Monatsarchiv: Juli 2014

Irgendwo bei Malisevo, irgendwo bei Pec (Kosovo) – Skopje (Mazedonien) – Sapareva Banya (Bulgarien) (Tage 12-13)


Wir reisen sehr viel schneller als eigentlich angedacht, es zieht uns, wie schon mal erwähnt, ans Meer und einer der bedeutsamsten Vorteile von viel verfügbarer (Reise-)Zeit, ist die Möglichkeit, nach dem Lustprinzip in den Tag (fahren) leben zu können. Wir tuckern also unserer Wege, unabhängig davon, was man hier und dort noch unbedingt gesehen haben müsste, in vollen Zügen geniessend, was uns zufällig begegnet, einfach weil wir es können.
Ich muss die letzten beiden Tage etwas zusammenfassen, einfach um die Berichterei wieder auf den aktuellsten Stand zu bringen, das Hinterhergehinke lässt vergessen.
Nach der Verabschiedung von Behar, der, wie ich heute herausfand, eigentlich Bleonard heisst, soviel zu meinem Gefühl für die albanische Sprache, fuhren wir Richtung Skopje. Ja, Skopje, ja, Mazedonien, Pristina liessen wir kurzerhand aus, aus obengenannten Gründen. Ich bin sicher, dass es uns wieder in den Kosovo verschlagen wird, wenn nicht auf dieser Reise, dann bei anderer Gelegenheit. Mazedonien kannte ich bisher nur rund um Ohrid und Richtung Thessaloniki, Griechenland, was ich damals aber gehen hatte, hat einen positiven Eindruck hinterlassen. Skopje liegt nahe an der kosovarischen Grenze und so bekamen wir nicht all zu viel von der Landschaft zu sehen. In Skopje stellten wir uns bereits kurz nach Mittag auf einen schmucklosen Platz, machten mal wieder ausgiebig den Haushalt, liessen die Kinder und Hund Fahrradrunden drehen und kochten Schonkost. So Reisen ist manchmal kein Urlaub, nicht für mich jedenfalls, Reisen ist wunderbar, spannend und öffnet Augen und Herz, aber Reisen, ohne zu wissen, wo die nächste Nacht verbracht wird, kann nicht als Entspannung bezeichnet werden, erst recht nicht mit zwei Kindern und Junghund. Dafür lassen sich aber immer wieder kleine Oasen finden und schlussendlich ist gerade der ungeplante, spontane Aspekt das, was ich an dieser Reiseform schätze. Was ich damit sagen wollte? Wir suchen uns gerade ein Plätzchen, an dem wir gerne einige Nächte verbringen würden. Skopje war es nicht. Der Platz hier, in der bulgarischen Pampa, in der wir uns mittlerweile befinden, ist es, wenn auch schön gelegen und mit netten Leuten bestückt. ebenfalls nicht, denn es fehlt an Schatten für Brut und Vieh, die ich bei über 33*C und wolkenlosem Himmel (Pardon, werte Schweizer), eher ungern unbeschattet raus lasse.
Die Bulgaren sind übrigens ebenso freundlich, wie die meisten Menschen, die wir bisher angetroffen haben und ich freue mich, nach etwas mehr Zeit hier, mehr über Land und Leute zu erfahren und zu schreiben. Nehmen Sie für einmal vorerst nur mit Bildmaterial Vorlieb, Bemerknisse folgen auch erst im nächsten Bericht.

