Sinop – Hattusha (Tag 41)


Wir haben uns für heute viel vorgenommen, beispielsweise so um halb 10 los zu fahren. Dann haben uns die Platzdeutschen noch eingehend verabschiedet und uns massig wertvolle Tipps auf den Weg gegeben. Der Mann hat hier nicht nur 20 Jahre gelebt, sondern auch als Guide gearbeitet, kompetente Beratung also. Jedenfalls fuhren wir um 11 Uhr los.
Wir fahren von Sinop auf relativ schlechter Strasse direkt in die Berge und brauchen relativ lange um einige Kilometer zurückzulegen. Dafür ist die Strecke wunderschön, knapp 900 Höhenmeter machen wir in kurzer Zeit und gelangen von der fruchtbaren Gegend rund ums Schwarze Meer, direkt in alpin anmutendes Mittelhochgebirge. Die Landschaft ist geprägt von dunkeln Nadelbäumen, kargen, gelben Wiesen und atemberaubenden Ausblicken. Zu Bergfüssen liegen kleine, in positiven Sinne verlebte Dörfer und erinnern, von Zeit und Lage gezeichnet, an vergangene, archaischere Tage. Woran die Häuser und Höfe der Gegend ebenfalls erinnern, ist an die Zeit, als es die Schnellstrasse noch nicht gab und jeder, der diese Strecke befahren wollte, hier durch kam. Verwitterte Picknickschilder, verwaiste Tankstellen und stillgelegte Restaurants zeugen von früherem Zusatzverdienst an Durchreisenden.
Nach den luftigen Höhen pasieren wir einige unspektakuläre, aber weite Täler um zwischen Merzifon und Osmancik relativ plötzlich in eine andere Welt einzutauchen. Wir fahren durch weite Reisfelder in hellem Grün, umgeben von riesigen, dunkelgrauen Felsen in den bizarrsten Formen und Formationen und hübschen kleine Dörfern, die sich in Ton in Ton in schützenden Winkeln halten, während ihr Moscheen die farbenfrohsten sind, die ich bisher in der Türkei gesehen haben. Wahrlich eine Landschaft, die tiefen Eindruck hinterlässt.
Danach wird die Gegend, nach einer erneuten Berg und Talfahrt, wieder etwas unspektakulärer und vor allem karger. Hier finden wir wieder die langezogenen, gelbbraunen Felder, steinmauerumgeben, von Olivenbäumen gespickt, mit riesigen Schaf-, Ziegen- und Kuhherden, samt ihren Hirten und gigantischen Hütehunden.
Nach einem relativ langen, aber wunderbaren Fahrtag, den selbst die Kinder quengelfrei bewältigt haben, fahren wir in Hattusha ein, biegen zum erstbesten Hotel mit becamparem Hof ab und finden einen weiten, gut begrünten Garten vor, den wir als einzige in Anspruch nehmen. Das war früher anders, meint der Besitzer, vor den Unruhen war hier um diese Jahreszeit alles voll. Jetzt herrscht Flaute und Leere in den Kassen. Kaum eingerichtet, werden wir schon vom Nachbarn, aus dem gegenüberliegenden Haus an den Zaun gerufen. Einzutreten wagt er nicht, die Hunde angst… Er heisst Ömür, hat gerade in seinem Garten gerabeitet, und überreicht uns einen Korb voll von seinem Gemüse. Ein Willkommensgeschenk sei es, sagt er lachend und klopft mit seiner rechten Hand auf sein Herz, ein Zeichen der Verbundenheit. Ich danke gerührt, und packe den Schatz in unsere Gemüsekiste. Gurken, Tomaten, Auberginen, Zucchini, irgendeine grüne Peperoniart, kleine scharfe Peroncini und frische Minze. Ömür will uns zeigen, wo das Gemüse herkommt und führt uns in seinen wunderschönen, liebevoll gepflegten Garten. Hier zieht er nicht nur frisches Gemüse, sondern trocknet auch Geerntetes für den Winter. Er überreicht uns eine Handvoll getrockneter Tomaten, gegen deren Geschmackintensität die teuren getrockneten Tomaten, die wir in der Schweiz zu kaufen kriegen, nur fader Abklatsch sind. Ömür hat den grünen Daumen, soviel steht fest.

Bemerknisse

Sollte uns auf dieser Reise je eine spontane Hungersnot ereilen, würden wir von den Vorräten in den Kindersitzenritzen noch mindestens eine Woche überleben.

Äm nennt Charlotte liebevoll „meine Praktikantin“, die Konsequenz mit der das Kind tituliert, schafft relativ grenzwertige Konversationen. (Ausführungen sind hier wohl nicht nötig, ich traue Ihrer vorstellungskraft einiges zu.)

Ein GPS-Update kann unter Umständen rekativ wichtig sein. Jedenfalls führte Frau Fankhauser uns heute gern jenseits der befsetigten Strassen durch Nirgendwo und unbeirrbar in Sackgassen, wie beispielsweise diese geradewegs in den See führende Strasse.

 

 

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Eingeordnet unter Bemerknisse, Neulich, Reise 2014, Reisen mit Kindern

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