Kontaktbörse Zug.


Sie sind offen, gesprächsfreudig und nehmen jede soziale Interaktion dankbar an? Ich erkläre Ihnen heute in 10 Punkten, weshalb Sie öfters Zug fahren sollten und wie Sie garantiert und ohne grossen Aufwand schnell zu Kontakten mit Menschen kommen, die Sie sonst wohl nie getroffen hätten.

  1. Platzwahl I: Der Sitz.

Wenn Sie Ihren Sitzplatz mit Geschick wählen, müssen Sie vielleicht gar keine weiteren Schritte mehr unternehmen, weil es zwangsläufig zu Kontakten kommt. Ein Erfolgsgarant im Doppelstöcker ist beispielsweise die Sitzbank vis à vis der Sitzbankrondells, denn aufgrund des Beinplatzmangels kommen sie mit jedem Passant, spätestens mit Minibarführer und bekofferten Touristen, meist in Berührung und sicher in Verbalkontakt. Hinzu kommen fast garantierte Oberschenkelreibungspunkte, da die Sitze selbst für Durchschnittsgewichte eng bemessen sind und über keine Armlehnen verfügen, da reicht ein Zentimeter mehr Hüftumfang eines einzelnen Banksitzenden und alle rücken sich lauschig nah. Vermeiden Sie Einzelsitze und Zweierabteile, denn damit teilen Sie Ihre Kontaktchancen mal eben durch 4.

  1. Platzwahl II: Die Mitreisenden.

Auch mit der sorgfältigen Aufarbeitung dieses Punktes könnten Sie bereits die ganze Kontaktanbahnungsarbeit gleich zu Anfang erledigen. Sie werden erwartungsvoll angesehen? Hinsetzen! Sie werden überhaupt angesehen? Hinsetzen! Zögernde Griffe zur sitzbelegenden Tasche? Hinsetzen! Einsame Senioren? Hinsetzen! Mensch ohne Zeitung, Buch und Smartphone? Hinsetzen! Aber auch wenn Sie keinen Platz innerhalb der oben genannten Optimalsettings finden, gibt es keinen Grund zu verzweifeln, bisher haben Sie sich nur, relativ passiv, die beste Startposition gesucht, tatsächlich aber können Sie aus jeder Position gewinnen.

  1. Der aufmerksame Zuhörer I: Telefonkonversation.

So müssen Sie zum Beispiel im Abteil mit aktiven TelefonistInnen nicht kontaktleer ausgehen, nein, hören Sie aufmerksam zu, merken Sie sich das Besprochene: Versuchen Sie sich den ungehörten Teil der Konversation auszumalen, machen Sie sich wenn nötig Notizen und vor allem: Verpassen Sie Ihren Einsatz nicht! Ihr Einsatz liegt nämlich in den Netzlöchern. Die zu füllen ist Ihre Mission. Gehen Sie auf den letzten Gesprächsteil vor dem Verbindungsunterbruch ein. «Hallo!? … Hörst du mich? … ich verstehe dich nicht! … Hallo!?» Mögliche Antworten wären: «Hallo! … Ja! … Vielleicht lenkt Sie das Telefon zu sehr ab? … Hallo! … Wie geht’s?»

  1. Der aufmerksame Zuhörer II: Gruppenkonversation.

Auch wenn Sie, wohin das Auge reicht, nur geschwätzige Gruppen erblicken, muss Sie das nicht weiter beunruhigen, setzten sie sich mitten unter sie, hören Sie zu, versuchen sie das Gesprächsthema zu erfassen, die Erstellung eines kleinen Mindmaps kann dabei helfen, und ergreifen Sie zum richtigen Zeitpunkt das Wort. Sie werden sehen: Selbst zunächst konsternierte Reaktionen können sich, wenn die Aussagen entsprechend tiefgründig und treffend sind, in Wohlgefallen, vielleicht sogar Bewunderung auflösen. Falls Sie keine Ahnung vom Thema haben, stellen Sie einfach pointierte Fragen oder benutzen Ihr Smartphone für eine Kurzrecherche im Internet.

