Monatsarchiv: Juli 2014

Ploče (Kroatien) – Buna bei Mostar (Bosnien und Herzegowina) (Tag 7)


„Nur etwas mehr als eine Stunde Fahrt,“ versprach uns Frau Fankhauser (GPS), „dann seid ihr in Mostar!“ Und wir glaubten ihr. Unaufgeregt verabschiedeten wir uns von Wunderschön-Ploče und fuhren zügig gen Bosnien. Frau Fankhauser mag ja Abkürzungen, wir mögen die auch, weil sie uns meist über kleinere Strassen mitten durch die Pampa irgendwie doch zum Ziel führen. So folgten wir den Anweisungen Frau Fankhausers auch heute, stets etwas abseits der Hauptstrassen, zu einem kleinen kroatisch-bosnischen Grenzüberrgang. Man nahm unsere Dokumente an, prüfte jedes einzelne eingehendst, notierte unsere Daten auf ein grosses, weisses Blatt Papier (!), sorgfältig, sehr sorgfältig und sehr genau und sehr eingehend. Sehr. Dabei würdigte man uns keines Blickes. Nach der Überprüfung werden wir auf kroatisch oder bosnisch instruiert, was nun zu tun sei. Wir betonen unsere mangelnden Kroatisch-Bosnischkenntnisse in diversen Sprachen, man weicht auf Gebärden aus und verbalisiert parallel in Englisch-Deutsch-Mix. Mit weit ausholenden Bewegungen bedeutet man uns in einem Halbkreis zurück zu fahren. „Nur local People hier!“ Wir verlangen unsere Paipere zurück, etwas irritiert ob der Tatsache, dass für den Halbkreis auf bosnischem Land tatsächlich all unsere Papiere studiert und kommentiert werden müssten, taten aber, wie uns geheissen. An der offiziellen Grenze schwante uns schliesslich, weswegen eine Grenze touristenfrei gehalten wird. Stau ohne Ende, mitten in erbarmungsloser Sonne. Zu diesem Zeitpunkt war die geplante Fahrtdauer schon weit überschritten. Glücklicherweise zeigte sich die Brut gnädig und nahm Hitze und Rumstehen, zumindest nach ausgiebiger Verpflegung, mit Humor. Am Grenzposten wollte niemand unsere Papiere sehen. NIEMAND! Leicht angedeppert folgten wir, sobald wir in der Nähe von Mostar waren, irgendwelchen Campingschildern auf einen Platz, auf dem eine ungefähr 70 jährige Bosnierin nur darauf gewartet zu haben schien, uns und die Kinder voller Willkommensfreude an die Brust zu drücken. Eine Frau, mit der beeindruckenden Gabe, trotz der Tatsache, dass sie keine der Sprachen spricht, die wir auch verstehen, jedes Anliegen so zu vergesten und verlauten, dass es ohnehin verstanden wird. Jedenfalls würde uns ziemlich schnell klar, dass Mostar zwar von Platz aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist, aber im Bus keine Hunde erlaubt sind. Kein Problem für die Zeltplatzpatronin, die rief kurzer Hand ihren Sohn, Gaga, an, der uns eine Stunde später mit seinem Auto abholte und und nach Mostar fuhr. Es entwickelte sich ein spannendes Gespräch rund um den Balkankrieg und seine diversen Konfliktherde. Ganz offen erzählte uns Gaga vom damals, als sein Vater zum Kämpfen abgeholt wurde und davon wie es war, in Angst vor Bomben und Granaten zu leben. Er erzählte uns von dem Tag, als sie wieder mal im Bunker sassen, zu Mittag assen, während Detonationen in der Nähe ihnen die Suppe von den Löffeln schüttete und sein Onkel ohne nachzudenken aufsprang, vor den Bunker rannte und rief: „Lasst mich in Ruhe essen!