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Plav (Montenegro) – Irgendwo bei Malisevo, irgendwo bei Pec (Kosovo) (Tag 11)


Nach einer verregneten Nacht und einem ebensolchen Morgen, beschlossen wir, andres als geplant, doch schon heute Richtung Kosovo zu fahren, Richtung Wärme, wie wir hofften. Von den Campbesitzern erfuhren wir, dass der Grenzübergang, den wir gerne befahren hätten, noch immer geschlossen ist, unserer zweite, geplante Option, bei Novi Pazar, das ich auch gerne besucht hätte, sei wenn möglich auch zu vermeiden uns so blieb uns der Mittelweg über Kulla und Rozaje. Um diesen Grenzübergang zu erreichen, galt es wieder viele Höhenmeter durch dichte Nadelwälder zurückzulegen, während die Dichte an Schweizer Kennzeichen stetig zunahm. Kein Wunder, der Grenzübergang bei Rosaje scheint der nördlichst passierbare Punkt zu sein, über den man den Kosovo bereisen kann, ohne von Serbien her zu kommen. Praktisch alle Kosovaren, denen wir unterwegs begegneten, betonten, dass sie Serbien wenn möglich meiden. Hinter einer dieser haarnadelenden Kurven standen wir urplötzlich vor der Grenze, ziemlich weit bevor Frau Fankhauser (GPS) uns die Grenze angezeigt hätte. Trotz einiger Heimatbesucher passierten wir den montenegrischen Grenzposten zügig und auf unsere Anfrage bezüglich der im Kosovo erforderlichen Versicherung fürs Auto (das gründe Ding gilt hier nicht), verwies man uns an den kosovarischen Grenzposten. Ich habe noch nie weiter auseinanderliegende Grenzposten befahren, erst 11 Kilometer später erreichten wir den offiziellen Eingang zum Kosovo. Allerdings konnten wir schon einige Kilometer früher einen Augenschein nehmen, als sich hinter einer Wegbiegung unerwartet ein atemberaubender Ausblick über den jüngsten Staat Europas bot. Von hier sieht der Kosovo aus, wie ein weites flaches Plateau, schützend umgeben von zwar nicht all zu hohen, aber beeindruckenden Bergen. Am Grenzposten angekommen, waren die Formalitäten, bis auf die teure Autoversicherung (77 Euro, weil der Gefährte als Lieferwagen gilt) schnell erledigt und wir fuhren gen Pec, der drittgrössten Stadt Kosovos. Der erste Eindruck vom Kosovo war durchaus positiv. Noch in den Bergen gibt es viele kleine Steinbrüche, weiter unten Landwirtschaft und allenthalben die unübersehbare Vorliebe für pompöses bauen mit einfachen Mitteln. Man liebt hier Häuser mit runden Balkonen, spiegelgläserne Fenstern und Säulen, die meisten Bauten bestehen aus rohen Backsteinen, weil das Geld, so nehme ich an, nicht für die Fassade reichte. Das (unfertige Häuser) ist so ähnlich in sämtlichen Ländern des Balkans anzutreffen, Albanien mit seinen vielen Zweitstockbauten, bei denen nur die eine Etage ausgebaut ist, ist hierfür wohl das extremste Beispiel. Bei unserer Einfahrt in Pec fühlte ich mich stark an Albanien erinnert, es ist viel los auf den Strassen, ein Feiertag, Bairam, das Ende des Ramadan. Laut unserer veralteten Strassenkarte sollte es hier einen Campingplatz geben, aber wir wurden nicht fündig. So beschlossen wir etwas nach ausserhalb zu fahren und in einer der unzähligen Imbissbuden am Strassenrand etwas zu essen. Aufgrund unserer üblichen Entscheidungsschwierigkeiten fuhren wir weit und weiter, bis wir die nächstbeste Bude ansteuerten, weil die Kinder erheblich nach Essen meckerten. Kaum aus dem Auto, wurden wir von den neben uns parkenden jungen Männern auf Deutsch begrüsst. Wir lobten Land und Landschaft und begaben uns an einen freien Tisch. Behar, so der Name des jungen Mannes, übernahm gleich die Dolmetscherrolle. Er ist seit 14 Jahren wieder im Kosovo, davor sieben Jahre in Deutschland, wo er