Monatsarchiv: Mai 2014

3 Jahre Äm oder das Geburtstagsinterview I.


Was zu einem gelungenen Äm-Dreijahresgeburtstag gehört:

  • Aufstehen, Enten sehen, quietschen.
  • Zwei der verteilten Smarties essen, den Rest in der Mutterente sammeln, verkünden, dass diese Smarties ihr alleiniger und unteilbarer Besitz seien.
  • Einige Versuche unternehmen, die Enten zu zählen, scheitern.
  • Die grosse Schwester zum Smartiesmitessen auffordern.
  • Croissants mit dicker Schicht Ovomaltinenaufstrich essen, dabei aber nicht horizontal, sondern von oben nach unten vorgehen, entsprechend aussehen.
  • Die 20 Gummienten, sich selber, die grosse Schwester und einen Grossteil des Badezimmers wässern. Lange. Sehr lange.
  • Mit Mama einkaufen gehen, entschlossen bei der Auswahl helfen. Völlig unbeeindruckt sein, wenn Muttern an der Kasse leicht hektisch wird, weil sie bemerkt, dass sie keine Karte, kein Schweizerbargeld und auch kein Mobitelefon dabei hat und die Einkäufe stehen lassen muss, um Geld zu besorgen.
  • Begeistert erstmalig in ihrem Leben ein Münztelefon betreten und benutzen.
  • Sich weiterhin gelassen und unbeeindruckt zeigen, wenn Muttern einfällt, dass sie zwar keine Schweizer Franken, aber genügend Euros dabei hat. Beim Einkaufen und Heimtragen mit Klugscheissereien und Verbaldrilling Rat und Tat und anspornenden Worten dienen.
  • Zuhause nach dem Geburtstagsmittagessen (Couscous mit Rahmspinat) verlangen, im Garten essen.
  • Sämtliche Schüsseln der abgeschlossenen Kuchenproduktion leerlecken. Lange. Sehr lange.
  • Den ersten Geburtstagsgast, Grossvater, begrüssen, eine Playmobiltierarztpraxis in Empfang nehmen, bespielen und hauptsächlich Hundekastrationen durchführen.
  • Nach und nach die Geburtstagsgäste empfangen und im Verlaufe des Tages viele tolle Geschenke, unter anderem ein Schifffahrtsgutschein, eine Spiel-Post, Kleider, eine selbstgemachte Puppe von der Patentante Blomma, einen Rucksack und einen Pinguin, dargereicht in einer blau ausgekleideten Gigantokartonschachtel, inklusive Eisscholle, erhalten.
  • Eine Pfannkuchentorte wie Findus (aus Peterson und Findus) präsentiert bekommen, die Kerzen ausspucken. Ja, ausspucken. Danke an all die unkomplizierten Gäste!
  • Kuchen essen. Sehr viel Kuchen essen.
  • Den kleinen Cousin mit Brei füttern.
  • Die Geschenke bespielen, im Garten herumtollen, Feuer machen, Dunkelheit verlangen.
  • Ausgiebiges Bräteln (Grillen) mit (fast) allen Lieben, eine Extrarunde VORNE in der Tragehilfe erbitten, von Schoss zu Schoss zu Schoss in den Schlaf hüpfen und die Erwachsenengespräche am Feuer bis Mitternacht mit leisem Schnarchen begleiten.
Zum Vergleich:
Der Zweijahresgeburtstag
Jahresduseln
Äm-Geburt, die Kurzversion für Gestresste und Emotionsphobiker
Äm-Geburt, die lange Version
 
***
 
Dies ist das erste Geburtstagsinterview, das ich mit Äm geführt habe, die Fragen stellte ich ihr über mehrere Tage verteilt, ansonsten hätte die Konzentration wohl nicht ausgereicht.

Frag die Äm am 3. Geburtstag

Wer ist dein bester Freund, deine beste Freundin?
Y.! 
 
An welchen Traum erinnerst du dich?
Von einem Wolf, der wollte meine Erdbeeren essen.
 
Woran schnupperst du gerne?
Ich finde unser Zirkuswagen riecht gut.
 
Was machst du wenn du Langeweile hast?
Einfach schlafen gehen.
 
Wo möchtest du einmal wohnen?
In deiner Schublade.
 
Welches Haustier wünschst du dir?
Eine Charlotte.
 
Wem hast du einmal eine Botschaft geschickt?
Niemandem
 
Welches Essen hast du schon mal gekocht?
Ja, Omeletten.
 
