Tagesarchiv: Juli 21, 2014

Ankaran, Slowenien – Klenovica (Tag 3)


Die Sache mit dem Frühaubruch haben wir noch nicht so sehr im Griff, auch wenn wir es wollen, aber wahrscheinlich sollen wir sowas auch nicht zwingend tun und wenn, haben wir noch etwa 90 Tage, um es zu lernen. Auch heute verließen wir unser Schlafplätzchen nicht vor halb elf. Dafür änderten wir spontan den Plan, Kroatien zügig hinter uns zu lassen, um endlich den Touristenströmen zu entkommen, in, Kroatien mittelzügig hinter uns zu lassen, dafür noch etwas Meeresluft schnuppern, um. Den Fahrtbeginn machte allerdings Slowenien, das sich von der Schweiz in dem durchfahrenen Gebiet, bis auf die weiter der Wälder, landschaftlich gar nicht so sehr unterscheidet. Man scheint hier ein Händchen für alte, liebevoll angelegte Alleen und gepflegte Baumschulen zu haben. Auch wird ausgiebig gelandwirtschaftet, weite Maisfelder und gemähte Felder mit Strohballen säumen die Landstrasse und die Wälder scheinen wie geschaffen, für Problembären, die ob der Idylle gelangweilt, lieber in die Schweiz immigrieren würden.
Die slowenisch-kroatische Grenze passierten wir problemlos, man befand uns nicht für spannend genug, unser Papiere überhaupt zur Hand zu nehmen. Gute Sache.
Die kroatische Region zwischen Rijeka und Senj präsentierte sich gewohnt (siehe Reise 2012) attraktiv, aber touristenüberlaufen. Unverwunderlich, eigentlich, das Wasser wird durch den steinigen Untergrund derart tieftürkisblau, als würde das Wasser künstlich gefärbt. Schon ziemlich unvergleichlich, wie ich finde. Kurz nach der Mittagszeit steuerten wir einen Platz an, der gänzlich ohne Schnickschnack, nur das Nötigste, dafür viel naturbelassenes Gelände bietet. Der gekieste, sanft abfallende Strand mit vorgelagerter, begehbarer Insel und klarem Wasser, erlaubte den uns das erste, heurige Meerbad. Hundevieh Charlotte muss sich noch etwas daran gewöhnen, dass Meerwasser sich nicht zum Trinken eignet. Die obligaten Platzhippies halfen uns großzügig mit Heilerde für aus, auf dass Charlotte nicht durchfalle.

Bemerknisse
Raststätten-WCs müssen bezahlt werden, raststättenungewohnte Kinder stellen hernach die Frage, ob die Kloschüssel nun mitgenommen und im Gefährten eingebaut werden könne.

Je schöner die Allee, die Sie gerade durchfahren, desto wahrscheinlicher, dass Sie sich gerade in Slowenien befinden.

Er kroatische Autohändler, der etwas von sich hält, setzt sich ein Autowrack aufs Dach. Dabei gilt: Je beängstigender und anscheinend scherpunktungünstiger die Wrackposition, desto besser.

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Lugana di Sirmione, Lago di Garda, Italien – Ankaran, Slowenien (Tag 2)


Nach einer Runde Ausschlafen für alle Beteiligten (ja, Schlafen bis 8 Uhr hat im Hause G. durchaus diesen Stellenwert), verließen wir unser Plätzchen am See relativ trödelnd, mit dem Ziel, heute Meer zu sehen. Geplant war, dass wir uns irgendwo vor Triest irgendwo ein Schlafplätzchen suchen, aber es kam alles anders. Nach ungefähr 80 Kilometern steuerten wir eine Tankstelle an, die wir mit einem platten Reifen wieder verließen. Da standen wir nun, mitten auf einer dieser garstigen, vermüllten, gnadenlos schattenlosen Raststätten und überlegten, was zu tun sei. Schließlich konsultierten wir Frau Fankhauser, die uns eine Autowerkstatt in 1,2 Kilometern nannte, was auch mit platten Reifen zu bewältigen schien. Tatsächlich lag die entsprechende Autobahnausfahrt nur einige hundert Meter entfernt und so fanden wir gefahrlos zur Werkstatt. Herr G., der die Aufgabe der Anfrage um Hilfe übernahm, wurde freundlich angewiesen, „plus/minus eine halbe Stunde“ zu warten, denn immerhin war 13:30, also Mittagspause. In leiser VorAhnung, dass plus/minus hier wohl eher plus/plus bedeutet, richteten wir uns, unter gestrengem Knurren zweier monströser, coupierter Rottweiler, die wohl in ihrem Leben noch nichts, außer die Paars Quadratmeter des Gegenüberliegenden Autohandels gesehen hatten, für den Mittag gemütlich, oder so gemütlich es eben mit Knurrkulisse geht, ein, dinierten, ließen unseren Hund an die lange Leine und die Kinder spielen. Etwas nach fünfzehn Uhr schien die Siesta beendet und man nahm sich unseres Reifen an. Gewartet hatten wir für ein Flickintermezzo vorerwähnten 10 Minuten, denn das Problem lag nicht beim Reifen selber, sondern beim Ventil, das ersetzt werden musste. 40 Euro samt Trinkgeld wurden wir los, fuhren aber guter Dinge und mit der Absicht, es mindestens noch bis nach Venedig und die dazugehörigen Lidos samt ihren TerrorCampingplätzen zu schaffen, was irgendwie völlig reibungslos und im Nu klappte. Die Fahrt durch Venetien, seine Flüsse, Kanäle und Sümpfe, in denen ich mir problemlos einige Alligatoren vorstellen könnte, gestaltete sich derart friedlich dass wir es, von Euphorie gepackt, was die Fahrtzeit anbelangt, etwas an die Spitze trieben und eindeutig zu weit in den Nachmittag hinein, quer durch Triest, bis nach Slowenien fuhren, wo wir, mitten in Sloweniens wohl einzigem Industriemeereshafen gelegenen Platz fanden. Ich mag Häfen, ich mag große Frachter, ich mag die Geräusche, die diese Giganten von sich geben, ich mag Hafenkräne und ich fand die Lage, auch wenn ich da nicht zwingend hätte baden wollen, alles andere als langweilig.

Bemerknisse
Italienische Wartezeitangaben immer mit zwei, zur Siesta mit drei, multiplizieren.

Preisangaben dafür durch etwa ebensoviel dividieren, weil Einige Italiener und auch Slowenen einfach gerne hier und da und dort auch nochmal ein Auge zudrücken.

Die Fähigkeit Pannen mit anscheinend stoischer Ruhe hinzunehmen, sich mal eben gemütlich einzurichten und auf Hilfe zu warten, haben die Italiener Venetiens offensichtlich perfektioniert.

Wer den Weg zu den saubersten und modernsten Sanitäranlagen kennen lernen möchte, hefte sich nicht an die Fersen des Neupöbels, sondern verfolge unauffällig einen Dauercamper.

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