Von neuen Projekten – 9


Seit ich die Sache mit dem Buchschreiben von der Lebensaufgabenliste streichen konnte, obsessiere ich mit der Idee, einen Roman zu schreiben. Heute, gut 1/3 Jahr nach Fertigstellung von „Einsortiert“ habe ich schon ein ganzes Stück Roman vor mir liegen. Dieses Schreiben unterscheidet sich erheblich vom Schreiben von „Einsortiert“, ich schreibe nicht über mich, auch wenn ich und die Protagonistin durchaus Charakterzüge teilen, ich erzähle nicht meine Geschichte, auch wenn tatsächliche Erfahrungen hie und da in Bruchteilen einfliessen. Ausserdem ist es ein gigantischer Unterschied, ob man es irgendwie schaffen muss einen Text über zwei Seiten halbwegs spannend zu halten oder ob mit der Spannungsbogen ein ganzes Buch umschliessen soll. Anders als bei den Buchtexten von „Einsortiert“, die ich vorher teilweise auch schon in anderer Form verbloggt hatte und mich entsprechend auch von Rückmeldungen beeinflussen liess, schreibe ich diesen Roman grösstenteils ins Leere, vorerst nur für mich. Dabei gehe ich beim Schreiben der Geschichte auch deutlich ungeordneter vor, als wenn ich für „Einsortiert“ oder Blogs schrieb. Kapitel um Kapitel entsteht, meist nicht chronologisch und manchmal werde ich selber von erzählerischen Ereignissen überrascht, wenn sich die Protagonistin am Ende des Kapitels weit entfernt von dem Punkt wiederfindet, den ich ursprünglich für sie angedacht hatte. Auch wenn schlussendlich nichts daraus werden sollte, das Schreiben ist ein Abenteuer und seine Weile alleine des Prozesses wert. Beispiel gefällig? Wenn ja, untenstehend finden sich einige Ausschnitte, die zwar in einem Zusammenhang im Erzählstrang stehen, aber chronologisch noch nicht genau in der Geschichte zu verorten sind.

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Werbeblöckchen – 8


Heute mache ich es mir sehr einfach, hole aber ein Versäumnis nach:

Wer hier schon länger mitliest, weiss, dass auf meiner Lebensaufgabenliste (siehe unten) unter anderem stand, dass ich ein Buch schreiben wollte. Dass ich das im letzten Jahr erledigt habe, wissen wohl mittlerweile auch die meisten. Die, die es nicht wussten, es aber gerne gewusst hätten, können sich entweder mit der soeben geschriebenen theoretischen Information zufrieden geben oder HIERdafür sorgen, dass sie zu denen gehören, die auch wissen, wie das Buch in etwa aussieht und was es so beinhaltet. Falls Sie ausserdem zu denen gehören sollten, die es interessiert, was ich neben dem Schreiben noch so treibe, können HIER nachsehen.

So, ich habe fertig mit Werbeblöcken.

Anbei die aktualisierte Lebensaufgabenliste:

  • Mich aktiv für mir wichtige politische Themen einsetzen
  • Ein Buch schreiben
  • Einen Roman schreiben
  • Meine Töchter aufwachsen sehen und dieses Glück meistens geniessen
  • Mindestens eine weitere Fremdsprache erlernen
  • Den Führerschein machen Erledigt.
  • Ein Radioheadkonzert besuchen
  • Den Nussknacker sehen
  • Eine Wassermelone vom 10. Stock eines Hauses fallen lassen
  • Mich für ein Tattoo entscheiden (nicht für die Tatsache, dass eins gestochen werden soll, das fiele mir leicht, sondern für ein Sujet, an dem ich auch tatsächlich anhaltend Gefallen fände.) Erledigt.
  • In einem Fünfsterne-Hotel nächtigen
  • Per Bahn ganz Asien bereisen
  • Meine Hundephobie überwinden Erledigt.
  • Gutes Porzellan zerdeppern
  • Das Rentenalter fahrend verbringen
  • Eine Haushaltshilfe anstellen
  • Ein weiteres Studium oder Ausbildung abschliessen
  • Mit Schreiben, Sortieren und anderen Lieblingsaktivitäten genug Geld verdienen, dass 1/2 meines Grundeinkommens gesichert ist
  • Integrität erlangen
  • Mit Angehörigen diverser Religionen diskutieren
  • Prokrastination überwinden

