Sarajevo (Bosnien und Hezegowina) – Kolašin (Montenegro) (Tag 9)


Stünden wir jetzt nicht neben einem Waldcafé, mitten in der Natur, direkt am Fluss, auf einem Plätzchen inklusive Jungkätzchen, hätten wir den Kindern die Reiserei heute gründlich verdorben, soviel sei vorausgeschickt. Alles begann damit, dass wir die Idee hatten, heute in Serbien übernachten zu wollen. Nicht weil uns Bosnien nicht gefällt, ganz im Gegenteil, aber uns sehnt nach Meer und Wärme, es zieht uns Richtung Meer. Hier droht das Wetter ständig zu kippen, es ist oft unsommerlich kalt und die badebegeisterte Brut bricht bei jeder Kloake, in wilden Plantschvorfreudenjubel aus, den wir wieder mit Verneinungen abschmettern.
Wir verliessen also Sarajevo, bis zur Grenze nach Serbien waren es gut 180 Kilometer, eine zu bewältigende Tagesroute also. Durch Sarajevos Hügel nadelkurvten wir immer höher in die Berge, bis wir eine hochplateauartig anmutende Gegend erreichten. Weite gelbe, steinummauerte Felder, vereinzelte Tannen, Kuh-, Pferde- und Schafherden und ein weiter Blick übers Land und seine einfachen, aber meist liebevoll gepflegten Höfe, liessen uns an die Prärie in früheren Jahren denken. Bergab kurvten wir wieder durch Tannenwälder und passierten unten einen weiteren, ellenlangen Stausee, um schliesslich schon vor der serbischen Grenze zu stehen. Man zwar schüttelte etwas den Kopf ob unseren Campingabsichten, liess uns aber ohne Weiteres passieren.
Die erste serbisch Stadt hatte wenig zu bieten, ausser lieblosen Plattenbauten, schmutzige Strassen und vielen Strassenhunden. Wir verliessen den Ort deswegen auch rasch wieder und hofften auf eine nette ÜBernachtungsmöglichkeit am Weg. Wir fuhren also, entschieden uns gegen diesen und jenen vermüllten Parkplatz, merkten, wie sich die Fahrt zu sehr in die Länge zog, vermochten uns doch nicht für einen Platz zu entscheiden und standen plötzlich schon wieder vor der nächsten, der serbisch-montenegrischen Grenze. Die Kinder quengeleten, der Hund unruhte, wir brummten stetig schlechter gelaunt vor uns hin, während die Landschaft immer mehr nach Schweiz aussah. Tatsächlich hätte man sich, wären die andersartigen Häuser und die offensichtlichen Mülldeponien mitten in schönster Natur nicht gewesen, ebensogut irgendwo im Jura oder dem Emmental wähnen können. Kurz vor der absoluten Unmutseskalation entdeckten wir ein Waldcafé direkt am Bach, der Rest ist in der Einleitung nachzulesen. Gerade noch so gut gegangen, hauptsächlich Dank der verwaisten Jungkatze, von den Kindern Susi genannt.

Bemerknisse
Balkantunnels sind dunkel, eng und laut und wer sowas regelmässig durchfahrt, kann sich jedes künstliche Rebirthing-Erlebnis ersparen.

Wenn Montenegrer hingebungsvoll und exakt ihre Ortsschilder mit bunten bilden oder Todesanzeigen bekleben, kann für Tourists Orientierung etwa schwierig werden.

Achtung-Kuh-Schilder werden von den Kindern gern als Achtung-Kühe-haben-hier-eckige-Euter-Schilder erkannt.

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Eingeordnet unter Neulich, Reise 2014, Reisen mit Kindern

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