Monatsarchiv: Juni 2014

10 Punkte, die Sie bei der Durchführung von Kindergeburtstagen beachten sollten


Es war grad erst Mai. Der Monat, in dem all meine Kinder geboren wurden, der Monat in dem ich mir über Geschenke Gedanken muss, die einerseits meinem pädagogischen Anspruch genügen und anderseits dem Kind auch entfernt attraktiv erscheinen, und der Monat, in dem ich mich damit auseinandersetzen musste, dass das grosse Kind sich einen Kindergeburtstag mit KollegInnen aus Kindergarten und Quartier wünscht. Meine inneren Sinne fantasierte panisch von kreischenden Kinderhaufen, Trotzenden und Verletzten und ich hatte Angst. Ich hatte sowas noch nie gemacht. Trotzdem kam ich nach eingehendem Studium der Geburtstagsfeste, die Kind1 nun besucht hat, und entsprechenden Recherchen im Internet, auf einige Anhaltspunkte an die ich mich klammern konnte und möchte meine Erkenntnisse mit Ihnen teilen.

Was man für die Durchführung eines Kindergeburtstags beachten muss:

1.) Kinderschar

Laden Sie alle Kinder ein, die Ihr Kind kennt, dazu zählen alle Kinder, deren Namen Sie oder Ihr Kind kennen. Ein, zwei Kinder machen noch keine Party, richtig lustig wird es erst, wenn Sie zur Festdurchführung noch mindestens fünf Helfer anwerben müssen.

2.) Thema

Überlegen Sie sich ein passendes, möglichst episches Thema, zum Beispiel Herr der Ringe, dem Sie danach alles, anpassen, von den Einladungen über die Dekoration bis hin zu Kuchen und Mitgebseln. Wenn sich gar noch passende Gäste finden, wie im themenfalle Herr der Ringe, ein gandalfiger Greis oder ein golumähnliches Kind, um so besser.

3.) Einladung

Gute Pädagogen wissen: Kinder verstehen am besten, was ihnen ganzheitlich gelehrt wird. Gestalten sie deshalb eine themenbezogene Geburtstagseinladung, die alle Sinne anspricht. Es ist also angebracht, irgendwas Tast-, Fühl-, Seh-, Riech- und Hörbares zu gestalten und es kann wirklich nicht schaden, wenn die Einladung auch bedenkenlos abgeleckt und angekaut werden könnte.

4.) Dekoration

Beginnen Sie einige Woche nach der vorangegangenen Geburtstagsparty mit der Planung des nächsten Kinderfestes, denn es ist wichtig, dass sie die Dekoration, dazu zähle ich nun einfachheitshalber auch passende Kostüme, selber anfertigen. Scheren Sie Ihre Schafe! Fällen Sie Ihre Bäume! Spinnen, weben, steinmetzen und drechseln Sie was das Zeug hält! Und keine Angst vor kleinen bis mittleren themenbedingten Hausumbauprojekten, es lohnt sich!

5.) Torte

Auch die mehrschichtige Torte sollte selbstredend dem Partythema entsprechend gestaltet sein. Das ist kein Hexenwerk, mit etwas Übungsvorlauf und einigen Wochen tatsächlicher Produktionszeit sind die paar Olifanten, Orks und Hobbits aus Marzipan im Handumdrehen geknetet, und auch das Versehen der Tortenrestflächen mit filigranen, beispielsweise den Yakbutterornamenten tibetanischer Klöster nachempfundenen Verzierungen, sollte Sie nicht unverhältnismässig viel Zeit kosten. Ihr Kind wird die selbstgegossenen Kerzen mit um so mehr Vergnüngen ausspucken!

6.) Basteln

Es ist von evidenter Wichtigkeit, dass Sie während des Fests mit den Kindern irgendeine Bastel- oder Werkwerk anfertigen. Geeignet hierfür sind Action-Paintingsequenzen, das Schnitzen überlebensgrosser Selbstbildnisskulpturen, Glasbläsereien oder Schweiss-, Giess- und Lötarbeiten, selbstredend alles themenbezogen und ganzheitlich.

7.) Animation

Sorgen Sie für angemessene Animation, beschränken Sie sich bei den Selbstinszenierungen, so sehr Sie diese auch nachvollziehbarerweise mögen würden, auf ein kleines Intro, eine Gesangs-, Steeldrum- oder Ausdruckstanzeinlage oder Ähnliches, überlassen Sie das Finale aber dem Animations- und/oder Stargast, ihr Kind wird das, je älter je mehr, zu schätzen wissen.

8.) Schatzsuche

Dass Schatzsuchen zwingend zu jedem Kindergeburtstag dazugehören, hat mich nicht das Internet, sondern das wahre (Quartier)Leben gelehrt. Hier bei müssen Sie nur beachten, dass eine Schatzsuche überhaupt stattfindet, es spielt keine Rolle, ob die Suche sich über 10 Meter oder 10 Kilometer erstreckt, allerdings müssten sie für letztere Variante, zumindest bis zum Kindesalter von 6 Jahren, für ein, zwei Übernachtungsmöglichkeiten unterwegs sorgen. Was sich in der Schatztruhe befindet, ist ebenfalls zweitrangig, gewitzt ist es aber, die obligaten Mitgebsel gleich da zu verstauen.