Gibt es etwas, was du nicht gerne isst?
Scharfe Sachen.
 
Welche Musik magst du?
Solche: (Singt „Rüüüückwääärts“  und lässt sich rückwärts fallen.)
 
Welches Wort magst du besonders gern?
Nüggele. (Schnullern)
 
Welches Wort magst du gar nicht?
FuFu.
 
Was kann dein Papa ganz besonders gut?
Lieder singen.
 
Was kann Mama besonders gut?
Pfeifen.
 
Welches Buch magst du ganz besonders?
Zeralda. 
 
Was würdest du verändern, wenn du Königin wärst?
Alle sollen „Gagi “ sagen.
 
Was sammelst du?
Füchse und Eichhörnchen.
 
Was kannst du besser als Mama und Papa?
Staubsaugen und laute Musik machen.
 
Wie bringst du andere zum lachen?
Selber lachen, zum Beispiel wenn wir von Gagi singen.
 
Dein Lieblingswitz?
Einmal habe ich ein Gagi gefunden, dann ist das in ein Loch pinkeln gegangen und hat ein seltsames Tier gefunden, dann war ich schon fertig. Ich bin feeeertig!
 
Welchen Wunsch hast du?
Ein Pinguinkleid für Fasnacht.
 
Wo warst du schon mal ganz allein?
Nirgends.
 
In wen/was möchtest du dich einen Tag lang verwandeln?
In einen Pinguin. Aber der kann fliegen.
 
Was macht dich wütend?
Wenn Mama mir die Sachen weg nimmt. Wenn Papa Täfeli weg nimmt.
 
Was findest du lustig?
Wenn Papa laut singt.
 
Möchtest du einmal Kinder haben?
Eine einzige Y.
 
Was möchtest du gut können?
Selber ganz hoch Rittiplampen! (Schaukeln)
 
Wovor fürchtest du dich?
Vor Wölfen, wenn es dunkel ist.
 
Wohin möchtest du reisen?
Auf Tierparken.
 
Was spielst du am liebsten alleine?
Mit dem Gagi. Neeeeein, mit dem Auto.
 
Was spielst du am liebsten mit anderen?
Einkaufen und so Sachen.
 
Was macht dich traurig?
Wenn Y nicht mit in die KiTa kommt.
 
Warum heisst du, wie du heisst?
Weil ich… Lalalalalaaa!
 
Mit wem kannst du über alles reden?
Mit allen.
 
Was arbeitest du, wenn du gross bist?
Schulleiterin und ich heisse Susanne.
 
Wen oder was findest du niedlich?
Dass F. noch gaaaanz klein ist. Das ist mein Cousin.
 
Worüber hast du zuletzt mit jemandem gestritten?
Ja, mit Y, wegen Charlotte, wer neben Charlotte sitzen darf.
 
Worüber möchtest du gerne mehr wissen?
Ich habe dich jetzt grad alles schon gefragt.
 
Was machst du, obwohl du es nicht tun solltest?
Manchmal beisse ich Y.
 
Wenn du ein Tier wärst, welches Tier wärst du? Und Mama? Und Papa? Und Äm?
Ich, Hund. Mama, Elefant. Papa, Elefant. Y., Elefant. Also eigentlich wäre ich auch ein Elefant. Und Charlotte auch. Dabei ist sie schon ein Tier.
 
Wo auf der Welt lebst du?
Hier!
 
Was hast du Neues gelernt?
Laufrad fahren. Aber das kann ich schon lange.
 
Was brauchst du, damit du gut schläfst?
Meine „Chnättidechi“ (Knetdecke, Äms Eigenkreation, weil sie die Decke beim Einschlafen knetet.)
 
Wies siehst du aus?
Müde.
 
Welches ist dein schönstes Erlebnis im letzten Jahr?
Mein Geburtstag.

