Archiv der Kategorie: Neulich

Glo-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-ria (24. Dezember)


Was auch immer Sie glauben, wenn Sie glauben

was auch immer Sie feiern, wenn Sie feiern,

was auch immer Sie dabei fühlen, wenn Sie fühlen:

Glo-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-ria.

Äm, Y und das Christkind.

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Stopp! So nicht! (20. Dezember)


Als ich vor drei Tagen nach Zürich fuhr, um an einem Elternanlass der Schule, an der ich arbeite, teilzunehmen, war ich ganzfahrts damit beschäftigt, den Abend durchzugehen. Ich überlegte mir, was ich so zu welchen Eltern sagen würde, was ihre Fragen an mich sein könnten und meine Antworten darauf. Ich plante wo ich sitzen, wo ich nach Programmbeendigung meinen Handfüller (Glühwein) holen und zu welcher Gruppe ich mich stellen würde und tat überhaupt das, was man vor Anlässen so tut, die einem nicht liegen, aber irgendwie dazu gehören. Und wie es sich mit Hinfahrten zu ebensolchen Anlässen so verhält, sieht man sich, voller nervöser Rotationsgedanken, urplötzlich mit dem überraschenden Umstand konfrontiert, dass man pünktlich, wie immer, am Zwischenzielbahnhof angekommen ist und nur noch angebrochene Minuten bleiben, um den Zug zu wechseln. In diesem, mehr rauschartig, als zurechnungsfähig anmutenden Zustand, setzte ich also meine Kopfhörer auf und bodenplattenfugenvermied mich vom Ankunftsgleis in Richtung S-Bahnhofsteil und benutzte wider meine Gewohnheit dafür eine Rolltreppe, weil die Treppe meines Vertrauens auf Zwischenbodenhöhe von zwei mittig stehenden, wild gestikulierenden Männern besetzt wurde. Kurz bevor ich mittels Rolltreppe die Höhe der beiden Gestikulanten erreichte, nahm ich augenwinklig wahr, wie der grössere der beiden Männer binnen Sekunden von Gesten zu Drohgebärden überging und schliesslich zum Schlag ausholte. Relativ perplex sah ich mir selber dabei zu, wie ich meine Kopfhörer absetzte und den Mann ziemlich laut anschrie: „Stopp! So nicht!“ Erstaunlicherweise hielt der Angeschriene sofort inne und bewegte sich treppab davon. Ich setzte meine Kopfhörer wieder auf, wimmelte den dankenden Ungeschlagenen ab, erwischte den Anschlusszug, setzte mich und wurde mit Sitzbezugberührung von einer Adrenalinwelle überrollt, die ihresgleichen sucht. Binnen Sekunden war ich nass geschwitzt und zitterte mit allen dazu fähigen Körpergliedern. Dabei war es keine nachträgliche Angst vor potentiellen Schlägen, ich konnte und kann mir nicht ernsthaft vorstellen, dass ich Bedrohung genug wäre, dass man mich schlagen müsste, viel mehr durchlebte ich die Aufregung, die ich normalerweise verspüre, bevor ich geplant jemanden anspreche, in potenzierter Ausführung danach. Ich habe einen Wildfremden(!!!) angeschrieen(!!!) und es war gut so. Ist es nicht beruhigend zu wissen, dass es in aggressionsgeladenen Situationen schon reichen kann, wenn eine relativ kleingewachsene Frau, verbal, ruhig, aber deutlich Einhalt gebietet und dass es manchmal wirklich nur Hinsehens und einer minimalen Reaktion bedarf, um Schlimmeres zu verhindern? Ich finde schon. Sehr.

Ausserdem schien danach Alles, was an Unbequemlichkeiten an jenem Anlass, und eigentlichem Grund meiner Anreise, passierte, unwesentlicher, leicht von Sinnen kaum wahrnehmbarer Kleinkram zu sein. Drohen Sie sich also ruhig öfter mit Schlägen, wenn ich gerade wieder zu irgendwelchen Anlässen fahre.

