Archiv der Kategorie: Konservierte Konversationen

Pfeife mit Rucksack


(Der folgende Text erschien als Blogpost im Blog der Schweizerischen Bundesbahnen.)

PfeifemitRucksack

Es ist Dienstag. So ein Dienstag, der sich anfühlt als wäre er ein Freitag, nur ohne die Aussicht auf ein baldiges Wochenende. «Ist hier noch frei?», fragt er und quetscht sich, den Rucksack mit mindestens 60 Litern Volumen noch immer am Rücken, zum Fensterplatz vis-à-vis von mir. «Ähm, ja, eigentlich schon…», erwidere ich. «Eigentlich schon? Wie meinst du das?», er pustet sich eine Strähne seines Haars derart energisch aus dem Gesicht, dass ich den Lufthauch spüre. Ich halte für einige Sekunden die Luft an und atme erst wieder ein, als ich davon ausgehen kann, dass die Aerobakterien in fremde Lufträume weitergezogen sind.

Der Rucksack.

«Eigentlich schon, ja, aber jetzt sitzt du schon und meine Antwort spielt keine Rolle mehr.», antworte ich und versuche mich im Ansatz eines versöhnlichen Lächelns. «Aber natürlich spielt das eine Rolle, ich könnte schon noch Platz wechseln…», er versucht sich zu erheben, wird aber durch den offensichtlich sehr gewichtigen Rucksack massiv behindert. «Schon in Ordnung, wirklich, bleib nur», beschwichtige ich und möchte nichts anderes, als mich in meiner wohlverdienten, gänzlich schüler- und kinderlosen Pendelstunde irgendeiner Belanglosigkeit – heute einem seichten Buch – zu widmen. «Danke. Ich hätte jetzt ungern Platz gewechselt. Und nicht dass du jetzt denkst, ich könnte gar nicht mehr aufstehen. Du müsstest mir beim Aufstehprozess nur mit einem kurzen, kräftigen Zug am vorzugsweise rechten Arm behilflich sein, dann würde das schon klappen. Das Problem ist der Rucksack. Der ist einfach zu schwer. Ich habe wirklich sehr viel Material bei mir.» «Mmhmm, okay», brummle ich und fülle die Zeilenzwischenräume mit so viel Ich-will-nicht-gestört-werden wie möglich.

Der Brustgürtel.

«Aber das Gewicht alleine wäre ja nicht mal so schlimm, nein, vorhin im Bus ist mir auch noch die Schnalle am Brustgürtel kaputt gegangen. Schau!» Meine Reflexkontrolle versagt: Ich blicke wider besseren Wissens kurz hoch. Er deutet theatralisch und mit weit ausholenden Zeigebewegungen auf den Brustgürtel seines Rucksacks und beginnt mit verstellter Stimme vorzutragen: «Welcome on board. Fasten your breastbelts please. Unfortunately you kannst ihn aber nie mehr öffnen. Das blöde Teil ist kaputt. Jetzt kann ich meinen Rucksack nicht mehr ausziehen, ohne den Brustgurt zu zerschneiden. Hast du ein Sackmesser?» Leicht konsterniert lege ich mein Buch auf den Zugtisch und beginne in meiner Tasche zu wühlen. «Ähm, nein, ich habe kein Sackmesser dabei», teile ich schulterzuckend mit und widme mich, im Glauben meine Schuldigkeit endgültig getan zu haben, wieder dem Buch.

Die Pfeife.

«Zum guten Glück, es wäre auch irgendwie unpraktisch, den Rucksack ohne Brustgurt zu tragen. Und dann ist da ja auch noch die Hilferuf-Pfeife dran. Wer weiss, wann ich die brauche!? Ob die auch kaputt ist?» Ich höre wie er Luft holt, lasse das Buch fallen und kann mir gerade noch rechtzeitig die Ohren zuhalten. Dem Pfiff nach zu urteilen, verfügt der Mann über die Lungenkapazität eines Nichtrauchers mit Arienerfahrung. «Sie funktioniert», stellt er zufrieden fest. Ich, unsere Mitpassagiere und mit grosser Wahrscheinlichkeit auch das Dorf, durch welches wir gerade fahren, empfinden eher Angst und Pein. Der Zug ist voll, ein Platzwechsel ausgeschlossen, mir bleibt nur Musik, auch wenn ich befürchte, dass die Dienste meiner Kopfhörer nach dem pfeifbedingt erlittenen Hörsturz meinen Ansprüchen nicht mehr genügen.