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Tiere und andere Arschlöcher mit Flauschhaptik – 7


Obwohl ich als Kind zwischenzeitlich den Wunsch hegte, Tierärztin zu werden, jedenfalls bis Fanny, die Mähre des Hofes auf den mein Vater uns Kinder immer schleppte, um seinem Hobby dem Hilfsbauern zu frönen, mir auf den rechten Fuss trampelte, beschloss ich irgendwann, dass ich Tiere eigentlich gar nicht mag. Das zog ich so konsequent auch über Adoleszenzjahre bis ins junge Erwachsenenalter weiter. Es lebt sich gut, wenn man Tiere eigentlich gar nicht mag. In Bezug auf Hunde entwickelte ich zwischenzeitlich gar eine richtiggehende Phobie. Das ist nicht sonderlich schwer, gilt es anzufügen, viele Hundebesitzer sind da gerne und motiviert behilflich, beim Hundephobienentwickeln, wenn sie ihre Riesenkälber bellend auf spielende Kinder zu rennen lassen, zum Beispiel, und meinen leicht panischen Versuch, die Kinder zu ihrem Schutz hinter den nächsten Zaun zu hieven, mit Kopfschütteln und einem „Aber der macht doch nichts!“ quittieren. Oder wie damals, als ich einem besonders grimmig blickenden Hundeexemplar den Fuss vor die Schnauze hielt, als dieser versuchte ans Gesicht des im Kinderwagen liegenden Kindes zu kommen, und mein Tun mit den Worten „Geh weg, du Tier!“ unterstrich. Ich machte mich aufs Schlimmste gefasst, nämlich den Verlust meines Fusses und versuchte mir in Erinnerung zu rufen, wann ich zum letztmalig gegen Starrkrampf geimpft wurde und lächelte milde beim Gedanken, künftig beim Schuhkauf 50% zu sparen, die Dame am Ende der Hundeleine stimmte allerdings in ein derart lautes Protestgebrüll ein, dass der Hund sich erschreckt zurückzog. Thema des kundgetanen Entsetzens war meine Dreistigkeit und blieb es auch in den nächsten 10 Minuten. Ich vermag nicht zu sagen ob meine, oder des Hundes Irritation grösser war, aber im Unterschied zu mir, wurde ihm wenigstens immer wieder versichert: „Das war nicht deine Schuld, mein Schatz!“ Kurz nach unserer ersten langen Reise, als wir nach einem Besuch bei unseren Reisebekannten, die sich damals frisch einen Welpen ins Haus geholt hatten, begann Herr G. mit Inbrunst und Hartnäckigkeit um einen Familienhund zu winseln. Wie genau es schlussendlich zu meiner Zustimmung kam, weiss ich nicht mehr, ich vermute unlautere Mittel, konnte aber keinen entsprechenden Nachweis erbringen. Als der Welpe dann da war, fand ich das auch gar nicht mehr weiter schlimm, im Gegenteil, seit ich selber Hundebesitzerin bin und damit auch der Hundekörpersprache etwas mächtiger wurde, werde ich nur noch bei wirklich zwielichtigen Hunde- oder Hundebesitzergestalten panisch, habe aber nicht an Wüstbeschimpfvokabular verloren und greife auch gerne darauf zurück, wenn mal wieder ein*e Vollpfosten*in findet, ihr kläffender Miniköter oder sabberndes Riesenvieh dürfe sich mir oder meinen Lieben ungebeten nähern, weil er ja nichts tut, ausser uns ein bisschen belästigen und beängstigen, natürlich. Meine wahre Tierliebe aber gilt den Katzen. Ich habe es nicht geahnt, oder viel mehr vergessen, denn als Kind hatte ich schon mal Katzen, was das für liebenswerte, grandios egozentrische Arschlochviecher mit Flauschhaptik Katzen sind. Ich finde quasi alles niedlich, was sie so tun. Nun gut, ausser die Sache mit dem anfänglichen Katzenkistchenverfehlungen, da hilft auch Niedlichkeit und Flausch nicht mehr. So ziemlich alles andere verzeihe ich. Was kann ich denn dafür, wenn sie sogar beim Krallenwetzen am Sofa, Zerlegen von Klopapierrollen und Runterschubsen von allem, was lose an Rändern rumsteht, einfach fürchterlich niedlich aussehen? Sogar der Hund verdreht hinter meinem Rücken die Augen, wenn ich den niedlichen Mistviechern mal wieder erlaube, auf meinen Schultern zu sitzen, während ich ihm oft schon das Schosshündchendasein verwehre. Dabei ist er nicht besser und lässt es zu, dass ihm die fiesen Flauscher gnadenlos auf der Nase rumtanzen, wortwörtlich. Auf Hunderunden bleibt er dafür trotzdem unersetzlich, wie heute auf dem Belpberg. Offensichtlich mag ich Tiere eben doch. Zumindest meine. Das ist wie mit Kindern.

