Astros – Foutia – Neapolis (Tage 54-55)


Nach dem wir die Tage auf dem Platz bei Astros damit zugebracht haben, uns wieder in ahnsehnliche Formen zu bringen, den Gefährten zu säubern und Wäsche zu waschen, fahren wir am Morgen sauberen Gefühls in Richtung Lakonien, einem der penepolesschen Finger, die wir auf der letzten Reise ausgelassen haben. Bereits nach wenigen Kilometern wird uns wieder klar, weswegen wir den Penepoles schon damals so mochten: Neben grandios blauem Meer und pittoresken Dörfern, sind auch massive, einsame Berge zu entdecken. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass heute der erste Tag dieser Reise ist, an dem ich micht tatsächlich hinters Steuer setze, einfach weil mir immer sehr gute Gründe einfielen, es nicht zu tun. Dass ich fotografieren muss, beispielsweise, denn Herr G. fotografiert, nun, manchmal etwas verzögert. Jedenfalls fahre ich also erstmals den Gefährten länger als 10 Kilometer und erst noch eine Klitztekleinstbergstrasse hoch und durch enge, griechische Dörfer. Ich habe mich grundlos geziert, gilt es anzufügen, der Gefährte ist trotz seiner Länge nicht wesentlich schwieriger zu händeln als ein normaler Personenwagen. Allerdings sehe ich zugegebenermassen ungleich weniger von der Landschaft, als ich mir das aus Beifahrertagen gewohnt bin. Den Vorgelagerten Koloss von Monemvassia, den wir erblicken, kaum haben wir wieder Küste erreicht, nehme ich aber trotzdem wahr. Ein zwei-, ja, dreigeteiltes Städtchen auf Festland, Inselboden und Inselhöhe, wunderschön anzusehen, auf einem braunen Koloss mit heller Grashaube, umgeben von tiefblauem, zum Land hin in hellem Türkis ausfransendem Wasser. An einem der zahlreichen wenig besuchten Strände in der Nähe halten wir, um uns im klaren Wasser abzukühlen. Nach kurzer Zeit werden wir auf Schweizerdeutsch begrüsst, kommen ins Gespräch und werden eingeladen, den Gefährten für eine Nacht vors Haus der beiden Schweizer zu stellen. Das ist insofern bemerkenswert, als wir uns auf unserer Reise, allenthalben gelebte Gastfreundschaft erfahrend, die Frage gestellt haben, ob das in der Schweiz ebenso wäre und begründete Zweifel hegten. Susanne und Roger, so heissen die beiden, zeigten uns jedenfalls, dass es spontane Gastfreundschaft auch als Schweizer kennt. Die beiden Zürcher (Zwischen 45 und 60) sind begeisterte Surfer, kennen die Gegend seit 15 Jahren und fahren jährlich hierher, in ein Haus Familienangehöriger, das in wunderbarer Lage, mitten in einem kleinen Dorf, in beachtlicher Höhe liegt. Die Aussicht ist atemberaubend, das Haus schön renoviert und so in Stand gehalten, dass nichts von seinem griechischen Charme verloren ging. Nach einem kleinen Usoexkurs verbrachten wir eine ruhige, schlafreiche Nacht.
So ruhig wie für uns, war die Nacht für unsere Gastgeber nicht, denn diese, insbesondere Susanne, machten sich Sorgen, ob unsere Kinder bei dem Lärm tatsächlich schlafen können. Natürlich erkundigen wir uns nach den nächtlichen Lärmquellen, die wir, bis auf den Hahn, der um 3 Uhr, von der im Traum aufquietschenden Äm geweckt wurde und den Schrei wohl mit geflügelinternem Weckdienstaufruf verwechselt hat, nicht wahrgenommen haben. Als Susanne uns schliesslich miauende Katzen, bellende, entfernte Nachbarhunde, Füchse und Raschelnde Olivenbäume nennt, kichern wir in uns hinein. Wahrlich, in den Wochen unterwegs haben wir weit Lauteres erfolgreich mit Schnarchen übertönt.
Die beiden Zürcher führen uns, auf der anderen Seite des Berges, nahe Neapolis, zu ihrem Lieblingsstrand, der sich kilometerweit und minimal bemenscht der Küste entlang zieht. Die Kinder baden ausgiebig, Äm legt den Trotzanfall ihres Lebens in den Sand und der Hund hält sich grundsätzlich bis Bauchhöhe im Wasser auf. Als die Sonne uns zu heiss wird, begeben wir uns in der grössten Hitze in den Schatten und fahren danach etwas weiter, zu einem der wohl schönsten Strände, die ich je gesehen habe. Direkt neben einer nicht minder wunderschönen Lagune, in der wir sogar einen Flamingo entdecken, liegt der Kiesel-Sandstrand mit einer Wasserfarbe, die ich bisher nur von Südseebildern kenne, unter der Wasseroberfläche die versunkene Stadt, die wir mit Taucherbrille ausgerüstet sogar noch ausmachen können. In den Felsen, die sich alle zehn bis zwanzig Meter wie Landzungen ins Wasser ziehen, sind noch ausgeschnittene Hock- und Liegegräber auszumachen und überhaupt gibt es hier für alle Beteiligten viel zu entdecken. Hier verbringen wir auch den Rest des Tages, bevor wir uns zum Abendessen nochmal mit den Zürchern und den anderen Mitgliedern der eingefleischten Gemeinschaft, zum ¨besten Essen Griechenlands¨ treffen. In netter Gesellschaft sitzen wir am Tisch bis lange nach dem Zeitpunkt, an dem die Kinder auf unseren Beinen eingedöst sind.

Bemerknisse
Was für das zurückhaltungs- und überhöflichkeitsgewohnte Schweizer Ohr klingt, als würden gerade handfeste und lautstarke Streitgespräche geführt, deren Ausgang durchaus auch Verletzte und Tote nach sich ziehen könnten, sind wahrscheinlich nur ganz normale Gespräche unter Griechen.

Griechen grillen ähnlich ausgiebig wie die Türken:

Campende Türken mögen ihren Grill. Campende Türken mögen ihren Grill mittags und abends. Der Grill von campenden Türken kann echt viel Rauch. Der Grill von campenden Türken kann Rauch für 16 Fussballfelder. Campende Türken grillen aber neben ihren Zelten. Die Zelte von campenden Türken sind Dampfabzüge. In Zelten von campenden Türken passt Rauch für 16 Fussballfelder.

Allerdings grillen Griechen lieber vor fremden Zelten.

Die Griechen mögen Kinder, aber Hunde mögen so noch lieber. Die Aufmerksamkeit, die die Kinder in der Türkei auf sich gezogen haben, wird jetzt dem Hund zuteil.

 

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Eingeordnet unter Bemerknisse, Neulich, Reise 2014, Reisen mit Kindern

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