Das Deo.

Sobald die Musik dann doch erklingt, fühle ich erstmals auf dieser Fahrt aufkeimende Entspannung. Ich sitze, lausche, starre Löcher in die Luft und alles scheint sich wieder einzupendeln, als mein Abteilsgenosse sich samt Rucksack und Anstrengung in mein Sichtfeld begibt. Seine Gesichtsfarbe und Mimik lassen ahnen, dass er sich gerade die Seele aus dem Leib schreit, beim Versuch mich anzusprechen. Auch wenn ich ihn zuerst ignorieren wollte, obsiegt schlussendlich das Solidaritätsgefühl zu meinen Mitpendelnden. Unmöglich kann ich ihn so schreien lassen. «Ja?», frage ich indezent genervt und nehme den Kopfhörer aus dem rechten Ohr und verstehe, von angenehmer Stille überrascht, erst nach einigen Sekunden, dass mein irres Gegenüber mich gerade tonlos, rein mimisch anschreit. «Sorry», er bedient sich seiner Stimme wieder, «ich habe nur gerade bemerkt, dass es hier etwas unangenehm riecht. Erst dachte ich ja, das seien die Zugbremsen, aber dann musste ich feststellen, dass es wohl ich selber bin. Der schwere Rucksack, Stress mit dem Brustgurt, du verstehst schon, da kommt man eben ins Schwitzen. Aber ich habe ein Deo, da muss man sich gar keine Sorgen machen, nur ist das Deo eben im Rucksack und den kann ich nicht ablegen… Würdest du?» Unerwartet behände steht er auf und dreht mir den Rücken samt Rucksack zu.

Die Rettung.

An streckenmässig ungewohnter Stelle erklingt in dem Moment eine Zugdurchsage, von der ich nur «…ausserordentlicher Halt in Olten…» verstehe, weil der Berucksackte mir die Wegbeschreibung von der Rucksacköffnung zum Antitranspirant im unteren Bereich der Tasche zu vermitteln versucht. Aber ich habe alles gehört, was ich hören musste – und plötzlich erscheint mir der Oltener Bahnhof attraktiv genug für einen ungeplanten Zwischenhalt. Ich bin die Erste an der Tür. Ich mag Olten.

PS: Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen oder Situationen sind selbstredend rein zufällig.

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Konservierte Konversationen, die Xte Ausgabe


Äm: „Jaaa, jaaa Bébé, jaajaa, zu mir kommen, ich traaage. Jaaa, jaaa, Jana.“, tut so, als wiege sie ein Baby im Arm

Y: „Das ist nicht Jana! Jana liegt da auf dem Sofa!“, zeigt auf das leere Sofa.

Äm: „Nei, Jana-Bébé is bei mir. Jaa, jaaa, Jana.“ , wiegt ihr imginäres Baby etwas nachdrücklicher.

Y: „Näähääiin, das Bébé schlähäft, daha!“, zeigt wieder aufs leere Sofa. „Dein Bébé ist nicht Jana!“

Äm, sehr laut: „Doch!!! Das is Jana!!!“, wiegt ihren imaginären Säugling auf erheblich kindswohlgefährdende Weise.

Y, jetzt ebenfalls sehr laut: „Nein!!!“

Äm, noch lauter: „Doch!!!“, wutwiegt ihr Kind dem sicheren Tod entgegen.

Ich, aus Angst vor einem Gehörsturz: „Erfindet doch einfach noch ein weiteres Bébé, es kann ja auch Jana heissen.“

Beide Kinder, sofort ein Herz und eine Seele, brüllen einstimmig und unverhältnismässig laut: „Nein!“

Y setzt nach: „Man kann doch nicht einfach Kinder machen, nur damit niemand weint!“

Beide Kinder kopfschüttelnd ab.

 

Aus: Die Leiden einer jungen Mutter.

