Bartin – Çakra – Aydincik – Abana (Tage 36-38)


Von Bartin fahren wir einige Kilometer bis Amasra. Amasra wir allenthalben als eines der schönsten Schwarzmeerstädchen beworben, was zumindest die Anfahrt kaum bestätigt. Das Zentrum zeigt sich aber ganz charmant und wir beschliessen den Gefährten stehen zu lassen und die Stadt zu Fuss zu erkunden. Die Häuser bestehen überwiegend aus den gewohnt reizlosen Appartementblocks, aber nahe des schmucken Hafens mit einladender Uferpromenade sind durchaus noch einige ältere Holz- und Backsteinbaut

en zu finden, sowie eine hübsch in Stand gehaltene Brücke die samt Quartier dahinter zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Erhöht über dem Hafen trinken wir schliesslich unsere obligaten Çays und essen etwas Leichtes zu Mittag. Hier wie in allen besiedelten Gebieten ist der Umgang mit den Strassenhunden nicht ganz einfach. Diese sind sich zwar Menschen gewohnt und reagieren kaum auf sie, aber domestizierte Hunde scheinen ihnen oft eher suspekt, so dass es immer wieder zu offensichtlich aggressivem Verhalten kommt, das wir aber meist gut abblocken können. Zugegebenermassen nützen wir dabei die schlechten Erfahrungen, die alle Strassenhunde mit Menschen gemacht haben, aus, hampeln Drohgebärden vor oder heben in scheinbar böser Absicht Steine vom Boden auf. (Tatsächliche Gewaltausübung wird so gar nie nötig, die Hunde weichen allesamt zurück.) nur Äm und Y stehen jeweils fürchterliche Ängste um ihre Charlotte aus, schreien und kreischen, als würden sie selber angegriffen und rufen damit immer eine Horde türkischer Männer auf den Plan, die sich hilfsbereit auf die keifenden Hunde stürzen. Da Städte aber insgesamt für Hund und Kinder immer noch nicht wahnsinnig viel spannender wurden, verlassen wir Amasra wieder und fahren der Küste entlang weiter. Relativ hoch bewaldet kurven wir der Küstenstrasse entlang, Zugänge zum Meer gibt es, bedingt durch stark abfallende Steilhänge, nur vereinzelt in befahrbarer Form und so fahren wir einen verzeichneten Campingplatz an, der sogar am Meer liegen soll. Als wir in Çakra die entsprechende Abzweigung nehmen, schwant uns Böses. Wir haben hier mehrere Versuche unternommen zum Strand zu kommen, wenn man den hin kam, waren es meist überfüllte Strände mit Promenade, dahinter einfachste, ebenso überfüllte, schattenlose Zeltplätze. In Anbetracht der kindlichen Badebedürfnisse und unserer Erfüllungsversprechungen ist aber klar, dass wir den nächsten Platz nehmen müssen, wenn wir keinen erheblichen gefährteninternen Unruhen provozieren wollen. Das geschwante Böse bestätigt sich dann auch, in Form eines jungen Mannes, der uns anweist umzudrehen, weil der Strand, wohl hauptsächlich die zugeparkte Strasse, überfüllt sei. Grosses Geschrei auf der Rückbank, aber uns bleibt nichts anderes übrig. Kaum zwei Kilometer später entdecken wir ein Camping-Schild, folgen und finden zu einer kleinen, feinen Pension mit wunderbarem Garten und, halten Sie sich fest, kleiner, menschenleerer Badebucht. Y scheint gesund, wir stehen mit WLAN, gigantischer Aussicht und Badestrand in sicherem Hafen: Es wird wieder! Nachdem die Kinder im Bett sind, stossen wir an, auf Alles.
Nach ausgiebigem Morgenspaziergang brechen wir auf. Gerne wären wir länger geblieben, aber unser Bargeld reicht nicht für eine weitere Nacht. Einige Kilometer weiter fallen die Küsten nicht mehr ganz so steil ab und bereits nach relativ kurzer Fahrerei kommen wir an eine Bucht, die es uns auf Anhieb antut, am Ufer ein kleines Restaurant, sowie eine Café und Bademöglichkeit. Wir halten und treffen auf Ibrahim. Ibrahim hat schon in Deutschland gewohnt, früher, und spricht ein wenig Deutsch. Ihm gehört das kleine Café, das früher auch ein Fischrestaurant war, bevor die Verluste grösser wurden als die Gewinne. Ibrahim hat gar nichts dagegen, dass wir hier übernachten, er mag die Kinder, er mag den Hund und er will es uns angenehm machen. Es ist uns angenehm, nur durch hübsche Blumensträucher vom Meer getrennt, das sich hier eher wie ein See benimmt und still, glatt und grün vor uns liegt. Die Bucht ist umrundet von grossen, abgewetzten Steinen, dahinter Sträucher, Bäume, Felsen, visàvis steht ein andere Haus. Wir baden ausgiebig und lernen dabei eine junge Heimatbesucherin aus London und ihren Cousin kennen, die sich ungemein freut, dass wir hierher gefunden haben. Wir fragen rasch all unsere Fragen, die wir hier, aufgrund einer fehlenden gemeinsamen Sprache, niemandem Stellen konnten und baden uns neben dem Meer, auch einwenig in der Wohltat, uns barrierefrei mit jemandem unterhalten zu können. Am Abend essen wir Fisch im nahen Restaurant und stellen bei der Rückkehr fest, dass Ibrahim es sich zu seiner Aufgabe gemacht hat, unser Auto zu bewachen und erst nach unserer Rückkehr in in die nahegelegene Stadt Cide fahren wollte. Die Krankenhausnacht noch in den Knochen, beschliessen wir den Tag mit frühem Schlaf.

Bemerknisse

Türken die Angst vor Hunden, in unserem Falle Charlotte haben, nähern sich ihr mit Stock, den sie, wenn Viech ihnen zu nah kommt, drohend schwingen. Was bei Strassenhunden bestens funktioniert, ist für Charlotte eine Einladung zum Spiel.

Die meisten der kleinen Stell- und Campingplätze werden von Frauen geführt, während die Männer rauchend und teetrinkend rumsitzen, bis sie angewiesen werden, uns Strom zu bringen, eine Lampe zu basteln oder das Auto zu bewachen.

Es ist schwierig die türkische Hundeangst ernst zu nehmen, wenn gestandene Zweimeterriesen erst kreischend weghüpfen, wenn sie unerwarteterweise Charlotte begegnen, uns aber fünf Minuten später gerne ihren „absolut lieben“ Kangal vorführen möchten.

Sand klebt mit einer Konsequenz, von der sich noch mancher Kleber eine Scheibe abschneiden könnte.

Advertisements

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Bemerknisse, Neulich, Reise 2014, Reisen mit Kindern

Eine Antwort zu “Bartin – Çakra – Aydincik – Abana (Tage 36-38)

  1. Pingback: Fazit einer Vierteljahresreise mit Kindern und Hund | Gminggmangg

Kommentariat:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s