Per Ploppen zur Entspannung (19. Dezember)


Nachdem die letzten Artikel sich arg oft um Dinge wie Sortieren und Fugenvermeiden drehten, nahm ich mir für heute vor, einen Text zu schreiben, der zumindest halbwegs den Eindruck macht, als hätte ich genügen Tässchen in meinem Schränklein. Was, dachte ich mir so, eignet sich da besser als ein Artikel über eine meiner wohl entspannendsten, regelmässigen Tätigkeiten: Dem Spaziergang mit dem Hund, entlang der Aare.

Zugegeben, es gibt eigentlich nicht all zu viel darüber zu schreiben, man tut auf so Spaziergängen, was man eben so tut.

  1. Die allerbequemsten Schuhe, die Ästhetiker leise weinen lassen, anziehen, ähnlich geartete Jacke überwerfen. (Ich.)
  2. Zu Leine und Spielball greifen. (Ich.)
  3. Vor Freude über das verheissungsvolle Leinenklackern in die geschlossene Glastür rennen. (Der Hund.)
  4. Flotten Schrittes losmarschieren. (Beide.)
  5. Die kinderlose Schnelligkeit geniessen. (Mutmasslich beide.)
  6. Ball werfen. (Ich.)
  7. Ball holen. (Der Hund.)
  8. Spaziergangbegegnungen nicht beachten, allerhöchstens anknurren. (Ich.)
  9. Auf Befehl dekorativ posieren. (Der Hund.)
  10. Möglichst runde Steine mit 3-4cm Durchmesser, in werfenden Richtung rotierend, in möglichst hohem Bogen in die mutmasslich tiefste, sichtbare Aarestelle werfen. (Ich.)
  11. Dem bei dieser Wurfart entstehenden, verschluckend anmutenden „Plopp!“ lauschen. (Ich.)
  12. Die dabei entstehenden, perfekt kreisförmigen Minimalwellen beobachten, hoffen, dass keine dieser blöden Spielverderberenten reinschwimmen. (Ich.)
  13. Schritte 4 bis 9 wiederholen, dabei den Rückweg antreten. (Beide)
  14. Zuhause zuerst nasse Hunde trocknen, dann Spaziergangskleider loswerden. (Ich)
  15. Angeberische Bilder mit (meist) Morgengrüssen ins Internet laden. (Ich.)

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Bern versus Zürich – Der Bahnhofbodenvergleich (18. Dezember)


Ein weiterer Vorschlag, der auf Twitter nach meiner verzweifelten Frage nach Themenvorschlägen geäussert ward, kam von @KratzeZH und lautete folgendermassen:

Ich habe mir erlaubt die Frage etwas umzustellen und möchte stattdessen die beiden Bahnhöfe in ihrer diesbezügliche Tauglichkeit vergleichen, in denen ich fast täglich ein- und ausbodenplattenfugenvermeide: Bern und Zürich. Dabei werde ich je 5 Beispiele mittels einer Notenskala (1-6) mit begründeten Bewertungen versehen.

Zürich:

ZH: Perron16

1. ZH: Perron16

Fugenvermeidungstechnisch hervorragend, aber keine Herausforderung und erst recht keine Ablenkung im Kampf gegen Pendlerströme. Note: 3

 

2. ZH: Neuer Bahnhofteildingsi

2. ZH: Neuer Bahnhofteildingsi

In Gehrichtung verlaufende, grosse Platten, rhythmische Fugenvermeidung problemlos möglich, zu problemlos, um genau zu sein. Note:4

 

3. ZH: Gleis 41/42

3. ZH: Gleis 41/42

Hervorragender Fugenabstand, zumindest für Schuhgrösse 36, Platten verlaufen in Gehrichtung, Fugentrittvermeidung in eiltempofreundlichem, musikkompatiblem Rhythmus möglich. Optimale Schrittkomposition: Helle Platte, helle Platte, dunkle Platte, helle Platte, helle Platte, dunkle Platte usw. Note: 5