“ Damals, so Gaga, sei ihm die Sinnlosigkeit dieses Krieges so richtig bewusst geworden. Mit dreizehn Jahren floh er nach Kroatien, wurde mal hier, mal dahin transportiert, ohne zu wissen, wohin man ihn wieder brachte. Er erzählte von den vier Jahren in der Fremde und davon, wie er heim kam und in dem Haus, in dem er aufgewachsen war, fremde Menschen lebten. Er erzählte von Mängeln, von Kämpfen und von Leid und er erzählte vom unerschütterlichen bosnischen Humor, den sie auch in Kriegszeiten, leicht angeschwärzt, nicht verloren hatten. „Weisst du, wenn wieder jemand in die Heimat fuhr, um nach den Häusern zu sehen, wurde er bei der Wiederkehr immer gefragt „Wie geht es meinem Haus?“ und die Antwort war immer: „Du hast jetzt ein Cabrilolet, wie du es magst!“ So war das. Ein geflügeltes Wort wie: Wenn Spinat schmeckt, ist der Hase ein Bär.“ Gaga erzählte uns das lachend, er und seine Familie hatten Glück gehabt. Sie haben ihr Land zurückbekommen.
Der Gard der Zerstörung, den Mostar erlitten hat, wird mit Drestens Zustand nach dem zweiten Weltkrieg verglichen, die Stadt wurde hart umkämpft. Soweit ich das verstanden habe, kämpften erst Kroaten und bosnische Muslimen gegen Serben, später die bosnischen Muslime gegen die Kroaten. Letzteres war wohl schlussendlich der Grund für die Flucht der Familie Gaga. Noch immer ist Mostars Geschichte an jeder Ecke zu sehen, Ruinen, Einschusslöcher, aber auch die alle ungefähr gleich alten Dächer sind stumme, aber eindrückliche Zeitzeugen. Die Häuser rund um Mostars eindrückliche Steinbrücke mit ihrem glattgelaufenen Pflaster wurden nach altem Vorbild restauriert. Mostar scheint hier hauptsächlich vom Tourismus zu leben, jedenfalls kommen Menschen in Scharen und es gibt Jugendliche, die sich etwas dazu verdienen, in dem sie Toristen Geld für einen Sprung von der Mostarbrücke abknöpfen. Beeindruckend ist sie, die Stadt, die gegografischen Gegebenheiten, in die Sie eingebettet ist, der Fluss und die in den Himmel ragenden Minarette vor kargen Bergen. Vor den Bergen, die Gaga vor 20 Jahren so fürchten musste, weil die Angreifer alte Pneus mit Sprengstoff füllten und sie bergab rollen liessen, wie uns Gaga auf der Rückfahrt am Abend erzählte. Zurück in Buna, wo der Campingplatz am gleichnamigen Fluss liegt, reichte es, die Kinder, im Licht der letzten Sonnenstrahlen, noch rasch in die 12*C kalte Buna zu tunken.

