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Fazit einer Vierteljahresreise mit Kindern und Hund


Als wir vor zwei Jahren für ein Vierteljahr zu reisen planten, ernteten wir einige erstaunt bis entsetzte Reaktionen. Ein Reisevorhaben mit so kleinen Kindern (damals 1 und 3) und erst noch in den Balkan, löste hie und da gemischte Gefühle aus, die auch gerne und ungefragt kommuniziert wurden. Das war bei unserem diesjährigen Reiseprojekt anders, unsere Begeisterung nach der letzten Reise hat wohl für sich gesprochen. Im Fazit der letzten Reise schrieb ich einiges von lohnender Beschwerlichkeit beim Reisen mit Kleinkindern, das Reisen mit 1- und 3-jährigen Kindern unterscheidet sich allerdings erheblich vom Reisen mit 3- und 5-jährigen Kindern. Mittlerweile hat die Brut ein Alter, in dem sie selber auf Erkundungstour gehen können, nicht mehr alles Essen, was sie so am Boden finden und ansatzweise auch Vernunft zeigen. Das führt dazu, dass wir, im Vergleich zur Reise von vor zwei Jahren, doch entspannter waren, mehr Sehenswürdigkeiten anfuhren und uns öfters auswärts bekochen liessen. Der Unsicherheitsfaktor Hund, der mir vor der Reise noch einige Sorgen bereitete, stellte uns auch vor keine grösseren Probleme. Die aufwändig besorgten Papiere, Impfungen und Antikörpertests interessierten niemanden auch nur im Geringsten und wurden nur einmal beachtet, von einer Grenzpolizistin, die den Ausweis für Autopapiere hielt. Reisen nach Osteuropa sind vorbehaltslos zu empfehlen, mit und ohne Kinder, Hunde und PartnerInnen, ja, ich wüsste nicht, wie man von einer derartigen Erfahrungen nicht mit geöffnetem Blick, erweitertem Horizont, gewärmten Herz und verschobenen Relationen zurückkehren könnte.

Wir danken all den wunderbaren Menschen, die uns bei unserem Vorhaben in mannigfaltiger Weise unterstützt haben von ganzem Herzen!

Die Reise in Zahlen:

11986 Km (dazu kämen Strecken unbekannter Längen auf Fähren)

14 Länder

22 Grenzüberquerungen

3 Fährfahrten

87 Reisetage, 57 Übernachtungsplätze, davon 45 Camping- oder Stellplätze, 6 Restaurantparkplätze, 1 Appartement, 1 Fähre, vor einer Garage, 2 bei Bekannten, 1 Spitalzimmer, 1 Klostervorhof

1 neues Reifenventil

2 neue (alte) Türgriffe

1 manueller Autowaschgang

9 Wäschewaschgänge, davon 1 Handwäsche

1 Krankenhausbesuch

1 Arztkonsultation

2 Besuche in Autowerkstätten

4 Polizeikontrollen

Gefundene Gegenstände:

2 grüne Sandschaufeln

1 pinke Sandschaufel

1 gelbe Sandschaufel

1 roter Sandeimer

7 Sandförmchen

1 Paar pinke Croks

1 Plastikfigur

1 Haarspange

2 Heringe

3 Fussbälle

1 Tennisball

1 Schaumstoffball

Ein Gala-Heft auf Niederländisch

1 einzelner Socken

2 Kaffeelöffel

Verlorene Gegenstände

>30 Wäscheklammern

2 Heringe

1 Schwimmring

3 Schwimmflügel

1 grüne Sandschaufel

1 pinke Sandschaufel

3 Fussbälle

1 Tennisball

1 Schaumstoffball

1 Wassermelone

1 Sonnenhut

3 einzelne Socken

2 Zahnbürsten

1 Kinderunterhose

1 Löffel

3,5 kg Körpergewicht (alle zusammen)