  1. Ungeschicktheit

Für einige unter Ihnen wird es kein Problem sein, etwas Ungeschicklichkeit an den Tag zu legen, für einige wird es gar schwierig sein, dies nicht zu tun, und für einmal sind Sie damit gut bedient, denn Ungeschicklichkeit baut Brücken. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Missgeschicke insgeheim absichtlich geschehen oder die Neigung quasi angeboren ist, solange das Gegenüber die Intention nicht bemerkt. Natürlich müssen Sie darauf achten, dass Ihr Ungeschick bemerkt wird, oder die Mitreisenden gar involviert werden, mit einsamem Stolpern im Zugeingang ist niemandem geholfen. Am zuverlässigsten funktionieren die bewährten Klassiker, die ich Ihnen in der folgenden Liste zusammengestellt habe:

  • Dinge fallen lassen und entweder «nicht bemerken» oder erst bemerken, wenn sich das Gegenüber bückt, dann ebenfalls bücken. Die zweite Variante sollte nur von Personen mit ausreichender Möglichkeit zu Bewegungskontrolle und Kraftdosierung durchgeführt werden, denn unkontrollierte Kopfkollisionen gilt es trotz immenser Kontaktfreude zu verhindern.
  • Auch Kurven, Holperer und andere Turbulenzen auf der Zugfahrt lassen sich gut nützen, Stolpern leichtgemacht, quasi. Stolpern sie sich in Kontakt! Mit etwas Theatralik und Schmerzensschreien werden sie sogar noch bemitleidet, auch wenn sie ungefragt grosszügig verteilt auf zwei Fremdschossen liegen.
  • Schliesslich gibt es da noch die Varianten, bei denen Sie eine Handlung suchen, deren Durchführung das Ansprechen des Gegenübers erfordern würde, was Sie aber leider nicht bemerken. Pendlerehrensache, dass sie dabei niemandem Schmerzen zufügen. Beispiele: Lehnt die Mitfahrerin seinen Kopf ans Fenster, müssen Sie zwingend das Rollo hoch- oder runterziehen. Ragt das Bein des Fahrtgenossen etwas über die Trennlinie zwischen den Sitzen, müssen sie dringend die Armlehne runterklappen. Ist sie bereits runtergeklappt und ihr Sitznachbar hat seinen Ellenbogen darauf, muss die Lehne dringend hochgeklappt werden. Hat ihr Vis-à-vis lange Beine, müssen Sie zwingend den Abfalleimer öffnen und wenn Ihr Gegenüber sein Buch zugtischmittig plaziert hat, müssen sie diesen zwingend aufklappen. Alles selbstredend mit ausschweifenden Entschuldigungen und verlockenden Wiedergutmachungsangeboten unterlegt.
  1. Lebensgeschichte

Erzählen Sie ihre Lebensgeschichte und legen Sie dabei den Fokus auf besonders dramatische Ereignisse, denn auch wenn es Ihrem Gegenüber unangenehm werden sollte, bedarf es doch einer grossen Dosis Abgebrühtheit, um nicht auf derartige Erzählungen zu reagieren.

  1. Interessensprofil erstellen und entsprechende Pfortenöffnungsfragen platzieren.

Manchmal sieht man den Mitreisenden schon von Weitem an, wo ihre Interessen liegen könnten. In dem Falle gilt es, DIE eine Schleusenöffnungsfrage zu stellen, die unweigerlich zu einem Monolgoausbruch und damit zig Anknüpfungspunkten führt. Einige Beispiele:

  • Frühzwanziger in Unterleibchen: «Wie oft machst du Krafttraining?» (Es spielt dabei keine Rolle, ob tatsächlich auch nur Ansatzweise Muskeln zu sehen sind.)
  • Senioren in Wanderuniform: «Welche Wanderwege können Sie mir empfehlen?»
  • Bereisegepäckte: «Wohin reisen Sie? »
  • Kinder: «Ich habe soeben gepupst. »
  • Frischeltern: „Hat es schon die ersten Zähnchen? »
  • Mutmasslich mittleverdienender Pendler: «Die GA-Preise steigen. » 
  1. Buch erzählen.

Sollten Sie eine/n Mireisende/n sehen, die/der ein Buch liest, das Sie kennen, dann ergreifen Sie die Chance zu einer Buchbesprechung. Und haben Sie keine Angst vorzugreifen, die Annahme, dass sowas unerwünscht sei, ist falsch. Man wird Ihnen danken, dass das Buch nun nicht mehr gelesen werden muss.

