Tagesarchiv: Juli 23, 2014

Primošten – Ploče (Tage 5-6)


Diesen Bericht schreibe ich in einer Hängematte, gespannt zwischen zwei Olivenbäumen, mit Aussicht. Damit lässt sich ziemlich gut leben. Wie angekündigt, traten wir heute den semigeordneten Rückzug aus dem Strandtourismus an und fuhren gen Ploče. An sorgfältig mit steinen ummauerten Kleinäckern mit dazugehörigen, notdürftig gezimmerten Feldhäuschen vorbei, über sanftgeschwungene, felsige, niedrig begrünte Hügel, in denen scheinbar zufällig verstreut steingemauerte, malerische Höfe liegen, immer wieder unter begrünten Brücken hindurch, die für die heimischen Bären und Wölfe angelegt wurden. Wenn man bedenkt, wieviel Platz die Tiere hier haben, ist es wahrlich kein Wunder, dass es, wenn sich denn mal ein Bär in die Schweiz verirrt, zum Aufeinanderprallen mit der Zivilisation kommt. Sobald wir uns der Umgebung Ploče näherten, war mir wieder klar, weshalb mich diese Gegend auf unserer letzten Reise so nachhaltig beeindruckte. Die trotz zahlreicher niedriger Büsche uns Sträucher karg wirkenden, beeindruckend felsigen Hügelformationen, mit seinen unglaublich fruchtbaren, fluss- und kanaldurchzogenen Tälern. Von Nektarinenplantagen, von Pfirsichen, Pflaumen, Trauben, über Äpfel, Melonen, Tomaten, Oliven, diverse Kohlsorten bis zu Karotten, Auberginen, Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch ist alles zu finden und frisch geerntet direkt an der Straße von Bauern und Gemüsehändlern zu kaufen, wo auch Öle, Eingemachtes und Honig angeboten wird. Dazwischen pittoreske Hügelstädchen und in den Tälern, je nach Fluss- und Kanalnähe, Bauern- und/oder Fischerdörfer. Wer hier am Wasser lebt, hat ein kleines Boot und legt wohl auch hie und da gewisse Wege auf dem Wasser zurück. Auch Güterzüge verkehren und in den größeren Kanälen sind durchaus auch Frachtschiffe auszumachen. Kurz: Ich bin verliebt.
Selbstredend, dass wir uns hier für ein, zwei Nächte einrichten wollten. Wer hier schon länger liest, wird sich unter Umständen an den Platz erinnern, den ich vor zwei Jahren als „große KiTa-Surfer-WG“ bezeichnet habe. Genau den Platz wollten wir wieder aufsuchen, etwas unsicher, ob der Platz überhaupt noch existiert, ob er mittlerweil total überlaufen ist, oder den gleichen etwas verwildert rustikalen Charme von vor zwei Jahren behalten hat. Glücklicherweise blieb alles beim Alten. Der Platz liegt zwischen Meer und einem Flussarm mit Süßwasser, auf einem olivenbaumbesetzten Gelände. Er scheint nicht mehr so fest in Surferhand, aber der Cheffe spendierte uns, als er erfuhr, dass wir schon mal da waren, eine frisch geerntete Wassermelone aus eigenem Anbau. Ich wiederhole: er schenkte uns eine Gigantomelone! Mein Herz hat er.
Jetzt gammeln wir hier in den Tag, Pendeln zwischen Süßwasser und Kilometer weit flacher Lagune, in einem Paradies für Kinder und Vierbeiner. Wir sind sechs Tage unterwegs und es fühlt sich nach einer halben Ewigkeit an. Toll zu wissen, dass noch noch weitere gefühlte Ewigkeiten vor uns liegen.

Bemerknisse
Ich habe eine Melone getragen. Ich habe eine Melone zerteilt. Ich habe eine Melone gegessen.

Egal wie schnell wir fahren, Kroaten fahren schneller.

Es gilt daheim wie auf Reisen: Wenn die Kinder sich nicht mehr selber beschäftigen können, ist das Spiel erster Wahl So-tun-als-ob-Schlafen, dabe lege man sich in die obengenannte Hängematte, zwischen obengenannte Olivenbäume, während die Kinder anschaukeln und Schlaflieder summen.