3 Flaschen Shampoo

Geschenkt bekommen (Kitschkram wie schöne Erfahrungen und innige Momente zähle ich nicht)

4 Maiskolben

3 türkische Gebäcksstücke

1 türkische Rahmsüssspeise

1 türkischer Milchreis

4 Wassermelonen

3 Honigmelonen

4 Nektarinen

4 Birnen

8 Äpfel

3 Kaktusfeigen

4 Handvoll Haselnüsse

2 Fleischknochen

14 Lutscher

21 Bonbons

2 Fresbees

1 Fotoshooting

1 Vergnügungsparkchip

1 Konfitüre

1 Bund Schnittlauch

1 Liter Milch

1 Parkplatzgebühren

32 Schokoladenprodukte

7 bulgarische Berliner

ein braunes Kindershirt

1 Halskette mit blauem Auge

8 Süssgetränke

2 Abendessen

2 Suppen

1, 2, 3, 4, äh, einige Trinkrunden

2 Pflaumen

2 Euro

37 Tomaten

2 Zucchini

1 Aubergine

23 scharfe, kleine Peperoni

4 Gurken

1 Bund Minze

2 Handvoll getrocknete Tomaten

Top 5 der eingepackten Gegenstände

Frau Fankhauser

Wäschesack mit Wäscheleine (Danke, schon wieder, Frau Blomma!)

Hängematte

Töpfchen

ReGa-Visitenkarte

Top 5 der eingepackten Gegenstände. Nicht.

Schwimmwesten

Grill

Nagellack

Sicherndes Hundegeschirr fürs Autofahren

Regenplane

(Ja, wie haben viel gelernt von der letzten Reise)

Top 5 Glücksfälle

Magendarmprobleme wenn allzeit ein Klo bereit

Schlüssel wiederfinden, täglich

Keinerlei ernsthafte Autopannen, Ventilproblem in Werkstattnähe, balkanverbreitetes Gefährt

Rega-Mitgliedschaft

Den richtigen (Nicht-)Sommer wählen

Top 5 Gegenden

Kappadokien, Türkei

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Türkische Schwarzmeerküste

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Peleponnes, Griechenland

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Albanische Berge

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Zwischen Jajce und der kroatischen Grenze, Bosnien und Herzegowina 

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Top 5 Ortschaften

Sarajevo, Bosnien und Herzegowina 

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Gjirokaster, Albanien

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Amasra, Türkei 

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Jajce, Bosnien und Herzegowina 

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Piratenfeenschiff, Pennepoles 

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Top 5 Übernachtungsplätze

Drvenik, Kroatien

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Irgendwo nach Antalya, Türkei 

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Fischrestaurant bei Cide, Türkei 

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Plav, Montenegro

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Irgendwo bei Kavarna, Blugarien 

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Top 5 Stellplätze. Nicht.

Wir scheinen einiges gelernt zu haben, jedenfalls bringe ich keine fünf Negativbeispiele zustande, dafür gibt es einen eindeutigen Kategroriesieger:

Spitalzimmer, Eregli 

Top 5 Begegnungen

Gaga aus Buna bei Mostar, Bosnien und Herzegovina 

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Die Bulgaren aus Sozopol 

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Nilüfer und Serhad mit Jaren aus Istanbul, Türkei 

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Christina und Michaela aus Skopie, Albanien 

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Bleonard aus Malisevo, Kosovo 

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Hier fielen Entscheidungen schwer, denn neben den fünf hier erwähnten Begegnungen, trafen wir auf weitere, ganz wunderbare Menschen, wie Ismail, der uns einen Kreisel drechselte, Antonio, der uns fürstlich bekochte, die Litauer, die uns zu sich nach Hause einluden, der Deutsche Rentner, der den Kinder einen Fingerspiel beibrachte, das sie noch heute täglich aufsagen, die vielen namenlosen aber herzerwärmenden Kurzbegegnungen und nicht zu vergessen die Störche, die uns von Bulgariens Mitte bis Istanbul in atemberaubend schönen Formationen begleiteten und Sinnbild unserer Reise bleiben werden.

