Reise 2014 – Die Baustellen II.


Seit meinem letzten Baustellenartikel hat sich einiges getan und ich halte fest:

Baustelle 1: Der Gefährte

Wir arbeiten an einem partiell neuen, optimierten Ausbau, beziehungsweise, eigentlich ist der schon angefertigt, leider mussten wir nach einer Testsitzung im Gefährteninnern feststellen, dass wir vergessen haben mit einzubeziehen, dass es von Vorteil wäre, wenn sich die Türe trotz Ausbau weiterhin von innen öffnen liesse, gegen das Fallengefühl und so, Sie verstehen.

Ausserdem haben wir an der Dachverkleidung einige Schimmelstellen gefunden und müssen also das Dach innerlich gänzlich neu auskleiden. Weiter fehlt dem Gefährten hier und da etwas Gemütsschnickschnack und Wohlfühlschischi. Von äusserlichen Veränderung sehen wir, trotz kurzer entsprechender Gedankenstreifung, ab, gerade das unauffällige, weisse Antlitz eines Lieferwagens hat und auf der letzten Reise einige ausserordentliche Übernachtungsmöglichkeiten eröffnet.

Das Dach ist schimmelfrei und sieht sauberer und professioneller aus als je, auch lässt sich mittlerweil die Tür wieder von innen öffnen, echter Luxus eben. Es fehlen nur noch Kleinigkeiten, wie Dachverschönerungsleisten, Bettlakenspannhilfen, ein Teppich für den Fahrerbereich und etwas Elektrik. Ausserdem spielen wir mit dem Gedanken, uns eine Dachbox anzuschaffen, denn immerhin müssen wir zwar heuer keine Windeln und Kinderwagen mehr auf Reise nehmen, dafür zwei Fahrräder und Hundefutter.

Baustelle 2: Die Wohnung

Um unsere Reisekasse zu füttern würden wir gerne unsere Wohnung untervermieten. Wer also gerne einen Sommer in Bern verbringen möchte, melde sich! Wir bieten 3,5 von 4,5 Zimmern, einen riesigen Garten, direkt am Waldrand (Mit etwas Glück sieht man morgens Rehe im Garten äsen. Ehrenwort!), mit zwei Balkonen und einer Terrasse, 10 Busminuten vom Hauptbahnhof entfernt (in Stosszeiten fährt er alle 6 Minuten), eine Fussminute von der Aaare (Fluss) entfernt, die hier zahlreiche Bademöglichkeiten bietet und über einen Tunnel verfügt, der fünf Minuten Marschzeit mit 15 Minuten Schwimmzeit belohnt und für den Viele sogar längere Anfahrtswege in Kauf nehmen. Bei Interesse und ausgiebigerem Informationsbedürfnis schrieben Sie an: gminggmangg@gmail.com

Diesen Punkt können wir guten Gewissens als erledigt betrachten. Der Zufall wollte es, dass Freunde von uns, deren Wohnung in diesem Zeitraum umgebaut wird, gerne unser Haus beleben und den Garten beackern würden. Das ist zwar finanziell wenig lohnenswert, dafür ist unser Aufwand auch deutlich kleiner und wir wissen unsere Gemächer gut versorgt.

Baustelle 3: Die Arbeit

Uns wurde zwar unbezahlter Urlaub zugesprochen, aber als Lehrer und Klassenverantwortliche tut man sich keinen Gefallen, wenn man der Vertretung gänzlich freie Hand und unter Umständen Themen bearbeiten lässt, die für später vorgesehen sind. Deswegen bereite ich den Unterricht für die 7 Wochen meiner Abwesenheit so gut als möglich vor. Ausserdem fallen auf Ende Schuljahr Gespräche, Zeugnisse und diverse Berichte an, die alle relativ viel Zeit beanspruchen.

Hier ist wohl noch die grösste Baustelle zu finden. Es steht, wie immer Ende Schuljahr, noch unglaublich viel Arbeit an, die ich erst jetzt oder noch später angehen kann, weil die konkreten Rahmenbedingungen für nächstes Schuljahr noch nicht bekannt sind und eine sinnvolle Vorbereitung verunmöglichen. Das ist nichts Besonderes, aber in Anbetracht aller anderen Auftragspunkte relativ nervenaufreibend. Dazu kommen der alljährliche Horror rund um die Koordination unserer Arbeitspläne, der KiTaplätze und des Kindergartens. Gerade gestern wurden die bereits gemachten Pläne nochmal kurz aufgemischt, weil man im Kindergarten beschlossen hat, die Nachmittagsstunden mal eben spontan von Dienstag auf Donnerstag zu verschieben.

Baustelle 4: Äm-Gesundheit

Äm war immer schon relativ oft und oftmals unter seltsamen Umständen und mir untypischen Symptomen kranke, aber seit Jahresbeginn hat diese Neigung zu schier unerträglicher Intensität zugenommen, ihr Immunsystem scheint derart geschwächt, dass sie jeden Infekt nimmt, der ihr so begegnet. Wir verzeichnen 1x unerklärlich hohe Entzündungswerte mit Fieber, 1x Mittelohrenentzündung, 1x Ringelröteln und 1x fiebriges Grippen in den letzten 5 (fünf!) Wochen. Wenn sie bis im Juli nicht nachhaltig gesünder wird, werden wir die Reise um mindestens zwei Jahre verschieben müssen.

