Archiv der Kategorie: Konservierte Konversationen

Burkini Fasi (17. Dezember)


“Hast du schon das von Ruth gehört?”

“Welches? Also ich habe schon etwas von ihr gehört.”

“Was denn? Das mit Mona?”

“Nein, wegen Manuela. Aber was ist mit Mona?”

“Ich darf es noch nicht sagen, erst nach der 12. Woche.”

“Ist nicht wahr!? Mit diesem, ähm, Ausl…, ähm, Typen mit Immigrationsrückhalt?“

„Der kommt aus Ungarn.“

„He, Hand was Heiri! Mit diesem Ungarer?“

„Ja. Das ist sicher nicht einfach für Ruth, ich meine das sieht man dann ja auch, dass das Grosskind nicht von hier ist. Aber was ist mit Manuela?“

„Die ist in so ein Erste Hilfeprojekt, nach Burkini Fasi!“

„Die arme Ruth! Bei so Orten weiss man ja nicht ob und wie sie wieder kommen!“

„Und ihr Sohn, Andreas, ist jetzt Veganer!“

„Oh.“

„Letztens hatte ich bei ihr so eine veganische Züpfe.“

„Die müssen dann alle so Pillen und Pulver nehmen. Und man weiss ja, dass so Sachen aus Tierversuchen kommen!“

„Aus chinesischen Laboren! Aus China kommen Sachen, das glaubst du gar nicht. Die haben ja da so Extrafussgängerstreifen, für solche wo immer am Natel sind.“

„Ist nicht wahr! Das ist wie dieses Veganischsein, auch so ein Modetränd, bald haben wir hier auch so Süchtigentrottoirs!“

 

(Von dieser Mischung aus eigentümlicher Weltinterpretationswille und Wortkreativismus fasziniert, setzte ich meine supidupi Geräuschschluck-Kopfhörer zu spät auf, um von diesem erlauschten Gespräch nicht nachhaltig mit Kopfschmerz geschlagen worden zu sein. Aus Nächstenliebe teile ich das jetzt mit Ihnen. (Klammheimlich dankbar, dass meine eigene Kreativität dafür einen Tag Ruhepause hat.) Bitte, gern geschehen.)

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Magnetstreifen gibt es.


Als ich auf unserer Vierteljahresreise vor zwei Jahren, irgendwo in Mazedonien, einige Scheine in der Landeswährung zu beziehen versuchte, verweigerte sich der Geldautomat mit der Begründung, dass ich keine Berechtigung zum Geldbezug hätte. Vorerst unbesorgt, denn auf der Durchreise durch Montenegro und Albanien hatte ich gelernt, dass Automaten eher nach dem Zufallsprinzip funktionieren, suchte ich einen anderen Geldautomaten. In einer Kloake aus, im besten Falle Hundeurin, wurde ich schliesslich fündig. Ich versuchte den Pin-Code einzutippen und dabei möglichst wenige Berührungspunkte mir der Tatstatur zu schaffen. Mehr als je zuvor, bedurfte es einiger Selbstbeherrschung, ekelbedingt nicht einfach die saubersten, sondern die korrekten Tasten zu drücken, um so enttäuschender war es schliesslich, als der Automat mir dreist vorwarf, nicht genügend Geld auf dem Konto zu haben. Das war der Moment, in dem mir die Sache langsam ungeheuer wurde und als drei weitere Automaten in drei verschiedenen Kleinstädten dieselben Vorwürfe erhoben, ward mir richtig bang. Wir fuhren nach Griechenland, in der Hoffnung, die Geldverweigerung läge an Mazedonischen Bankomaten, aber, unschwer zu erahnen, auch in Griechenland gab kein Automat Geld aus. Glücklicherweise hatten wir noch einige Noteuros und Herrn Gs Kreditkarte dabei. Davon liess sich einige Tage leben, während ich versuchte in Kontakt mit der Schweizer Post, meinem Geldhort, zu treten. Ich verbrachte so viel Zeit in der telefonischen Warteschleife, dass in Anbetracht der horrenden Roaming-Gebühren davon auszugehen war, dass sich mein Kontostand spätestens jetzt tatsächlich im Minusbereich bewegte. Wenigstens zeigten sich die Personen am Telefon verständnisvoll, versicherten mir, dass mit Konto und Geld alles stimme und klärten mich darüber auf, dass es im Ausland durchaus vorkomme, dass ältere Karten, wie die meine, aufgrund einer Magnetstreifenabnutzung nicht mehr funktionieren. Unkompliziert und innerhalb zwei Tage könne man mir die neue Karte liefern, sofern ich mich an gut erreichbarem Orte befände. Zwischen zwei Telefonaten und weiteren Stunden in der Warteschleife, organisierte ich schnell einen Zwischenstopp samt Lieferadresse in Istanbul und zwei Tage später konnte ich tatsächlich eine neue, funktionierende Karte in Empfang nehmen. Freude, grosse Freude und Hallo Wissenszuwachs: Postfinancekarten funktionieren in der Schweiz mit Chip, im Ausland mit Magnetstreifen, was erklärt, weshalb daheim alles lief, im Ausland aber nicht.

