Markieren, Suchen und Fluchen.

6:28: Die Taschen stehen gut gepackt neben der Eingangstür, selbst an Äms Kita-Bären habe ich gedacht. Ich lege den Kindern ihre Kleider bereit.

6:30: Ich wärme die Milchen der Kinder erneut, die mangelnden Grade aufgrund der Suchbedingten Verzögerung könnten Trotzanfälle und weit schlimmere Verzögerungen zur Folge haben.

6:32: Ich begebe mich zu den schlafwarmen Döskindern und wecke sie. Y, nach 1,5 Sekunden Aufwachzeit: „Heute haben wir Zeigitag*, ich möchte meine Astrid-Lindgren-Bücherreihe** mitnehmen oder den Lego-Bagger***, aber den müssen wir noch schnell zusammenbauen.“

6:45: Y willigt ein ihren batteriebetriebenen Leuchthasen mitzunehmen. Beide Kinder finden die bereitgelegten Kleider unpassend.

6:47: Die Kinder wählen ihre Kleider selber aus. Ich ziehe Äm an, Y versucht sich selber anzuziehen, so gut es eben mit einem batteriebetriebenen Leuchthasen im Arm geht.

6:57: In 14 Minuten fährt der Bus, ich mahne zur Eile, was sofortige Verlangsamung zur Folge hat.

6:59: Alle tragen Kleidung. Äm will ihren KiTa-Bären haben. Jetzt. Der war in der gepackten KiTa-Tasche. Jetzt nicht mehr. Und auch sonst nichts mehr. Äm hat die Diskussionsrunde mit Y (siehe 6:32) zu grossflächigen Umverteilungsaktionen genutzt.

7:10: Die Taschen sind wieder gefüllt. In vier Minuten fährt der Bus. Ich pfeiffe auf kindliche Selbständigkeit und stopfe die Töchter in Winterkleidung und Schuhe, ergreife Taschen, Äm und Ys Hand. Wir setzen zu einem Zeitlupenspurt einem Spurt in Kindertempo an.

7:14: Der Buschauffeur sieht uns rennen und hält extra lange. Ich lobpreise ihn und verstaue die Kinder auf den nächstbesten Sitzen. Die Mitpassagieren bemitleiden lauthals die armen Kinder dieser barbarischen Mutter. „So früh aufstehen, nur weil Mutter ALLES haben will.“.

7:18: Wir steigen aus, ich bin gewaltfrei geblieben, auch verbal.

7:20: Wir sind in der KiTa und werden freundlich begrüsst, Y berichtet, dass sie keine Bücher in den Kindergarten nehmen dürfe, weil ich den Leuchthasen besser fände.

7:23: Ich gebe kurze Berichterstattung zur allgemeinen Lage.

7:25: Ich verabschiede mich von den Kindern und kündige an wer sie abholen wird.

7:27: Beim Griff nach dem Mobiltelefon beim Verlassen der Kita, halte ich plötzlich Äms Bären in der Hand. Ich spurte zurück.

7:29: Äm will den Bären nicht. Ich höre den Bus kommen uns renne zur Haltestelle.

7:30: Tiefenenstpannung während der sechs Minuten zum Bahnhof, jedenfalls bis zum Moment, an dem ich den Leuchthasen in meiner Jackentasche erspüre.

 

 

* Tag a dem die Kinder einen Gegenstand in den Kindergarten bringen dürfen, um ihn den anderen zu zeigen

** 12 Bücher

*** 6587 Teile

 

Bloggen im Jahre 2012:
19. Dezember
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5 Kommentare

Eingeordnet unter Äm, Elternsein, Ypsilönchen

5 Antworten zu “19. Dezember – Donnerstage

  1. Das tönt ähnlich wie unsere Donnerstage. Wobei heute wars eher so „Auge auf – Mund auf – Kaffee rein – Türe auf – Mann und Kind rausspediert – Türe zu – Augen zu“.

    Mir gefällt übrigens die wundersame Verwandlung um 7:29 ;-)

  2. Was Du jetzt brauchst ist ein Spruch a la „Die jungen Mütter“ ;)

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