Tage 25 bis 27 Moullay Busselhalm (Marokko) – Marbella (Spanien) – San José, Gapo di Gato


Unsere letzte Nacht in Marokko ist kurz, nach einschlafverzögerndem Nachtlärm, wecken morgens die Motore de Fischerboote.die Kilometer bis Tanger sind schnell bewältigt, auf dieser Strecke existiert eine mautpflichtige Autobahn. Die marokkanische Autobahn ist ein skurriles Ding. Nicht dass sie schlecht wäre, oder von Eselkarren befahren, wie wir das andernorts schon erlebt haben, bis auf Fussgänger, die gerne auf dem Pannenstreifen flanieren oder auf Mutfahrgelegenheiten warten, fährt Alles wie euroautobahngewohnt, aber die Autobahn ist auch zu den einschlägigen Stosszeiten äusserst leer. Es fahren ausserdem ausschliesslich neue, relativ teure Automodelle und überdurchschnittlich viele Fahrzeuge mit ausländischen Nummern auf der Autobahn. Das ist relativ einfach erklärt: Die Mauthöhe hält gut und gern mit dem europäischen Standard mit und ist damit für die meisten Marokkaner (Durschnittslohn kaum 200Euro/Monat) wohl ein zu teurer Spass. Wie sehr in diesem Land diesbezüglich Welten aufeinander prallen, zeigt sich eindrücklich, wenn neben der feinstbeteerten Teuerbahn, auf der der SUV-Porsche mit über 100 durch die Gegend brettert, ein Schotterweg verläuft, auf dem ein Bauer per Eselfuhrwerk seine Hühner gen Dorf bringt. In Tanger finden wir den Hafen problemlos, ergattern gar ein Ticket für quasi sofort, füllen eilern Formulare aus und stellen uns in die Reihe. Bevor wir aufs Schiff fahren können, wird das ganze Gefährt geröntgt, damit will man vermeiden, dass blinde Passagiere an Bord und nach Europa geschleppt werden. Zudem wird unser ganzer Bus abgeklopft und sogar ein Polizeihund samt Halter wird in unsere Richtung geschickt, allerdings wieder abgezogen, als wir erwähnen, dass wir ebenfalls einen Hund haben. Danach werden unsere Pässe inspiziert, Personen gezählt und mit zwei Stunden Verspätung dürfen wir endlich aufs Schiff. 35 Minuten später sind wir schon in Spanien und durchlaufen die Zollmaschinerie erneut. Erstmals überhaupt will jemand Hundes Papiere, Chip und sogar das Tier sehen. Für einige bange Minuten fürchten wir, irgendeine Impfung versäumt zu haben, aber nachdem die Papier erneut kontrolliert und der Gefährte erneut abgeklopft wurde, dürfen wir endgültig Spanischen Boden betreten, die irrtümlich illegal eingeführte Marokkokuhmilch ebenfalls im Gepäck. Der Rest der Fahrt lässt sich relativ leicht Zusammenfassen: Die Küste nach Gibraltar (Costa del Sol) ist wahrscheinlich recht schön, unter all den Hotelbunkern und Appartementkomplexen zumindest. In Marbella, weil wir nicht mehr fahren mögen, suchen wir einen Schlafplatz und landen auf einem riesigen, vollen Campingplatz, dicht an dicht mit Nachbaren, die wir nicht wollen und, ach, kollern uns in die Nacht.

Am nächsten Morgen beschliessen wir, der Küste in einem Nationalpark noch eine Chance zu geben und gegebenenfalls das Meer vorerst zu verlassen. Für viele Kilometer wird es aber nicht anders, schöne Landschaft lässt sich nur unter Häuserschichten erahnen und als die Häuserschichten aufhören, beginnen die Gewächshäuserschichten. Hier kommen sie also her, die supermarktschen Wintertomaten. Es ist von der Strasse aus kaum auszumachen, wie es hinter den Gewächshäusern aussieht, aber gegen Mittag wollen wir eine Pause einlegen, fahren nach dem Zufallsprinzip irgendwo raus und landen in La Rábita. Tatsächlich gibt es eine Welt hinter den Gewächshäusern, wie wir feststellen dürfen. In dieser Welt steht ein nettes Dörfchen, gebaut um einen Kiesstrand, besucht von einer Hand voll Einheimischen, die im klaren Wasser baden und in der Strandbar essen. Wir imitieren Vorgelebtes, baden, setzten uns für ein Eis in die Strandbar und fühlen uns wohl. Die Strandbar ist mehr ein kleines Strandrestaurant, der Sohn serviert und kassiert, der Vater steht in der Küche und die Mutter grillt Fisch und Wassergetier über offenem Feuer. Uns stellt man ungefragt einen Teller mit leicht frittierten Sardinen und Tomatensalat auf den Tisch und so wir essen zufälligerweise den besten Fisch unserer Reise. Falls also auch Sie mal gerade frustriert der spanischen, verappartementeten und vergewächhäuserten Küste entlang fahren: Machen Sie ruhig Pause in La Rábita in der Strandbar „Villegas y Cachopan“. Den Naturpark fanden wir danach auch, sogar unverbaut, überfüllt war der Campingplatz trotzdem und so beschlossen wir einfach, fortan durchs Landesinnere zurück zu fahren.

Bemerknisse:

Nach Marokko kommt man nicht umhin, in Spanien zu bemerken, wie viele  Frauen sich in der Öffentlichkeit bewegen und vor allem, wie viele Frauen sich nicht arbeitend, sondern zum Vergnügen in der Öffentlichkeit bewegen, in Cafés sitzen, oder plaudernd rumstehen.

Oder dass es in Spanien tatsächlich vorkommt, dass FahrerInnen- und Beifahrerinnensitze beide von Frauen besetzt sind, während die Männer sich in die Rückbank quetschen.

Dafür zahlen wir für eine Nacht auf dem Campingplatz in Spanien soviel, wie für vier Nächte samt Verpflegung in Marokko.

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Eingeordnet unter Reise 2016

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