Nun steht die nächste Reise an. Ich habe seit diesem Kartenwechsel die selbe Karte, der Schluss liegt also nahe, dass der Magnetstreifen im Ausland seinen Zweck wieder nicht erfüllen kann. Mit der Frage, wie sich das hier überprüfen lasse, stelle ich mich also vor den nächsten Postschalter.

„Guten Tag! Wie viel wollen Sie abheben?“ Er begrüsst mich mit einem nervösen Blick in die Runde, es warten viele Kunden.

„Eigentlich nichts, ich will nur wissen, ob der Streifen noch funktioniert.“, versuche ich es noch mal.

„Wie-vie-hiel?“ Genervt versucht der Herr am Schalter es damit, ganz besonders deutlich und laut mit mir zu sprechen.

„Ähm, 50 Franken?“, gebe ich auf, vielleicht muss ich ja etwas abheben, um das genau überprüfen zu können.

„Das müssen Sie wissen. Stecken Sie die Karte ins Kästchen!“, er weist auf das alltägliche, überall vorhandene Transaktionskästchen zu meiner Rechten. Ich bin irritiert, man hat mir zuvor erklärt, dass die hier alle mit Chip arbeiten.

„Arbeitet das mit dem Magnetstreifen…“ Er unterbricht mich:

„Das arbeitet! Stecken Sie die Karte ins Kästchen!“ Er schiebt mir den Kasten direkt unter die Nase und zeigt mit Vehemenz auf den Schlitz für die Karte.

„… oder mit dem Chip?“, beende ich meinen Satz und zeige auf den Chip auf meiner Karte. Vorsichtshalber halte ich allerdings die Karte nicht zu nah an mein Gegenüber, ich fürchte, er könnte sie mir entreissen und endlich eigenmächtig in das verdammte Kästchen stecken.

„Chip auch, ja. Stecken Sie die Karte ins Kästchen!” Tatsächlich streckt er die Hand nach meiner Karte aus. Er hat etwas an Farbe gewonnen, in den letzten Minuten, und seine Stimme zittert.Ich halte mir die Karte auf Gesichtshöhe, ich kenne das von meinem Hund, ist dessen Aufmerksamkeit, von Essbarem zu sehr absorbiert, muss auch ab und zu wieder auf die Informationsquelle „Gesicht“ gelenkt werden, damit er der Aufforderung wirklich folgen und Folge leisten kann.

„Chip oder Magnetstreifen?“ , rage ich mit strengem Blick.

„KARTE INS…“ er setzt zum Schreien an, um sich in letzter Sekunde und mit Blick auf die wartenden Kunden eines Besseren zu besinnen, „…Kästchen!“, zischt er mich an.

„Ich will kein Geld!“, zische ich zurück.

„Wieso sind Sie denn hier?“ Er resigniert sichtlich.

„Ich weiss, dass der Chip funktioniert, ich will nur die Magnetstreifenfunktion überprüfen lassen…“, unterstreichend deute ich auf beide Kartenbestandteile, mein Gegenüber hinter dem Schalter wirkt ruhiger, ich hoffe.

„Das ist doch das selbe! Stecken Sie die Karte ins Kästchen!“ Der eben noch Wütende, fleht mich nun an und schon wieder fühle ich mich an den Hund erinnert. Er will doch nur Liebe.

„Ääähm, Nein, das ist nicht das selbe!?“ Langsam verunsichert mich sein Unverständnis.