Was auch immer sie gerade essen, lesen, hören oder sehen, bieten Sie Ihrem Gegenüber davon an, teilen Sie! Stösst Ihr Angebot auf Ablehnung, bieten Sie es lieber zwei weitere Male an, halten Sie sich die Gepflogenheiten anderer Länder (z.B. Türkei: 3x ablehnen, erst dann annehmen) im Hinterkopf, Sie wissen nicht, woher ihr Gegenüber stammt.

Hilfsbereitschaft ist eine gerngesehene Eigenschaft, eine Handlungskonnotation, die es zu nutzen gilt. Ihr/em Gegenüber…

… fällt etwas runter: Heben Sie es sorgfältig auf, säubern Sie es mit Spitzentaschentuch und reichen überreichen sie es mit ausladender Geste zurück.

… niest, hustet oder zieht die Nase hoch: Reichen Sie ein Taschentuch und fragen Sie besorgt nach Gesundheitszustand und letzter Krankheit, erfühlen Sie Stirntemperatur und reichen Sie bei Bedarf ein Thermometer.

… hat ein Kopfhörerknotenwirrwarr: Lösen Sie es.

… findet bei Kontrolle das Billet oder Abonnement nicht gleich: Helfen Sie suchen. Überall.

… findet irgendwas anderes nicht mehr: Hier können Sie bei Bedarf, in einem unbeobachteten Moment, auch nachhelfen, den Gegenstand verschwinden lassen, ihn ausgiebig suchen und schliesslich heldenhaft wiederfinden.

usw.

 

 

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Guerillaflauschen


Ich bin ja nun im Herzen eine Revoluzzerin. Sie werden das vielleicht nicht merken, denn klar, ich bin Lehrerin, habe Mann, zwei blonde Kinder, einen Hund und ein Haus mit Gartenzaun, bezahle (fast) pünktlich meine Steuern, lüge nur selten und fahre nur unabsichtlich schwarz, aber im Herzen bin ich Revoluzzerin, im Herzen bin ich eine Guerilla. Ich bin eine Guerilla mit einem Problem. Mittlerweil kann mann ja glücklicherweise derartige Anwandlungen wild und mannigfaltig ausleben, beim Guerillastricken beispielsweise, oder beim Guerillayoga. Man guerillatanzt, guerillafilzt, guerillasät, guerillastillt, man macht eben ganz unheimlich oppositionelle Guerillasachen. Das klingt nach viel Gelegenheit guerillaktiv zu werden, nur dass ich weder stricken noch Yoga kann, eindeutig ausgestillt habe und mein einziges Filzwerk je, ein unbeabsichtigtes Rasta im unteren Hinterkopfhaar war. Es bleibt also nichts anderes übrig, als mir eine andere verwegene Guerilladisziplin zu erfinden. Auf der Hand lägen Dinge wie Guerillaheisseleimen, Guerillatackern und Guerillaohrenputzen, aber ach, ich weiss, nicht, das ist mir alles zu, uuuh, revolutionär, zu riskant und gefährlich. Vielleicht werde ich einfach jeden, der den Begriff “Guerilla” vor jede mehr oder minder kreative Tätigkeit stellt, die in mehr oder minder grossen Gruppen, an mehr oder minder öffentlichen Orten, mehr oder minder erfolgreich durchgeführt werden, wohlmeinend guerillaklapsen.

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Fazit einer Vierteljahresreise mit Kindern und Hund