5 Kommentare

Eingeordnet unter Äm, Elternsein, Frage, Gfötelet

5 Jahre Y oder das Geburtstagsinterview II.


Was zwingend zu einem gelungenen Ypsilönchen-Fünfjahresgeburtstag gehört:

▪   Beim Frühstückstisch einem Arsenal von aufgehängten Glitzerleimstiften, Glitzerstaubdosen, Pailletten und Maskingtape erwartet werden.
▪   Sich von der kleinen, lauthals Eigeninterpretationen von Geburtstagsliedern singenden Schwester die Morgenmilch servieren lassen.
▪   Parallel zum Frühstück mit Glitzer, Leim und Pailletten werkeln, aufgrund von Handverwechslungen zweimal haarscharf an einem Mund voll Glitzerstaub vorbeischrammen und dem beglitzerten Blatt einen grosszügigen Joghurtklecks verpassen.
▪   Sich bei bereits morgens gnädig lauen Temperaturen für einen Wollrock entscheiden und darauf bestehen.
▪   In den Kindergarten gehen, die Frage, ob sie denn heute um 12 abgeholt werden möchte, lässig abwinken und betonen, dass sie schon seit sehr langem alleine laufe, nämlich seit sie vier war.
▪   Sich vor dem Verabschieden allerdings noch mal vergewissern, dass wirklich das Richtige gekocht wird.
▪   Um Viertel nach 12 heimkehren mit den Worten „Hallo Leute, habt ihr noch nicht vergessen, dass ich Geburtstag habe?“
▪   Sich geburtstagstraditionell mit Würstchen, Maiskolben und Spinat servieren lassen.
▪   Die beiläufig gestellten Geburtstagsinterviewfragen mit „Manchmal sprichst du zu viel.“ Quittieren, aber irgendwie schon sehr gerne antworten.
▪   Die allerbeste Freundin zu nachmittäglichen Erdbeeren und Eis einladen, gemeinsam basteln und die kleinen Geschwister dressieren.
▪   Die Freundin nach Hause geleiten, mit einem AUSGELIEHENEN Gruselfurbyvieh zurück kommen, das aber sogleich wieder vergessen ward, weil die Abendessensgäste eintrudeln.
▪   Das sehnlichst erwünschte Abendessen nicht essen.
▪   Viele schöne Kleider, eine heissersehnte Plastikbillighandorgel, einen Playmobilcamper, ein Fahrrad, einen Pferderitt-, einen Theater-, einen Wander- und einen Waldnachabenteuergutschein geschenkt bekommen.
▪   Den Geburtstagskuchen selber anschneiden.
▪   Vom Geburtstagskuchen nur Dekoration und Crème essen.
▪   Sich von den Awesenden benachtgewanden lassen.
▪   Vor dem Einschlafen ein positives Geburtstagsresumée ziehen und den Blitzgedanken empfangen, dass man eigentlich noch gar nicht so müde schnarch.
 

 
Zum Vergleich:
Jähriges Rauschen
Der Zweijahresgeburtstag
Der Dreijahresgeburtstag
Der Vierjahresgeburtstag
 
***

Frag die Y am 5. Geburtstag

Wer ist dein bester Freund, deine beste Freundin? „L. und R., die sind bei mir im Kindergarten und ich will mich mit ihnen sehr oft verabreden und Pferde spielen.“  

Woran schnupperst du gerne? „Hundefutter.“  

Was machst du wenn du Langeweile hast? „Dann gehe ich zu Papa und frage ihn, ob wir zusammen blödeln, dann komme ich zu dir, dann gehe ich zu Äm.“  

Wo möchtest du einmal wohnen? „Bei Emee (Oma) weil es dort so schöne Sachen hat.“  

Welches Haustier wünschst du dir? „Noch einen Hund, einen genau gleichen, der etwas grösser wird, es soll auch ein Weibchen sein und soll Nia heissen.“  

Wem hast du einen Brief geschickt? „Allen, die ich zu meinem Geburtstag eingeladen habe.“  

Was hast du geschrieben? „Das sage ich nicht.“  

Welche Musik magst du? „Papamusik, weil Papa dort Gitarre spiel und Lililili von Marius und die Jagtkapelle.“  

Welches Wort magst du besonders gern? „Vögeli.“  

Welches Wort magst du gar nicht? „Gruusig, das ist so ein blödes Wort.“

Was kann Papa ganz besonders gut? „Gitarre spielen.“ 

Was kann Mama besonders gut? „Schiffchen falten.“  

Welches Buch magst du ganz besonders? „Mein Lesebuch. Und Carola, weil die keinen Käse mag und weil sie vor nichts Angst hat.“ 

Was würdest du verändern, wenn du Königin wärst? „Zu mir nachhause kommen und Königswegglein backen und Spaghetti kochen.“

