Pendlergeschenke


(Der folgende Artikel erschien als Blogpost im Blog der Schweizerischen Bundesbahnen.)

Die beste Vorgehensweise um präweihnachtlichen Stress zu umgehen, ist bereits im Januar mit der Ausschau nach Weihnachtsgeschenken zu beginnen. Falls Sie einen Pendler oder eine Pendlerin in Ihrem näheren Freundes- oder Familienkreis haben, möchte ich Ihnen heute behilflich sein und Ihnen einige Geschenkvorschläge auflisten:

Kleines Budget.

  • Lieblingsplatzreservationsdienst. Jede/r Pendler/in kennt ihn, DEN Lieblingsplatz, das ist der Platz, dem die ersten arbeitsmorgendlichen Gedanken gelten, der Platz, der dem Arbeitsweg überhaupt erst Sinn gibt, der Platz, der erheblich zur Qualität später zu erbringender Arbeiten beiträgt, DER PLATZ eben. Leider wird DER PLATZ manchmal fremdbesessen, mit längerfristig katastrophalen Auswirkungen, versteht sich, deswegen ist eine dauerhafte Reservation DES PLATZES trotz minimalen Kosten ein wirklich pendlerdienliches Präsent. Natürlich ist dieses Geschenk für den Schenkenden mit etwas Aufwand verbunden, aber wer würde für seine Liebsten schon nicht mit Freuden arbeitsmorgendlich den ersten Zug der erforderlichen Linie abwarten und den Platz besetzen, bis der/die Beschenkte zusteigt.
  • Nervpotentialextraktionsgutschein (in diversen zeitlichen Dauern lieferbar). Ebenfalls sehr preisgünstig, dafür mit etwas Aufwand verbunden, ist dieser Geschenkvorschlag: Vierteljähriges, halbjähriges oder sogar Ganzjähriges bodyguardähnliches Begleiten des Pendlers. Nicht nur wird dem Beschenkten dabei körperlich der Weg ZUM PLATZ (siehe oben) geebnet, auch werden hernach potentiell mühsame Mitfahrende freundlich aber bestimmt von DEM PLATZ, auf möglichst ferne Sitzplätze gelenkt. Beispiel: Beschenkte Pendlerin sitzt, gemütlich eingerichtet, bereit zur Fahrt, es nähert sich ein vor Gesprächsbereitschaft nur so strotzender, älterer Herr mit Rollkoffer, der Nervpotentialextrakteur, kurz NPE, (also Sie, als Schenkende/r) begrüssen den Herrn freundlich: «Guten Morgen, kann ich Ihnen behilflich sein?» «Gerne! Sie sind aber ein/e freundliche/r junge/r Frau/Mann!» wird der ältere Herr erwidern und Ihnen den Koffer reichen. Der NPE nimmt den Koffer und schreitet energischen Schrittes mindestens ans andere Ende des Waggons, ohne auf die Zurufe des Greisen zu reagieren, verstaunt ihn, fasst den älteren Herrn, der den NPE endlich, leicht irritiert erreicht hat, sanft an beiden Schultern und schiebt ihn auf den nächstbesten Platz.
  • Geruchsneutraliserender Raumduftspray (Reichweite in ca. 20m Länge, 3m Breite und 5m Höhe). Selbsterklärend, simpel, vielfältig einsetzbar, günstig und damit das perfekte Geschenk für entferntere Verwandte und nicht so sehr Bekannte.

Mittleres Budget

  • Laminiertes Antwortkartenset, alphabetisch geordnet, in hübscher Schachtel. Auch sie sind unter Pendlern einschlägig bekannt, die hartnäckig mitteilsamen Mitreisenden, die selbst betonte Lesevertieftheit nicht als Anhaltpunkt für Gesprächsunwille deuten können und wollen. Für diesen Fall empfehle ich dem/der Pendler/in eine hübsche Schachtel mit dem gut lesbaren Aufdruck «Sie möchten mich etwas fragen oder mich aus anderen Beweggründen ansprechen? Bitte, bedienen Sie sich.» anzufertigen und mit laminierten, visitenkartengrossen Kärtchen in diversen Ausführungen zu befüllen. Auf der Vorderseite wird die einleitende Frage, die schon auf der Schachtel steht, wiederholt, die Rückseiten variieren und können von den beschenkten Pendlern je nach Bedarf und Tagesverfassung in die Schachtel eingefüllt werden. Auf der Rückseite könnte etwa stehen:

Führen Sie besser Selbstgespräche. Aber leise. 
Bitte bewahren Sie diese Karte sorgfältig auf und zücken Sie sie bei neuerlichem Aufkeimen von Kontaktaufnahmebedürfnissen und bei unserer nächsten Begegnung. 

oder

Auf Ansprachen wird nur im Falle von wichtigen, ausserordentlichen Durchsagen reagiert.
Bitte bewahren Sie diese Karte sorgfältig auf und zücken Sie sie bei neuerlichem Aufkeimen von Kontaktaufnahmebedürfnissen und bei unserer nächsten Begegnung.  

