Ioannina (Griechenland) – Sarande (Gijrokaster, Albanien) – Himarë (Albanien) (Tage 58-59)


Am Morgen tun wir, was wir hier lieber verschwiegen würden: Wir fahren in die IKEA, frühstücken da und lustwandeln in den ganzen Einkaufszentren, die nahe Ioannina so rumstehen. Das haben Sie jetzt alles nicht gelesen, denn ich habe das hier auch nie erzählt.
Heute überquere ich erstmals als Fahrerin eine Grenze. Nach den paar Kilometern, die zwischen Ioannina und der albanischen Grenze liegen, bin ich etwas aufgeregt. Nicht wegen der Grenze, aber von unserem letzten Albanienbesuch weiß ich um den zeitweiligen Zustand albanischer Straßen. An der Grenze winkt man uns dann auch gänzlich uninteressiert durch und auf albanischem Boden verinnerliche ich mir, gewissenhaft wie ich bin, erstmal die Schilder, die wie überall nahe der Grenzen, die Geschwindigkeitsbegrenzungen verdeutlichen. Wir wollen als erstes Gijrokaster anfahren, eine Stadt, die wir noch nie besucht haben. Meine Angst vor den Straßen zeigt sich bisher als unbegründet, zwar sind die Brückenübergänge eher erschütternd, aber das ist in all den Balkanstaaten so. Schon die erste Strecke auf albanischem Land, durch die Talebene nach Gijokaster, begeistert erneut, jedenfalls was die beeindruckenden Berge angeht, die Dörfer sind eher langweilig und unschön gebaut. Gijrokaster hingegen, das umgeben von Bergen in beachtlicher Höhe trohnt, vermag sofort zu begeistern. Ineinander verschachtelt stehen die oft weiß getünchten, ein- bis dreistöckigen Steinhäuser, mit steinern geschindelten Dächern und verhältnismäßig großzügigen Fenstern mit Rahmen aus dunklem Holz. Enge, steile Straßen, mit abgewetzten Kopfsteinpflaster führen durch die Gassen und eine Burg imposanter Größe scheint das lebendige Treiben im Städtchen sorgsam zu überwachen. Ich fühle mich an Berat erinnert, das mir schon vor zwei Jahren so gut gefiel. Nach einem Mittagessen im Zentrum, stolpern wir noch etwas durch die Gassen, was leider nicht gänzlich entspannt geht, denn trotz vielen Fussgängern, viele davon Touristen, existieren wenige Fußgängerzonen. Nach einem Besuch auf der Post, wo wir den Beamten dabei helfen, Strassbourg geografisch zuzuordnen, machen wir uns auf den Weg nach Sarandë, wo wir übernachten wollen. Der Weg führt über die karg begrünten Berge, hinunter zur Küste bei Sarandë, wo wir etwas zu spät ankommen um uns eine etwas stadtfernere Bleibe zu suchen. Albanien möchten wir nicht nachts befahren müssen, auch wenn einige Stellen, die uns von vor zwei Jahren als besonders schlaglochdurchzogen in Erinnerung bleiben, heute ausgebessert sind. Vor einem Hotel ohne Charme, dafür mit einer Horde plantschender Pauschalpolen im Pool, stellten wir uns für eine Nacht hin und teilten die Sanitäranlagen mit den Arbeitern, die bis spätabends die Gebäudewartung übernehmen. Sarandë ist an sich keine wahnsinnig schöne Stadt, geprägt von Billigblockbauten auf engem Raum, aber unser Abendspaziergang, der gut besuchten Strandpromenade entlang, zu dem Zeitpunkt, an dem das Licht der untergehenden Sonne jedem Fleck Erde seinen Glanz verleiht, liess uns doch noch einige nette Ecken und vor allem buntes, freundliches Leben entdecken. Besonders der Hund stösst allenthalben auf Liebe, eine Gruppe von gut 20 Romakindern will uns gar nicht mehr weiterziehen lassen und deckt Charlotte grosszügig mit Liebesbekundungen und Küssen ein. Mit vollen Bäuchen schlafen wir ein, Albanien hat uns wieder.