Äm ist deutlich seltener krank, nicht zu vergleichen mit der Zeit dich ich obenstehend beschrieb. Sie hat regelmässig was an den Ohren, aber wir werden unsere Kinderärztin bitten, uns dafür flächendeckend für die Reise zu versorgen, in der Hoffnung, nichts davon je zu brauchen.

Baustelle 5: Der Welpe

Bis in 157 Tagen möchten wir einen einigermassen erzogenen Hund herantrainiert haben. Ich denke, dass wir uns da auf bestem Wege befinden, die wichtigsten Kommandos kennt sie, die Charlotte, jetzt arbeiten wir noch an der unbändigen, überschwänglichen Freude, beziehungsweise den zahnlastigen Freudebekundungen, wenn Menschen (es spielt keine Rolle wie bekannt oder fremd) ihr ihre Aufmerksamkeit widmen. Das Wort „Nein.“ Ist hier jedenfalls oft in Gebrauch, auch wenn sich der Welpe grösstenteils sehr bemüht, unter besonders strengem Blick vor lauter Beflissenheit gleich das ganze Repertoire potentiell erwünschten Verhaltens präsentiert und dabei zwischen Sitz, Platz und Pfote rotiert, bis wir Einhalt gebieten.

Der Welpe ist kein Welpe mehr, sondern teenagert lustig vor sich hin. Grössenmässig sollte Charlotte mittlerweile einigermassen ausgewachsen sein, jedenfalls behauptet das unser Tierarzt, jedenfalls ist sie nach wie vor relativ klein, bzw. hat nicht die Grösse, die wir uns bei der bewussten Wahl einer Labrador-Bernersennenkreuzung gewünscht haben. Wahrscheinlich muss das aber so, den optisch passt sie so bestens zu uns Vorgartenzwergen. Nach wie vor Thema ist die übermässige Freude und Neugierde beim Zusammentreffen Fremden und Bekannten, die meist in spontanen Pipipfützen resultieren, in denen sie sich zum krönenden Abschluss auch noch suhlt. Ansonsten ist sie stubenrein und meist gehorcht sie aufs Wort und kommt, platzt, sitzt, wartet, sucht, springt, isst, pinkelt, gräbt, schwimmt, leinenläuft und rennt auf unser Kommando und auch bei Ablenkung.

Baustelle 6: Die Ukraine

Ich möchte nach Odessa fahren und das ziemlich unbedingt, aber die Lage in der Ukraine ist momentan nicht nur entspannt, besonders in den Städten und mit kleinen Kindern möchte ich mich dann doch nicht in all zu konfliktgeladene Gebiete begeben. Ich wünsche mir also Entspannung für die Ukraine und, wenn wir schon dabei sind, auch gleich für den Rest der Welt. Danke.

Diese Baustelle ist nunmehr eine Ruine, denn die Ukraine haben wir, nach dem ich immer mal wieder noch etwas Hoffnung hatte, als Reiseziel vorerst verabschiedet. Unsere momentane, ungefähre Routenplanung verläuft über Italien, Slowenien, Kroatien, Mazedonien, eventuell Kosovo, Rumänien, Bulgarien, dem Schwarzen Meer entlang in die Türkei, da ins Landesinnere, nach Griechenland, per Fähre nach Italien, danach zurück in die Schweiz. Bleibt zu hoffen, dass die Türken Herrn Erdogan einigermassen friedlich ab- und  zu Gunsten von sozialem Verständnis, Aufgeschlossenheit und Menschenrechten ersetzen und wir das Land, das mir seit unseren diversen Reisen so sehr am Herzen liegt, wie geplant besuchen können.

 

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Reise 2014, Reisen, Reisen mit Kindern

4 Antworten zu “Reise 2014 – Die Baustellen II.

  1. Wow. (Mehr kann man nicht dazu sagen.)

      • Man wird einfach mit vorfreudig! Der Plan nimmt immer mehr Gestalt an und die Hindernesse werden nach und nach aus dem Weg geräumt.
        Das klingt einfach unglaublich toll, mit dem Gefährt einige Wochen unterwegs zu sein, auch wenn das jetzt erst noch viel Vorbereitungsarbeit erfordert.
        Der Artikel hat meine Reiselust noch etwas mehr geweckt (dabei ist sie eigentlich schon sehr, sehr wach, muss aber leider etwas zurückstecken gerade).

  2. mammasusanna

    Schön! Wir haben auch das Dachzelt montiert, das Ersatzrad von der Hintertüre abmontiert, da diese wegen ihrem Alter und dem Gewicht des Rades ziemlich schlottrig war und heute grad die Fähre gebucht. Und in 3 Wochen sind wir schon dort, auch wenn auch für „nicht so lang“.

    Falls wir uns doch nicht mehr sehen: ich kann Euch in der Türkei im Landesinneren folgenden Ort sehr empfehlen: Midas Şehir bei Yazılıkaya, nebst sehr schöner Landschaft eine phrygische Ruinenstätte. Wir hatten dort 2 wunderschöne Tage.

    (Wir waren auch rund um Egirdir/Antalya/Kas/Marmaris, falls ihr ein Besuch der Seen und der Lykische Küste im Sinn habt und Tipps braucht… Allerdings ist dort alles ziemlich Easy… Von Marmaris hats eine Fähre nach Rhodos, für autofahrfaule…)

    Grüsse und freut euch, juhu, abfahren!

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