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Aheloy (Bulgarien) – Edirne (Türkei) – zwischen Tekirdag und Marmaraeleglisi (Türkei) (Tage 23-25)


Um Bulgarien zu verlassen, müssen wir einen Streckenabschnitt auf der Autobahn zurückfahren, den wir schon gefahren sind. Während der Fahrt bemerken wir einmal mehr, wie wahnsinnig unlustig so Autobahngebrause ist und fahren kurzerhand landeinwärts und damit den anstrengenderen, aber ungleich spannenderen Weg. Landschaftlich präsentiert sich Bulgarien auch hier gewohnt sonnenblumenfeld- und storchlastig, die Dörfer sind entweder klein, landschaftlich geprägt und mit offensichtlich und strassentechnisch (schlaglochdurchzogener Flickenteppich) wirksam bescheidenen finanziellen Mitteln, niedrig gebaut, in den Gärten Nutztiere in Einzelhaltung, oder sie sind grösser, bis hin zu Kleinstädten, scheinen vorwiegend von Industrie zu leben und bestehen aus riesigen, aneinandergereihten Plattenbauten, zerfallenden, rostigen Fabriken und lebendigen, bunten Ortskernen mit etwas filigranerer Bebauung. In den Kilometern zur türkischen Grenze resümieren wir unseren ersten längeren Aufenthalt in Bulgarien und ich stelle fest, dass ich diesem Land gegenüber, trotz freundlichen Menschen und landschaftlichen Schönheiten, nicht diese Faszination und Begeisterung empfand, wie beispielsweise gegenüber dem jungen, so zuversichtlichen Kosovo oder Bosnien und Herzegowina und ich vermag nicht zu sagen, woran das liegt. Festhalten lässt sich: Ja, die Strassen Bulgariens sind gefährlich. Und: Nein, von ausgeraubten Autos, Touristenprellungen, „Kindereinsaugenden Poolfiltern“ (Zitat, deutsche Reisebekannte) und Unfreundlichkeit haben wir überhaupt gar nichts gemerkt, im Gegenteil, wir erfuhren allenthalben Hilfsbereitschaft.
Der bulgarische Grenzpolizist scheint die negativen Erfahrungen noch kurz aufstocken zu wollen und herrscht mich unfreundlich und, nachdem ich erst einen Schuh verlor, den wieder suchen und anziehen musste, immer lauter an, die hinteren Gefährtentüren zu öffnen. Kaum geöffnet sieht er sich mit skeptische, Blick um und weist mich, erneut in mir zutiefst missfallendem Ton, an, auch die Seitentüre zu öffnen, weicht aber bei Charlottes (Hund) Anblick rasch zurück, winkt uns durch und ich mag Charlotte, trotz Geruchsbelastung, wieder ganz gerne. Die Prozedur an der türkischen Grenze dauert einiges länger, man nimmt es hier mehrfach sehr genau, möchte noch erklärt bekommen, wo genau denn diese Schweiz sei, ist aber dabei so freundlich und wohlwollend, dass sich das problemlos aushalten lässt, denn bereits nach einigen Kilometern wird mir, während ich in brütender Hitze mit Brut und Köter im Auto auf den vignettenholenden Herrn G. warte, der erste Cay (Schwarztee mit zwei Stück Zucker, in kleinen, bauchigen Gläsern auf passenden Untertellern) gereicht. Die Türkei eben, wie ich sie kenne. Im eher unattraktiven Ort Edirne stellen wir uns auf den einzigen Campingplatz den wir gefunden haben, es soll eine der unspektakulären Zwischennächte werden. Preislich merken wir einen ziemlichen Unterschied zu den 6-8 Euro, die wir in Bulgarien jeweils Alles in Allem pro Nacht bezahlt haben, aber der Platz bietet ein Freibad und, so die Besitzerin, warmes Wasser in den Duschen. Insgesamt verbringen wir die Nacht jedenfalls geplant unspektakulär, dafür mit WLAN auf Klo und im Bett. Gloooooooooooooooria!
Am nächsten Tag brechen wir auf, den Platz, einige Kilometer vor Istanbul, am Mittelmeer zu suchen, den wir schon 2012 als Übernachtungsplatz vor der grossen Stadt benutzt haben.
Dabei erinnern wir uns an unsauberes Meer, Plumpsklos, windschiefe Dauerzelte, eine kleine Wiese mit Hasen, Ziegen, Truthähnen und einer Jungkatze, die sich nachts heimlich in den Gefährten schlich. Ab Tekirdag fahren wir die selbe Strecke wie vor zwei Jahren, erkennen einiges wieder, sehen aber auch einige Veränderungen, wie die wohl neue Strasse und die Tatsache, dass alle paar Kilometer ein „Campingplatz“ existiert, der dem, den wir vor zwei Jahren befuhren, aufs Haar ähnelt. Einfache Wiesen, ebensolche Fixzelte, Lotterbuden, ein Restaurant oder eine Caystube und Meereszugang. Die Plätze sehen nicht neu aus, aber ich kann mich erinnern dass wir vor zwei Jahren verzweifelt nach einem Übernachtungsplätzchen gesucht haben, also waren wir damals entweder blind, oder die mit einfachsten Mitteln gebauten Plätze altern tatsächlich sehr schnell. Schliesslich fahren wir irgendeine der Wiesen an, die. Kinder wollen endlich baden, ein. Ansinnen, das ich teile, bis ich die übelriechende, trübe Kloake erblicke, die das Mittelmeer hier ist. Der Strand ist übersäät mit toten Quallen und der Sand seltsam weich, so dass man bis über den Knöchel einsinkt. Trotzdem baden einige Einheimische hier mit ihren Kindern, das heisst, es baden die Frauen in badetauglicher Verschleierung, die Männer sitzen am Ufer und trinken Cay. Mit leicht zugekniffenen Augen und angehaltenem Atem, den Blick möglichst in die Ferne, ist es hier eigentlich ganz nett und das Licht des Sonnenuntergangs färbt Dinge auch ganz hübsch ein. Wir schlafen trotzdem gut, mit gebührendem Wasserabstand.

