Tagesarchiv: Dezember 7, 2017

Tiere und andere Arschlöcher mit Flauschhaptik – 7


Obwohl ich als Kind zwischenzeitlich den Wunsch hegte, Tierärztin zu werden, jedenfalls bis Fanny, die Mähre des Hofes auf den mein Vater uns Kinder immer schleppte, um seinem Hobby dem Hilfsbauern zu frönen, mir auf den rechten Fuss trampelte, beschloss ich irgendwann, dass ich Tiere eigentlich gar nicht mag. Das zog ich so konsequent auch über Adoleszenzjahre bis ins junge Erwachsenenalter weiter. Es lebt sich gut, wenn man Tiere eigentlich gar nicht mag. In Bezug auf Hunde entwickelte ich zwischenzeitlich gar eine richtiggehende Phobie. Das ist nicht sonderlich schwer, gilt es anzufügen, viele Hundebesitzer sind da gerne und motiviert behilflich, beim Hundephobienentwickeln, wenn sie ihre Riesenkälber bellend auf spielende Kinder zu rennen lassen, zum Beispiel, und meinen leicht panischen Versuch, die Kinder zu ihrem Schutz hinter den nächsten Zaun zu hieven, mit Kopfschütteln und einem „Aber der macht doch nichts!“ quittieren. Oder wie damals, als ich einem besonders grimmig blickenden Hundeexemplar den Fuss vor die Schnauze hielt, als dieser versuchte ans Gesicht des im Kinderwagen liegenden Kindes zu kommen, und mein Tun mit den Worten „Geh weg, du Tier!“ unterstrich. Ich machte mich aufs Schlimmste gefasst, nämlich den Verlust meines Fusses und versuchte mir in Erinnerung zu rufen, wann ich zum letztmalig gegen Starrkrampf geimpft wurde und lächelte milde beim Gedanken, künftig beim Schuhkauf 50% zu sparen, die Dame am Ende der Hundeleine stimmte allerdings in ein derart lautes Protestgebrüll ein, dass der Hund sich erschreckt zurückzog. Thema des kundgetanen Entsetzens war meine Dreistigkeit und blieb es auch in den nächsten 10 Minuten. Ich vermag nicht zu sagen ob meine, oder des Hundes Irritation grösser war, aber im Unterschied zu mir, wurde ihm wenigstens immer wieder versichert: „Das war nicht deine Schuld, mein Schatz!“ Kurz nach unserer ersten langen Reise, als wir nach einem Besuch bei unseren Reisebekannten, die sich damals frisch einen Welpen ins Haus geholt hatten, begann Herr G. mit Inbrunst und Hartnäckigkeit um einen Familienhund zu winseln. Wie genau es schlussendlich zu meiner Zustimmung kam, weiss ich nicht mehr, ich vermute unlautere Mittel, konnte aber keinen entsprechenden Nachweis erbringen. Als der Welpe dann da war, fand ich das auch gar nicht mehr weiter schlimm, im Gegenteil, seit ich selber Hundebesitzerin bin und damit auch der Hundekörpersprache etwas mächtiger wurde, werde ich nur noch bei wirklich zwielichtigen Hunde- oder Hundebesitzergestalten panisch, habe aber nicht an Wüstbeschimpfvokabular verloren und greife auch gerne darauf zurück, wenn mal wieder ein*e Vollpfosten*in findet, ihr kläffender Miniköter oder sabberndes Riesenvieh dürfe sich mir oder meinen Lieben ungebeten nähern, weil er ja nichts tut, ausser uns ein bisschen belästigen und beängstigen, natürlich. Meine wahre Tierliebe aber gilt den Katzen. Ich habe es nicht geahnt, oder viel mehr vergessen, denn als Kind hatte ich schon mal Katzen, was das für liebenswerte, grandios egozentrische Arschlochviecher mit Flauschhaptik Katzen sind. Ich finde quasi alles niedlich, was sie so tun. Nun gut, ausser die Sache mit dem anfänglichen Katzenkistchenverfehlungen, da hilft auch Niedlichkeit und Flausch nicht mehr. So ziemlich alles andere verzeihe ich. Was kann ich denn dafür, wenn sie sogar beim Krallenwetzen am Sofa, Zerlegen von Klopapierrollen und Runterschubsen von allem, was lose an Rändern rumsteht, einfach fürchterlich niedlich aussehen? Sogar der Hund verdreht hinter meinem Rücken die Augen, wenn ich den niedlichen Mistviechern mal wieder erlaube, auf meinen Schultern zu sitzen, während ich ihm oft schon das Schosshündchendasein verwehre. Dabei ist er nicht besser und lässt es zu, dass ihm die fiesen Flauscher gnadenlos auf der Nase rumtanzen, wortwörtlich. Auf Hunderunden bleibt er dafür trotzdem unersetzlich, wie heute auf dem Belpberg. Offensichtlich mag ich Tiere eben doch. Zumindest meine. Das ist wie mit Kindern.

 

 

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