Was kannst du besser als Mama und Papa? „Mit dem Trottinett fahren. Und ihr solltet noch etwas besser schauen, ob ihr Marienkäfer seht, die zusammen gebären, also das ist wie ein Marienkäferbaby heiraten.“

Was sammelst du? „Muscheln.“

Wie bringst du andere zum lachen? „Wenn Äm weint, mache ich sie manchmal nach, dann lacht sie.“

Erzählst du deinen Lieblingswitz?„Soll ich einen von Globi erzählen? Einmal an einem Tag ist Glob aufs WC gegnagen und er hat gesehen, dass grade hinter ihm niemand war, aber das WC war verkehrt und Globi musste gegen die Wand schauen, dann ist Äm hinter ihm gestanden, dann hat Globi sich umgedreht und ist plumps ins WC gefallen.“  

Welchen Wunsch hast du?„Ich möchte ein Glitzerstift sein, ein goldener, dann könntest du mich aufheben und schöne Sachen auf ein Blatt leimen und ich wäre nie verstopft, aus mir würde immer von Anfang an ganz viel rauskommen.“

Was macht dich wütend? „Wenn A. mir sagt, ich sei doof. Und das hat A. mir auf dem Spielplatz schon oft gesagt, an einem Tag sehr oft, gell fies!?.“

Was findest du lustig? „Wenn Äm mir sagt, ich sei frech Wenn R. mir sagt, ich sei ein Lölibänz.“

Möchtest du einmal Kinder haben? Wieviele? „Ja. Fünf. Zusammen mit Äm. „

Was möchtest du gut können? „Den Kopfstand.“

Wovor fürchtest du dich? „Wenn T. Blödsinn macht und wenn ich alleine die Treppe rauf gehe und kein Licht brennt. Aber ich weiss doch auch nicht wovor genau.“

Wohin möchtest du reisen? „Nach Interlaken um dort zu schlafen. Viele Leute reisen nach Interlaken. Da gibt es auch Leute, die sind behindert.“ (Zu unserer Verteidigung: Sie spricht von Herrn G.s Schülern.)

Was spielst du am liebsten alleine? „Eisenbahn.“ 

Was spielst du am liebsten mit anderen? „Basteln und mit Äm am liebsten rumhüpfen.“ 

Was macht dich traurig? „Dass ds Söckli (Hamster im Kindergarten) gestorben ist.“

Was macht dich glücklich? „Wenn alle Kinder bei mir sind.“  

Warum heisst du, wie du heisst? „Als ich ein Baby war, hast du mir diesen Namen gegeben weil du den Namen schön fandst.“

Was machst du, wenn du gross bist? „Ich werde Bäuerin und arbeite mir Pferden, weißt du, ich wohne bei Emee und arbeite im Pferdestall da in der Nähe.“

Wen oder was findest du niedlich? „Kleine Kätzchen und J. den Nachbarn.“

Worüber hast du zuletzt mit jemandem gestritten? „Mit Äm, aber ich habe es schon nicht mehr im Kopf, das fällt immer raus, wenn ich träume.“  

Was machst du, obwohl du es nicht tun solltest? „Äm umschupsen.“

Worüber möchtest du gerne mehr wissen? „Wie dass man Fische fängt.“

Wenn du ein Tier wärst, welches Tier wärst du? Mama? Papa? Äm? „Ich = Einhorn. Mama = Mamaeinhorn. Papa = Kuh. Äm = Die junge Kuh, also das Kälblein.“ (Ich hoffe schwer, dass hier keine Psychologen mitlesen.)

Wie siehst du aus? „Ich weiss es nicht so recht, du siehst mich besser. Ganz blond, sehr dünn, mit einem Popel in der Nase, blinzelnd mit sehr braunen Augen.“  

In wen/was möchtest du dich einen Tag lang verwandeln? „In einen Engel, dann würde ich fliegen, nach Afrika zum Beispiel, dort würde ich so rumlaufen und rumgucken und das Meer sehen.“

Was ist das schönste, was du in diesem Jahr gemacht hast? „Das Muttertagsgeschenk für dich.“

An welchen Traum erinnerst du dich? „Ja, von Pipi Langstrumpf, da passierten viele Dinge, ich kann das nicht alles sagen.“

***

Die Antworten auf dieselben Fragen vor einem Jahr:

Frag die Y am 4. Geburtstag  

2 Kommentare

Eingeordnet unter Elternsein, Frage, Neulich, Ypsilönchen

Pro Fundbüro


(Der folgende Artikel erschien als Blogpost im Blog der Schweizerischen Bundesbahnen.)