Bemerknisse

Warmes Wasser bedeutet noch lange kein Duschglück, eine derartige Aussage kann bedeuten:

  • Lauwarmes Wasser
  • Einen Liter warmes Wasser für alle, um eine Zeit, die nur Stammkunden kennen
  • Warmes Wasser im Kloakenmeer
  • Warmes Wasser am Abwaschbecken, jedenfalls zwei Sekunden lang, bis das Wasser, das von der Sonne beschienen im Hahn hockte ausgespühlt wurde
  • Warmes Wasser tröpfchenweise, Wasserdruck inexistent
  • Warmes Wasser mit Wasserdruck, Wasserdruck der zumindest reicht, wenn ein Säugling mit drei Haupthaaren Sauberkeitsbedürfnisse hegt
  • Warmes Wasser mit massig Wasserdruck, aber eigensinnig hyperaktivem Strahl mit Wankelmut, um ihn einzufangen bedarf es ein sportlicher Leistungen und die Fähigkeit genauer Richtungsprognosen
  • Warmes Wasser, wenn niemand anderes gerade duscht, die Klospühlung bedient, sich die Hände wäscht oder den Abwasch erledigt
  • Kombinationen und Mischformen des oben Genannten

Wenn Herr G. beim Fahren über schlechte Sichtverhältnisse klagt, findet er das nicht den richtigen Moment für meine de Saint-Exupéry-Zitate.