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Entgeléeisungen


Er sitzt grosszügig auf zwei Sitze verteilt, neben sich ein kleiner Rucksack, in der Hand einige Papiere, die ich als ehemalige Werbeprospekte und Fahrpläne identifiziere. Er wird etwa 70 Jahre alt sein, trägt Hose und Jacke in Rentnergrau und dazu passende Schuhe. Immer wieder schaut er auf seine Uhr, vergleicht mit seinem Fahrplan und schüttelt den Kopf. „Entschuldigung, Sie!“, er winkt den Kondukteur in Sichtweite aufgeregt zu sich. „Sie, Entschuldigung!“ Der Kondukteur nähert sich, bleibt aber auf halbem Wege stehen, um gestikulierend auf die Lautsprecherdurchsage hinzuweisen. „Hä? Ich verstehe nicht! Kann das mal jemand lauter stellen? Ich VERSTEHE NICHTS!“ er steht auf und versucht sich näher bei einem der diversen Lautsprecher in Position zu bringen. Er erntet einige energische „Psst!“ und ebenso giftige Blicke, die Lautsprecherdurchsage hat nun niemand verstanden. „Können Sie das noch mal ablassen? Ich habe rein GAR NICHTS verstanden!?“, er richtet sich nun wieder direkt an den Kondukteur, der mittlerweil neben ihm steht. „Ich kann das jetzt gerade nicht noch mal abspielen, nein, aber ich kann Sie darüber informieren, dass ein Defekt an der Lokomotive besteht und wir aufgrund der entstehenden Verspätung auf die alte Linie über Langenthal ausweichen müssen.“ „Aber dann werde ich zu spät kommen!“ offensichtlich aufgebracht zeigt er auf seine Uhr. „Ich werde zu spät kommen und ALLES hat schon angefangen! Ich habe EXTRA nichts gegessen.“ „Das tut mir sehr leid. Ich entschuldige mich im Namen der SBB.“, der Kondukteur zeigt sich ruhig und routiniert. „Ausserdem habe ich ein Billett für die neue Strecke gekauft. EXTRA.“ er wedelt mit dem Billett so intensiv vor Kondukteurs Nase herum, dass ich glaube Nasenhaare flattern zu sehen. „Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten.“, versucht es der Kondukteur erneut, langsam sichtlich nervöser, aber der Aufgebrachte zeigt keine Gnade: „Jetzt werde ich den wichtigsten Streckenabschnitt verpassen und kann meiner Frau nicht beweisen, dass ich recht hatte.“ Er blickt herausfordernd in die Runde, die blickt geschlossen in andere Richtungen. „Die behauptet nämlich, dass vom Zug aus, in Rothrist das Haus der Schlagersängerin Florina Hast NICHT zu sehen sei, aber das stimmt so nicht und jetzt kann ich ihr nicht wie geplant per Foto beweisen, dass ich recht hatte. Solche Ungeklärtheiten sind nicht gut für eine Ehe. Wissen Sie, wir sind seit fünfzig Jahren verheiratet. Fünfzig Jahre!“ „Das ist sehr schön, schön für Sie beide.“ anerkennt der Kondukteur und wendet sich zum Gehen. „Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und entschuldige mich noch mal für die Verspätung.“ „Das nützt mir nun aber herzlich wenig, so eine Entschuldigung! Erstens bin ich nun nach wie vor in Beweisnot gegenüber meiner Frau, obwohl ich EXTRA dafür gesorgt habe, dass ich diesen unleidiglichen Zustand beenden kann, zweitens komme ich viel zu spät, dabei habe ich EXTRA nichts gefrühstückt. Wissen Sie, ich bin eingeladen zum Brunch des Migroskundenratsvorstand und es ist sehr wichtig, nicht zu spät zu kommen. Sie müssen jetzt gar nicht so händeringen, oder wie man das nennt, was sie da machen, ich weiss selbstredend, dass ich nicht leer ausgehen werde, aber ich besuche diesen Brunch nicht nur aus Selbstlosigkeit, ich möchte von diesen belegten Broten mit kleinen Spargeln und Geléeschicht essen. Meine Frau kann diese Geléeschicht nicht, ich habe sie darum gebeten, aber sie kann das nicht und deswegen muss ich zum Brunch. Pünktlich!“ Langsam wird es den Umsitzenden in den umliegenden Abteilen unwohler, der Kondukteur zuckt hilflos mit den Schultern. „Was soll ich tun, ich kann Ihnen jetzt nicht helfen. Es tut uns wirklich leid.“ „Meine Frau wollte mich heute nicht ohne Frühstück rausgehen lassen, sie weiss wie ungemütlich ich werden kann, wenn ich hungere. Dabei bin ich EXTRA früh genug raus, um pünktlich zu sein. EXTRA! UND JETZT DAS!“ „Minibar: Kaffee, Mineral, Sandwich! Entschuldigen Sie bitte!“ Der Minibarverkäufer kämpft sich durch die vollen Gänge. „Minibar: Kaffee, Mineral, Sandwich! Entschuldigen Sie bitte!“ Der Kondukteur, in Platznot, quetscht sich stehend in das Abteil des wetternden Rentners, besorgt, niemandem auf die Füsse zu treten. „Hier bitte, ich möchte etwas kaufen!“, meldet sich ein Anzugträger aus dem gegenüberliegenden Abteil. Der Minibarverkäufer stellt den Wagen direkt zwischen den Abteilen ab. Rentner und Kondukteur, zu Nähe gezwungen, finden die Situation offensichtlich wenig angenehm. „Sie müssen sich nicht Mühe geben, mir nicht auf die Füsse zu stehen, der Tag ist ohnehin gelaufen. Ohne Beweis. Ohne Geléespargelbrötchen. Der Tag trampelt ohnehin schon ganz schwer auf meinen Füssen rum. Und ihre Bahn da.“, der Rentner fährt den Zeigefinger aus. „Entsch… Das ist nicht meine… Ach, ich gebs auf.“, über die Seitenlehne befreit sich der Kondukteur aus seiner misslichen Lage. „Einmal Kaffee, ein Croissont und, ähm, ein Salamibrot, bitte.“, bestellt der Anzugträger aus dem anderen Abteil und bezahlt sogleich die üblich teuren Bahnpreise. Der Minibarverkäufer zieht weiter. „Minibar: Kaffee, Mineral, Sandwich! Entschuldigen Sie bitte!“ „Voilà!“ der Anzugträger reicht das Salamibrot an den Rentner weiter. „Ihre Frau hatte recht, Sie sind sehr ungemütlich, wenn Sie morgens fasten.“ Einstimmiges, stummes Nicken bei allen unbeteiligten Anwesenden. Der Kondukteur nutzt die Gunst der Stunde und entschwindet in Zugganges Untiefen. „Das wäre nicht nötig gewesen.“, wehrt der Rentner ab, während er das Sandwich auspackt. „Aber es ist sehr aufmerksam und vielleicht haben Sie recht. Gelee und Beweis fehlen trotzdem. Nicht mal Gelée haben die hier auf den Salamibrötchen.“

