Aheloy (Bulgarien) – Edirne (Türkei) – zwischen Tekirdag und Marmaraeleglisi (Türkei) (Tage 23-25)


Um Bulgarien zu verlassen, müssen wir einen Streckenabschnitt auf der Autobahn zurückfahren, den wir schon gefahren sind. Während der Fahrt bemerken wir einmal mehr, wie wahnsinnig unlustig so Autobahngebrause ist und fahren kurzerhand landeinwärts und damit den anstrengenderen, aber ungleich spannenderen Weg. Landschaftlich präsentiert sich Bulgarien auch hier gewohnt sonnenblumenfeld- und storchlastig, die Dörfer sind entweder klein, landschaftlich geprägt und mit offensichtlich und strassentechnisch (schlaglochdurchzogener Flickenteppich) wirksam bescheidenen finanziellen Mitteln, niedrig gebaut, in den Gärten Nutztiere in Einzelhaltung, oder sie sind grösser, bis hin zu Kleinstädten, scheinen vorwiegend von Industrie zu leben und bestehen aus riesigen, aneinandergereihten Plattenbauten, zerfallenden, rostigen Fabriken und lebendigen, bunten Ortskernen mit etwas filigranerer Bebauung. In den Kilometern zur türkischen Grenze resümieren wir unseren ersten längeren Aufenthalt in Bulgarien und ich stelle fest, dass ich diesem Land gegenüber, trotz freundlichen Menschen und landschaftlichen Schönheiten, nicht diese Faszination und Begeisterung empfand, wie beispielsweise gegenüber dem jungen, so zuversichtlichen Kosovo oder Bosnien und Herzegowina und ich vermag nicht zu sagen, woran das liegt. Festhalten lässt sich: Ja, die Strassen Bulgariens sind gefährlich. Und: Nein, von ausgeraubten Autos, Touristenprellungen, „Kindereinsaugenden Poolfiltern“ (Zitat, deutsche Reisebekannte) und Unfreundlichkeit haben wir überhaupt gar nichts gemerkt, im Gegenteil, wir erfuhren allenthalben Hilfsbereitschaft.
Der bulgarische Grenzpolizist scheint die negativen Erfahrungen noch kurz aufstocken zu wollen und herrscht mich unfreundlich und, nachdem ich erst einen Schuh verlor, den wieder suchen und anziehen musste, immer lauter an, die hinteren Gefährtentüren zu öffnen. Kaum geöffnet sieht er sich mit skeptische, Blick um und weist mich, erneut in mir zutiefst missfallendem Ton, an, auch die Seitentüre zu öffnen, weicht aber bei Charlottes (Hund) Anblick rasch zurück, winkt uns durch und ich mag Charlotte, trotz Geruchsbelastung, wieder ganz gerne. Die Prozedur an der türkischen Grenze dauert einiges länger, man nimmt es hier mehrfach sehr genau, möchte noch erklärt bekommen, wo genau denn diese Schweiz sei, ist aber dabei so freundlich und wohlwollend, dass sich das problemlos aushalten lässt, denn bereits nach einigen Kilometern wird mir, während ich in brütender Hitze mit Brut und Köter im Auto auf den vignettenholenden Herrn G. warte, der erste Cay (Schwarztee mit zwei Stück Zucker, in kleinen, bauchigen Gläsern auf passenden Untertellern) gereicht. Die Türkei eben, wie ich sie kenne. Im eher unattraktiven Ort Edirne stellen wir uns auf den einzigen Campingplatz den wir gefunden haben, es soll eine der unspektakulären Zwischennächte werden. Preislich merken wir einen ziemlichen Unterschied zu den 6-8 Euro, die wir in Bulgarien jeweils Alles in Allem pro Nacht bezahlt haben, aber der Platz bietet ein Freibad und, so die Besitzerin, warmes Wasser in den Duschen. Insgesamt verbringen wir die Nacht jedenfalls geplant unspektakulär, dafür mit WLAN auf Klo und im Bett. Gloooooooooooooooria!
Am nächsten Tag brechen wir auf, den Platz, einige Kilometer vor Istanbul, am Mittelmeer zu suchen, den wir schon 2012 als Übernachtungsplatz vor der grossen Stadt benutzt haben.
Dabei erinnern wir uns an unsauberes Meer, Plumpsklos, windschiefe Dauerzelte, eine kleine Wiese mit Hasen, Ziegen, Truthähnen und einer Jungkatze, die sich nachts heimlich in den Gefährten schlich. Ab Tekirdag fahren wir die selbe Strecke wie vor zwei Jahren, erkennen einiges wieder, sehen aber auch einige Veränderungen, wie die wohl neue Strasse und die Tatsache, dass alle paar Kilometer ein „Campingplatz“ existiert, der dem, den wir vor zwei Jahren befuhren, aufs Haar ähnelt. Einfache Wiesen, ebensolche Fixzelte, Lotterbuden, ein Restaurant oder eine Caystube und Meereszugang. Die Plätze sehen nicht neu aus, aber ich kann mich erinnern dass wir vor zwei Jahren verzweifelt nach einem Übernachtungsplätzchen gesucht haben, also waren wir damals entweder blind, oder die mit einfachsten Mitteln gebauten Plätze altern tatsächlich sehr schnell. Schliesslich fahren wir irgendeine der Wiesen an, die. Kinder wollen endlich baden, ein. Ansinnen, das ich teile, bis ich die übelriechende, trübe Kloake erblicke, die das Mittelmeer hier ist. Der Strand ist übersäät mit toten Quallen und der Sand seltsam weich, so dass man bis über den Knöchel einsinkt. Trotzdem baden einige Einheimische hier mit ihren Kindern, das heisst, es baden die Frauen in badetauglicher Verschleierung, die Männer sitzen am Ufer und trinken Cay. Mit leicht zugekniffenen Augen und angehaltenem Atem, den Blick möglichst in die Ferne, ist es hier eigentlich ganz nett und das Licht des Sonnenuntergangs färbt Dinge auch ganz hübsch ein. Wir schlafen trotzdem gut, mit gebührendem Wasserabstand.