Menschen wie ich, ich spreche von Menschen, die ihre Brille im Kühlschrank wieder finden oder beim Spielen dem Hund irrtümlich das Mobiltelefon, anstatt den Tennisball zuwerfen, ich spreche von Menschen, die von Zeit zu Zeit etwas zerstreut durch den Alltag irren, diese Menschen mögen Fundbüros.

Es begab sich also, dass ich morgenroutiniert auf dem Pendlerweg eine Station vor Ankunft am Arbeitsort damit begann, mich so einzurichten, dass ich sämtliche Utensilien für einen sofortigen Arbeitsstart in Griffnähe habe. Wichtigstes Objekt hierfür ist mein Schlüsselbund, den ich jeweils an meiner Hose befestige. Ohne den Schlüssel komme ich weder irgendwo rein, noch irgendwo wieder raus. Nachdem ich die Hälfte des Tascheninhalts über die beiden Sitze vor mir verteilt hatte, fand ich endlich den Schlüssel und legte ihn aufs Zugtischchen, überlegte, ob ich ihn nicht lieber gleich befestigen sollte, entschied mich dagegen, verstaute Aufgeräumtes entweder zurück in meine Tasche, oder direkt in den Müll, als mein Telefon klingelte*. Ein Notfallanruf** von einer wichtigen Person***, wegen irgendwas Lebenswichtigen****. Gerät und Inhalt absorbierten mich für einige Sekunden. Der Zug fuhr ein, ich stieg aus und marschierte strammen Schrittes Richtung Arbeitsort.

Der Schock.
Vor verschlossener Tür tastete ich mit geübtem Handgriff nach Einlasshilfe in Schlüsselform und griff ins Leere. Es war einer dieser Momente, in denen das Herz mir direkt durch den Beckenboden gen Untiefen rutschte und ich das zugeführte Koffein in Spritzfontänen wieder ausschwitzte. Der Schlüssel war weg! In derselben Sekunde wurde mir auch klar, dass das Unglück ganz typischerweise in dem Moment geschah, als ich mich kurz der Gedanke streifte, den Schlüssel nicht nur abzulegen, sondern zu befestigen, und ich mich dagegen entschied. Nach einigen Versuchen, unter Fluchen in der Zeit einige Minuten zurück zu reisen, blieb mir nur noch die stille Resignation und das Betätigen der Hausklingel. Man gewährte mir gnädigerweise Einlass, ohne mich all zu sehr zu belächeln, ich begab mich auf direktem Weg an den Computer und formulierte auf sbb.ch eine Verlustmeldung.

Der Jöö-Effekt.
Meine Verzweiflung war gross, meine Motivation durch detailgetreue Beschreibung des Schlüsselbunds den Sucherfolg zu erhöhen ebenso. Ich bemühte mich also sehr und formulierte einen zweiseitigen Suchbeschrieb samt Fotozugabe. (Nicht vom Schlüsselbund, aber von Charlotte (meinem Hund) in Welpentagen, Welpenbilder kommen immer gut an und mit einigen zusätzlichen Glückshormonen intus würde der Suchzuständige sicherlich noch erfolgreicher sein.) Den Rest des Tages verbrachte ich beim Unterrichten, zwischenzeitlich unterbrochen von diesen Herz-Beckenboden-Koffeinfontäne-Momenten, wenn mir wieder einfiel, dass mein Schlüssel irgendwo da draussen war, allein, schutzlos, die Wegbeschreibung, Adresse und Art seines Einsatzortes schön auf laminiertem Kärtchen mitgeliefert, sehr praktisch für den Finder mit kriminellen Tendenzen.

Verlustmeldung

Der Deo-Dieb.
Nachts alpträumte ich Episches von ausgeräumten Schulräumen und davon, dass ich bei meiner Ankunft bemerke, dass die bösen Diebe, denen ich so unterstützend in die Hand vorgearbeitet hatte, sogar meinen Deodorantroller mitgenommen haben. Ausgerechnet! Denn was ist in dieser Situation wichtiger als Deodorant!? Jedenfalls war die Nacht nicht sehr erholsam und ich fand das Weckerklingel am Morgen ausnahmsweise ziemlich lieblich. Ich startete in den Tag, versuchte meine Morgenroutinen trotz den Herz-Beckenboden-Sie-wissen-schon-Momenten beizubehalten und war, am Arbeitsort angekommen, sehr erleichtert meinen Deodorantroller und den Rest noch vorzufinden. Als ich schliesslich um 9 Uhr noch eine Mail mit dem Bescheid erhielt, dass meine Schlüssel wieder gefunden wurden und ich ihn am Zürcher Hauptbahnhof abholen könne, war mir nach Intonierung einer Lobeshymne ans Fundbüro der SBB.