offensichtlich perfekt Deutsch gelernt hat. Auf unsere Frage nach den Orten, die wir gesehen haben sollten, wandte sich Behar kurzerhand auf Albanisch an seinen Cousin, telefonierte und forderte uns auf, rasch zu warten, weil sie uns gerne hiesige Wasserfälle zeigen wollten, dafür aber das Auto eines Freundes benötigten. Wir warteten, assen die Gigantoportionen zur Hälfte auf und fragten uns auf Englisch, um die Kinder nicht zu beunruhigen, ob dass denn nun genau die Sache sei, die man nicht tun sollte: Fremden in die Pampa folgen. Wir wischten sie Zweifel mit dem Gedanken, dass dies eine der einzigartigen Gelegenheiten sei, Land und Leute wirklich kennen zu lernen, bei Seite und folgten Behar und seinen Freunden, quer durch Dörfer, Schotterpiste und am zum Schluss einem Pfad, der nur noch entfernt etwas mit einer Strasse zu tun hatte. „Das ist für dein Auto gar kein Problem.“ Sagte Behar im Vorfeld. Tatsächlich bewältigte der Gefährte die Sache ganz gut, ich litt derweil unter anspannungsbedingten Muskelkrämpfen, Alpträumen von Deichselbrüchen, platten Reifen im Viererpack und kosvarischen Abschlepptraktoren. Am fünffachen Wasserfall versuchte ich dann die schnappeingeatmete Luft in humanen Dosen wieder auszuatmen, während die leicht irritierten Kinder liebevoll besorgt über Kieselsteine und Stöckchen geleitet wurden. Wir befanden uns an einer wunderbaren kleinen Oase mit abertausenden blau schillernden Libellen, verwarfen aber kurzfristig den Plan, gleich hier zu schlafen und nahmen Behars Angebot, uns bei ihm vor die Werkstatt zu stellen, dankend an. Nach einer Schotterpistenrückfahrt, die der Hinfahrt in Sachen Pulserhöhung um nichts nachstand, trafen wir uns zum Café mitten im Dorf in Bairamfeierlaune. Mit nur noch ungefähr 10 Euro in der Tasche wagten wir die scheue Frage, wie viel denn so eine Nacht, samt Führung bei ihm koste, worauf wir erstaunte Blicke ernteten. „Ihr seid euch gewöhnt, für alles zu bezahlen, hm?“ meinte Behar lachend und hat recht. Über die neue „Autobahn ohne Löcher!“ gelangten wir in das Dorf unserer Privatführer und verloren dabei den Rest an Orientierung, den wir noch übrig hatten. Unsere Ankunft hatte eine kleinere Menschenansammlung zur Folge, im Zuge derer wir mehrere verwandte Behars kennen lernten. „Hier sind wir alle irgendwie verwandt!“, meinte er lachend, während er in die Runde zeigte. Den Rest des Abends verbrachten wir auf dem Schulhof, der ferienhalber geschlossenen Schule, während die Kinder Fussball spielten. Auch einige jüngere Männer spielten und eine junge Frau ebenfalls. Was in der Schweiz schon nicht ganz alltäglich, stach hier, im Dorf, in dem ich bisher noch keine Frau entdeckt hatte, sofort ins Auge. Die junge Frau, die hier mit Leichtigkeit jeden der jungen Männer fussballerisch alt aussehen liess, war Behars Schwester, wie er mit einer Mischung aus Stolz und Verlegenheit erzählte. „Die anderen Frauen sind immer drin, also daheim, im Haus.“ Antwortete er, auf meine Frage nach dem Verbleib der anderen weiblichen Dorfbewohnerinnen. Nicht zu ermessen, welche Kraft und Stärke ein Frau hier braucht, um zu tun, was Behars Schwester tut. Sportwissenschaft studieren, Fussballspielen auf dem Dorfplatz, als einzige Frau. Mich hat das ungemein berührt und ich hoffe sehr, dass diese starke Frau ein Vorbild bleiben kann, für viele kosovarische Mädchen. Meine Bewunderung hat sie in Gänze. Während ich, zusammen mit Freund WLAN schon schreibend im Bett lag, die Kinder neben mir schlummerten, übte sich Herr G. noch lange in Völkerverständigung, tauschte hauseigene Mundartmusik gegen Behars Lieblingsmusik und Facebookadressen aus.