Als wir vor zwei Jahren für ein Vierteljahr zu reisen planten, ernteten wir einige erstaunt bis entsetzte Reaktionen. Ein Reisevorhaben mit so kleinen Kindern (damals 1 und 3) und erst noch in den Balkan, löste hie und da gemischte Gefühle aus, die auch gerne und ungefragt kommuniziert wurden. Das war bei unserem diesjährigen Reiseprojekt anders, unsere Begeisterung nach der letzten Reise hat wohl für sich gesprochen. Im Fazit der letzten Reise schrieb ich einiges von lohnender Beschwerlichkeit beim Reisen mit Kleinkindern, das Reisen mit 1- und 3-jährigen Kindern unterscheidet sich allerdings erheblich vom Reisen mit 3- und 5-jährigen Kindern. Mittlerweile hat die Brut ein Alter, in dem sie selber auf Erkundungstour gehen können, nicht mehr alles Essen, was sie so am Boden finden und ansatzweise auch Vernunft zeigen. Das führt dazu, dass wir, im Vergleich zur Reise von vor zwei Jahren, doch entspannter waren, mehr Sehenswürdigkeiten anfuhren und uns öfters auswärts bekochen liessen. Der Unsicherheitsfaktor Hund, der mir vor der Reise noch einige Sorgen bereitete, stellte uns auch vor keine grösseren Probleme. Die aufwändig besorgten Papiere, Impfungen und Antikörpertests interessierten niemanden auch nur im Geringsten und wurden nur einmal beachtet, von einer Grenzpolizistin, die den Ausweis für Autopapiere hielt. Reisen nach Osteuropa sind vorbehaltslos zu empfehlen, mit und ohne Kinder, Hunde und PartnerInnen, ja, ich wüsste nicht, wie man von einer derartigen Erfahrungen nicht mit geöffnetem Blick, erweitertem Horizont, gewärmten Herz und verschobenen Relationen zurückkehren könnte.

Wir danken all den wunderbaren Menschen, die uns bei unserem Vorhaben in mannigfaltiger Weise unterstützt haben von ganzem Herzen!

Die Reise in Zahlen:

11986 Km (dazu kämen Strecken unbekannter Längen auf Fähren)

14 Länder

22 Grenzüberquerungen

3 Fährfahrten

87 Reisetage, 57 Übernachtungsplätze, davon 45 Camping- oder Stellplätze, 6 Restaurantparkplätze, 1 Appartement, 1 Fähre, vor einer Garage, 2 bei Bekannten, 1 Spitalzimmer, 1 Klostervorhof

1 neues Reifenventil

2 neue (alte) Türgriffe

1 manueller Autowaschgang

9 Wäschewaschgänge, davon 1 Handwäsche

1 Krankenhausbesuch

1 Arztkonsultation

2 Besuche in Autowerkstätten

4 Polizeikontrollen

Gefundene Gegenstände:

2 grüne Sandschaufeln

1 pinke Sandschaufel

1 gelbe Sandschaufel

1 roter Sandeimer

7 Sandförmchen

1 Paar pinke Croks

1 Plastikfigur

1 Haarspange

2 Heringe

3 Fussbälle

1 Tennisball

1 Schaumstoffball

Ein Gala-Heft auf Niederländisch

1 einzelner Socken

2 Kaffeelöffel

Verlorene Gegenstände

>30 Wäscheklammern

2 Heringe

1 Schwimmring

3 Schwimmflügel

1 grüne Sandschaufel

1 pinke Sandschaufel

3 Fussbälle

1 Tennisball

1 Schaumstoffball

1 Wassermelone

1 Sonnenhut

3 einzelne Socken

2 Zahnbürsten

1 Kinderunterhose

1 Löffel

3,5 kg Körpergewicht (alle zusammen)

3 Flaschen Shampoo

Geschenkt bekommen (Kitschkram wie schöne Erfahrungen und innige Momente zähle ich nicht)

4 Maiskolben

3 türkische Gebäcksstücke

1 türkische Rahmsüssspeise

1 türkischer Milchreis

4 Wassermelonen

3 Honigmelonen

4 Nektarinen

4 Birnen

8 Äpfel

3 Kaktusfeigen

4 Handvoll Haselnüsse

2 Fleischknochen

14 Lutscher

21 Bonbons

2 Fresbees

1 Fotoshooting

1 Vergnügungsparkchip

1 Konfitüre

1 Bund Schnittlauch

1 Liter Milch

1 Parkplatzgebühren

32 Schokoladenprodukte

7 bulgarische Berliner

ein braunes Kindershirt

1 Halskette mit blauem Auge

8 Süssgetränke

2 Abendessen

2 Suppen

1, 2, 3, 4, äh, einige Trinkrunden

2 Pflaumen

2 Euro

37 Tomaten

2 Zucchini

1 Aubergine

23 scharfe, kleine Peperoni

4 Gurken

1 Bund Minze

2 Handvoll getrocknete Tomaten

Top 5 der eingepackten Gegenstände

Frau Fankhauser

Wäschesack mit Wäscheleine (Danke, schon wieder, Frau Blomma!)