„Wie nicht?“ fragt er und ich male mir aus, wie sich die Telefonberatungsverantwortliche von vor zwei Jahren einen Scherz erlaubt hat, wie es gar keinen Magnetstreifen gibt, wie ich die einzige bin, die an ihn glaubt, wie ich mich da hineinsteigere, wie innig verbunden ich mich mit dem Magnetstreifen fühle, wie der Magnetstreifen mir plötzlich Dinge befielt, wie ich ihn im Ausland nicht mehr höre, wie ich deswegen nationalistisch werde und plötzlich seltsame Parteien wähle, wie sich mein Freundeskreis hilflos von mir abwendet, wie ich alleine dastehe und in lichteren Momenten irgendwas mit Anfängen und Magnetstreifen murmle, während ich Kreditkarte um Kreditkarte auf der Suche nach Magnetstreifen säuberlich zerlege. Trotzdem setze ich zur Wiederholung der Erklärung von vor zwei Jahren an:

„In der Schweiz arbeiten die Automaten vorwiegend mit dem Chip, der Magnetstreifen kommt im Ausland zum Einsatz. Tatsächlich wäre ich ansonsten ganz allein, ohne Hilfe am Schalter, auf die Idee gekommen, das Kärtchen am nächstbesten Automaten zu testen, so ein bisschen Restintelligenz ist schon da.“

„Grmml… Das wusste ich grmnichtmel…“, murmelt er kleinlaut.

„Dann können Sie das wohl auch nicht testen? Bestellen Sie mir vielleicht einfach eine neue Karte?“ Ich versuche wohlgesonnen und freundlich zu klingen.

„Jawoll. Und wieviel wollten Sie noch mal abheben?“, fragt er ebenso freundlich. Ich reiche ihm meine Daten und verabschiede mich.

 

Ich habe eine Karte. Sie hat einen Chip und einen unzerkratzten Magnetstreifen. Magnetstreifen gibt es.

 

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22. Dezember – Oppositionelle Lamas oder Konservierte Konversationen


Wir befinden uns im Hause G. in einer, Rüpel- Trotz- und Widerstandsphase bisher unbekannten Ausmasses. Hinzu kommt, dass das oppositionelle Kind sich neuerdings sogar einige diskussionsstrategische Fähigkeiten angeeignet hat.

Frau G.: Beklebt die Seiten eines Kalenders, der traditionell auch diese Weihnachten dem Vater überreicht werden sollte, mit frischgedruckten Fotografien.

Äm: „Aufpassen! Das ist schief! Nicht so! Anders! Das ist schief! Nicht in den Kopf schneiden! Das ist schief! Achtung! Jetzt ist es schief!“

Frau G.: Ich könnte besser arbeiten, wenn du etwas leiser wärst oder mir zumindest helfen würdest. Schau, da kann man die Rückseite der Fotokleber schon wegnehmen!“

Äm: Streckt die Zunge raus und prustet spucke- und geräuschvoll.

Frau G.: „Äm! Ich will das nicht, schau, jetzt hat es Spucke auf dem Foto! Ich will nicht dass du spuckst!“

Äm: „Ich habe nicht gespucket, ich habe…“ streckt die Zunge raus und prustet spucke- und geräuschvoll.

Frau G.: „Dann sollst du eben nicht…“ streckt die Zunge raus und prustet spucke- und geräuschvoll.

Äm: „Du machst ja auch…“ streckt die Zunge raus und prustet spucke- und geräuschvoll.

Da sehen Sie mal, wie ich hier behandelt werde!

Adventsbloggen im Jahre 2012:

22. Dezember – Sanktionen und Onomatopoesie

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5. Dezember – Prossima fermata: Tu


Neben mir im Abteil sitzen Mutter und Oma mit einem Kleinkind, dem gewisse verhütende Wirkung auf die Mitreisenden nicht abzusprechen ist. Es bedient sich wahnsinnig kreativ des ganzen Unflätigkeitenrepertoires auf sämtlichen Kanälen. Die Nonna bietet Schokolade, ihr Mobiltelefon und Coca Cola, die Mutter droht ihm immer wieder auf Italienisch damit, dass der Kondukteur oder die Lautsprecherdurchsagefrau ihn aus der Bahn werfen, nichts fruchtet, das Kind wird nun eben mit vollem Mund lauter, hat eine colabedingt erheblich angeregte Speichelproduktion und das Mobiltelefon als Wurfgeschoss entdeckt.