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Per Ploppen zur Entspannung (19. Dezember)


Nachdem die letzten Artikel sich arg oft um Dinge wie Sortieren und Fugenvermeiden drehten, nahm ich mir für heute vor, einen Text zu schreiben, der zumindest halbwegs den Eindruck macht, als hätte ich genügen Tässchen in meinem Schränklein. Was, dachte ich mir so, eignet sich da besser als ein Artikel über eine meiner wohl entspannendsten, regelmässigen Tätigkeiten: Dem Spaziergang mit dem Hund, entlang der Aare.

Zugegeben, es gibt eigentlich nicht all zu viel darüber zu schreiben, man tut auf so Spaziergängen, was man eben so tut.

  1. Die allerbequemsten Schuhe, die Ästhetiker leise weinen lassen, anziehen, ähnlich geartete Jacke überwerfen. (Ich.)
  2. Zu Leine und Spielball greifen. (Ich.)
  3. Vor Freude über das verheissungsvolle Leinenklackern in die geschlossene Glastür rennen. (Der Hund.)
  4. Flotten Schrittes losmarschieren. (Beide.)
  5. Die kinderlose Schnelligkeit geniessen. (Mutmasslich beide.)
  6. Ball werfen. (Ich.)
  7. Ball holen. (Der Hund.)
  8. Spaziergangbegegnungen nicht beachten, allerhöchstens anknurren. (Ich.)
  9. Auf Befehl dekorativ posieren. (Der Hund.)
  10. Möglichst runde Steine mit 3-4cm Durchmesser, in werfenden Richtung rotierend, in möglichst hohem Bogen in die mutmasslich tiefste, sichtbare Aarestelle werfen. (Ich.)
  11. Dem bei dieser Wurfart entstehenden, verschluckend anmutenden „Plopp!“ lauschen. (Ich.)
  12. Die dabei entstehenden, perfekt kreisförmigen Minimalwellen beobachten, hoffen, dass keine dieser blöden Spielverderberenten reinschwimmen. (Ich.)
  13. Schritte 4 bis 9 wiederholen, dabei den Rückweg antreten. (Beide)
  14. Zuhause zuerst nasse Hunde trocknen, dann Spaziergangskleider loswerden. (Ich)
  15. Angeberische Bilder mit (meist) Morgengrüssen ins Internet laden. (Ich.)

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Bern versus Zürich – Der Bahnhofbodenvergleich (18. Dezember)


Ein weiterer Vorschlag, der auf Twitter nach meiner verzweifelten Frage nach Themenvorschlägen geäussert ward, kam von @KratzeZH und lautete folgendermassen:

Ich habe mir erlaubt die Frage etwas umzustellen und möchte stattdessen die beiden Bahnhöfe in ihrer diesbezügliche Tauglichkeit vergleichen, in denen ich fast täglich ein- und ausbodenplattenfugenvermeide: Bern und Zürich. Dabei werde ich je 5 Beispiele mittels einer Notenskala (1-6) mit begründeten Bewertungen versehen.

Zürich:

ZH: Perron16

1. ZH: Perron16

Fugenvermeidungstechnisch hervorragend, aber keine Herausforderung und erst recht keine Ablenkung im Kampf gegen Pendlerströme. Note: 3

 

2. ZH: Neuer Bahnhofteildingsi

2. ZH: Neuer Bahnhofteildingsi

In Gehrichtung verlaufende, grosse Platten, rhythmische Fugenvermeidung problemlos möglich, zu problemlos, um genau zu sein. Note:4

 

3. ZH: Gleis 41/42

3. ZH: Gleis 41/42

Hervorragender Fugenabstand, zumindest für Schuhgrösse 36, Platten verlaufen in Gehrichtung, Fugentrittvermeidung in eiltempofreundlichem, musikkompatiblem Rhythmus möglich. Optimale Schrittkomposition: Helle Platte, helle Platte, dunkle Platte, helle Platte, helle Platte, dunkle Platte usw. Note: 5

 

4. ZH: Gleis 31/32

4. ZH: Gleis 31/32

Nicht in Gehrichtung, sonder schräg verlaufende Platten optimaler Grösse. Schräger Plattenverlauf vereinfacht die Schrittanpassung zur Fugentrittvermeidung auch bei sehr hohem Tempo, da bei minimaler seitlicher Schrittabweichung der Fussabstand zur Fuge laufen korrigiert werden kann. Note: 6

 