Hängematte

Töpfchen

ReGa-Visitenkarte

Top 5 der eingepackten Gegenstände. Nicht.

Schwimmwesten

Grill

Nagellack

Sicherndes Hundegeschirr fürs Autofahren

Regenplane

(Ja, wie haben viel gelernt von der letzten Reise)

Top 5 Glücksfälle

Magendarmprobleme wenn allzeit ein Klo bereit

Schlüssel wiederfinden, täglich

Keinerlei ernsthafte Autopannen, Ventilproblem in Werkstattnähe, balkanverbreitetes Gefährt

Rega-Mitgliedschaft

Den richtigen (Nicht-)Sommer wählen

Top 5 Gegenden

Kappadokien, Türkei

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Türkische Schwarzmeerküste

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Peleponnes, Griechenland

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Albanische Berge

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Zwischen Jajce und der kroatischen Grenze, Bosnien und Herzegowina 

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Top 5 Ortschaften

Sarajevo, Bosnien und Herzegowina 

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Gjirokaster, Albanien

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Amasra, Türkei 

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Jajce, Bosnien und Herzegowina 

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Piratenfeenschiff, Pennepoles 

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Top 5 Übernachtungsplätze

Drvenik, Kroatien

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Irgendwo nach Antalya, Türkei 

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Fischrestaurant bei Cide, Türkei 

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Plav, Montenegro

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Irgendwo bei Kavarna, Blugarien 

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Top 5 Stellplätze. Nicht.

Wir scheinen einiges gelernt zu haben, jedenfalls bringe ich keine fünf Negativbeispiele zustande, dafür gibt es einen eindeutigen Kategroriesieger:

Spitalzimmer, Eregli 

Top 5 Begegnungen

Gaga aus Buna bei Mostar, Bosnien und Herzegovina 

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Die Bulgaren aus Sozopol 

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Nilüfer und Serhad mit Jaren aus Istanbul, Türkei 

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Christina und Michaela aus Skopie, Albanien 

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Bleonard aus Malisevo, Kosovo 

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Hier fielen Entscheidungen schwer, denn neben den fünf hier erwähnten Begegnungen, trafen wir auf weitere, ganz wunderbare Menschen, wie Ismail, der uns einen Kreisel drechselte, Antonio, der uns fürstlich bekochte, die Litauer, die uns zu sich nach Hause einluden, der Deutsche Rentner, der den Kinder einen Fingerspiel beibrachte, das sie noch heute täglich aufsagen, die vielen namenlosen aber herzerwärmenden Kurzbegegnungen und nicht zu vergessen die Störche, die uns von Bulgariens Mitte bis Istanbul in atemberaubend schönen Formationen begleiteten und Sinnbild unserer Reise bleiben werden.

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Visoko (Sarajevo) – Jajce (Bosnien und Herzegowina) – Omiš (Kroatien) (Tage 70-71)


