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Fazit einer Vierteljahresreise mit Kleinkindern


Im Vorfeld gab es einige erstaunte, wenn nicht gar entsetzte Ausrufe, wenn wir von unseren Reiseplänen erzählten. Reisen mit so jungen Kindern erscheint vielen ein all zu beschwerliches Vorhaben. Nach einem Vierteljahr auf Achse mit zwei Kleinkindern kann ich sagen: Sie haben recht. Reisen ist beschwerlich. Reisen mit Kindern ist sehr beschwerlich. Manchmal. Es reist sich anders mit Kindern, so viel ist klar, denn, damit Nerven, Stimmbänder und Ohren aller Beteiligten so weit als möglich geschont werden können, müssen Kompromisse eingegangen, Kindesrhythmen berücksichtigt und manche kulturelle Sehenswürdigkeit zu Gunsten der allgemeinen Hochstimmung ausgelassen werden. Allerdings verspreche ich Ihnen, dass sich, ganz ohne Ihr zutun, alleine durch die Anwesenheit von Kindern, Begegnungen  und Einblicke ergeben, die ohne die Kinder so nie möglich gewesen wären. Ja, grösstenteils ist es unfassbar aufregend, bereichernd, spannend, öffnet Blick und Herz, ist schlicht allerwunderbarst und sofort nachzuahmen. Unbedingt.

Wir danken all den wunderbaren Menschen, die uns bei unserem Vorhaben irgendwie unterstützt haben von ganzem Herzen!

Die Reise in Zahlen:

  • 9968 Km (dazu kämen Strecken unbekannter Längen auf Fähren)
  • 10 Länder
  • 19 Grenzüberquerungen
  • 5 Fährfahrten
  • 75 Übernachtungsplätze, davon 68 Camping- oder Stellplätze, 1 Jugendherberge, 2 Hotels, 2 Appartements, 2 Fähren
  • 4 neue Reifen
  • 2 neue Scheinwerferglühbirnen
  • 1 maschineller Autowaschgang
  • 10 Wäschewaschgänge, davon 2 Handwäschen
  • 6 zusätzliche Zähne
  • 1 Besuch auf dem Notfall
  • 3 Besuche in Autowerkstätten
  • ungefähr 1680 Mückenstiche

Gefundene Gegenstände:

  • 2 hellgrüne Sandschaufeln
  • 1 hellgrüner Sandrechen
  • 1 pinker Öllöu-Kiddi-Sandeimer
  • 2 Wal-Sandförmchen (blau und grün)
  • 1 blaues Elefanten-Sandförmchen
  • 1 grünes Fisch-Sandförmchen
  • 1 gelbe Baggerschaufel
  • 4 Wäscheklammern
  • 1 Volleyball
  • 1 Springball
  • 1 Paar Wasserschuhe
  • 1 Sonnenbrille
  • 1 Plastikdinosaurier
  • 8 Heringe
  • 2 Karabiner
  • 1 Puppenkopf
  • 1 rechter, schwarzer Flip-Flop, Grösse 42
  • 1 Angelzubehör

Verlorene Gegenstände

  • 1 Kinderwagendach
  • >30 Wäscheklammern
  • 2 Heringe
  • 2 Schwimmringe
  • 1 Töpfchen
  • 2 Fläschchen
  • 1 Ball
  • 1 Plastikdinosaurier
  • 1 grüne Sandschaufel
  • 2 Wassermelonen
  • 1 Honigmelone
  • 1 i-Phone
  • 1 Zahnbürste
  • 1 Sonnenbrille
  • 2 Sonnenhüte
  • 1 Schlafsackhülle
  • 2 Kinderunterhosen

Geschenkt bekommen (Kitschkram wie schöne Erfahrungen und innige Momente zähle ich nicht)

  • 1 blaues Auge
  • 2 Halsketten mit blauen Augen
  • 1 Armkette mit blauem Auge
  • 2 Broschen mit blauen Augen
  • 1 Muschelmagnet mit blauem Auge
  • Obst (ganze Melonenrudel)
  • Gemüse
  • Viel zu viele Süssigkeiten
  • 3 Liter Milch
  • 3 Luftballone
  • 2 Kreisel
  • 1 rosa Delfin
  • 1 leuchtoranger Drache
  • 1 barbiedünne Minipuppe mit überdimensionalen Augen und Rosa Haar
  • 1 Frisbee
  • 1 Schleuderspielzeug