Das Wiedersehen.
Aufgrund der Tatsache, dass ich aber gerade in einer Sitzung war, verzichtete ich zum Wohle aller auf eine Gesangseinlage und freute mich kopfintern. Im Anschluss an den Arbeitsschluss eilte ich direkt zum Fundbüro, schloss die Schlüssel in meine Arme, beschloss, fortan sei Schluss mit der Schusselei und übte die nötigen Handgriffe zur Verhinderung ähnlicher Unglücke mehrfach im Trockenen: Schlüssel raus, befestigen, aussteigen. Schlüssel raus, befestigen, aussteigen. Schlüssel raus, befestigen, aussteigen. Ich bin gefeit. Die Tasche hat mir bisher auch immer irgendwer hinterher getragen. Schlüssel raus, befestigen, Tasche umhängen, aussteigen. Danke.

 

 

* vibriert
** Twitter eine Pushmitteilung sendet
*** von irgend so einem-r Twitterer-in
**** aus Gründen

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gfötelet, Hundende, Neulich, SBB Blog, Zügiges

Reise 2014 – Die Baustellen II.


Seit meinem letzten Baustellenartikel hat sich einiges getan und ich halte fest:

Baustelle 1: Der Gefährte

Wir arbeiten an einem partiell neuen, optimierten Ausbau, beziehungsweise, eigentlich ist der schon angefertigt, leider mussten wir nach einer Testsitzung im Gefährteninnern feststellen, dass wir vergessen haben mit einzubeziehen, dass es von Vorteil wäre, wenn sich die Türe trotz Ausbau weiterhin von innen öffnen liesse, gegen das Fallengefühl und so, Sie verstehen.

Ausserdem haben wir an der Dachverkleidung einige Schimmelstellen gefunden und müssen also das Dach innerlich gänzlich neu auskleiden. Weiter fehlt dem Gefährten hier und da etwas Gemütsschnickschnack und Wohlfühlschischi. Von äusserlichen Veränderung sehen wir, trotz kurzer entsprechender Gedankenstreifung, ab, gerade das unauffällige, weisse Antlitz eines Lieferwagens hat und auf der letzten Reise einige ausserordentliche Übernachtungsmöglichkeiten eröffnet.

Das Dach ist schimmelfrei und sieht sauberer und professioneller aus als je, auch lässt sich mittlerweil die Tür wieder von innen öffnen, echter Luxus eben. Es fehlen nur noch Kleinigkeiten, wie Dachverschönerungsleisten, Bettlakenspannhilfen, ein Teppich für den Fahrerbereich und etwas Elektrik. Ausserdem spielen wir mit dem Gedanken, uns eine Dachbox anzuschaffen, denn immerhin müssen wir zwar heuer keine Windeln und Kinderwagen mehr auf Reise nehmen, dafür zwei Fahrräder und Hundefutter.

Baustelle 2: Die Wohnung

Um unsere Reisekasse zu füttern würden wir gerne unsere Wohnung untervermieten. Wer also gerne einen Sommer in Bern verbringen möchte, melde sich! Wir bieten 3,5 von 4,5 Zimmern, einen riesigen Garten, direkt am Waldrand (Mit etwas Glück sieht man morgens Rehe im Garten äsen. Ehrenwort!), mit zwei Balkonen und einer Terrasse, 10 Busminuten vom Hauptbahnhof entfernt (in Stosszeiten fährt er alle 6 Minuten), eine Fussminute von der Aaare (Fluss) entfernt, die hier zahlreiche Bademöglichkeiten bietet und über einen Tunnel verfügt, der fünf Minuten Marschzeit mit 15 Minuten Schwimmzeit belohnt und für den Viele sogar längere Anfahrtswege in Kauf nehmen. Bei Interesse und ausgiebigerem Informationsbedürfnis schrieben Sie an: gminggmangg@gmail.com

Diesen Punkt können wir guten Gewissens als erledigt betrachten. Der Zufall wollte es, dass Freunde von uns, deren Wohnung in diesem Zeitraum umgebaut wird, gerne unser Haus beleben und den Garten beackern würden. Das ist zwar finanziell wenig lohnenswert, dafür ist unser Aufwand auch deutlich kleiner und wir wissen unsere Gemächer gut versorgt.