Wir brechen heute sehr zeitig auf. Nicht gänzlich freiwillig, sei zu sagen, aber es ist derart kalt, dass wir uns nur eines wünschen: Die Autoheizung aufdrehen. Herr G. will das bosnische Handtuch werfen und ans Meer zurück fahren, wo es gut 10 Grad wärmer ist. Mit dem Versprechen, dass ich nach einer weiteren Nacht Bosnien widerstandslos mitfahre, steuern wir Jajce an, wo es neben einem netten Übernachtungsplatz auch zahlreiche Wassermühlen und auf dem Weg dahin sehenswerte Landschaft und ebensolche Dörfer gebe. Bis Visoko fahren wir bekannte Strecken, danach folgt Neuland. Eine Weile fahren wir entlang der Bosna und ihren zahlreichen Schwüngen und Biegungen. Wir sehen, wie viel Wasser sie nach den Regenfällen der letzten Woche hat und denken an die Überschwemmungen, unter denen Bosnien und Herzegowina vor wenigen Monaten noch zu leiden hatte. Wir haben die betroffenen Gebiete bisher bewusst umfahren, denn obwohl wohl die meisten dringlichen Schäden provisorisch behoben wurden, kann man da mit Sicherheit keine Touristen brauchen. Wir fahren also offenen Auges weiter und informieren uns bei WLAN-Kontakt über die aktuelle Lage. Aber es scheint Entspannung in Sicht, jedenfalls drückt die Sonne mit aller Kraft durch die Wolken und schliesslich fahren wir unter blaustem Himmel unseres Weges. Die Landschaft zeigt sich grün, fruchtbar und hügelig, die Dörfer sind hie und da kriegsgezeichnet, aber verfügen über einigermassen intakte, lebendige Ortskerne von malerischer Schönheit. Was sage ich hier “aber”? Ich habe es schon anderswo erwähnt: Gerade da wo Granatenlöcher zugemauert und die kriegsversehrten Häuser belebt werden, wo gezeigt wird, dass Wärme und Menschlichkeit überleben kann, auch wenn einst alles dagegen sprach, ist pure Schönheit zu sehen. Das Städtchen Jajce selber, ist eines von vielen, hat aber einen stadteigenen, kleineren Wasserfall, eine hübsche Altstadt und eine Burg, für die wir einen kleinen Eintritt bezahlen, die aber an Eindrücklichkeit und Grösse nicht an die Burg von Stolac heranreicht. Nach einem kleinen Mittagessen und weiteren Stolperrunden durch die Stadt, fahren wir zum empfohlenen Campingplatz. Auf der Strecke nach Jajce haben wir schon mehrere kleine Plätze gesehen die wir wohl unter normalen Umständen bevorzugt hätten, aber allesamt waren direkt am Fluss angesiedelt, was uns bei den gegenwärtigen Wassermassen und ohne genauen Wetterbericht eher unsicher vorkommt. Auf Umwegen finden wir schliesslich zum relativ grosszügig angelegten Platz, zusammen mit ungefähr 20 französischen Gigantomobilen, die sich aber glücklicherweise ziemlich Dicht gedrängt auf einen Achtel des Platzes stellen, so dass wir im Grunde weder irgendwas von ihnen sehen, noch irgendwas von ihnen hören. Den Abend verbringen wir damit, den Rest unserer Reise zu planen. Wir haben noch fast zwei Wochen, wobei wir mindestens eine halbe Woche für die Rückreise einberechnen, weil wir noch ein, zwei Tage in München verbringen werden. Der Umstand, dass es hier immer noch ziemlich kalt ist und die Aussicht auf den nahenden Winter, in Anbetracht des schweizerischen Sommer habe ich keine grosse Hoffnung auf milden Herbst, lässt uns zum Entschluss kommen, dass wir abschliessend noch eine Woche Strand und Sonne an der kroatischen Adria verdient haben und auch unsere Sommerbräune aus türkischen Tagen bedarf etwas Auffrischung.
Am Morgen brechen wir also nach Kroatien auf, gen Wärme. Wir durchfahren bergiges Gebiet und überqueren, eine wohl in Kriegsjahren umkämpfte, Hochebene, die zwar landschaftlich unglaublich schön, nach wie vor Hauptsächlich in Ruinen liegt. Der Aufbau hat sich wohl hier nicht wieder gelohnt und hier, im Nirgendwo, zeigt sich, ganz ohne Bimborium und Gedenktafeln, die ganze Destruktivität des Krieges und ganz ohne deklariertes Mahnmal bin ich gemahnt und inniglich dankbar für den Ort, an dem ich gross werden durfte. Auch wenn der Eindruck, den ich von der Konstruktivität, mit der mit der kriegerischen Vergangenheit zu fühlen glaubte, vielleicht nicht richtig war, denn vor einigen Tagen las ich davon, dass mehr als 60% aller Bosnier, eigentlich dem einen oder anderen der Nachbarstaaten angehören möchte, verlasse ich Bosnien und Herzegowina mit etwas Wehmut. Ich habe mich in dieses Land verliebt, in seine Landschaft, in seine Menschen, seine Dörfer, Städte und Spinatböreks. An der Grenze werden wir wieder nicht gross beachtet, dafür ist es wieder wärmer. Wir sind wieder in Kroatien und damit hat sich irgendwie ausgereist, denn unsere Restzeit werden wir mit schnödem, aber in Anbetracht des Steilstartes nach Ankunft daheim, wohl angebrachtem Urlauben verbringen. Die Berichte werden wohl etwas unausführlicher, da wohl kaum jemand von Strandgelagen und Sonnencrèmes lesen möchte.