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Der nur fürs Wetter speichelt


„Entschuldigen Sie, ich werde einen langen Arbeitstag haben und versuche auf der Anfahrt, also hier und jetzt, einige Minuten Schlaf zu finden. Könnten Sie etwas leiser umblättern?“

„Ich lese Zeitung, Zeitunglesen ist keine leise Angelegenheit. Wenn ich versuchen würde, die Seiten leiser umzublättern, würde das allerhöchstens in einer längerdauernden Raschellärmbelastung enden, niemals aber in niedrigerem Raschelgeräuschepegel. Ausserdem schlafen Sie ja trotzdem.“

„Wie jetzt? Ich spreche doch in dem Moment mit Ihnen, also kann ich unmöglich schlafen.“

„Womit wir doch bei der Ursache des Problems wären: Sie schlafen nicht, weil Sie mit mir sprechen.“

„Das sehen Sie falsch. Ich spreche mit Ihnen, weil ich nicht schlafen kann, weil Sie so laut mit Ihrer Zeitung rascheln. Beim Umblättern.“

„Ich sehe schon worauf Sie hinaus wollen. Das kommt unter keinen Umständen in Frage.“

„Es kommt für Sie nicht in Frage, die Zeitung leiser umzublättern? Ich bitte Sie, das ist doch nicht zu viel verlangt!“

„Sie wollen, dass ich zum Umblättern meinen Zeigefinger ablecke, nicht wahr? Ja, ich gebe zu, die Lärmbelastung beim Zeitungslesen ohne Zuhilfenahme von Speichel, kann höher sein, bedarf es doch zur Seitentrennung grösseren Aufwands, aber da müssen Sie schon andere Vorschläge bringen, denn ich lecke meine Finger nicht ab. Keinen meiner Finger.“

„Das wollte ich…“

„Über die Anfangsseite, ja,“

„…nicht…“

„über die Anfangsseite liesse ich vielleicht noch mit mir reden. Um den Umblättervorgang zu erleichtern, würde ich vielleicht für die Anfangsseite meinen Zeigefinger ablecken, dann wäre er nämlich noch nicht druckerschwärzekontaminiert. Da liesse ich wirklich mit mir reden. Jedenfalls wenn ich nicht die Angewohnheit hätte, den Kantonsteil immer zuerst zu lesen, was ich übrigens empfehlen kann, denn da steht auch das Wetter und die Prognose ist nun mal der Teil der Zeitung, die mich, wie auch Sie, in jedem Falle betrifft. In jedem Falle liesse ich da mit mir diskutieren. Ich würde, würde die Bitte in entsprechendem Ton Vorgetragen, meinen Finger, zu Gunsten Ihres Schlafes, im Zuge des Kantonsteilanfangsseitenumblättervorganges, ablecken. Aber ich werde den Teufel tun und bei Wiederholung des Fingerleckvorgangs Ihretwegen Druckerschwärze inkorporieren. Da bin ich unerbittlich.“