5. ZH: Bahnhofhalle

5. ZH: Bahnhofhalle

Seltsam parallelogrammförmige, sehr grosse Bodenplatten. Kaum Herausforderung, damit auch kaum Ablenkung von Menschenmassen. Note: 4

 

Notendurchschnitt Zürich: 4,4

 

Bern:

1. BE: Treffpunkt

1. BE: Treffpunkt

Grosse, verschoben angeordnete, in häufigster Gehrichtung angeordnete Platten, die etwas zu problemlos rhythmisch und in Eile fugentrittvermeidend übergangen werden können. Note: 5

 

2. BE: RBS Bahnhof

2. BE: RBS Bahnhof

Nicht in Gehrichtung, sondern schrägverlaufende, mittelgrosse Bodenplatten, die mit Schuhgrösse 36 und schritttechnischer Treffsicherheit, rhythmisch und eilends übergangen werden können. Note: 6

 

3. BE: Perron 4

3. BE: Perron 4

Fugenvermeidungstechnisch hervorragend, aber keine Herausforderung und erst recht keine Ablenkung im Kampf gegen Pendlerströme. Note: 3

 

4. BE: Bei Perronaufgängen 1

4. BE: Bei Perronaufgängen 1

Auch für kleinere Schuhgrössen sehr knapp bemessene Platten und unregelmässiger Formatierung, Fugentrittvermeidung nur in sehr langsamem Tempo und umrhythmisch möglich. Note: 3

 

5. BE: Bei Perronaufgängen 2

5. BE: Bei Perronaufgängen 2

In Gehrichtung angeordnete Bodenplatten optimal treffbegünstigender Grösse, Rhythmus aufgrund des starr in Gehrichtung verlaufender Platten schwierig einzuhalten, da auch Abweichungen gen links, oder rechts kaum Fuss-Fugen-Abstand-Korrekturen erlauben. Note: 4

 

Notendurchschnitt Bern: 4,2

 

Fazit:

Der Zürcher Bahnhof ist knapper Testsieger. Damit wäre erklärt, dass ich seit Jahren den Weg von Bern nach Zürich auf mich nehme.

 

 

 

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Burkini Fasi (17. Dezember)


„Hast du schon das von Ruth gehört?“

„Welches? Also ich habe schon etwas von ihr gehört.“

„Was denn? Das mit Mona?“

„Nein, wegen Manuela. Aber was ist mit Mona?“

„Ich darf es noch nicht sagen, erst nach der 12. Woche.“

„Ist nicht wahr!? Mit diesem, ähm, Ausl…, ähm, Typen mit Immigrationsrückhalt?“

„Der kommt aus Ungarn.“

„He, Hand was Heiri! Mit diesem Ungarer?“

„Ja. Das ist sicher nicht einfach für Ruth, ich meine das sieht man dann ja auch, dass das Grosskind nicht von hier ist. Aber was ist mit Manuela?“

„Die ist in so ein Erste Hilfeprojekt, nach Burkini Fasi!“

„Die arme Ruth! Bei so Orten weiss man ja nicht ob und wie sie wieder kommen!“

„Und ihr Sohn, Andreas, ist jetzt Veganer!“

„Oh.“

„Letztens hatte ich bei ihr so eine veganische Züpfe.“

„Die müssen dann alle so Pillen und Pulver nehmen. Und man weiss ja, dass so Sachen aus Tierversuchen kommen!“

„Aus chinesischen Laboren! Aus China kommen Sachen, das glaubst du gar nicht. Die haben ja da so Extrafussgängerstreifen, für solche wo immer am Natel sind.“

„Ist nicht wahr! Das ist wie dieses Veganischsein, auch so ein Modetränd, bald haben wir hier auch so Süchtigentrottoirs!“

 

(Von dieser Mischung aus eigentümlicher Weltinterpretationswille und Wortkreativismus fasziniert, setzte ich meine supidupi Geräuschschluck-Kopfhörer zu spät auf, um von diesem erlauschten Gespräch nicht nachhaltig mit Kopfschmerz geschlagen worden zu sein. Aus Nächstenliebe teile ich das jetzt mit Ihnen. (Klammheimlich dankbar, dass meine eigene Kreativität dafür einen Tag Ruhepause hat.) Bitte, gern geschehen.)

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