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Tage 7 und 8: Garaña – Santiago de Compostela – Mougàs


Am nächsten Morgen stehe ich früh auf und geleite den Hund zur Morgenrunde. Ich, gesegnet mit überhaupt keinem Orientierungssinn, komme auf die spassige Idee, dass ich statt über Strassen und Wege, querfeldein zu den Klippen finden könnte. Sagen wir es so: Nach stündigem Marsch sah ich die Klippen von Weitem. Zurück bei Familie und Gefährt, brechen wir auf, wir wollen heute einen Platz in Santiago de Compostela erreichen, den uns unsere Deutschen empfohlen haben. Die Strecke zieht sich unerfindlich lange und als wir gegen 16 Uhr ankommen, beschliessen wir den Ausflug ins Stadtzentrum auf den nächsten Tag zu verschieben und den Nachmittag und Abend stattdessen in Pool (Kinder), Stuhl (Mann) und Hängematte (Ich) zu verbringen.

Wir dürfen den Gefährten auf dem Platz lassen, obwohl wir keine weitere Nacht hier bleiben wollen. Der Platz, ein kleiner Campingplatz, 2 Kilometer vom Zentrum entfernt, ist überhaupt sehr weiter zu empfehlen: Die Plätze sind schattig, die Bäume stehen in hängemattetauglichen Abständen und die Betreiber sind freundlich und unkompliziert. Während ich und die Kinder den Bus nehmen wollen, will Herr G. die Strecke ins Zentrum mit dem Hund zurücklegen, weil der nicht in den Bus darf. An der Haltestelle angelangt, stellt sich aber heraus, dass wir noch 20 Minuten warten müssten. Da ich ohnehin schon fast hyperventiliere, weil mich der Umstand minim in Stress versetzt, dass ich weder Namen noch Nummer der Haltestelle, an der ich aussteigen müsste weiss, beschliessen wir alle zu laufen. Das ist kein Problem, wie sich herausstellt, die Kinder lieben es, den allenthalben eingegossenen Muscheln (Jakobsweg) zu folgen und bald sind wir mitten im hübschen Stadtkern. Sie Gassen sind eng, die Häuser niedrig, weissgetüncht mit Sichtbalken oder steinern, dafür höher, mit schönen, alten, oft farbigen Toren. Die Stadt wirkt klein und lebendig, überall sind Pilger mit ihren obligaten Wanderstöcken und zu grossen Rucksäcken. Nahe der Kathetrale treffen wir auf Iria Ribadomar. Ihre Bilder stechen massiv aus der Masse kitschiger Stadtmalereien heraus. Sie zeichnet, wie sie sagt, unser Morgen, Kühe, Dudelsackspieler und Pilger in Gasmasken, alles auf Karton. Eine der Kühe nennen wir nun eigen, von der Stadt haben wir genung. Wir fahren wieder raus ans Meer. Vor der portugisischen Grenze finden wir einen kleinen freundlichen Platz, wo man zwar, aufgrund der scharfkantigen Felsen nicht baden kann, dafür aber Krebse, Seeigel und kleine Fische findet. Einheimische finden auch mal eben in 5 Minuten 3 Gigantofische. Erstaunt sehen wir dabei zu, wie ein Mann mit seinem Sohn ans Ufer geht, ein rundes Netz ins Wasser hält und drei Fische raus zieht. Nach dem er wieder gegangen ist und wir seinen Platz eingenommen haben, sehen wir auch wieso: Sein Netz hat genau über das Abwasserrohr einer nahen Fabrik gepasst. Ich will nicht wissen, was die Fische alls so intus haben. Erstmals bleibt es abends lange heiss und auch der Kläffer von nebenan lässt die Nacht zu kurz werden

Bemerknisse

Sie haben alle Hunde, die Spanier, jedenfalls wenn man kleinen aggressiven Köterchen mit minimalistischer Körpergrösse und gigantischem Kläffstimmvolumen so bezeichnen mag. Die Hunde gehorchen nicht die Bohne, Leinen schleifen sie allerhöchstens dekorativ lose am Boden hinterher und sie kacken offensichtlich so blitzschnell und dezent, dass ihre Besitzer den Prozess irgendwie nie sehen und folglich auch nicht beseitigen können.

Wer auf Reisen die Strassen des Balkans gewohnt ist, wird auf Reisen in andere Richtungen allenthalben Erstaunen ob den tollen Strassen bekunden.

Je näher an Santiago, desto schneller wird gepilgert. Kurz vor der Kathedrale gilt es Deckung zu suchen, wenn wieder eine Herde berucksackter, beinverbundener, stockschwingender Pilger ins Ziel galoppiert.