 

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Durankulak (Bulgarien) – Bulgarien (Tage 21-22)


Es gibt nicht so viel Neues zu berichten, momentan, wir bewegen uns nun seit einer Woche an der bulgarischen Küste von nettem Ort zu nettem Ort fort, geniessen Meer und Wärme und damit genau das, was wir vor einer Woche noch so sehr herbeigesehnt haben.

Neu ist vielleicht, dass wir, wie geahnt, auch heuer nicht ohne Halt an Istanbul vorbei fahren können und ab Montag drei bis vier Tage in der Metropole weilen werden. Wahrscheinlich werden wir nicht all zu viel unternehmen, nur geliebte Ecken wieder aufsuchen, den Komfort eines eigenen Badezimmers geniessen, ausgiebig duschen, Fingernägel lackieren, bevorzugt haarlose Stellen rasieren, Augenbrauen trennen und sowas eben. Ausserdem werden wir während unseres fünften Aufenthalts in Istanbul rausfinden, wie es sich in der Stadt so bewegen lässt, wenn man neben Kindern auch noch einen Hund dabei hat.
Heute übernachten wir nochmal in Bulgarien, morgen wollen wir den Grenzübertritt wagen, in Edirne übernachten, übermorgen einen Kleinstplatz am Mittelmeer wieder aufsuchen und am Montag, wie gesagt, in Istanbul sein. Heuer gastieren wir übrigens mit AirB&B, was ich mit Spannung erwarte. Damit wissen wir für fast eine Woche ungefähr, wo wir jeweils schlafen werden und sind damit durchgeplant, wie kaum je auf Reisen.
Höhepunkt des heutigen Tages waren die unglaublich riesigen, in den Süden ziehenden Storchschwärme. Abertausende der beeindruckend grossen Vögel, die sich, die Thermik nutzend unvergleichlich elegant aneinander uns miteinander, in Wellenbewegungen, manchmal In Wirbeln, bewegen, ohne sich zu berühren. Ein krasses Naturspektakel, das offenmundig staunen und in allerpositivstem Sinne im Vergleich ganz klein fühlen lässt. (Da kein von mir gemachtes Foto dem Schauspiel auch nur entfernt gerecht wird, lasse ich die Bebilderung bleiben.)

Bemerknisse
Ich vermag nicht zu ergründen, wie die Bulgaren mit ihren Schildern zurecht kommen. Für mich sind die Verkehrsschilder eher schwierig zu lesen, und das liegt noch nicht mal an der Schrift, sondern daran, dass nie genau ersichtlich ist, auf welche Strassen sie sich beziehen. So können Wegweiser die aktuelle Kreuzung meinen, oder die Kreuzung danach oder die Kreuzung danach oder sie reiben dir auf die Nase, welche Abzweigung du soeben verpasst hast.

Es erstaunt mich überhaupt nicht mehr, dass der Reiseführer (Lonley Planet) von Bulgariens Strassen als den mit gefährlichsten Europas spricht, hier fährt jeder wie er kann. Und damit meine ich „so schnell, wie er kann“. Es wird immer und überall überholt. Von links, von rechts, über ausgezogene Linien, bei Gegenverkehr, übers Trottoir, als Anhängsel hinter dem Krankenwagen…IMMER! Man kann sich zu keinem Zeitpunkt auch nur entfernt darauf verlassen, dass irgendjemand sich an Verkehrsregeln hält und das Warten auf freiwilligen Einlass beim Einspuren kann getrost vergessen und direkt mit dreistem Eindrängeln begonnen werden.

Herr G. findet gut, dass ich blogge, weil er beim Durchlesen das Programm der folgenden Tage erfährt.

Ich kann seit heute den Gasherd selber bedienen. Ich würde es positiv als Lernfortschritt formulieren, Herr G. nennt es Beweis für seine Kochknechtschaft.