Bemerknisse

Warmes Wasser bedeutet noch lange kein Duschglück, eine derartige Aussage kann bedeuten:

  • Lauwarmes Wasser
  • Einen Liter warmes Wasser für alle, um eine Zeit, die nur Stammkunden kennen
  • Warmes Wasser im Kloakenmeer
  • Warmes Wasser am Abwaschbecken, jedenfalls zwei Sekunden lang, bis das Wasser, das von der Sonne beschienen im Hahn hockte ausgespühlt wurde
  • Warmes Wasser tröpfchenweise, Wasserdruck inexistent
  • Warmes Wasser mit Wasserdruck, Wasserdruck der zumindest reicht, wenn ein Säugling mit drei Haupthaaren Sauberkeitsbedürfnisse hegt
  • Warmes Wasser mit massig Wasserdruck, aber eigensinnig hyperaktivem Strahl mit Wankelmut, um ihn einzufangen bedarf es ein sportlicher Leistungen und die Fähigkeit genauer Richtungsprognosen
  • Warmes Wasser, wenn niemand anderes gerade duscht, die Klospühlung bedient, sich die Hände wäscht oder den Abwasch erledigt
  • Kombinationen und Mischformen des oben Genannten

Wenn Herr G. beim Fahren über schlechte Sichtverhältnisse klagt, findet er das nicht den richtigen Moment für meine de Saint-Exupéry-Zitate.

 

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Bemerknisse, Neulich, Reise 2014, Reisen mit Kindern

2 Antworten zu “Aheloy (Bulgarien) – Edirne (Türkei) – zwischen Tekirdag und Marmaraeleglisi (Türkei) (Tage 23-25)

  1. Calista

    Ich bin durch mehrere Bloglobeshymen zu diesem Reisebericht hergekommen und ich muss sagen, das liest sich so spannend und toll! Ich freu mich jedes Mal, wenn es neue Beiträge gibt :)

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