 

4. ZH: Gleis 31/32

4. ZH: Gleis 31/32

Nicht in Gehrichtung, sonder schräg verlaufende Platten optimaler Grösse. Schräger Plattenverlauf vereinfacht die Schrittanpassung zur Fugentrittvermeidung auch bei sehr hohem Tempo, da bei minimaler seitlicher Schrittabweichung der Fussabstand zur Fuge laufen korrigiert werden kann. Note: 6

 

5. ZH: Bahnhofhalle

5. ZH: Bahnhofhalle

Seltsam parallelogrammförmige, sehr grosse Bodenplatten. Kaum Herausforderung, damit auch kaum Ablenkung von Menschenmassen. Note: 4

 

Notendurchschnitt Zürich: 4,4

 

Bern:

1. BE: Treffpunkt

1. BE: Treffpunkt

Grosse, verschoben angeordnete, in häufigster Gehrichtung angeordnete Platten, die etwas zu problemlos rhythmisch und in Eile fugentrittvermeidend übergangen werden können. Note: 5

 

2. BE: RBS Bahnhof

2. BE: RBS Bahnhof

Nicht in Gehrichtung, sondern schrägverlaufende, mittelgrosse Bodenplatten, die mit Schuhgrösse 36 und schritttechnischer Treffsicherheit, rhythmisch und eilends übergangen werden können. Note: 6

 

3. BE: Perron 4

3. BE: Perron 4

Fugenvermeidungstechnisch hervorragend, aber keine Herausforderung und erst recht keine Ablenkung im Kampf gegen Pendlerströme. Note: 3

 

4. BE: Bei Perronaufgängen 1

4. BE: Bei Perronaufgängen 1

Auch für kleinere Schuhgrössen sehr knapp bemessene Platten und unregelmässiger Formatierung, Fugentrittvermeidung nur in sehr langsamem Tempo und umrhythmisch möglich. Note: 3

 

5. BE: Bei Perronaufgängen 2

5. BE: Bei Perronaufgängen 2

In Gehrichtung angeordnete Bodenplatten optimal treffbegünstigender Grösse, Rhythmus aufgrund des starr in Gehrichtung verlaufender Platten schwierig einzuhalten, da auch Abweichungen gen links, oder rechts kaum Fuss-Fugen-Abstand-Korrekturen erlauben. Note: 4

 

Notendurchschnitt Bern: 4,2

 

Fazit:

Der Zürcher Bahnhof ist knapper Testsieger. Damit wäre erklärt, dass ich seit Jahren den Weg von Bern nach Zürich auf mich nehme.

 

 

 

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Burkini Fasi (17. Dezember)


“Hast du schon das von Ruth gehört?”

“Welches? Also ich habe schon etwas von ihr gehört.”

“Was denn? Das mit Mona?”

“Nein, wegen Manuela. Aber was ist mit Mona?”

“Ich darf es noch nicht sagen, erst nach der 12. Woche.”

“Ist nicht wahr!? Mit diesem, ähm, Ausl…, ähm, Typen mit Immigrationsrückhalt?“

„Der kommt aus Ungarn.“

„He, Hand was Heiri! Mit diesem Ungarer?“

„Ja. Das ist sicher nicht einfach für Ruth, ich meine das sieht man dann ja auch, dass das Grosskind nicht von hier ist. Aber was ist mit Manuela?“

„Die ist in so ein Erste Hilfeprojekt, nach Burkini Fasi!“

„Die arme Ruth! Bei so Orten weiss man ja nicht ob und wie sie wieder kommen!“

„Und ihr Sohn, Andreas, ist jetzt Veganer!“

„Oh.“

„Letztens hatte ich bei ihr so eine veganische Züpfe.“

„Die müssen dann alle so Pillen und Pulver nehmen. Und man weiss ja, dass so Sachen aus Tierversuchen kommen!“