Baustelle 3: Die Arbeit

Uns wurde zwar unbezahlter Urlaub zugesprochen, aber als Lehrer und Klassenverantwortliche tut man sich keinen Gefallen, wenn man der Vertretung gänzlich freie Hand und unter Umständen Themen bearbeiten lässt, die für später vorgesehen sind. Deswegen bereite ich den Unterricht für die 7 Wochen meiner Abwesenheit so gut als möglich vor. Ausserdem fallen auf Ende Schuljahr Gespräche, Zeugnisse und diverse Berichte an, die alle relativ viel Zeit beanspruchen.

Hier ist wohl noch die grösste Baustelle zu finden. Es steht, wie immer Ende Schuljahr, noch unglaublich viel Arbeit an, die ich erst jetzt oder noch später angehen kann, weil die konkreten Rahmenbedingungen für nächstes Schuljahr noch nicht bekannt sind und eine sinnvolle Vorbereitung verunmöglichen. Das ist nichts Besonderes, aber in Anbetracht aller anderen Auftragspunkte relativ nervenaufreibend. Dazu kommen der alljährliche Horror rund um die Koordination unserer Arbeitspläne, der KiTaplätze und des Kindergartens. Gerade gestern wurden die bereits gemachten Pläne nochmal kurz aufgemischt, weil man im Kindergarten beschlossen hat, die Nachmittagsstunden mal eben spontan von Dienstag auf Donnerstag zu verschieben.

Baustelle 4: Äm-Gesundheit

Äm war immer schon relativ oft und oftmals unter seltsamen Umständen und mir untypischen Symptomen kranke, aber seit Jahresbeginn hat diese Neigung zu schier unerträglicher Intensität zugenommen, ihr Immunsystem scheint derart geschwächt, dass sie jeden Infekt nimmt, der ihr so begegnet. Wir verzeichnen 1x unerklärlich hohe Entzündungswerte mit Fieber, 1x Mittelohrenentzündung, 1x Ringelröteln und 1x fiebriges Grippen in den letzten 5 (fünf!) Wochen. Wenn sie bis im Juli nicht nachhaltig gesünder wird, werden wir die Reise um mindestens zwei Jahre verschieben müssen.

Äm ist deutlich seltener krank, nicht zu vergleichen mit der Zeit dich ich obenstehend beschrieb. Sie hat regelmässig was an den Ohren, aber wir werden unsere Kinderärztin bitten, uns dafür flächendeckend für die Reise zu versorgen, in der Hoffnung, nichts davon je zu brauchen.

Baustelle 5: Der Welpe

Bis in 157 Tagen möchten wir einen einigermassen erzogenen Hund herantrainiert haben. Ich denke, dass wir uns da auf bestem Wege befinden, die wichtigsten Kommandos kennt sie, die Charlotte, jetzt arbeiten wir noch an der unbändigen, überschwänglichen Freude, beziehungsweise den zahnlastigen Freudebekundungen, wenn Menschen (es spielt keine Rolle wie bekannt oder fremd) ihr ihre Aufmerksamkeit widmen. Das Wort „Nein.“ Ist hier jedenfalls oft in Gebrauch, auch wenn sich der Welpe grösstenteils sehr bemüht, unter besonders strengem Blick vor lauter Beflissenheit gleich das ganze Repertoire potentiell erwünschten Verhaltens präsentiert und dabei zwischen Sitz, Platz und Pfote rotiert, bis wir Einhalt gebieten.

Der Welpe ist kein Welpe mehr, sondern teenagert lustig vor sich hin. Grössenmässig sollte Charlotte mittlerweile einigermassen ausgewachsen sein, jedenfalls behauptet das unser Tierarzt, jedenfalls ist sie nach wie vor relativ klein, bzw. hat nicht die Grösse, die wir uns bei der bewussten Wahl einer Labrador-Bernersennenkreuzung gewünscht haben. Wahrscheinlich muss das aber so, den optisch passt sie so bestens zu uns Vorgartenzwergen. Nach wie vor Thema ist die übermässige Freude und Neugierde beim Zusammentreffen Fremden und Bekannten, die meist in spontanen Pipipfützen resultieren, in denen sie sich zum krönenden Abschluss auch noch suhlt. Ansonsten ist sie stubenrein und meist gehorcht sie aufs Wort und kommt, platzt, sitzt, wartet, sucht, springt, isst, pinkelt, gräbt, schwimmt, leinenläuft und rennt auf unser Kommando und auch bei Ablenkung.