Bemerknisse
Dem Einfluss von Begegnungen kann gar nicht genug Bedeutung beigemessen werden, wenn es darum geht den/unseren Eindruck von Land und Kultur in der Fremde zu erfassen.

Wenn Sie Kosovaren mal so richtig zum lachen bringen wollen, dann heben sie die Hinterlassenschaften ihres Hundes mit mitgebrachten Kotbeuteln aus der Schweiz auf und bringen Sie sie zur Abfalltonne.

Sollten Sie mal bei Kosovaren zu Gast sein und möchten gerne etwas kaufen, zum Beispiel Milch für die Kinder, dann müssen Sie das heimlich tun, zumindest wenn Sie gerne selber bezahlen möchten.

Wer Gastfreundschaft erleben möchte, reise in den Kosovo, nette Landschaft gibts gratis dazu.

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Kolašin (Montenegro) – Plav (Montenegro) (Tag 10)


Wir lernen ja nun jeweils, für mindestens einige Stunden, recht gut aus unseren Fehlern. Für heute nahmen wir uns ungefähr 40 Kilometer vor, mit dem Ziel, hier einen der wenigen offiziellen Campingplätze, direkt am See bei Plav anzufahren und uns dort über die Grenzsituation zum und den Kosovo zu informieren. Was wir nicht wussten ist, dass die 40 Kilometer raus ins Niemandsland, über einen Pass führen, aber frisch betankt, gut essbestückt und ausgeruht fuhr sich die Strecke im Nu. Auf engen, durchlöcherten Strassen, auf denen ich mir keine Kreuzung mit einem grösseren Fahrzeug hätte vorstellen mögen, serpentinten wir uns gen Pass, wurden allenthalben bestaunt und freundlich gegrüsst und oben angekommen zum Schnaps eingeladen, den wir zum Wohle aller dankend ablehnten. Nach wie vor mutet die Landschaft in den Bergen Montenegros so Schweizerisch an, dass selbst Heidi, gekidnappt und hier ausgesetzt, sich sofort heimisch gefühlt hätte. Die Häuser sind meist hübsche quadratische Bauten mit pyramidenförmigem Ziegeldach, haben grosszügigen Umschwung und wirken so warm und einladend, wie die Menschen, die wir hier antreffen. Im Talboden, umgeben von Bergen, finden wir problemlos zum See und dem Platz, der seinem Namen, Lakeview, alle Ehre macht. Zusammen mit zwei 70 jährigen Italienern und deutschen Motorradfahrern, teilen wir uns die grosszügige Wiese, haben die Gelegenheit Hund und Kinder eine Runde toben zu lassen und recherchieren unsere morgige Route.

Bemerknisse
Keine montenegrische oder bosnische Hochzeit ohne Hupkonvois und Flaggenschwung.

Trotz in Reiseführern allenthalben betonter Kriminalitätsstatistik, ist von Misstrauen im Hinterland des Balkans wenig zu merken. Wo an der Küste gleich bei Platzankunft alle Papiere eingesammelt und bis zur Abreise behalten werden, kümmert sich hier niemand um Vorzahlung oder Registrierung, ehe nicht abgereist wird.

Wenn jemand die Kunst des Highheelstragens beherrscht, dann wohl die Bewohnerinnen des Balkans, die scheinbar mühelos perfekt gestylt über die Felder zur Bushaltestelle rennen.

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Sarajevo (Bosnien und Hezegowina) – Kolašin (Montenegro) (Tag 9)