„Aus chinesischen Laboren! Aus China kommen Sachen, das glaubst du gar nicht. Die haben ja da so Extrafussgängerstreifen, für solche wo immer am Natel sind.“

„Ist nicht wahr! Das ist wie dieses Veganischsein, auch so ein Modetränd, bald haben wir hier auch so Süchtigentrottoirs!“

 

(Von dieser Mischung aus eigentümlicher Weltinterpretationswille und Wortkreativismus fasziniert, setzte ich meine supidupi Geräuschschluck-Kopfhörer zu spät auf, um von diesem erlauschten Gespräch nicht nachhaltig mit Kopfschmerz geschlagen worden zu sein. Aus Nächstenliebe teile ich das jetzt mit Ihnen. (Klammheimlich dankbar, dass meine eigene Kreativität dafür einen Tag Ruhepause hat.) Bitte, gern geschehen.)

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Unpässlich (16. Dezember)


Als ich gestern in die Twitterrunde fragte, was ich denn heute (also gestern) so für eine Liste bloggen soll, antwortete @cloudette folgendermassen:

Das klingt eigentlich einigermassen simpel, allerdings sah ich mich schon beim ersten Andenken der Thematik mit dem Problem konfrontiert, dass mir zwar zig Entschuldigungen, um nicht an gesellschaftlichen Anlässen teilnehmen zu müssen, einfielen, ich aber nicht einschätzen konnte, welche davon „akzeptabel“ sind. Von „Ich habe eine Erkältungsgrippe“, über “Keine Lust.”, über „Mein Kind ist krank.“, über „Mein Hund hat Durchfall.“, über „Ich habe einen Sozialphobieschub.“, über „Ich ertrage euch alle heute einfach nicht.“, über „Da ist mein Umzugstag.“, bis hin zu “Meine Tante ist gestorben.“, finde ich eigentlich jede einzelne Entschuldigung akzeptabel, aber dass ich nicht zwingend von mir auf andere schliessen kann, hat das Leben mich mit Nachdruck gelehrt. Eine weitere Frage ist auch, ob akzeptable Entschuldigungen wahrheitsbasierend sind, oder erfunden werden dürfen. Die Tatsache, dass @cloudette danach fragt, lässt auf Letzteres schliessen, denn hätte sie eine passende Entschuldigung, müsste sie ja nicht danach fragen. Spontanschwindeln ist allerdings eine Fähigkeit, die ich nur bedingt besitze, denn die Option geflunkerter Ausreden fällt mir oft erst ein, wenn die Situation, in der ich mich damit vor Ungemach hätte bewahren können, längst schon vorbei ist. Hinzu kommt, dass ich wirklichwirklich ungerne lüge und mir lieber eine neue Wohnung suchen und tatsächlich umziehen würde, als die Entschuldigung leer und gelogen stehen zu lassen. Es ist es also wirklich vorteilig, wenn ich nie entschuldigungsflunkere meine Tante sei gestorben. Selbstredend weiss ich aber auch, dass “Ich ertrage euch heute einfach nicht.” oder “Keine Lust.” in den wenigsten Fällen so unpersönlich und unbeleidigend aufgefasst wird, wie es gemeint ist, womit der wohl häufigste (Oder denke ich da zu misanthropisch?) eigentliche Absagegrund, trotz seines Wahrheitsgehalts als Option wegfällt. Bisher war ich noch nicht wirklich hilfreich, hm, werte @cloudette?
Es gälte irgendeine Entschuldigungsgrund zu finden, der sich 1. bei Bedarf herbeiführen lässt, 2. für niemanden der Beteiligten wahnsinnig unangenehm ist und der 3. unverzüglichen Handelns bedarf. Die meisten der durchgedachten Optionen (Krankheiten, Wasserschäden, Todesfälle und Konsorten.) scheiden aufgrund der Unannehmlichkeiten für die/den Ausredende/n oder andere aus, lange dachte ich über Mäusebefall und Scherben nach, aber ersteres ist doch relativ aufwändig, auch wenn ich Mäuse mag, und Zweiteres wir unter Umständen nicht als dringlich genug betrachtet. Wirklich einleuchtend wären Geburtstage nahestehender Personen, dafür,müsste man nur für jeden Tag im Jahr jemanden finden, an dessen Party man dann ausredehalber eingeladen werden könnte. Allerdings bräuchte man ja dann auch wieder eine Entschuldigung um dann dort nicht hingehen zu müssen. Es ist kompliziert und, werte @cloudette, ich bin bei nicht genauer definierter Unpässlichkeit verlieben. Wer keine Lust hat ist unpässlich, wer keine Nervenreserven hat ist unpässlich, das ist weder gelogen, noch beleidigend, noch eine schlechte Entschuldigung, wie ich finde. Und wenn unangenehme Nachfragen kommen, kann man ja immer noch eine eklige Geschlechtskrankheit erfinden, die das Gegenüber per Peinlichkeit jeder Erwiderung beraubt.