„Vergessen Sie es, wir sind gleich da. Ich werde mich einfach künftig und nach Möglichkeit morgens nicht mehr neben Sie setzen.“

„Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis.“

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München


Die letzten Tage des letzten und die ersten Tage des jetzigen Jahres verbrachten wir in München, bei „unseren Deutschen“. (Der Stammleser wird sich daran erinnern, dass wir „unsere Deutschen“ in Albanien kennengelernt und einen Teil der Reise2012 mit ihnen zurückgelegt haben.) Der Ausflug hat sich gelohnt, hauptsächlich natürlich weil wir die liebgewonnenen Ex-Mitreisenden wieder sahen, in gemeinsamen Reiserinnerungen und verwegenen Zukunftsplänen schwelgten, aber auch weil wir die Stadt München ansatzweise zu Gesicht bekamen, Frau Schussel trafen, den gigantösen und wunderschönen englischen Garten bewanderten, Kutsche fuhren, den Zoo besuchten, uns für weniger Geld mit mehr Windeln und vor allem massig süssem Senf eindeckten und weil wir erheblich an Wissenszuwachs gewannen:

Bemerknisse:

Von der Fahrerei erhoffte ich mir kleine Reisebackflash, jedenfalls war das so geplant und die passende Musik habe ich auch eingepackt: Das Unterwegssein in einem Kleinwagen durch Deutschland und die Schweiz ist allerdings dann doch nicht vergleichbar, mit der Fahrt in unserem Gefährt(en) durch beispielsweise Montenegro oder Mazedonien. So ein Kleinwagen hat zwar durchaus seine Vorteile, so kann ich die Kinder problemlos vom Vordersitz aus mit Ungesunden Fressalien bestechen, aber auch seine Nachteile, denn auf dem Zwischendenkindernsitz hat deutlich weniger Unterhaltungsmaterial Platz und dann gibt es noch die Unterschiede, die nicht mit Gewissheit als Vor- oder Nachteil eingestuft werden können, wie die Tatsache, dass die Kinder viel besser zu hören sind.

Auch wenn die hundephobische Y noch so eingehend auf das mehrtägige Zusammensein mit einem Hund vorbereitet wird, auch wenn ihre Eltern sich davon einen gewissen Gewöhnungsprozess und Angstabbau erhoffen, ist es dem Kind durchausmöglich die vollen vier Tage in Anwesenheit des Hundes konsequent in erhöhter Position zu verbringen: Auf Stühlen, Tischen, Schultern, Köpfen und Regalen. Ja, die vermeintlich therapeutische Annährung brachte ähnlich viel Erfolg, wie wenn Y jeweils ihrer Dunkelheitsphobie per Lichtschalter eigeninitiiert konfrontationstherapeutisch Herrin zu werden ersucht. Letzteres klingt übrigens ungefähr Klingt so: „Klick – Uäääh! – Klick – Uff! – Klick – Uäääh! – Klick – Uff!“, wohingegen Ersteres nur den „Uäääh!“-Part beinhaltet. Verarbeitet wird die intensive Begegnung hernach und wieder daheim so:

Verarbeitung

Verarbeitung

Tierparks voller Exoten wie Elefanten, Löwen, Krokodile, Kamele, Zebras, Emus, Orang-Utans und Eisbären sind völlig sinnfrei, Kinder (Ypsilönchen und schusselscher Knirps) schreien eh nur nach Ponys und Hydranten.

Ich möchte zum Frühstück Brot mit süssem Senf essen, zu Mittag Pasta mit süssem Senf und zum Abendessen süssen Senf. Süsser Senf ist lieb.

Zu Silvester überböllern die Deutschen die Schweizer bei Weitem. Ich habe nichts dagegen.

Beim Aufeinandertreffen von Bayern und Bernern können Sprachwirren auftreten, insbesondere wenn Kinder involviert sind uns selbst dann, wenn diese sich schon ein beachtliches Fremdwortarsenal zugelegt haben:

„Wo ist denn nun Opa?“

Opa (Oper)

Opa (Oper)

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