 

 

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Schmutzli putzt – 6


Vor zwei Jahren schrieb ich dies:

„Hör sofort auf die Scheiben abzulecken, Dean-Dillon, sonst sag ich es dem Nikolaus!“ kreischt ein Herr mittleren Alters in erstaunlich hoher Tonlage quer durch den Bus. Ich schwanke zwischen Mitleid mit Dean-Dillon und dem Wunsch, Nikolaus möge des Herrn Lebenspartner sein, weil mir neben dem pädagogischen Manöver selber, auch die Vorstellung, dass er die Früchte seiner stimmgewaltigen Drohung nur einmal im Jahr ernten kann, doch etwas hoffnungslos erscheint. Dean-Dillon allerdings beeindruckt das wenig, er zieht seine Zunge genüsslich und mit bemerkenswerter Präzision dem Scheibenrand entlang. „Dean-Dillon Müller, ich sage es dir zum letzten Mal: Kein Scheibenlecken, sonst sag ich es dem Nikolaus UND dem Schmutzli (Knecht Ruprecht)!“ Also doch nicht der Lebenspartner, denke ich und leide noch etwas mitter. (Dass Dean-Dillons Vater ausgerechnet mit DEM Nikolaus und DEM Schmutzli eine Beziehung führt, schliesse ich aufgrund der minimalen Wahrscheinlichkeit einfach aus.) Auf den Schmutzli reagiert auch Dean-Dillon und gibt seine Beschäftigung zu Gunsten intensiven Popelns auf. Was der Nikolaus wohl dazu sagen würde?

Ich stelle mir den greisen Bärtigen vor, wie er sich, nach einem langen Arbeitstag mit supi liebem Plätzchenbacken, gerade zu seinen abendlichen drei, vier Spielstunden Call of Duty hinsetzt und alle zwei Minuten augenverdrehend unterbrechen muss, weil er mal wieder eine Whatsappnachricht von irgendwelchen Vätern von irgendwelchen Dean-Dillons erhält, die irgendwelche Kleingeistigkeiten petzen. „Wer wars?“ würde Schmutzli vom Hometrainer aus rufen, ziemlich ausser Atem. Er fragt immer wer es ist, wenn Nikolaus’ Telefon klingelt, er neigt zu Eifersucht, der Gute. „Irgendein Dean-Dillon hat mal wieder irgendwas abgeleckt.“ würde der Nikolaus antworten, „Was man halt grad wichtig genug findet, um es mir zu erzählen, als wäre sonst alles in Ordnung, als würde nicht gegen Flüchtlinge gehetzt, als gäbe es keine Politiker, die Vergewaltigungen verharmlosen und als gäbe es in diesem Land schon Rechte, die nicht nach sexueller Orientierung unterscheiden. Popeln, Scheibenlecken, Flatulieren, was die Welt halt so beschäftigt!“ „Du redest dich wieder in Rage, Niklaus-Schatz“ würde der Schmutzti beschwichtigen, „Die armen Väter von den popelnden Dean-Dillons der Nation brauchen unsere Hilfe, die haben doch ohne uns gar keine Chance bei der Aufzucht ihrer Brut. Wahrscheinlich wäre alles noch viel schlimmer, wenn in den Schweizer Kinderstuben nicht mit uns gedroht werden könnte. Die schaffen das doch alle alleine nicht! Ausserdem werden wir gut bezahlt.“ „Wieso nur wir?“ würde der Nikolaus verzweifelt fragen, „Wieso müssen wir für die ganzen Drohgebaren hinhalten? Was ist mit dem Osterhasen? Der Scheiss Flauscher hat doch voll den Schoggi-Job. Wie er da rumhoppelt, einen auf niedlich macht und niemand von ihm verlangt, versagenden Eltern die Erziehungsaufgaben abzunehmen! Es ist so ungerecht! Oder das Christkind! Oder… Was weiss ich? Das Halloweenerle! Der Erntedank! Und wir verdienen noch nicht mal mehr!“ Der Schmuzli würde diese Ausbrüche kennen und dem Nikolaus die Schultern massieren. Nikolaus würde sich beruhigen, sich wieder Call of Duty widmen und am 6. Dezember mit ernster Miene vor Dean-Dillon stehen und ihn fürs Scheibenlecken tadeln.