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Klenovica – Primošten (Tag 4)


Ich wurde gefragt, weshalb wir uns momentan so beeilen, bei der Masse Zeit, die wir haben. Die Antwort ist einfach: Es ist Hochsaison an Kroatiens Adria, ich habe keine Lust auf sterile, überfüllte Campingplätze und Strände voller gebratener Touristen. Kroatien ist ein wunderschönes, abwechslungsreiches Land, von dem ich gerne mehr sehen würde, aber lieber in der Nachsaison, zum Reisende hin, falls wir unsere Pläne bis dahin nicht schon wieder geändert haben.
Nach einer etwas umgebungsgeräuschvolleren Nacht (deutsche Jugendliche auf Klassenfahrt), wurde ich als erste wach. Der Himmel zeigte sich dunkel und wolkenverhangen, aber äußerst stimmungsvoll. Ich schnappte mir Hund und Bikini und begab mich ans Meer, joggte eine Runde um die Insel, warf mich an geeigneter Stelle in die Fluten und versuchte auch das Charlotten-Vieh zum Schwimmen zu bewegen. Die plantscht aber lieber nur und gibt den Boden unter den Füßen meist nur für richtig tolle Bälle und Stöckchen her. Soviel sei verraten: Ich weiß nun, dass sie auch kommt, wenn man sie in den höchsten Tönen ruft, will dann aber nicht weiterschwimmen sondern auf den Arm genommen werden. Bei 22 bekrallten Hundekilos ergibt das ungefähr drei Schluck Meerwasser und ziemlich viele Kratzspuren.
Zurück beim Gefährten wurden auch die andern langsam wach. Der Weg zur Morgentoilette führte jeweils an einem Rotkreuz-Lager vorbei, dessen Teilnehmer, kroatische Menschen zwischen 50 und 60, unsere Kinder nicht ohne Wegzerrung vorbeilaufen lassen konnten, was dazu führte, dass die Kinder sehr oft wahnsinnig dringend aufs Klo mussten. Ich entnahm der Zusammenstellung der Teilnehmenden und ihren Plakaten, Ausrüstung und der Festlaune, dass irgendein Jubiläum gefeiert wurde. Beeindruckende Menschen, wenn man bedenkt, welche Rolle sie als Pflegende, Versorgende und Helfer vor noch nicht so langer Zeit im Krieg ausgefüllt haben mussten.
Trotz nettem Platz brachen wir wieder auf, es zog uns, aus oben genannten Gründen, weiter.
Ich wollte nach Ploče, in die Gegend Kroatiens, in die mich schon vor zwei Jahren verliebt hatte, aber ohne Zwischenübernachtung war dies nicht für alle Beteiligten auf angenehme Weise zu bewältigen. Also übernachteten wir in der Nähe von Primošten, auf einem der überteuerten, überfüllten Plätzen, nur um am nächsten Tag zu sehen, dass einige hundert Meter weiter, jemand privat seinen ziemlich attraktiven Garten nachtweise vermietet. Zumindest wissen wir nun wieder sehr genau, weswegen wir uns eben jetzt noch etwas beeilen.

Bemerknisse
Auch wenn sie die Gabe wunderbaer Haarflechtereien haben: Nie-je-mals, dürfen Sie diese an ihren Kindern ausleben, wenn Sie sich gerade mit gutbekinderten Deutschen, Niederländern, Slowenen und Polen auf einem All zu vollen Platz befinden. Es reicht schon ein mittelprächtiger eingeflochtener Zopf, dass allenthalben Eltern ihre Brut mit dem Auftrag nicht unfrisiert zurückzukommen und verfilztem Schweisshaar, samt Bürste und Haargummis vor Ihren Gefährten schicken. Der zerzauste Mob steht dann vor ihren Schiebetoren und brüllt nach Zöpfen, während Sie drinnen fluchen und Ihr Kind losschicken, dass ungefiltert wiedergibt, was sie soeben gesagt haben, was wiederum heißt, dass Ihre Kindern fortan großräumig gemieden werden.

Um verlorene Dreijährige wiederzufinden, verlasse man sich auf seinen Hörsinn. Dreijährige verfügen über einen ganz individuellen Warn-, Sing- und Brunftruf, der grundsätzlich irgendwas mit Exkrementen beinhaltet. Variationen des unverwechselbaren, ämsche Rufs: „Gaaagiii Gaaagiii Gaaagiii…“ (Ambulanz-Stil, Warnruf), „Gagigaagi Gaaagiii, Gagigaagi Gaaagiii, Gagigaagi, Gagigaagi, Gagigaagi Gaaagiii!“ (In Geburtstagsliedmelodie vorzutragen, Singruf) und „Gagililili, gagilili? Gagiiiiliiiliii!“ (bezirzend, mit feiner, hoher Stimme, Brunftruf).

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