Shkodra (Albanien) – Ulcinj (Montenegro) – Moulat (Kroatien) (Tage 64 – 65)


Die Strecke, die wir heute angedacht haben beträgt ungefähr 60 Kilometer, nicht die Welt also, aber als wir letztmals diesen Grenzübergang passierten, warteten wir drei Stunden im Stau auf Einlass nach Montenegro, diesmal sind wir vorbereitet. Wir starten früh, man weiss ja nie, wie weit der Stau heute reicht.
Von Albanien verabschieden wir uns wohl für längere Zeit, die nächsten Reisen werden wohl, bei aller Liebe, in andere Richtungen führen. Ich hatte meine Kämpfe, mit diesem Land, besonders zu Beginn, als ich äusserste Mühe damit bekundete, über die hoffnungslose Vermüllung hinweg zu sehen und mich nur an der westlichen Küste Albaniens aufgehalten hatte, wo nun auch nicht die landschaftlichen oder architektonischen Höhepunkte zu finden sind. Jedenfalls hat Albanien mehr zu bieten, als Müll, Zersiedelung und schlechte Strassen, hier findet man quasi unvermenschte Mittelmeertrände, archaisches Bauernleben, pulsierendes Stadtleben, wilde, karge Berge, historische Ausgrabungen und UNESCO-Städte. Aber der Tourismus kommt, die zwei Jahre, die zwischen den beiden Besuchen hier liegen, zeigen es deutlich. Ich hoffe Albanien ist dem gewachsen und behält sich seine müllfreien Ecken und verzichtet auf weitere Hässlichbauten im Tourismusdienste. Ich wünsche dem Land, dass seine klugen Köpfe sich nachhaltigen Auf- und Ausbaukonzepten widmen, damit es sich seine Schönheit bewahren kann.
Die Abschiedsrede wäre hiermit gehalten und wir fahren weiter gen Grenze. Alle paar Meter fragen wir uns, ob hier vor zwei Jahren schon im Stau standen, sind uns hier sicher, dass dem so war und können uns dort überhaupt nicht mehr erinnern. Jedenfalls stehen wir plötzlich und etwas überrumpelt vor der gänzlich staufreien Grenze. Die Papiere interessieren heute wieder niemanden und so legen wir die restlichen Kilometer bis Ulcinj ebenfalls mühelos zurück. In Ulcinj möchten wir uns auf den Platz stellen, auf dem wir vor zwei Jahren unsere Lieblingsdeutschen kennengelernt haben, aber als wir ankommen, erkennen wir den Ort nicht wieder. Wo wir einst mit Umschwung und einigen wenigen Nachbarn standen, reiht sich heute Riesenmobil an Riesenmobil, die platzeigenen Dünen wurden aufgeschüttet, die alten Pinie gefällt, kurz:, Der Platz ist all das, was wir nicht wollen. Einige Meter weiter sehen wir ein altes Campingschild mit Pfeil dem wir unauffällig folgen, in der Angst der Flotte hier Fährte zu legen. Wir finden einen Platz auf grosszügigem Pinien-Dünen-Gelände, drei andere Parteien die verstreut in knapper Rufweite stehen und eigentlich ziemlich alles was wir wollen, ausser Internet. Hier erfahren wir, dass der Besitzer des anderen Platzes die landschaftlichen Verschlimmerungen wieder rückgängig machen muss und kichern ein wenig.
Der nächste Tag verspricht unspektakulär zu werden. Wir fahren morgens los, der attraktiven montenegrischen Küste entlang, wo mächtige Berge steil ins Wasser abfallen, Dörfer sich an ihre Vorsprünge klammern, oder sich gleich auf den nahe vorgelagerten Inseln und Halbinseln zentrieren, gelangen zur wunderbaren Bucht von Kotor, bewundern die weitläufigen Meeresarme vor grünen Bergen, setzten mit der Fähre über, steuern der kroatischen Grenze zu, werden durchgewunken und suchen uns gleich danach einen Platz, in einem pittoresken, kroatischen Mittelmeerdorf.

 

Bemerknisse

Finden wir eigentlich unser Haus wieder?“, Fragen eines reisenden Kindes.

Wenn ich hier einst türkischen Abfallsystem schrieb „Alles was in eine kleine Tüte passt, kommt in die rechte Tonne, alles was nicht in kleine Tüten passt in die linke Tonne und was du nicht zuordnen kannst, verteilst du am Strand“ , müsste das albanische System in ähnlicher Weise erwähnt werden: „Was du gerade in der Hand hast, wenn du an der Mülltonne vorbei kommst, wirfst du da rein, was du gerade in der Hand hast, wenn du an einem Abfallhaufen vorbei kommst, wirfst du da drauf, wenn du ein Feuerzeug dabei hast, zündest du den Haufen an, wenn du sonstirgendwo vorbei kommst und gerade was in der Hand hast, wirfst du es da hin.

Ich habe in keinem Land je so viele Menschen einfach gehen oder fahrradfahren sehen, wie in Albanien. Wenn es danach ginge, müssten hier die gesündesten Menschen leben. Aber wahrscheinlich gleichen sie alles mit verschmutztem Grundwasser und eingeatmetem Müll wieder aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Eingeordnet unter Bemerknisse, Neulich, Reise 2014, Reisen mit Kindern

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