Bern – Lugana di Sirmione, Lago di Garda, Italien (Tag 1)


Um Vier Uhr klingelte der Wecker, die Versuchung, ihn trotz Reisevorfreude nur noch ein wenig nach zu stellen, war gross, leichtes Reisefieber hatte uns zuvor eine kurze Nacht beschert. Trotzdem schafften wir es, nicht zu letzt dank den motivierten Kindern, wie geplant um 5 Uhr loszufahren und wurden gar von einem Einmannkomitee verabwunken.
Während Kinder und Hund wieder friedlich einschlummerten, planten wir in groben Zügen unsere Richtung und speisten Frau Fankhauser, unser treues GPS, mit unseren Wünschen. Ausserdem malten wir uns in düsteren Farben aus, wie sich wohl die ersten Tage und Nächte auf unseren Teeniehund und schlussendlich uns auswirken und beschlossen, uns für heute einen extraschrecklichen Campingplatz mit Überfüllungsgarantie zu besorgen, einfach um zu sehen, wie das Hundetier auf sowas reagiert.
Hund und Äm verschliefen die Fahrt bis zum Gotthard, der sich staufrei präsentierte und schnell passiert war. Aber, ach, lassen Sie mich die Fahrt kürzen, ich kann Ihnen heute noch wenig von netten Landschaften berichten, auch wenn die Gegend rund um Luzern und Vierwaldstättersee, vor dem Gotthard, nun wirklich nicht zu verachten ist und Italien, jenseits von Milanos Endlosigkeit auch auf den paar Kilometern sicherlich mehr zu bieten hätte, wir waren schlicht zu absorbiert damit, herauszufinden, wie sich das Reisen mit zwei Nichtmehrsokleinkindern und Junghund so anfühlt. Es fühlt sich gut an, wieder unterwegs zu sein, all das Organisatorische ist schon unglaublich eingespielt, als lägen da gar nich zwei Jahre zwischen den Reisen. Alle machten die , doch relativ lange Fahrt, problemlos mit, die Kinder beschäftigten sich grösstenteils selbständig, der Hund weilte im Autokoma und nach fast 6 Stunden Fahrt, beschlossen wir uns einfach am Gardasee irgendwas zu suchen und den Nachmittag badend zu verbringen. Schon um 12 fanden wir ein Plätzchen, dass in etwa den Vorstellungen entsprach, die wir für den ersten Hundehärtetest hegten, und stellten uns mitten in ein Rudel Niederländer. Der Hund verhielt sich ruhiger, als ich mir das je hätte ausmalen mögen, die Kinder waren im Badehoch und Herr G. konnte endlich seine neue Gefährtenküche einem breiten, roten, unbekannten, holländischen Publikum vorstellen. Minuten nach dem er mit diesem Vorhaben Türe und Küche eröffnete und extrawohlriechend zu kochen begann, baute sich auch schon die erste Zuschauerin vor dem Gefährten auf, stemmte die Hände in die Hüften, nickte anerkennend und bekundete: „Schön, SEHR schön“ Herr G., hocherfreut: „Danke, das habe ich selber gemacht…“ Leicht irritiert weicht die Frau etwas zurück, murmelt etwas, verabschiedet sich und meint im Gehen „Jedenfalls eine sehr schöne Rasse, sehr schöner Hund.“ Herr G. hat das nicht mehr gehört, verraten Sie es ihm auch nicht, dein einige Lobpreisungen ist die Küche alleweil wert.
Auf eine ruhige Nacht

Bemerknisse 1-5
1. Nicht alle Tunellen sind der Gotthard, aber Namen haben sie alle. Das wissen Eltern spätestens nach der ersten Fahrt gen Süden mit sprechender Brut. Sprachliebende Kinder sind zwar wohl nicht fahrgeduldiger, finden aber zumindest die diversen abstrusen Namen witzig.
2. Die italienische Grenze liegt bei Chiasso genau 300km Fahrkilometer entfernt vom Hause G.
3. Es gilt den Drang, sich in allen ungewissen Lebenslagen mal eben im Internet zu erkunden, auf Reisen und zum Wohle der Reisekasse, zu unterdrücken.
4. An meinem Italienisch hat sich wenig verbessert, nach wie vor weichen Italiener lieber auf Französisch oder Englisch aus, weil sie „diesen spanischen Dialekt in dem Tempo“ nicht verstehen.
5. Wer sich einen relativ straff organisierten Alltag gewohnt ist, bedarf einiger Angewöhnungszeit, wenn plötzlich massig Zeit vorhanden ist, es gilt beim Blick auf die Uhr, der Freude ob derart viel Zeit, vor der Panik ob demselben Umstand, den Vorrang zu geben.

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Neulich

4 Antworten zu “Bern – Lugana di Sirmione, Lago di Garda, Italien (Tag 1)

  1. Das hier zu lesen ist ja so ein kleines Bisschen wie selber verreisen. Ich freue mich schon so auf die noch folgenden Reisebeiträge! (bei Foto 2 hab ich mich übrigens kurz gefragt, ob ihr nun doch einen kleinen schwarzen Elefanten mitgeschmuggelt habt…)

  2. FrauBHK

    Meine Damen (und der Herr G.), hat das aber lange gedauert, bis frau hier wieder den ersten grandiosen Reisebericht einer erneut grandiosen Reise lesen darf! Ich wünsche allerschönstes Zeitgeplempere, immer runde Reifen und die Kinder (Hund mit einschließend)sind ja eh plüschig, nech!

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