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Gelebte Besinnlichkeit (15. Dezember)


„Maria durch den Dornwaaahaaald giiing Kürie heil Soooooohn! Nananaaananaaanananaaanananananaaanananananaaananana, Jesus und Mariihaa!“ schallte es aus dem Kinderzimmer und fünf Minuten später überreichte mir die grosse Tochter einen Umschlag, „Das muss ich lernen, fürs Weihnachtsspiel. Soll ich dir sagen, was ich schon kann?“, fragte sie erwartungsvoll. Ich nickte. „Gottes Wille habe ich wohl vernommen und sage darum in Demut Ja. Und dann kommen so Engel und so, wie der Herzengel Michael und so und die bewachen dann Maria und Jesus, äh, Josef und dann kommt Jesus und dann müssen wir noch sagen: Oh nimm mein Herz und lass mein Denken lichtvoll sein. Weil Jesus ja so ein kluger ist und so.“ Gottes Wille, Demut, lichtvolles Denken, wenn das Herz an den klugen Jesus abgegeben wird… Ich schluckte leer. Wäre ich in diesem Moment meinem ersten Impuls gefolgt, hätte ich zu einer Schimpftirade gen Lehrerin angesetzt, ich hätte abgewertet, was die Tochter soeben rezitiert hatte, ich hätte von einem rachsüchtigen Gottesbild erzählt, von als einzige Wahrheit präsentierten Ideologien, von damit verbundenen Ängsten, von irrationalen Weltentstehungsideen und von Ungerechtigkeit und Diskriminierung. Statt dessen atmete ich einmal tief ein und besann mich. Denn, abgesehen von der Tatsache, dass ich eine Sechsjährige damit massiv überfordert hätte, galt es erstmal, das Erleben meiner Tochter, vom meinem Erleben in meiner Kindheit zu trennen. (Dazu habe ich HIER und HIER schon etwas geschrieben.) Mein Kind begegnet nicht dem gleichen Gott, nicht dem gleichen Jesus, wie ich als Kind begegnet bin und meinem Kind wird diese Idee auch nicht als die einzig wahre präsentiert. Mein Tochter hat eine kulturell nicht ganz unwichtige Geschichte gehört, wie es auch Rotkäppchen gehört hat, oder die Bremer Stadtmusikanten, nur dafür zu sorgen, dass es wirklich nur das daraus macht, was es machen will, ist meine Aufgabe. (Und für den Fall, dass irgend jemand den Kindern irgendeine vorgefertigte Wahrheit verkaufen möchte, habe ich die verschluckte Schimpftirade fein abgespeichert und kann sie bei Bedarf in diversen Lautstärken und Intonationen an geeigneter Adresse wiedergeben.) Ich bin also auch irgendwie besinnlich um diese Zeit des Jahres, ich besinne mich darauf, meine Geschichte, nicht mit der meiner Kinder zu verwechseln. Glo-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-ria.

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