21. Dezember – In Kinderschuhen hat es Platz


In Kinderschuhen hat ja Vieles Platz, zum Beispiel die Schuld für dilettantisch eingepackte Geschenke. Dabei muss ja nicht mal wortwörtlich gelogen werden, es reicht, den Beschenkten nach der Übergabe bedeutungsvoll anzusehen, dabei mit leichter Kopfbewegung auf eines der Kinder zu deuten, leicht ratlos mit den Schultern zu zucken und zu sagen „Sie helfen ja so gern, die lieben Kleinen.“, sehr simpel und völlig flunkerfrei. Wieso ich zu derartigen Mitteln greifen muss, fragen Sie sich? Weil Menschen, die offensichtlich professionell fremdverpackte Geschenke überreichen, Lieblosigkeit vorgeworfen wird, ja, weil sie geächtet werden. Und meine Begabung für das Einpacken zu verschenkender Objekte, und sei es auch nur ein Buch, ist derart minimal, dass ich auch bei der Übergabe von Eigenkreationen mit Lieblosigkeitsvorwürfen rechnen müsste, gäbe es nicht die Möglichkeit der Schuldzuweisung gen Kinder. Die Vorstellung kinderhandverpackter Geschenke finden ja dann alle fürchterlich süss und fürchterlich lieb. Dabei kann ich nicht das Geringste dafür, dass meine Geschenkkreationen aussehen, als wären sie von einem motorisch retardierten Jungschmipansen eingewickelt worden.

Es beginnt schon beim Trennen der gewünschten Papiergrösse von der Rolle. Ich tue solche Dinge gerne mit Sorgfalt und geraden Linien. Das wird einem aber reichlich schwer gemacht, wenn sich die Materie ständig völlig selbständig wieder zusammenrollt. Aufrollen – 1cm Schnitt – zugerollt – aufrollen – 1cm Schnitt – zugerollt – So kann ich nicht massvoll arbeiten!

Hernach kommt das Problem, die zu verpackenden Objekte möglichst parallel zu den Seitenrändern (Ja, ich verschenke meistens Bücher.) aufs Papier zu legen. Das fiele ungleich einfacher, wenn man die Musterung auf der Papiervorderseite zur Orientierung benutzen könnte, aber die Papierrückseite wird im allgemeinen als deutlich weniger dekorativ wahrgenommen, als die Vorderseite, da sind Minuspunkte garantiert.

Wären dann obengenannte Punkte erledigt, folgt die Sache mit dem Klebeband, die, müsste man sich nur auf das Klebeband alleine konzentrieren, gar nicht so kompliziert wäre, aber so einfach ist es nicht: Gehen wir mal davon aus, dass das schliessende Falten der gegenüberliegen hervorstehenden Papierflügel über dem Geschenk zu akzeptablem Resultat geklappt hat und ich per leichtem Druck mit Zeige- und Ringfinger meiner linken Hand das Papier fixiere, während ich mit der rechten Hand versuche ein adäquat grosses Stück Klebestreifen von der Rolle zu trennen. Das ist nicht einfach für eine Grobmotorikerin wie ich es bin, das können Sie mir glauben. Und wenn ich dann endlich ein passendes Stück habe, bemerke ich beim Versuch es aufzukleben, dass das Zeug seinen Zweck überhaupt nicht erfüllt, weil es fingerfettabdruckkontaminiert offensichtlich seine ganze Klebekraft verloren hat. Es braucht dann mindestens fünf weitere Stücke mit tiefenreinigender Wirkung, ehe ich überhaupt ein fettreduziertes Exemplar zur Verfügung habe. Will ich das erarbeitete Stück dann auftragen, vereinen sich die beiden Streifenenden zur Unbrauchbarkeit um den rechten Zeigefinger, der ebenfalls unbrauchbar wird, und nur durch beidhändigen Einsatz wieder befreit werden kann. Nach einigen weiteren Versuchen gelingt es dann vielleicht so ein Klebestreifenstück adrett anzubringen, nur um zu bemerken, dass einer der Fehlversuche an ungünstiger Stelle auf dem Einwickelpapier klebengeblieben und nicht mehr ohne erhebliche ästhetische Verluste zu trennen ist.

Nun gut, denke ich dann, ich kann ja versuchen das Geschenkband so anzubringen, dass das Malheur überdeckt wird, rolle eine als passend eingeschätzte Menge Band ab und wickle. Ich war allerdings schon immer schlecht, was Schätzungen anbelangt, ich kann die Enden knapp um das verpackte Objekt knoten, gänzlich ohne Spielraum für eine nette Schlaufe oder Zapfenzieherlocken. Ich durchschneide das Band also und werfe es schweren Herzens weg, derartige Verschwendung mag ich nicht, ehrlich, aber für Schönheit musste die Umwelt schon öfter leiden. Ich rolle also mehr als die als passend eingeschätzte Menge Geschenkband ab und wickle erneut. Diesmal wickle ich sehr lange und tatsächlich so, dass das obengenannte Malheur und auch das beim Abschneiden des ersten Geschenkbands entstandene kleine Loch fast nicht mehr zu sehen ist. Eigentlich ist auch sonst nicht mehr viel zu sehen, aber ein neuerliche Verschwendung zu Gunsten er Ästhetik kann ich schlicht nicht erneut hinnehmen.

Ich reiche das Geschenk an die Kinder weiter, mit der Bitte mit Filzern irgendwas aufzumalen, nicht dass sie mich am Ende, wenn der Beschenkte sie nach meinen nonverbalen Andeutungen fragt, ob sie das gemacht haben, noch verraten.

 

Bloggen im Jahre 2012:

21. Dezember – Mandarinen, Behinderung und Integration

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Eingeordnet unter Elternsein, Neulich

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