 

 

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Aheloi (Bulgarien) – Kavarna (Bulgarien) – Darankulak (Bulgarien) (Tage 18-20)


Nach einer ruhigen Nacht brechen wir auf, weiter Richtung Bulgariens nördliche Schwarzmeerküste. Auf der Strecke zwischen Burgas und Varna wird mir rasch klar, wieso Reiseführer für Individualreisende diesen Teil der bulgarischen Schwarzmeerküste relativ kurz abhandeln: Zugehotelbunkerte Küstenabschnitte und Dörfer, die in Tat und Wahrheit nichts als gigantische Ansammlungen von Hotels und Touristenbespassungszentren sind. Nach einem Blick auf die Karte, entdecken wir, anscheinend etwas abseits, das ominöse Dreieck, das für Campingplatz steht und beschliessen da hin zu fahren, weil wir uns und den Kindern momentan nur kürzere Fahrten zumuten wollen. Der Weg zum Ziel führt durch die üblichen, auf Touristen angelegte Käffer, die aber ziemlich allesamt wohl bessere Zeiten hinter sich haben. Allenthalben Spuren des Zerfalls, verlassene Häuser, unfertige Bauten, aber, in dem Zusammenhang eher erstaunlich, auch neue, hoffnungsvoll überdimensionierte Bauprojekte im Dienste des Tourismus.
An Varna selber imponiert mir vorallem der Hafen mit seinen gigantischen Frachtschiffen, Hafenkränen und Containern. Auch wenn dieser Streckenteil ansonsten wenig gefällt, von der angekündigten Gefahr, in Bulgarien überfallen oder ausgeraubt zu werden, war, seit unserer Ankunft in diesem Land, nie auch nur ein Hauch wahrzunehmen.
Nach Varna scheint es vorerst nicht unverbauter zu werden, obwohl wir uns besagtem Platz „etwas ausserhalb“ nähern. Statt mitten in der Natur, landen wir an einem der seltsamsten Orte, die ich je besucht habe, mitten in der Posttouristenerfolgstristesse, in einem Dorf, das wohl nie eins war, bis man beschlossen hat, hier ein Ferienressort zu bauen, dass es unnötig werden lässt, den Ort für irgendwas zu verlassen. Neben Hotels aller Preisklassen, Appartements, Bungalows aller Couleur und einem Campingplatz, sind hier zig Restaurants, Supermärkte, unter anderem ein Golf-, Tennis- und Pferdesportplatz, sowie Vergnügungsparks, und was man im Urlaub sonst noch so zwingend vermissen müsste, zu finden. Das Auffälligste aber, sind auch hier die Spuren der misserfolgsbedingten Vernachlässigung, hier und da scheinen Betreiber verzweifelt ihre Angebote am leben erhalten zu wollen und es sind auch einige Gäste hier, aber insgesamt wähnt man sich in einer Geisterstadt, allerdings ohne den im letzten Bericht beschrieben Naturimrückeroberungsfeldzugcharme.