Lautsprecherfrau: „Nächster Halt: Thun. Prossima fermata: Thun“

Das Kind wird urplötzlich still und erbleicht sichtlich. „Io?“ fragt es, verhältnismässig kleinlaut. „Si! Si! Si! Prossima fermata: Tu! Du warst nicht artig! Aber wenn du jetzt leise bist, darfst du bleiben.“ Es folgte eine erquicklich ruhige Zugfahrt und die Erkenntnis, dass schwarzgraue Pädagogik, so als unbeteiligter Umstehender, nicht immer unwillkommen ist.

Adventsbloggen im Jahre 2012
5. Dezember

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Ich führe – Ein Drama in fünf Akten


Ich habe es vor 12 Jahren schon angekündigt und seit gestern darf ich hochoffiziell ganz alleine Autofahren. Das war der letzte Schritt ins Erwachsensein, oder zumindest das temporäre Gefühl des Erwachsenseins. Nicht nur dieser letzte Test, nein, das ganze Unterfangen war eine Prüfung für mich oder ein Drama in fünf Akten, das ich hier für Sie, falls Sie auch noch unbescheint sind und sich gerne darauf vorbereiten würden, in Stichworten zusammengefasst habe:

 

Der erste Akt – Der Nothelferkurs

Protagonisten: Hochschwangere Frau G., Schwester des Herrn G., Jugendlicher 1, Jugendlicher 2, Jugendlicher 3, Jugendlicher 4, Jugendlicher 5, Jugendlicher 6, Jugendlicher 7 ein narzisstisch veranlagter Kursleiter und eine Beatmungspuppe namens Gertrud

Handlung: Viel Situationskomik, nur zwei die darüber lachen, einige langatmige Ausschweifungen, und alle beatmen Gertrud, nur Frau G. nicht.

Leseprobe: (…) „Und damit alles hygienisch bleibt, desinfizieren sie Gertruds Mund und Nase nach Beatmung mit diesen Tüchern.“ „Das sind Babypotücher!“ „Ja, damit desinfizieren Sie Gertruds Mund und Nase:“ „Das sind Babypofeuchttücher mit Mandelöl!“ „Genau, damit desinfizieren Sie Gertruds Mund und Nase.“ (…)

 

Der zweite Akt – Die theoretische Prüfung:

Protagonisten: Frau G., Jugendliche 1, Jugendliche 2, Jugendlicher 1, Jugendlicher 2, Jugendlicher 3, Jugendlicher 4, Jugendlicher 5, Jugendlicher 6, Jugendlicher 7, aufgeregter Mittzwanziger, Mittelalterlicher mit Mittelungsbedürfnis, Prüferin mit Feierabendbedürfnis

Handlung: 1/6 der Anwesenden scheidet aufgrund fehlender Papiere aus, Frau G. demonstriert dem aufgeregten Mittzwanziger einige Beruhigungsatmungsübungen, der beginnt zu hyperventilieren beginnt, alle reissen Nothelferkurswitze und die Prüferin mahnt energisch zu Ruhe, der mitteilsame Mittelealterliche bekundet Mühe beim iPadhandling und Frau G. besteht die Prüfung knapp.

Leseprobe: (…) Mittelalterlicher (MA): „Prüfungen regen mich fühürchterlich auf.“ Frau G.: „…“ MA: „Wirklich, ich bin so nervös.“ Frau G.: „…“ MA: „SO NERVÖS!“ Frau G.: „Das wird schon.“ MA: „Was soll ich nur tun?“ Frau G.: „Tief in den Bauch atmen.“ MA: „Schnaaufschnaaufschnaaufschnaauf.“ Frau G.: „Atmen Sie nicht so schnell, ganz ruhig und lang ausatmen!“ MA: „Doch, das hilft, ich merks schon! Schnaufschnaufschnaufschnauf.“ Frau G.: „NICHT SO SCHNELL!“ MA: „Schnaufschnaufschnaufhechelhechelumkipp.“ Jugendlicher 4: „ICH beatme den nicht! Erster, Bode gchrützt*!“ (…)