Bemerknisse
In Reiseführern wird sorgfältig darauf hingewiesen, dass sich zwingend an die Geschwindigkeitsbegrenzungen zu halten sei. Leider sind diese nur schwer zu finden und wenn denn da mal ein Schild ist, lesen die Bosnier sie eindeutig anders.

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Strassenhunde und unser Köter sind hauptsächlich an einem Merkmal zu unterscheiden: Wenn man einen Stein vom Boden aufhebt, rennende einen mit eingekniffenem Schwanz von dannen, der andere springt vorfreudig auf und ab und erwartet gepflegtes Apportierspiel.

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Primošten – Ploče (Tage 5-6)


Diesen Bericht schreibe ich in einer Hängematte, gespannt zwischen zwei Olivenbäumen, mit Aussicht. Damit lässt sich ziemlich gut leben. Wie angekündigt, traten wir heute den semigeordneten Rückzug aus dem Strandtourismus an und fuhren gen Ploče. An sorgfältig mit steinen ummauerten Kleinäckern mit dazugehörigen, notdürftig gezimmerten Feldhäuschen vorbei, über sanftgeschwungene, felsige, niedrig begrünte Hügel, in denen scheinbar zufällig verstreut steingemauerte, malerische Höfe liegen, immer wieder unter begrünten Brücken hindurch, die für die heimischen Bären und Wölfe angelegt wurden. Wenn man bedenkt, wieviel Platz die Tiere hier haben, ist es wahrlich kein Wunder, dass es, wenn sich denn mal ein Bär in die Schweiz verirrt, zum Aufeinanderprallen mit der Zivilisation kommt. Sobald wir uns der Umgebung Ploče näherten, war mir wieder klar, weshalb mich diese Gegend auf unserer letzten Reise so nachhaltig beeindruckte. Die trotz zahlreicher niedriger Büsche uns Sträucher karg wirkenden, beeindruckend felsigen Hügelformationen, mit seinen unglaublich fruchtbaren, fluss- und kanaldurchzogenen Tälern. Von Nektarinenplantagen, von Pfirsichen, Pflaumen, Trauben, über Äpfel, Melonen, Tomaten, Oliven, diverse Kohlsorten bis zu Karotten, Auberginen, Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch ist alles zu finden und frisch geerntet direkt an der Straße von Bauern und Gemüsehändlern zu kaufen, wo auch Öle, Eingemachtes und Honig angeboten wird. Dazwischen pittoreske Hügelstädchen und in den Tälern, je nach Fluss- und Kanalnähe, Bauern- und/oder Fischerdörfer. Wer hier am Wasser lebt, hat ein kleines Boot und legt wohl auch hie und da gewisse Wege auf dem Wasser zurück. Auch Güterzüge verkehren und in den größeren Kanälen sind durchaus auch Frachtschiffe auszumachen. Kurz: Ich bin verliebt.
Selbstredend, dass wir uns hier für ein, zwei Nächte einrichten wollten. Wer hier schon länger liest, wird sich unter Umständen an den Platz erinnern, den ich vor zwei Jahren als „große KiTa-Surfer-WG“ bezeichnet habe. Genau den Platz wollten wir wieder aufsuchen, etwas unsicher, ob der Platz überhaupt noch existiert, ob er mittlerweil total überlaufen ist, oder den gleichen etwas verwildert rustikalen Charme von vor zwei Jahren behalten hat. Glücklicherweise blieb alles beim Alten. Der Platz liegt zwischen Meer und einem Flussarm mit Süßwasser, auf einem olivenbaumbesetzten Gelände. Er scheint nicht mehr so fest in Surferhand, aber der Cheffe spendierte uns, als er erfuhr, dass wir schon mal da waren, eine frisch geerntete Wassermelone aus eigenem Anbau. Ich wiederhole: er schenkte uns eine Gigantomelone! Mein Herz hat er.
Jetzt gammeln wir hier in den Tag, Pendeln zwischen Süßwasser und Kilometer weit flacher Lagune, in einem Paradies für Kinder und Vierbeiner. Wir sind sechs Tage unterwegs und es fühlt sich nach einer halben Ewigkeit an. Toll zu wissen, dass noch noch weitere gefühlte Ewigkeiten vor uns liegen.

Bemerknisse
Ich habe eine Melone getragen. Ich habe eine Melone zerteilt. Ich habe eine Melone gegessen.

Egal wie schnell wir fahren, Kroaten fahren schneller.

Es gilt daheim wie auf Reisen: Wenn die Kinder sich nicht mehr selber beschäftigen können, ist das Spiel erster Wahl So-tun-als-ob-Schlafen, dabe lege man sich in die obengenannte Hängematte, zwischen obengenannte Olivenbäume, während die Kinder anschaukeln und Schlaflieder summen.