Wir fahren also doch noch weiter, wir wollen hier raus. Unser nächstes, potentielles Ziel liegt in der Nähe von Kavarna. Wir verlassen die Hauptstrasse, die etwas mehr im Landesinnern verläuft, und befahren die meersnaheste Strasse, unheimlich ausgedehnten Sonnenblumenfeldern und Windmühlenwäldern entlang, während wir immer mehr finden, was wir gesucht haben. Weite, menschen- und gebäudeleere Küstenabschnitte, sandige, steil, aber nicht hoch abfallende Ufer und erstaunlich helltürkises Meer. Etwas weiter gegen Kavarna fallen uns immer wieder grosse, rostige Tanks auf den Wiesen auf und wir rätseln eine ganze Weile, was das sein könnte, bis wir die Bohrtürme und Ölpumpen sehen. Im Dämmerungslicht wohnt dem Ganzen eine ganz eigene Ästhetik inne, die ich leider nicht einfangen kann, weil mein Apparat zwischenzeitlich den Geist aufgibt. Ähnlich wie letzte Nacht, finden wir, wieder auf einem Gelände, das wohl einst einem grösseren Komplex zugehörig war, einen kleinen, familienbetriebenen Platz, den wir kurzerhand für zwei Nächte belegen. Für sieben Euro die Nacht haben wir saubere Toiletten, warme (!!!) Duschen, Schatten, WLAN, Hängemattenbäume, und einen unglaublich bemuschelten, unglaublich langen, so wenig bevölkerten Strand, dass wir selbst den Hund ungehindert laufen lassen können. Reiselebensqualitäten!
Ins Gespräch mit unseren Gastgebern kommen wir leider nicht über die üblichen Floskeln hinaus, dafür beherrschen wir zuwenig gemeinsame Sprache, aber abgesehen davon, dass der Hauspascha ganztags trinkend und stündlich lallender vor dem Haus rumsitzt, ist man um unser Wohl besorgt und serviert uns Melonen vom eigenen Feld. Die Bulgaren und der Alkohol scheinen allerdings ihr ganz eigene Geschichte zu haben. Nach Eindunkeln sind mehr schwankende, denn gerade gehende Gestalten, der Gastgeber unseres letzten Platzes wollte, dass wir das Übernachtungsgeld seiner Mutter geben, weil er es sonst vertrinke, im Gespräch mit den Bulgaren des letzten Platzes fiel, wann immer ein Schwankender vorbei lief, die Redewendung „er hatte wohl heute Zahltag“ und in Reiseführern wird aufgrund vermehrt vorkommender Trunkenheit am Steuer vor den bulgarischen Verkehrsteilnehmern gewarnt. Ich vermag nicht zu sagen, ob das alles zusammenhangslose Zufälle sind, oder ob Alkoholismus hier tatsächlich ein vermehrt auftretendes Problem ist. An der nächsten konstanten Internetquelle möchte ich mich über die Thematik informieren.
Die Nacht wird, trotz ab und zu rumlallendem Hauspascha ruhig und den nächsten Tag verbringen wir zwischen kleiner Gartenoase und Strand, ganz im Erholmodus.
Ähnlich schöne Strände suchend, fahren wir am nächsten Tag einige Kilometer weiter in den Norden, bis nach Darankulak, und werden zwar strandbezogen fündig, dafür hat unser Übernachtungsplatz nicht ansatzweise das oasenhafte Ambiente, das unser letzter Platz geboten hat.