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Tage 5 und 6: Vieux-Boucau-les-Bains – Santoña – San Vincente – Garaña


Wir schlafen lange, eigentlich zu lange für meinen Geschmack, und brechen erst gegen 11 Uhr Richtung San Sebastián auf. Ich bin erstmals seit meiner Kindheit wieder in Spanien, für Mann, Kinder und Hund ist es sogar das erste Mal. Eigentlich wollten wir irgendwann am Vormittag in San Sebastiàn sein, 1, 2 Stunden durch die Innenstadt trampeln und uns gegen Nachmittag ein Schlafplätzchen ausserhalb der Stadt suchen. In die Stadt eingefahren, regnet es, es hat massenhaft Autos, noch mehr Menschen und einen geeigneten Parkplatz finden wir auch nicht. Wir beschliessen die Stadt, nach einem Zwischenhalt an der Bucht, vis-à-vis des alten Stadtzentrums, wieder zu verlassen und umfahren dabei auch gleich noch de nächste grössere Stadt, Bilboa. Bilboa. Bilboa. Ich hätte die Stadt ja alleine wegen ihres Namens besuchen wollen, aber nach dem übervollen San Sebastiàn fehlte auch mir die Motivation. Bilboa. Bilboa. Der Küste entlang, fernab der Autobahn, wird es wieder ruhiger, wilder und einsamer. Wir finden uns beeindruckt unter einem Schwarm Weisskopfadler wieder, die über den rauen Klippen kreisen. Nach dem Storchenzug über Bulgarien und der Türkei wohl eines meiner beeindruckendsten Tiererlebnisse. Bei Santoña, wo das Meer sich tief in die Schwemmlandebene gräbt, beschliessen wir nach einem Schlafplatz zu suchen und folgen einem Campingschild, das mitten durch die Industriezone führt. Für einige Minuten verschlägt es uns schier den Atem, denn Santoña liegt nicht nur optisch wirklich attraktiv, es liegt offensichtlich auch günstig für Sardellenfang und -verarbeitung und ist Sitz mehrerer Ölsardinenfabriken. Während Mann, Kind 2 flach durch den Mund atmen, um den penetranten Fischgeruch zu entfliehen, atmet Kind 1 in vollen Zügen jubilierend ein. „Fisch, hier gibt es Fisch!“ Zwei Fünftel von uns (Der Hund hätte wohl auch nichts gegen etwas Fischewälzen einzuwenden.) sind dann auch einigermassen erleichtert, als die Beschilderung uns wieder aus der Industrie, an eine weitläufigen Strand, abgegrenzt durch hohe Felsen führt. Der Camping liegt direkt angrenzend und noch ehe wir Genaueres abklären können, sind die Kinder schon auf dem Weg zum Meer. Für echtes Baden ohne Neoprenanzug ist das Wasser zu kalt, aber rund um riesige Findlinge hat sich dank der Gezeiten etwas Wasser gesammelt, das sonnengewärmt angenehme Badetemperatur erreicht hat und die Kinder glücklich macht. Die Nacht ist kühl, windreich und gemütlich.
Am Morgen ist das Wetter durchzogen, kalt und regnerisch. Wir brechen bald auf, umfahren die nächste Stadt um dann wieder der Küste entlang zu tuckern. Irgendwo nach San Vincence machen wir eine lange Pause und schlendern einem wunderschönen Flussdelta entlang, das sich über eine weite, moorige, grün umsäumte Ebene erstreckt. Baden ist verboten, was uns in Anbetracht des rauhen Klimas kaum kümmert. Nach dem ausgiebigen Zwischenhalt fahren wir weiter, verschmähen überfüllte Campingplätze und folgen irgendwann einem unschinbaren Schild, das auf Campingmöglichkeit verweist. Wir fahren und fahren, über Kleinststrasse in ein unscheinbares Kaff, namens Garaña, das mit ebenso unscheinbaren Schildern für einen Strand und „Bufones“ wirbt. Der Campingplatz ist im Garten eines Hotels und herrlich unüberfüllt. Wir parkieren den Gefährten und marschieren zwei Kilometer, den Schildern eintlang zum Strand, in Form eines weit ins Land hinein reichenden, in Sand gebettteten, meterlang seichtwässirigen Meeresarmes. Ein perfekter Kinderbadestrand. Neben diesem einen Meeresarm sind hier „nur“ steile, felsige Klippen zu finden und eben die ausgeschilderten Bufones, Löcher in den Klippen, die bei entsprechendem Wellengang Wasser empospritzen wie kleine Geishire. Letzteres sehen wir leider nicht, atemberaubend schön sind die Steilklippen alleweil.

Bemerknisse:

Sagte ich schon, dass Bilboa ein ziemlich toller Stadtname ist?

JakobswegwandererInnen unterscheiden sich hauptsächlich am Gesichtsausdruck vom gemeinen Wanderer. Je leidender desto jakobsweger.

Die Sache mit den Campinduschen habe ich schon mal erörtert: Ein Fakt den es auch zu beachten gilt: Aufgeweichte, abblätternde Duschendecke ist ein schlechtes Zeichen, bereiten Sie sich auf ein abgekalteten, über Deckenumwege indirekten Duschstrählchen vor.

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