Klenovica – Primošten (Tag 4)


Ich wurde gefragt, weshalb wir uns momentan so beeilen, bei der Masse Zeit, die wir haben. Die Antwort ist einfach: Es ist Hochsaison an Kroatiens Adria, ich habe keine Lust auf sterile, überfüllte Campingplätze und Strände voller gebratener Touristen. Kroatien ist ein wunderschönes, abwechslungsreiches Land, von dem ich gerne mehr sehen würde, aber lieber in der Nachsaison, zum Reisende hin, falls wir unsere Pläne bis dahin nicht schon wieder geändert haben.
Nach einer etwas umgebungsgeräuschvolleren Nacht (deutsche Jugendliche auf Klassenfahrt), wurde ich als erste wach. Der Himmel zeigte sich dunkel und wolkenverhangen, aber äußerst stimmungsvoll. Ich schnappte mir Hund und Bikini und begab mich ans Meer, joggte eine Runde um die Insel, warf mich an geeigneter Stelle in die Fluten und versuchte auch das Charlotten-Vieh zum Schwimmen zu bewegen. Die plantscht aber lieber nur und gibt den Boden unter den Füßen meist nur für richtig tolle Bälle und Stöckchen her. Soviel sei verraten: Ich weiß nun, dass sie auch kommt, wenn man sie in den höchsten Tönen ruft, will dann aber nicht weiterschwimmen sondern auf den Arm genommen werden. Bei 22 bekrallten Hundekilos ergibt das ungefähr drei Schluck Meerwasser und ziemlich viele Kratzspuren.
Zurück beim Gefährten wurden auch die andern langsam wach. Der Weg zur Morgentoilette führte jeweils an einem Rotkreuz-Lager vorbei, dessen Teilnehmer, kroatische Menschen zwischen 50 und 60, unsere Kinder nicht ohne Wegzerrung vorbeilaufen lassen konnten, was dazu führte, dass die Kinder sehr oft wahnsinnig dringend aufs Klo mussten. Ich entnahm der Zusammenstellung der Teilnehmenden und ihren Plakaten, Ausrüstung und der Festlaune, dass irgendein Jubiläum gefeiert wurde. Beeindruckende Menschen, wenn man bedenkt, welche Rolle sie als Pflegende, Versorgende und Helfer vor noch nicht so langer Zeit im Krieg ausgefüllt haben mussten.
Trotz nettem Platz brachen wir wieder auf, es zog uns, aus oben genannten Gründen, weiter.
Ich wollte nach Ploče, in die Gegend Kroatiens, in die mich schon vor zwei Jahren verliebt hatte, aber ohne Zwischenübernachtung war dies nicht für alle Beteiligten auf angenehme Weise zu bewältigen. Also übernachteten wir in der Nähe von Primošten, auf einem der überteuerten, überfüllten Plätzen, nur um am nächsten Tag zu sehen, dass einige hundert Meter weiter, jemand privat seinen ziemlich attraktiven Garten nachtweise vermietet. Zumindest wissen wir nun wieder sehr genau, weswegen wir uns eben jetzt noch etwas beeilen.

Bemerknisse
Auch wenn sie die Gabe wunderbaer Haarflechtereien haben: Nie-je-mals, dürfen Sie diese an ihren Kindern ausleben, wenn Sie sich gerade mit gutbekinderten Deutschen, Niederländern, Slowenen und Polen auf einem All zu vollen Platz befinden. Es reicht schon ein mittelprächtiger eingeflochtener Zopf, dass allenthalben Eltern ihre Brut mit dem Auftrag nicht unfrisiert zurückzukommen und verfilztem Schweisshaar, samt Bürste und Haargummis vor Ihren Gefährten schicken. Der zerzauste Mob steht dann vor ihren Schiebetoren und brüllt nach Zöpfen, während Sie drinnen fluchen und Ihr Kind losschicken, dass ungefiltert wiedergibt, was sie soeben gesagt haben, was wiederum heißt, dass Ihre Kindern fortan großräumig gemieden werden.

Um verlorene Dreijährige wiederzufinden, verlasse man sich auf seinen Hörsinn. Dreijährige verfügen über einen ganz individuellen Warn-, Sing- und Brunftruf, der grundsätzlich irgendwas mit Exkrementen beinhaltet. Variationen des unverwechselbaren, ämsche Rufs: „Gaaagiii Gaaagiii Gaaagiii…“ (Ambulanz-Stil, Warnruf), „Gagigaagi Gaaagiii, Gagigaagi Gaaagiii, Gagigaagi, Gagigaagi, Gagigaagi Gaaagiii!“ (In Geburtstagsliedmelodie vorzutragen, Singruf) und „Gagililili, gagilili? Gagiiiiliiiliii!“ (bezirzend, mit feiner, hoher Stimme, Brunftruf).

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Eingeordnet unter Reise 2014, Reisen mit Kindern

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