Am Morgen brechen wir in Richtung Butrintit auf, denn da soll es Ruinen in netter Landschaft geben. Die Tatsache, dass wir nur Minuten nach einem Reisecar, vollbesetzt mit den Pauschalpolen auf Plauschtour, vor dem Hotel losfahren und dieser verdächtigerweise die exakt selbe Strecke zu fahren scheint, wie wir, lässt uns etwas an unserem heutigen Reiseziel zweifeln. Schöne Landschaften finden wir, einsam sind sie auch, jedenfalls jenseits der Ruinen. Dort steppt der Touristenbär. Etwas ausserhalb stellen wir den Gefährten ab und machen eine, zwar weniger historische, aber wunderbare Kurzwanderung, bevor wir küstenaufwärts, nach Himarë fahren. Diese Strecke kennen wir von vor zwei Jahren, sie hat sich glücklicherweise, kaum verändert. Durch kleine, für die Meeresnähe hoch gelegene Dörfer, mit Ortskernen, in denen hutragende Männer in Hemden rauchend bei Gesprächen sitzen, Strassenhunde faul rumliegen, hie und da ein angeseilter Esel wartet und etwas ausserhalb Ziegenherden und Kühe durch die Strassen getrieben werden, deren Hirten uns freundlich zuwinken. Autos stressen die Tiere längst nicht mehr, im Gegenteil, ich bin ziemlich sicher, dass sie sich insgeheim für körperlich überlegen halten. Immer wieder sehen wir Campingschilder, aber anstatt neue Stätten anzufahren, möchten wir zurück auf den Platz, der uns vor zwei Jahren schon gut gefallen hat. Wenn ich hier erzähle, dass man da zwischen Orangen- und Olivenbäumen steht, klingt das allerdings lauschiger, als es ist, denn der Platz ist mitten im Ort, aber Örtlichkeit und Umgebung sind es auch nicht, die uns zurück ziehen, vielmehr ist es die Tatsache, dass der Platz sehr charmant und freundlich geführt wird. Wir finden den Platz tatsächlich unverändert vor, was etwas schade ist, weil mit etwas Arbeit doch einiges hätte herausgeholt werden können. Trotzdem fühlen wir uns wohl, essen Mittagsreste von gestern kühlen uns im klaren Wasser ab, können den Hund problemlos frei laufen lassen und kochen abends erstmals seit Langem wieder selber.
Insgesamt lässt sich festhalten, dass in den letzten zwei Jahren doch einige Veränderungen stattgefunden haben, wie stellenweise ausgebesserte Strassen, mehr Touristen und massenhaft hässliche Blockbauten im Dienste des Tourismus. Letzteres findet sich allerdings bisher nur an der Küste und auch da noch relativ konzentrierte und wenig ausufernd.

 

Bemerknisse

Die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf albanischen Strassen sind in der Regel gut sichtbar und Schilder folgen in regelmässigen Abständen. Wer sich allerdings daran hält, wird zur unliebsamen Verkehrsbehinderung. Der allgemeine Geschwindigkeitsdurchschnitt liegt 30km/h über der angegebenen Geschwindigkeit und das gänzlich unabhängig vom Strassenzustand.

Nach wie vor ist es toll, in Albanien mit weissem Mercedes-Bus umher zu fahren. Allenthalben wird aufgesprungen, freudig gewunken und gerufen. (Dass man uns mit den üblicherweise weissen, mercedessenen Sammeltaxis verwechselt und man uns nachträglich wegen unverlangsamter Weiterfahrt beschimpft, lässt sich mit etwas Übung ganz gut ignorieren.

In Albanien ist deutlich weniger Flachvieh anzutreffen. Das liegt, vermute ich, nicht an geschickteren Tieren, vorsichtigeren Autofahrern oder koordinierterem Wegräumdienst, sondern wohl an den Schlaglöchern, in denen die Tiere sich in Sicherheit bringen können.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Bemerknisse, Neulich, Reise 2012, Reise 2014

Eine Antwort zu “Ioannina (Griechenland) – Sarande (Gijrokaster, Albanien) – Himarë (Albanien) (Tage 58-59)

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