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Klenovica – Primošten (Tag 4)


Ich wurde gefragt, weshalb wir uns momentan so beeilen, bei der Masse Zeit, die wir haben. Die Antwort ist einfach: Es ist Hochsaison an Kroatiens Adria, ich habe keine Lust auf sterile, überfüllte Campingplätze und Strände voller gebratener Touristen. Kroatien ist ein wunderschönes, abwechslungsreiches Land, von dem ich gerne mehr sehen würde, aber lieber in der Nachsaison, zum Reisende hin, falls wir unsere Pläne bis dahin nicht schon wieder geändert haben.
Nach einer etwas umgebungsgeräuschvolleren Nacht (deutsche Jugendliche auf Klassenfahrt), wurde ich als erste wach. Der Himmel zeigte sich dunkel und wolkenverhangen, aber äußerst stimmungsvoll. Ich schnappte mir Hund und Bikini und begab mich ans Meer, joggte eine Runde um die Insel, warf mich an geeigneter Stelle in die Fluten und versuchte auch das Charlotten-Vieh zum Schwimmen zu bewegen. Die plantscht aber lieber nur und gibt den Boden unter den Füßen meist nur für richtig tolle Bälle und Stöckchen her. Soviel sei verraten: Ich weiß nun, dass sie auch kommt, wenn man sie in den höchsten Tönen ruft, will dann aber nicht weiterschwimmen sondern auf den Arm genommen werden. Bei 22 bekrallten Hundekilos ergibt das ungefähr drei Schluck Meerwasser und ziemlich viele Kratzspuren.
Zurück beim Gefährten wurden auch die andern langsam wach. Der Weg zur Morgentoilette führte jeweils an einem Rotkreuz-Lager vorbei, dessen Teilnehmer, kroatische Menschen zwischen 50 und 60, unsere Kinder nicht ohne Wegzerrung vorbeilaufen lassen konnten, was dazu führte, dass die Kinder sehr oft wahnsinnig dringend aufs Klo mussten. Ich entnahm der Zusammenstellung der Teilnehmenden und ihren Plakaten, Ausrüstung und der Festlaune, dass irgendein Jubiläum gefeiert wurde. Beeindruckende Menschen, wenn man bedenkt, welche Rolle sie als Pflegende, Versorgende und Helfer vor noch nicht so langer Zeit im Krieg ausgefüllt haben mussten.
Trotz nettem Platz brachen wir wieder auf, es zog uns, aus oben genannten Gründen, weiter.
Ich wollte nach Ploče, in die Gegend Kroatiens, in die mich schon vor zwei Jahren verliebt hatte, aber ohne Zwischenübernachtung war dies nicht für alle Beteiligten auf angenehme Weise zu bewältigen. Also übernachteten wir in der Nähe von Primošten, auf einem der überteuerten, überfüllten Plätzen, nur um am nächsten Tag zu sehen, dass einige hundert Meter weiter, jemand privat seinen ziemlich attraktiven Garten nachtweise vermietet. Zumindest wissen wir nun wieder sehr genau, weswegen wir uns eben jetzt noch etwas beeilen.

Bemerknisse
Auch wenn sie die Gabe wunderbaer Haarflechtereien haben: Nie-je-mals, dürfen Sie diese an ihren Kindern ausleben, wenn Sie sich gerade mit gutbekinderten Deutschen, Niederländern, Slowenen und Polen auf einem All zu vollen Platz befinden. Es reicht schon ein mittelprächtiger eingeflochtener Zopf, dass allenthalben Eltern ihre Brut mit dem Auftrag nicht unfrisiert zurückzukommen und verfilztem Schweisshaar, samt Bürste und Haargummis vor Ihren Gefährten schicken. Der zerzauste Mob steht dann vor ihren Schiebetoren und brüllt nach Zöpfen, während Sie drinnen fluchen und Ihr Kind losschicken, dass ungefiltert wiedergibt, was sie soeben gesagt haben, was wiederum heißt, dass Ihre Kindern fortan großräumig gemieden werden.