Bemerknisse
Hier scheint jeder sein eigenes Melonenfeld zu haben. Ein Traum.

Mit den Wörtern Merci und Schinken käme man hier als Schweizer freundlich, etwas fleischlastig, aber satt durch den Tag, ohne einer Fremdsprache mächtig zu sein.

Egal wie viel Fläche zur Verfügung steht, der Hund schüttelt sich neben mir aus.

Am anderen Ende anderer Leinen sind ausnahmslos Touristen und Städter zu finden.

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Sozopol (Bulgarien) – Ahtopol (Bulgarien) – Aheloi (Bulgarien) (Tage 16-17)


Nach gründlicher Verabschiedung von allen Platznachbarn und den Besitzern, machen wir uns auf, den Küstenort Bulgariens aufzusuchen, der am nahesten zur türkischen Grenze liegt. Auf demWeg dahin finden wir, nach dem wir die Touristenkäffer hinter uns gelassen haben, endlich ein wenig davon, was wir uns von der Schwarzmeerküste erhofften: Natur, einsame Kleinklippen und Strände, die nicht unter einem Meer akribisch geordneter Sonnenschirme und Liegestühle verschwinden. Trotz grosser Verlockung wagen wir es nicht, einer der unzähligen Strassen, die hinunter zu versteckteren Buchten führen, tatsächlich zu befahren, dafür schien der Gefährte ungeeignet. Eingeschüchtert, ob den Hinweisen aus Reiseführern und offiziellen Quellen, die davor warnen, Autos mit ausländischen Kennzeichen unbeaufsichtigt an der Strasse stehen zu lassen, wagen wir uns nicht, den Gefährten abzustellen und einen der Strände zu erwandern, finden aber unterwegs, durch kleine, verschlafene Dörfer, die zwar wohl noch einige Touristen für sich abzweigen, aber, sehr zu ihrem ästhetischen Vorteil, mehr auf Ursprünglichkeit und private Zimmervermietung setzten und auf die grossen Urlaubsressorts der Städte rund um Burgas verzichten. Als wir so unsers Weges fahren, finden wir schlussendlich einen semioffiziellen Campingplatz, der Wald und Wiese auf einer Anhöhe, direkt am Meer bietet. Wir fahren hinein, werden vom Besitzer freundlich begrüsst und während er konsequent Bulgarisch spricht, versuche ich mich durch Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch und Deutsch, rede schliesslich der einfachheithalber Berndeutsch, finde irgendeinen Konsens mit ihm und winke Gefährten samt Inhalt zwischen die Bäume. Wir sind durchaus nicht die einzigen hier, die Stimmung ist aber wahnsinnig entspannt, freundlich und ruhig. Hier trifft sich die alternative Szene Sofias, wie wir später erfahren. Neben Sofiern treffen wir auch ein deutsches Paar, dass uns von wunderbaren Stränden in Rumäniennähe erzählt, wir ändern mal wieder unsere Pläne und beschliessen Bulgarien doch noch nicht am nächsten Tag zu verlassen, sondern noch etwas Richtung Norden zu fahren.

Nach einer ruhigen Nacht brechen wir auf und fahren das wunderbare Teilstück der Bulgarischen Küste, vorbei an kleinen Buchten, in denen sich Zerzauste Störche sonnen, durch grüne Wälder, an kleinen Verkaufsständen, die frischen Fisch aus den Flüssen des Waldes versprechen, zurück nach Burgas. Bereits kurz nach Burgas sind wir schon wieder fahrmüde und als wir nach einer fischzucht- und sumpfdurchzogenen Gegend einen kleinen, privaten Stellplatz, auf dem Gelände eines ehemalig grösseren Platzes sehen, halten wir an. Ich mag Gebäude und Plätze, die von erfolgreicheren Zeiten erzählen, während die Natur sie langsam zurückerobert. Ich mag, wie sie sich aus jeder Fuge hervorkämpft, Türen zuwächst und Wände spaltet. Und die Kinder nutzten den Platz zum gefahrlosen Fahrradfahren.

Bemerknisse
Das Kinderzubettbringsytsem auf bulgarischen Campingplätzen funktioniert nach dem Prinzip „10 kleine Bulgaren“: Nach und nach fallen die Kleinen irgendwo um und schlafen ein, die wachgebliebene Restmeute erzählt den betroffenen Eltern, wo das gefallene Kind zu finden ist, es wird aufgepflückt und ins Bett verfrachtet. Pech haben nur, die Eltern der Durchhaltewilligsten, die müssen ihr Kind mangels Ortungsboten suchen.

Auf engen Strassen gilt: Augen zu und durch, wer nachgibt verliert, die andern werden ihr Auto bestimmt unsanft von der Strasse, in den Schotter lenken, um Platz zu machen. (Wir sind die andern. Immer.)

Früchte sind hier überall zu bekommen, alle paar Meter steht ein Lastwagen voller Melonen am Strassenrand und man zahlt sehr wenig für gutes Obst. Man kann sich aber auch einfach auf einem besonders gut gelegenen Stellplatz einrichten und die Früchte einfach von den bäumen pflücken, unter denen man gerade hängt.

Es haben sehr viele Tschechen in sehr kleinen Zelten Platz.

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