Ausgeüberrascht (2. Dezember)


Überraschung ist ein massiv positiv überbewertetes Konzept, denn tatsächlich kenne ich gar nicht so viele Menschen, die von sich behaupten, vorbehaltlos gerne überrascht zu werden. Deshalb sehe ich auch absolut keinen Sinn hinter dem Überraschungsgedanken bei Weihnachts- und Geburtstagsgeschenken, wo doch eine geschenkinhaltliche Vorankündigung so viele Vorteile birgt. Um den Sachverhalt zu verdeutlichen habe ich die Gründe, die für einen Überraschungseffekt bei Weihnachtsgeschenken sprechen und die Punkte, die für eine geschenkinhaltliche Vorankündigung sprechen, in je einer Liste zusammengefasst.

 

Gründe, die für den Überraschungseffekt sprechen

  • Die zu beschenkende Person liebt Überraschungen.
  • Sie haben vergessen oder bis zur letzten Minute prokrastiniert ein Geschenk zu kaufen, haben das Geschenk gefremdschenkt, verloren, zerstört, gegessen oder auf anderem Wege unschenklich gemacht, müssen auf dem Weg zur Geschenkübergabe in der Souvenirabteilung einer Raststätte spontan Schokolade mit Bergsujets, eine Plüschkuh mit Muhfunktion oder eine Schürze mit total lustigen Aufdruck als Ersatz besorgen und haben absolut keine Zeit mehr für eine Vorankündigung.

 

Gründe, die für eine geschenkinhaltliche Vorankündigung sprechen

  • Die zu beschenkende Person hasst Überraschungen.
  • Die zu beschenkende Person kann sich, je nach Geschenk, vorfreuen.
  • Die zu beschenkende Person kann die Enttäuschung, je nach Geschenk, vorgängig verarbeiten und nach dem Geschenkaspekt suchen, der zumindest keine Ekelgefühle hervorruft, um dafür zu danken. Ich denke da an „Oh, wie strukturiert und informativ die Etikette dieses lila Strickpullovers ist, so schön!“ oder „Wie praktisch, diese Blumenvase passt genau ins unterste Fach meines Kellerschrankes, so schön!“. Undankbarkeit wird ungern gesehen und kann unter Umständen zu massiver Beeinträchtigung der allgemeinen Stimmung führen, weshalb es sich empfiehlt, Missfallen für sich zu behalten.
  • Die zu beschenkende Person kann passende Gesichtsausdrücke, Gesten und verbale Äusserungen einüben. Für eine Flasche teuren Whisky oder kubanische Zigaretten, beispielsweise, denke ich da an ein ernstes, anerkennendes Nicken, mit leicht zurückgelegtem Kopf, leicht zugekniffenen Augen mit Blick auf den Gegenstand in ausgestrecktem Arm, Tickets fürs Justin-Bieber-Konzert quittiert man am angemessensten mit einem dezenten Kreischer und 10-12 Hüpfern, bei einem persönlich gestalteten Fotobuch wäre vielleicht irgendwas mit Rührung und Schwelgung angebracht und irgendeine Form von Dank und Gefallensbekundung scheint in jedem Falle begrüsst zu werden.

 

Wie Sie auch festgestellt haben werden, sprechen doppelt so viele und gewichtigere Gründe für vorangekündigte Geschenke, sie dürfen das Überraschen also künftig getrost lassen.

Bitte, gern geschehen.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Neulich, Ratgeber

2 Antworten zu “Ausgeüberrascht (2. Dezember)

  1. jpr

    Insbesondere die Ausfuehrungen zur Moeglichkeit eine angemessese Annahme vorzubereiten sind dermassen augenoeffnend, dass man ja nur versucht sein kann auch diesen Rat haeufiger zu beherzen in Zukunft (die Ausnahme davon koennten allerdings Beschenkte in juengerem Alter sein, die mit dieser Spannung weniger gut zuschlage kommen).

    Beim Hinweis auf das gegessene Geschenk habe ich allerdings nur das hier denken koennen: http://i3.kym-cdn.com/entries/icons/original/000/004/623/1538135.jpg

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