Um verlorene Dreijährige wiederzufinden, verlasse man sich auf seinen Hörsinn. Dreijährige verfügen über einen ganz individuellen Warn-, Sing- und Brunftruf, der grundsätzlich irgendwas mit Exkrementen beinhaltet. Variationen des unverwechselbaren, ämsche Rufs: „Gaaagiii Gaaagiii Gaaagiii…“ (Ambulanz-Stil, Warnruf), „Gagigaagi Gaaagiii, Gagigaagi Gaaagiii, Gagigaagi, Gagigaagi, Gagigaagi Gaaagiii!“ (In Geburtstagsliedmelodie vorzutragen, Singruf) und „Gagililili, gagilili? Gagiiiiliiiliii!“ (bezirzend, mit feiner, hoher Stimme, Brunftruf).

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Ankaran, Slowenien – Klenovica (Tag 3)


Die Sache mit dem Frühaubruch haben wir noch nicht so sehr im Griff, auch wenn wir es wollen, aber wahrscheinlich sollen wir sowas auch nicht zwingend tun und wenn, haben wir noch etwa 90 Tage, um es zu lernen. Auch heute verließen wir unser Schlafplätzchen nicht vor halb elf. Dafür änderten wir spontan den Plan, Kroatien zügig hinter uns zu lassen, um endlich den Touristenströmen zu entkommen, in, Kroatien mittelzügig hinter uns zu lassen, dafür noch etwas Meeresluft schnuppern, um. Den Fahrtbeginn machte allerdings Slowenien, das sich von der Schweiz in dem durchfahrenen Gebiet, bis auf die weiter der Wälder, landschaftlich gar nicht so sehr unterscheidet. Man scheint hier ein Händchen für alte, liebevoll angelegte Alleen und gepflegte Baumschulen zu haben. Auch wird ausgiebig gelandwirtschaftet, weite Maisfelder und gemähte Felder mit Strohballen säumen die Landstrasse und die Wälder scheinen wie geschaffen, für Problembären, die ob der Idylle gelangweilt, lieber in die Schweiz immigrieren würden.
Die slowenisch-kroatische Grenze passierten wir problemlos, man befand uns nicht für spannend genug, unser Papiere überhaupt zur Hand zu nehmen. Gute Sache.
Die kroatische Region zwischen Rijeka und Senj präsentierte sich gewohnt (siehe Reise 2012) attraktiv, aber touristenüberlaufen. Unverwunderlich, eigentlich, das Wasser wird durch den steinigen Untergrund derart tieftürkisblau, als würde das Wasser künstlich gefärbt. Schon ziemlich unvergleichlich, wie ich finde. Kurz nach der Mittagszeit steuerten wir einen Platz an, der gänzlich ohne Schnickschnack, nur das Nötigste, dafür viel naturbelassenes Gelände bietet. Der gekieste, sanft abfallende Strand mit vorgelagerter, begehbarer Insel und klarem Wasser, erlaubte den uns das erste, heurige Meerbad. Hundevieh Charlotte muss sich noch etwas daran gewöhnen, dass Meerwasser sich nicht zum Trinken eignet. Die obligaten Platzhippies halfen uns großzügig mit Heilerde für aus, auf dass Charlotte nicht durchfalle.

Bemerknisse
Raststätten-WCs müssen bezahlt werden, raststättenungewohnte Kinder stellen hernach die Frage, ob die Kloschüssel nun mitgenommen und im Gefährten eingebaut werden könne.

Je schöner die Allee, die Sie gerade durchfahren, desto wahrscheinlicher, dass Sie sich gerade in Slowenien befinden.

Er kroatische Autohändler, der etwas von sich hält, setzt sich ein Autowrack aufs Dach. Dabei gilt: Je beängstigender und anscheinend scherpunktungünstiger die Wrackposition, desto besser.