 

Der dritte Akt – Der Verkehrskundeunterricht

Protagonisten: Frau G., Kursleiter 1, Kursleiter 2, Hellraumprojektor, Jugendliche, Jugendlicher 1, Jugendlicher 2, Jugendlicher 3, Jugendlicher 4, Jugendlicher 5, Jugendlicher 6, Jugendlicher 7, Jugendlicher 8

Handlung: Viel Testosteron, viele künstliche Goldkettchen, viel ebenso künstlicher Akzent in Jugendsprache, versucht autoritärer Kursleiter (1), ein Kursleiter (2) mit Verbrüderungsansinnen, veraltete Lehrfilme und ein greiser Hellraumprojektor in heiterem, interaktivem Wechselspiel.

Leseprobe: (…) Kursleiter: „Sie wissen alle weshalb dieser Kurs wichtig ist, oder?“ Jugendlicher 3: „Ja, weil mit ohne kannst du nicht zur Prüfung.“ Kursleiter: „Ja, aber hauptsächlich verlangt man den Kurs, weil der Kurs euch helfen soll interne und externe Risiken besser einzuschätzen.“ Jugendlicher 3: „Ich weiss was, ich weiss was! Drogen! Und Selbstbewusstseinserweiternde Substanzien!“ (…)

 

Der vierte Akt – Die Fahrstunden

Protagonisten: Frau G., Fahrlehrer, Frau Gs Mutter, Verkehrsteilnehmer aller Gattungen

Handlung: Multiasking, Multitasking, Multifailing, Multibremsing, Multimotorabwürging, Multihuping und Multifluching, alles drin.

Leseprobe: (…)“Was mir bisher nie so richtig bewusst war, ist wie seltsam sich die ungeübten, unterforderten Beifahrer benehmen, die verkrampfte Haltung, die gellenden Schreie, das Krallen ins Sitzpolster und geflüsterte Stossgebete. Ehrlich, alle meine bisanhinen Beifahrer sind grundsätzlich liebe und geschätzte Menschen, aber ich hoffe sehr, dass sie diese derart irritierenden Verhaltensweisen, die doch schon vermehrt brenzlige Situationen provoziert haben, beizeiten ablegen oder dafür Zeitfenster jenseits meiner Fahrstunden finden.“(…)

 

Der fünfte Akt – Die praktische Prüfung

Protagonisten: Frau G., der Prüfer

Handlung: Frau G. bereitet sich minutiös auf die Konversationssituation im Prüfungsauto vor, geplantes Thema ist der Führerscheinerwerbungsgrund, die geplante Reise, Frau G. ist sehr aufgeregt, der Prüfer nicht, aber er findet Reisen doof, Frau G. und der Prüfer schweigen, Frau G. besteht und ist so erleichtert, dass sie, statt die zur Gratulation ausgestreckte Prüferhand zu schütteln, die Autoschlüssel darin parkiert.

Leseprobe: (…) Prüfer: „Sie haben frei?“ Frau G.: „Ja.“ (Denkt: „Sonst wäre ich ja wohl kaum hier. Ich muss jetzt aufs vorbereitete Thema kommen, wie komme ich jetzt zum Thema Reisen? Um Himmelswillen bin ich nervös!) Prüfer: „Wieso?“ Frau G.: „Weil ich am Mittwoch nie arbeite.“ (Denkt: „Sehr intelligent, gna. Reisen, das Thema Reisen! Und Himmelarsch bin ich nervös!) Prüfer: „Was arbeiten Sie denn an den anderen Tagen?“ Frau G.: „Ich bin Heilpädagogin. Und Sie?“ (Denkt: „Autsch. Gna. Autsch. Reisen! Nervös!“) (…)

Ende.

 

 

*       Sagt man hierzulande um die zwingende Gültigkeit des Gesagten zu unterstreichen, wer ebenfalls um die angestrebte Position kämpft kann jetzt höchstens noch sagen „Zweiter, Bode gchrützt!“ und der/die Unglückliche, der/die als Letzte/r Bode chrützt, vierliert, bzw. müsste in dem Falle beatmen. Ein Usus der ungefähr so viel Sinn ergibt wie: „Ich habe immer einmal mehr Recht als du.“

 

 

 

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