Stünden wir jetzt nicht neben einem Waldcafé, mitten in der Natur, direkt am Fluss, auf einem Plätzchen inklusive Jungkätzchen, hätten wir den Kindern die Reiserei heute gründlich verdorben, soviel sei vorausgeschickt. Alles begann damit, dass wir die Idee hatten, heute in Serbien übernachten zu wollen. Nicht weil uns Bosnien nicht gefällt, ganz im Gegenteil, aber uns sehnt nach Meer und Wärme, es zieht uns Richtung Meer. Hier droht das Wetter ständig zu kippen, es ist oft unsommerlich kalt und die badebegeisterte Brut bricht bei jeder Kloake, in wilden Plantschvorfreudenjubel aus, den wir wieder mit Verneinungen abschmettern.
Wir verliessen also Sarajevo, bis zur Grenze nach Serbien waren es gut 180 Kilometer, eine zu bewältigende Tagesroute also. Durch Sarajevos Hügel nadelkurvten wir immer höher in die Berge, bis wir eine hochplateauartig anmutende Gegend erreichten. Weite gelbe, steinummauerte Felder, vereinzelte Tannen, Kuh-, Pferde- und Schafherden und ein weiter Blick übers Land und seine einfachen, aber meist liebevoll gepflegten Höfe, liessen uns an die Prärie in früheren Jahren denken. Bergab kurvten wir wieder durch Tannenwälder und passierten unten einen weiteren, ellenlangen Stausee, um schliesslich schon vor der serbischen Grenze zu stehen. Man zwar schüttelte etwas den Kopf ob unseren Campingabsichten, liess uns aber ohne Weiteres passieren.
Die erste serbisch Stadt hatte wenig zu bieten, ausser lieblosen Plattenbauten, schmutzige Strassen und vielen Strassenhunden. Wir verliessen den Ort deswegen auch rasch wieder und hofften auf eine nette ÜBernachtungsmöglichkeit am Weg. Wir fuhren also, entschieden uns gegen diesen und jenen vermüllten Parkplatz, merkten, wie sich die Fahrt zu sehr in die Länge zog, vermochten uns doch nicht für einen Platz zu entscheiden und standen plötzlich schon wieder vor der nächsten, der serbisch-montenegrischen Grenze. Die Kinder quengeleten, der Hund unruhte, wir brummten stetig schlechter gelaunt vor uns hin, während die Landschaft immer mehr nach Schweiz aussah. Tatsächlich hätte man sich, wären die andersartigen Häuser und die offensichtlichen Mülldeponien mitten in schönster Natur nicht gewesen, ebensogut irgendwo im Jura oder dem Emmental wähnen können. Kurz vor der absoluten Unmutseskalation entdeckten wir ein Waldcafé direkt am Bach, der Rest ist in der Einleitung nachzulesen. Gerade noch so gut gegangen, hauptsächlich Dank der verwaisten Jungkatze, von den Kindern Susi genannt.

Bemerknisse
Balkantunnels sind dunkel, eng und laut und wer sowas regelmässig durchfahrt, kann sich jedes künstliche Rebirthing-Erlebnis ersparen.

Wenn Montenegrer hingebungsvoll und exakt ihre Ortsschilder mit bunten bilden oder Todesanzeigen bekleben, kann für Tourists Orientierung etwa schwierig werden.

Achtung-Kuh-Schilder werden von den Kindern gern als Achtung-Kühe-haben-hier-eckige-Euter-Schilder erkannt.

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Buna bei Mostar (Bosnien in Herzegowina) – Sarajevo (Bosnien in Herzegowina) (Tag 8)


Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von Gaga und seiner Mutter. Letztere beschenkte die Kinder zum Abschied mit riesen Tafeln kroatischer Schokolade. „Einfach alles geradeaus fahren, ihr könnt Sarajevo nicht verfehlen! Und esst Cevapi, nirgends auf der Welt gibt es bessere Cetvapi!“, gab uns Gaga mit auf den Weg und so fuhren wir, gespannt auf das Kommende, Richtung Sarajevo, los. Tatsächlich scheint Bosnien und Herzegowina nicht all zu viele grosse Strassen zu führen und die Route Mostar-Sarajevo muss eine der Hauptverkehrsachsen sein. Obwohl die Zeichen des vergangenen Krieges, ausgebombte Ruinen, schusslöcherdurchsiebte Wohnhäuser und notdürftig gemauerte Granatenlöcher nach wie vor omnipräsent sind, sehen die Häuser liebvoll gepflegt, gehegt und vorallem bunt belebt aus, was mir, ohne die Gründe konkret in Worte fassen zu können, ein Gefühl gelebter Hoffnung vermittelt. Die Strecke Mostar-Sarajevo ist landschaftlich hauptsächlich von ellenlangen Stauseen und steil abfallenden, bewaldeten Felsen geprägt. Allenthalben wird in winzigen, mal mehr, mal weniger improvisierten Buden, direkt an der Strasse, frisch gebratener Fisch aus eigenem Fang oder kleinen, privaten Fischfarmen angeboten. Dann ist wieder über weite Strecken, bis auf eindrucksvolle Brückenbauten, keine Siedlungen zu entdeckten und man wähnt sich an, etwas anders begrünten, Fjorden Norwegens. Einige Kilometer vor Sarajevo führt die Strasse in die, nun etwas sanfteren Hügel hinauf, wo die Fischbuden nahtlos von Lamm-am-Spiess-Buden abgelöst werden. Wir planten etwas ausserhalb von Sarajevo einen Campingplatz anzufahren und die Stadt von da aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzufahren. Seit uns allerdings Gagas Mutter mitgeteilt hat, dass Hunde in Mostars Bussen nicht erwünscht sind, hegten wir leise Zweifel an unserem Vorhaben. Charlotte ist ein Junghund und noch kann sie nicht bedenkenlos an einem fremden Ort länger alleine zurückgelassen werden. Am Platz wurden unsere Befürchtungen zwar bestätigt, aber man sagte uns, dass es gar kein Problem sei, mit Gefährten in Sarajevo einzufahren. Ein richtiges Problem war es tatsächlich nicht. Also abgesehen von ellenlangen Staus in Vorstadtsarajevo, mit seinen monströsen Plattenbauten und dem Mangel an Parkgelegenheiten im Stadzentrum. (Mit viel Müh fanden wir doch noch was.) Trotzdem hat es mir die Stadt von der ersten Sekunde an angetan. Das (old Sarajevo) Zentrum an sich ist war zwar nett anzusehen, gut restauriert und die niedrigen Bauten und Restaurants, in denen man auf kleinen Stühlen und Bänken in Bodennähe diniert, zeigt seinen osmanischen Einschlag in aller Deutlichkeit und der modernere Zentrumsteil, mit seinen, etwas höheren Bauten, scheint alles zu bieten, was es zur Zerstreuung in Grossstadtlaune bedarf, als viel anziehender aber, empfand ich die Quartiere, die sich rund ums Zentrum, mit verwinkelten Gassen, Treppen und imposanten Moscheen in die Hügel schmiegen. Zu gerne hätte ich irgendeinen der Hügel erklommen, wäre auf gut Glück losgelaufen, Stadtentdecken zu Fuss, eben. Leider forderte der zweite Stadttag in Folge seinen Tribut bei Kindern und Hund und so entschieden wir uns, nach dem kleinen, aber feinen Einblick in eine ziemlich faszinierende Stadt, zurück zum Platz zu fahren und Kindern und Hund den verdienten Auslauf zu gewähren. Aber ich werde wiederkommen, soviel steht fest, für ein kinderfreises Wochenende, vielleicht.

Bemerknisse
Kennen Sie die ganzen Schlachtschock-Bilder von einschlägigen Seiten? Die sind hier Werbung für Lamm am Spiess.

In Bosnien gilt: Überholen geht immer. Grundsätzlich.

Überhaupt gilt, was schon vor zwei Jahren (Reise 2012) in Sizilien gegolten hat: Wo ein Auto Platz hat, haben auch zwei Autos nebeneinander Platz. Wo zwei Autos nebeneinander Platz haben, haben auch drei Autos nebeneinander Platz. Usw.

Die Angst vor Hunden ist omnipräsent, kein Wunder, denn den Monstern, denen ich hier, zum Glück getrennt durch private Zäune, hier bisher begegnet bin, möchte ich nicht unbewaffnet gegenübertreten.

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