Baustelle 6: Die Ukraine

Ich möchte nach Odessa fahren und das ziemlich unbedingt, aber die Lage in der Ukraine ist momentan nicht nur entspannt, besonders in den Städten und mit kleinen Kindern möchte ich mich dann doch nicht in all zu konfliktgeladene Gebiete begeben. Ich wünsche mir also Entspannung für die Ukraine und, wenn wir schon dabei sind, auch gleich für den Rest der Welt. Danke.

Diese Baustelle ist nunmehr eine Ruine, denn die Ukraine haben wir, nach dem ich immer mal wieder noch etwas Hoffnung hatte, als Reiseziel vorerst verabschiedet. Unsere momentane, ungefähre Routenplanung verläuft über Italien, Slowenien, Kroatien, Mazedonien, eventuell Kosovo, Rumänien, Bulgarien, dem Schwarzen Meer entlang in die Türkei, da ins Landesinnere, nach Griechenland, per Fähre nach Italien, danach zurück in die Schweiz. Bleibt zu hoffen, dass die Türken Herrn Erdogan einigermassen friedlich ab- und  zu Gunsten von sozialem Verständnis, Aufgeschlossenheit und Menschenrechten ersetzen und wir das Land, das mir seit unseren diversen Reisen so sehr am Herzen liegt, wie geplant besuchen können.

 

4 Kommentare

Eingeordnet unter Reise 2014, Reisen, Reisen mit Kindern

Gefährten, Gripen und Greise


Ich hätte gern ein grosses, teures, modernes Gefährt mit schicker Optik. Eins mit dem wir in bis in die Mongolei fahren könnten, dem der Strassenzustand nichts ausmacht, weil es auch auf unbefestigter Strasse problemlos zurecht kommt. Ich hätte gerne ein Gefährt mit Solaranlage, integriertem Wassertank, grosszügigen Betten und einem netten Plätzchen für das Hundevieh. Nun ist es aber leider so, dass wir uns das nicht leisten wollen. Wir wollen uns kein Supergefährt leisten, weil das Geld anderswo besser aufgehoben ist. Beispielsweise in der Miete, für diesen Traum von Wohnung, oder in der geplanten Privatbeschulung unserer Kinder. Der Gefährte hat Mängel, Baustellen und Suboptimalitäten, aber er wird uns mit grosser Wahrscheinlichkeit auch auf nahender Reise wieder an Orte bringen, deren Schönheit wir auch in Komfortgefährt nicht schöner empfinden würden. Ja, eigentlich wollte ich mich hier grad über die Tatsache beklagen, dass ich, vom Leben verwöhnt, wie ich bin, etwas nicht haben kann, was ich gar nicht brauche. Und gleich danach fällt mir ein, dass ich mich, wenn es um dieselbe Entscheidung auf nationaler Ebene geht, problem- und vorbehaltlos dagegen entscheiden kann. Ich will keine Gripen. Und ich danke Herrn Maurer der DAS Argument, das der Bedrohung von Aussen, durch dümmlich-chauvinistische Sprüche, gleich selber so massgeblich entkräftete, dass dem Volk der Gedanke bedroht und von derartigen Regierungsmitgliedern befreit zu werden, gar nicht mehr so schlimm erscheint. Aber ich schreibe mich hier in Rage, wo ich doch eigentlich erstens jammern und zweitens von unseren geänderten Reiseplänen* schreiben wollte. Letztere führen uns, aus naheliegenden Gründen, nicht in die Ukraine, dafür haben andere irre Politiker gesorgt, aber das ist ein anderes Thema. An dieser Stelle möchte ich den Rentnern, die mich gestern aus dem gegenüberliegenden Abteil mit ihrer Diskussion über die Gripen-Abstimmung herrlichst unterhalten haben, herzlich danken und den unzusammenhängenden, entgleisten Artikel mit ihren Worten schliessen:

20140506-202336.jpg

*Mehr dazu heute später, morgen oder sonstwann.

3 Kommentare

Eingeordnet unter Neulich, Reise 2014, Zügiges