Bemerknisse
Wenn ich hier von Bosnien schreibe und dabei immer Herzegowina mitmeine, ist das eine Formulierung, die wohl kein Einheimischer wählen würde. Hier wird klar zwischen den Landesteilen differenziert und Zugehörigkeit kommuniziert.

Ein kleiner Kosovonachtrag: Auf unsere Frage nach seiner Adresse antwortete uns Bleonard mit Name und Dorf, ohne weitere Angaben. Was wir erst für unvollständige Angaben hielten und nach Strassennamen, -nummern und Postleitzahl verlangten, ist tatsächlich die vollständige Anschrift. “Wir haben hier noch keine Strassennamen ;-)”, meint Bleonard.

Nach mehreren Tagen bosnischer Wetterkälte und Herzenswärme, wirkt Kroatien zwar wieder etwas sommerlicher, aber auch deutlich unfreundlicher.

Bosniens Stellplätze bieten zwar morgens vielleicht kein frisches Brot feil, verfügen aber über äusserst weitreichendes, schnelles WLAN. Überhaupt ist die WLAN-Dichte und -Qualität in Albanien und Bosnien grandios. Das tourismusverwöhnte Kroatien hingegen hat diesbezüglich Aufrüstungs- und Modernisierungsbedarf, bietet aber allenthalben frisches Brot. Unnötig zu erwähnen, dass ich ganz gut ohne Brot kann.

 

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Stolac – Medugorje – Visoko (Sarajevo) (Tage 68-69)