Die Schachtel könnte der Pendler hernach stets mit sich führen und bei Bedarf aufstellen, ein kurzer gestischer Verweis sollte den gesprächigen Gegenübern verständlich sein, für den Rest wäre fortan gesorgt.

  • MixTape «On the Railway» (Kleines Budget), eventuell mit Zubehör (Mittleres Budget). Ein etwas zu vergessener Klassiker, der ohne Zubehör sehr günstig zu erstehen ist und durch handverlesene Auswahl der Musikstücke eine persönliche Note erhält. Ich empfehle Ihnen sich für das perfekte Gelingen hilfesuchend an erfahrene Pendler der selben Pendelstrecke zu wenden, die auch der/die zu beschenkende Pendler nutzt, wäre es doch eine Schande, offensichtliche Tunnelmusik zu spielen, wo gerade ein Fluss überquert wird. Darf das Geschenk etwas mehr kosten, schenken Sie ein passendes Paar Kopfhörer mit kleinmaschigem Aussengeräuschfilter dazu.
  • Oropax mit verstellbaren Filterstufen und -arten. Auch dies: Selbsterklärend, simpel und mit den 6 Extrapendlerfiltern (Kinderkreisch-, Greisengebrabbel-, Mobilphonmonolog-, Teenietratsch-, Snackschmatz- und Rotzhustniesfilter) ein absoluter Gewinn.

Grosses Budget.

  • Autorefillthermocoffeecup mit diversen Regulierungsfunktionen (Zu Deutsch: Selbstauffüllender Thermokaffeebecher mit diversen Regulierungsfunktionen). Mit personenbezogenen Kaffeebedürfnissensoren (die Blutdruck, Körpertemperatur, sowie Gehirnaktivitäten messen und je nach Resultaten zur Selbstaktivierung auswerten) ausgestatteter Thermokaffeebecher, mit regulierbarer Temperatur-, Beigabe-, Kaffeesorte-, -stärke- und -maschinenherkunftsfunktion, samt jederzeit einsetzbarem Revidierungsknopf.
  • Portable Universalarmlehne. Unter Pendlern bekannt sind auch die, meist männlichen Mitreisenden, die sich ungleich breitbeiniger in den Sessel setzen, als ihre Körperlichkeit, auch bei grosszügigster Schätzung des Unsichtbaren, es verlangte, die Beine über alle Verhältnisse und Platzgrenzen gespreizt, bleibt Danebensitzenden, um unerwünschte Berührungspunkte zu vermeiden, nur, sich auf die Belegung der Hälfte des eigenen Sitzes zu beschränken, oder, und diese Variante ist ungleich effektvoller, die Armlehne schwungvoll runterzuklappen. Was aber, wenn keine Armlehne zur Abgrenzung vorhanden ist? Genau, hier kommt die portable Universalarmlehne zu Einsatz. Mit ihrer einfachen Handhabung zwar etwas kostspielig, ist sie ihren Preis aber allemal wert.

Sehr grosse Budget

  • GA. Der Klassiker unter den Pendlergeschenken, kostspielig, aber lebensnotwendig.

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Ich verspreche Ihnen allenthalben unermessliche Dankbarkeit und Freude!

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Neulich, SBB Blog, Zügiges

4 Antworten zu “Pendlergeschenke

  1. Sehr lustig. Was ist ein GA? Ganzjahresabo?

  2. jpr

    Wuerde man natuerlich auf das GA verzichten, so koennte man einfacher von seinem Pendlerdasein herunterkommen und genoetigt sein etwas lokales zu erledigen. Da so aber die ganze Muehe des Schenkenden vergebens waere kann das sicherlich nicht der Sinn sein.

    //PS. Morgens vor dem ersten Kaffee braucht es die Hirnaktivitaetsmessung noch nicht, glaube ich.

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