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Lugana di Sirmione, Lago di Garda, Italien – Ankaran, Slowenien (Tag 2)


Nach einer Runde Ausschlafen für alle Beteiligten (ja, Schlafen bis 8 Uhr hat im Hause G. durchaus diesen Stellenwert), verließen wir unser Plätzchen am See relativ trödelnd, mit dem Ziel, heute Meer zu sehen. Geplant war, dass wir uns irgendwo vor Triest irgendwo ein Schlafplätzchen suchen, aber es kam alles anders. Nach ungefähr 80 Kilometern steuerten wir eine Tankstelle an, die wir mit einem platten Reifen wieder verließen. Da standen wir nun, mitten auf einer dieser garstigen, vermüllten, gnadenlos schattenlosen Raststätten und überlegten, was zu tun sei. Schließlich konsultierten wir Frau Fankhauser, die uns eine Autowerkstatt in 1,2 Kilometern nannte, was auch mit platten Reifen zu bewältigen schien. Tatsächlich lag die entsprechende Autobahnausfahrt nur einige hundert Meter entfernt und so fanden wir gefahrlos zur Werkstatt. Herr G., der die Aufgabe der Anfrage um Hilfe übernahm, wurde freundlich angewiesen, „plus/minus eine halbe Stunde“ zu warten, denn immerhin war 13:30, also Mittagspause. In leiser VorAhnung, dass plus/minus hier wohl eher plus/plus bedeutet, richteten wir uns, unter gestrengem Knurren zweier monströser, coupierter Rottweiler, die wohl in ihrem Leben noch nichts, außer die Paars Quadratmeter des Gegenüberliegenden Autohandels gesehen hatten, für den Mittag gemütlich, oder so gemütlich es eben mit Knurrkulisse geht, ein, dinierten, ließen unseren Hund an die lange Leine und die Kinder spielen. Etwas nach fünfzehn Uhr schien die Siesta beendet und man nahm sich unseres Reifen an. Gewartet hatten wir für ein Flickintermezzo vorerwähnten 10 Minuten, denn das Problem lag nicht beim Reifen selber, sondern beim Ventil, das ersetzt werden musste. 40 Euro samt Trinkgeld wurden wir los, fuhren aber guter Dinge und mit der Absicht, es mindestens noch bis nach Venedig und die dazugehörigen Lidos samt ihren TerrorCampingplätzen zu schaffen, was irgendwie völlig reibungslos und im Nu klappte. Die Fahrt durch Venetien, seine Flüsse, Kanäle und Sümpfe, in denen ich mir problemlos einige Alligatoren vorstellen könnte, gestaltete sich derart friedlich dass wir es, von Euphorie gepackt, was die Fahrtzeit anbelangt, etwas an die Spitze trieben und eindeutig zu weit in den Nachmittag hinein, quer durch Triest, bis nach Slowenien fuhren, wo wir, mitten in Sloweniens wohl einzigem Industriemeereshafen gelegenen Platz fanden. Ich mag Häfen, ich mag große Frachter, ich mag die Geräusche, die diese Giganten von sich geben, ich mag Hafenkräne und ich fand die Lage, auch wenn ich da nicht zwingend hätte baden wollen, alles andere als langweilig.

Bemerknisse
Italienische Wartezeitangaben immer mit zwei, zur Siesta mit drei, multiplizieren.

Preisangaben dafür durch etwa ebensoviel dividieren, weil Einige Italiener und auch Slowenen einfach gerne hier und da und dort auch nochmal ein Auge zudrücken.

Die Fähigkeit Pannen mit anscheinend stoischer Ruhe hinzunehmen, sich mal eben gemütlich einzurichten und auf Hilfe zu warten, haben die Italiener Venetiens offensichtlich perfektioniert.

Wer den Weg zu den saubersten und modernsten Sanitäranlagen kennen lernen möchte, hefte sich nicht an die Fersen des Neupöbels, sondern verfolge unauffällig einen Dauercamper.

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