Von Stolac aus fahren wir gen Westen weiter, Ziel haben wir vorerst keines, nur noch etwas in Bosnien zu bleiben. Als wir die Gegend rund um Medugorje erreichen, wird es landschaftlich eindeutig unattraktiver und auch die Dörfer und Kleinstädte wirken deutlich charakterloser und zersiedelter, als noch einige Kilometer zuvor. Wir beschliessen spontan, doch noch etwas weiter ins Landesinnere zu fahren und uns die Kleinstädte Vasuko, Travnik und Jajce anzusehen. Nach dem wir aber nun doch schon eine Weile gefahren sind und die nächste Etappe etwas grösser ausfallen wird, lesen wir uns kurz über dieses Medugorje, in dem wir uns gerade befinden, schlau. Es gibt einen Campingplatz mit WLAN, das ist dafür, dass wir uns in Bosnien und Herzegowina befinden schonmal ziemlich gut, allerdings scheint Medugorje auch die bosnische Hochburg esoterisch spiritueller Katholiken zu sein, wenn denn derartige Begriffsaneinanderreihungen legitim sind, weil vor 23 Jahren mehrere Teenager hier irgendwelche mariaschen Visionen hatten. Das zuvor verschlafene Weindorf hat den pubertären Halluzinierenden jedenfalls einen massiven touristischen Aufschwung und einigen Reichtum zu verdanken, wohl aber für eher minimalspirituelle Zeitgenossen wenig zu bieten.Trotzdem wollen wir den Campingplatz anfahren, weil er mitten im Dorf zu stehen scheint und so bei trübem Regenwetter für etwas Zerstreuung gesorgt wäre. Ausserdem neigen sich unsere Wäschevorräte dem Ende zu und auch auf die Gefahr hin, dass wir das Zeug wegen Regen im Auto aufhängen müssen, verlockt der Gedanke an saubere Sachen ungemein. Bei der Einfahrt in die Stadt begegnen wir ersten mit Gehstöcken und Rosenkränzen ausgerüsteten Pilgern, die in Herden durch die Strassen, von Semisehenswürdigkeit zu Quasiattraktion galoppieren. Im Zentrum reiht sich Souvenirladen an Souvenirladen, Man verkauft Gehstöcke, Rosenkränze, Weihwasser und Marienstatuen in allen Formen und Grössen, touristische Hauptsprache ist Italienisch, das Durchschnittsalter 60. mittendrin versuchen wir uns nicht ungebührlich zu amüsieren und verbringen einen entspannten Nachmittag in Franziskus’ Garten, ehe wir von einem tosenden Gewitter in den Gefährten gescheucht werden. Das Abendessen nehmen wir bei der Familie ein, die den Platz besitzt und offensichtlich gewisse Vorlieben für Frittiertes hat, das so schwer im Magen liegt, dass auch uns einige Visionen heimsuchen.
Am nächsten Tag verlassen wir Medugorje wieder relativ zeitig, schließlich wollen wir Die Pyramiden sehen, die sich anscheinend unter den Hügeln Visokos befinden. Leise ahnend, dass man dafür ähnlich viel Glaubenskraft aufbringen muss, wie für die Halbwuchshalluzinationen, planen wir ein, die Nacht aber anschliessend in Sarajevo zu verbringen.
Wir fahren über weite Teile ein Streck, die wir schon kennen, um so mehr sehen wir, wie sehr es im letzten Monat geherbstet hat. Wobei der Herbst eindeutig ganzheitlicheren, als nur den visuellen Eindruck bietet, die Temperaturen scheinen mit jedem gewonnenen Kilometer mehr zu fallen und Kind2 formuliert treffend: “Es stinkt nach Schnee.” In den Bergen sehen wir dann auch tatsächlich erste weisse Spitzen. Für einen minimalen Moment erwägen wir, wieder umzukehren, zurück an die Küste, gen wärmere Gefilde, entscheiden uns aber dagegen, weil Bosnien uns wirklich gefällt. In Visoko finden wir, was wir eigentlich schon erwartet haben, zwei Hügel, die nur mit etwas Fantasie und von der richtigen Perspektive aus ernsthaft pyramidiger wirken, als die Erhebungen in der Umgebung. Einige, keine Ahnung wie glaubhafte, Forscher, ihre Gefolgschaft und ziemlich sicher auch jene, die hier an den Neugierigen verdienen, Sind sich allerdings sicher, dass sich unter Schichten, so betrachtet beinah flauschiger Überwucherung und Erde, von Menschenhand erbaute Pyramiden, einer längst untergegangenen Kultur befinden. Wir stellen den Gefährten irgendwo ab und betreten das relativ schmucklose Dorfzentrum, in dem man sich offensichtlich auch auf Lederwaren spezialisiert hat. In einem kleinen Geschäft, in dem die Dinge noch eigenhändig hergestellt werden, ersetze ich endlich meinen Gurt, der sein Verfallsdatum schon seit Jahren überschritten hat, durch ein handgemachtes, direkt auf mich angepasstes Modell zu einem Preis, zu dem mir Ha&Äm nicht mal ein Plastikschnürchen verkaufen würde. Danach stolpern wir noch etwas zu Pyramidenfüssen rum, bevor wir erneut im Dorf landen, wo Herr G. sich den Temperaturen angepasstes Schuhwerk besorgt. Als wir die Verkäuferin fragen, ob wir uns hier tatsächlich auf einer gigantischen Pyramide befinden, nickt sie beflissen, versichert: “Aber NATÜRLICH!” und zwinkert uns theatralisch zu.
In Sarajevo essen wir die Cevapci unserer Reise und fallen vollen Bauches, aber frierend zu Bett.

Bemerknisse
Seit uns In Bosnien veranschaulicht wurde, wie Pyramiden aussehen und damit unsere Pyramidenwahrnehmungsfähigkeit erheblich geschult wurde, wird uns bewusst, wie viele noch unentdeckte, völlig überwucherte Zeugen längst vergangener Pyramidenbaukulturen existieren müssen. Man nehme Als Beispiel den Niesen: Eindeutig eine, äh, versteinerte Pyramide!

Ich habe mir mehrfach den Pony geschnitten, dabei den Rückspiegel benutzt und bin damit ein Survivallevel aufgestiegen. (Darüber, dass das Resultat eindeutig von den Prozessumständen zeugt, herrscht allgemeines und restriktiv kontrolliertes Redeverbot.)

Und habe ich schon erwähnt, dass Bosnien der Börekhimmel ist?

Der Einfachheit halber erkläre ich den Kindern den Unterschied zwischen einem Schuhladen und den vollen Schuhregalen vor den Moscheen mit dem fehlenden, oder eben existenten, Minarett.

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