9.) Mitgebsel

Ein allzeit guter Grundsatz, wenn es um die Frage von Schwere und Umfang des Mitgebsels geht, ist die Verinnerlichung des Verhältnisses 1:2. Pro Kilogramm Kind ergibt das ungefähr genau zwei Kilogramm Mitgebsel. Wo Ihnen ansonsten gesunde Ernährung und Bioprodukte wichtig sind, dürfen, ja müssen Sie sich hier zurückhalten. Achten Sie auf möglichst hohen, konzentrierten Zuckergehalt, legen Sie Tattookleber bei und vergessen Sie nicht: Mädchen wollen unbedingt alles rosa und glitzern mit Einhörnern und niedlichen Kätzchen und Jungen wollen gerne Blau, Grau, Superhelden und Fahrzeuge.

10.) Erinnerungsfoto

Zum Schluss ist es wichtig, jede Sequenz auf Erinnerungsfotos festzuhalten. Hier dürfen Sie ruhig einen etwas strengeren Ton anschlagen und Szenenwiederholungen verlangen, immerhin soll das Foto danach sowohl im eigenen Fotoalbum Platz finden, als auch an die Eltern der teilnehmenden Kindern versandt werden.

 

Für Sie zusammengestellt von Frau G. aus B.

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Meine Mutter weiss, dass ich keine Pilze mag.


Als ich jünger war, viel jünger, ungefähr 28 Jahr jünger, also etwa mit zwei Jahren, kochte meine Mutter Pilzrisotto. Ich mochte den Risotto nicht und kommunizierte dies ziemlich deutlich. Meine Mutter überlegte kurz und ging die beigefügten Zutaten innerlich durch. Ich stelle mir das etwa so vor: „Hmmm… Reis und Gemüse mag sie normalerweise, Zwiebeln isst sie meist im Kontext mit und sogar Weisswein verschmäht sie nicht, zumindest wenn er kurz unbeachtet auf dem Salontischchen rumsteht, es MUSS ALSO AN DEN PILZEN LIEGEN!“ An jenem Tag beschloss meine Mutter, mich fortan vor ähnlich leidvollen gustatorischen Erfahrungen zu schützen und all ihre Kraft und Muse dafür einzusetzen, dass ich nie wieder auch nur an Pilzen lecken muss. Wann immer ich eines ihrer Gerichte verschmähte, rief sie enttäuscht: „Aber da hat es doch gar keine Pilze drin!“, wann immer sie Pilzgerichte kochte, kochte sie für mich eine pilzfreie Variation mit und wo immer wir uns zu Besuch anmeldeten, sorgte sie dafür, dass der Gastgeber um meine Pilzaversion wusste oder prüfte die Speisen, bevor sie an mich weitergereicht wurden, auf Pilzkontamination. Sie war eine gute Vorkosterin, das sei hier festgehalten, denn bis zu einer unglücklichen Menuverwechslung, die sich zutrug, als ich bereits 15 Jahre alt war, hatte ich seit dem Risotto von damals, keine Pilze mehr gegessen. Ich hatte ein gutes Leben, so ohne Pilze, nein, ich vermisste sie wahrlich nicht, aber an jenem ominösen Abend im Restaurant, als mir statt der bestellten Spargelsuppe irrtümlicherweise die Pilzcrèmesuppe für meine Cousine serviert wurde und ich nichts als Wohlgefallen löffelte, keimte erstmals der Verdacht, dass es sich bei Pilzen nicht um die Ausgeburt allen Übels handelte. Drei Löffellängen später, als meine Mutter mir das Besteck mit den Worten „Aber das sind Pilze!“, hektisch aus der Hand schlug, fand das kulinarische Erlebnis zwar ein jähes Ende, blieb aber unvergessen. Heimlich sammelte ich in fremdelterlichen Küchen, jedenfalls in denen, die noch nicht von meiner Mutter über meine Pilzabneigung informiert wurden, so lange Pilzerfahrungen, bis ich ganz sicher war: Ich hatte nichts gegen Pilze. Die Zeit war reif, auch meine Mutter an diesem entscheidenden Wissenzuwachs teilhaben zu lassen. An diesem Punkt stehe ich heute, 15 Jahre später, noch immer, denn, egal wie oft ich es ihr sage, demonstriere, gebärde, singe, schreibe, morse: Meine Mutter WEISS, dass ich keine Pilze mag. Und deswegen ist es für mich immer noch sehr schwer, an Pilze zu kommen. Denn meine Mutter liebt mich sehr und sie tut alles für mich, zum Beispiel die Menschheit über meine Pilzunverträglichkeit informieren, deswegen weiss auch Herr G., dass ich keine Pilze mag. Und meine Töchter. Und meine Schwiegermutter. Und meine Schwiegergrosseltern. Und meine Arbeitgeberin. Und sämtliche Restaurantbesitzer in unserem Kanton. Und wahrscheinlich auch der Postbote. Und wahrscheinlich wussten auch Sie das schon.

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