Tage 3 und 4: Lapalisse – Dune du Pyla – Vieux Boucau les Bains


Am Morgen des dritten Reisetages stehe ich früh auf, um den Hund auf seine Morgenrunde zu begleiten. Der Spaziergang führt in den Park, am Fusse des Schlosshügels, wo ich schliesslich beim Albern mit dem Vieh erstmalig auf dieser Reise mein Handy verliere, danach panisch den Rest der angehörigen Zweibeiner wecke, um das Gerät einige Minuten später im Gras wieder zu finden. Nun sind zumindest auch die unsäglich langschlafenden Herr G. und Kind 2 wach und mein Tageszeitplan gerettet. Wir künden den Kindern für den Tag lange Fahrzeiten, im Dienste der Meererreichung an, ein Ziel, das auch die beiden motiviert und wir schaffen viele unattraktive Autobahnkilometer bis kurz vor Bordeaux. Dort kramen wir das Notizbuch hervor, wo „unsere Deutschen“ (Bekannte, die wir vor 6 Jahren in Albanien kennengelernt hatten und die seither zu Freunden geworden sind) uns zuvor ihre Höhepunkte niederschreiben liessen, unter anderem die Dune du Pyla. Europas grösste Wanderdüne soll unsere erste Station am Meer werden, beschliessen wir und fahren die Kilometer gen Düne zügig durch. Am Fusse der sandigen Attraktion hat es einige Campingplätze, deren blosses Antlitz uns schon von Aussen einigermassen abschreckt, aber die gigantische Düne, die sich im Hintergrund, durch den Pinienwald erahnen lässt, zieht uns so sehr in ihren Bann, dass wir uns überwinden und ein Plätzchen auf einem der beengenden, überfüllten, masslos überteuerten Plätze suchen. Meine Laune sinkt stetig, diese Enge, diese Menschen, die Düne muss wirklich was hergeben, damit sich dieses Opfer lohnt. Nach Ankunft brechen wir sofort auf, die Düne zu erklimmen. Weltuntergangesk liegt sie vor uns, ungefähr so würde ich mir eine gigantische Flutwelle vorstellen, schlicht eindrucksvoll. Mit Elan und dem Willen das Meer zu sehen, machen wir uns daran, die Gigantin zu besteigen. Das ist ein ziemlich anstrengendes Unterfangen, besonders für die Beine einer Fünfjährigen, es geht einen Schritt voran, 1/2 Schritt rutscht man wieder hinunter, aber spätestens nach 1/3 ist das Schweissopfer, das man beim Aufstieg gebracht hat, zu hoch, um aufzugeben. Man muss sich die Aussicht zwar verdienen, aber oben angelangt, ist der Blick atemberaubend, gen Landesinnere über weite Wälder, gen Meer über weite Strände, Küste und eine vorgelagerte, sandige Erhebung, die wohl mit der Flut zur seichten Untiefe wird. Das Runterrennen von der Düne, mach dann um so grösseren Spass, auch wenn der Sand in jede Ritze dringt. Abends starten die Bleus dann die grosse Finalparty und wo ich vorher noch kurz den Gedanken hegte, dass ein Europameisterschaftssieg des Gastlandes, in dem ich gerade weile, irgendwie nett wäre, verliere ich den Gedanken ziemlich schnell, als mit klar wird, welche Lärmkonsequenzen so ein Sieg nach sich trüge. Man kann durchaus sagen, dass ich nicht unerheblich erleichtert bin, als mit dem Schlusspfiff auch Stille einkehrt. Bereits im Bus liegend, hörte ich die Masse desillusioniert zu ihren Gefährten und Zelten schlurfen, heimlich jubilierend.
Am nächsten Tag fahren wir über kleine Strassen, parallel zur Küste, Richtung Spanien. Anfänglich führt uns der Streckenabschnitt durch ausgedehnte Nadelwälder, die mutmasslich dem Handel mit Holz dienen, sind doch immer wieder weite Strecken abgeholzt und neu bepflanzt. Spätestens nachdem wir an riesigen Holzstapeln und ebensoriesigen Haufen ungeordneter Baumwurzelstöcke vorbeifahren, scheint die Sachlage klar: Man lebt hier vom Holzschlag. Es scheint, als hätte sich hier jeder mal eben seine Lichtung geschlagen und ein Haus hingebaut, lose verteilt stehen die Häuser, in Teils sehr weiten Abständen allein, oder zu mehrt, dicht an der Strasse, jedes grosszügig mit Rasen versehen und umzäunt, wie ich das bisher eher von den USA kannte. Immer wieder fahren wir an wunderschönen, sehr gepflegt wirkenden Häusern vorbei, die mit ihren massiven Längsbalken aussehen, als wären sie absichtsvoll gestreift gestrichen worden. Irgendwann nehmen wir eine nett aussehende Querstrasse nach rechts und landen an einem ausgedehnten Sandstrand, wo wir eine ausgiebige Pause machen. Danach fahren wir nur noch wenige Kilometer weiter, finden einen Stellplatz, dinieren im Dorf und schlafen früh und lärmunbelastet.
Bemerknisse:
Finalfranzosenfans färben sich flaggig. Alle.
Erstmeeresblick beim Klettern über Gigantodünen sieht besonders gut aus.
Je sandzischenzähnenknirscher bei nächtlichem Erwachen, desto ferier.

 

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Eingeordnet unter Neulich, Reise 2016

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