Viel ist seither auch nicht passiert:

Seit gut 6 Stunden versucht er nun, die Küche wieder in halbwegs akzeptabeln Zustand zu bringen. Scheiss Mehl in jeder verdammten, hinterletzten Ecke, sämtliche Griffe von sämtlichen verfluchten Küchenmaschinen voller Zuckerglasur, aussortierte, achtlos beiseitegeschobene Schimmelmandarinen sind unter die Küchenbank gerollt und erst der penetrant süsse Duft… Zum Kotzen! Es ist jedes Jahr dasselbe, grosse Versprechungen von gemeinsamen Touren und am Ende bleibt er doch alleine zurück und putzt, weil das eben irgendjemand machen muss und irgendjemand eben nie Nikolaus ist, sondern der Schmutzli. Zugegeben einmal war er selber der, der losziehen durfte, aber auch nur, weil Nikolaus sich beim Keksebacken mit dem Schwingbesen am rechten Auge verletzt hatte. Ernsthaft, der Alte besteht auf Steinzeitrühren, die Kitchen Aid, die Schmutzli ihm vor 3 Jahren zu Weihnachten geschenkt hatte, steht rührauftragslos und unangerührt im Schrank. Jedenfalls hatte Nikolaus nach dem Schwingbesenintermezzo ein blutunterlaufenes Auge und da sowas bei Kindern nicht so richtig beliebt ist, zog Schmutzli erstmals alleine los und es stellte sich heraus, dass Schmutzli als Soloact bei den Kindern auch nicht so richtig beliebt ist. Und das Postkeksapokalypseputzen ist nicht so richtig beliebt bei Nikolaus, das stellte sich auch heraus, als Schmutzli damals, nach seiner Solotour, auf der er sich übrigens neben wüsten Beleidigungen, weil er eben nicht Nikolaus war, auch Stressherpes an der Lippe und eine üble Magen-Darm-Grippe nach Hause holte. Ausserdem war auch damals er der, der putzen durfte, trotz Herpes und Kotze, Hörrrrr Nikolaus hatte nämlich keine Zeit, der war damit beschäftigt sich nach intensivem Bemühen verfügbarer Internetsuchmaschinen einzureden, dass er nach vereiterter Augapfelentzündung sehr bald das Augenlicht verlieren werde. Dann lieber gleich die Drecksarbeit übernehmen, denkt sich Schmutzli nach dem kleinen Flashback ins Jahr 1998, und putzt noch etwas verbissener. „Und alles nur, weil ich dich liebe!“ röhrt er lauthals und lächelt plötzlich.

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Ich habe gebacken. – 5


Ich habe gebacken. Jetzt hasse ich alles. Das ist immer so, wenn ich backe. Ich starte mit dem Elan und der Motivation von Dreijährigen beim Ostereiersuchen, verliere ¾ der Kraft bereits bei der Arbeitsplatzorganisation und Ablaufstrukturierung und möchte spätestens nach ¼ der eigentlichen Produktionsphase alles in die Tonne werfen und mich in Embrionalstellung in eine Ecke falten. Der Leistungsabfall ist jeweils auch relativ schön an den Produkten zu erkennen, zum Vergleich habe ich hier ein Bild vom ersten und von einem der diversen Plätzchenexemplare, die nach Ablauf des ersten Viertels der Produktionsphase entstanden sind.

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Besondere Freuden bereiten diese Unterfangen auch Herrn G., der mich dann in der Backpostapokalypse wiederfindet, mehlverstaubt, die Haare Instantrastas aus Marmelade und Puderzucker, Butterpapier am Hintern und Eierschalen in den Hosentaschen, unter dem Tisch sitzend in die Leere blickend, wirres Zeug murmelnd. Meist hilft dann ein Stück Käse und 17 Stunden Schlaf. Letzteres hatte ich jetzt aber noch nicht. Darum hasse ich jetzt alles.

Ich habe gebacken.

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