Top 5 der eingepackten Gegenstände

  • Frau Fankhauser
  • Wäsche- und/oder Geschirrzuber und/oder Kinderbadewanne
  • Wäschesack mit Wäscheleine (Danke Frau Blomma!)
  • Insektenschutzmittel
  • Europa-Atlas

    Treuer Begleiter, der Europa Atlas

    Treuer Begleiter, der Europa Atlas

Top 5 der eingepackten Gegenstände. Nicht.

  • Grill
  • Wolldecken
  • 2. Paar lange Hose
  • Nagellack
  • Föhn

Top 5 Glücksfälle

  • Mit krankem Kind in der Nähe des grössten Krankenhauses Siziliens landen
  • Platter Reifen neben Autowerkstatt
  • Magendarmprobleme wenn allzeit ein Klo bereit
  • Schlüssel wiederfinden, täglich
  • Keinerlei Autopannen (trotz Autokauf ohne klitzekleinste entsprechende Fachkenntnisse)

    Pannenfreies Daheim

    Pannenfreies Daheim

Top 5 Gegenden

  • Region Ploce, Kroatien
  • Die Troas, Türkei
  • Parco Nationale Cliento e Vallo di Diano
  • Hinterland um Corleone, Sizilien
  • Die Küste Südalbaniens

    Region um Ploce

    Region um Ploce

Top 5 Ortschaften

  • Istanbul
  • Berat
  • Chios Stadt
  • Diverse Dörfer in den Troas
  • Palermo

    Istanbul bei Nacht

    Istanbul bei Nacht

Top 5 Übernachtungsplätze

  • Hafen Chios, Griechenland
  • Berat, neben MiniMarket, Albanien
  • Namenloser Stellplatz in den Troas, Türkei
  • Eraclea Minoa, Sizilien, Italien
  • Murter, Kroatien

    Berat, neben MiniMarket, Albanien

    Berat, neben MiniMarket, Albanien

Top 5 Stellplätze. Nicht.

  • Neben pubertierenden Partypolen
  • Neben besoffener Schulklasse
  • Neben nimmerschliessender Bar mit immergleichem spanischem Partysong
  • Auf inoffiziellem Freikörperkulturanhängerfreiluftklo
  • In erheblich von Überbevölkerung betroffenem Mückenwohngebiet

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Ioannina GR – Himarë (Nähe Vlorë) (Tage 51-52)


Vor über einem Monat schieb ich:

    „Sie werden es bemerkt haben, wir wurden nicht warm mit Albanien, auch wenn die Albaner äusserst wahrmherzig sind, es alleweil ungemein spannend war und mein Reiseherz ob all der Andersartigkeit und den Gegensätzen in Ursprünglichem und Modernstem (Eselgespann und BMW) höher schlug, mit einem Kind ohne Verständnis für die Differenzierung in Abfall und Bespielbarkeiten, erschien uns dieses anscheinend fast lücken- aber ganz sicher gnadenlos zugemüllte Land nicht der richtige Ort. Ich befürchte, nein hoffe, dass es uns nur in die falschen Landesteile verschlagen hat.“

Wir wollten es erneut versuchen, uns dem Land, auf das ich mich im Vorfeld unserer Reise mit derart grosser Spannung gefreut hatte, mit nicht mehr ganz so hohen Erwartungen, aber um so grösserer Hoffnung noch einmal nähern, diesmal hauptsächlich dem südlicheren Landesteil. Wir verabschiedeten uns von userem lauschigen Plätzchen am See in Ioannina, betankten den Gefährten nochmal auf Griechisch und brachen gen Grenze auf. An einem der wohl schönsten Orte an denen wir bisher Landesgrenzen überschritten hatten, in bergigem Gebiet, fielen fuhren wir erneut in Albanien ein. Einmal mehr war es erstaunlich, wie rasch sich Land- und Ortschaften auch Grenzen zu verändern vermögen. Waren die Berge auf Griechenlands Seite noch ziemlich bewaldet und wirkten Täler relativ fruchtbar, wurde die Landschaft in Albanien mit einem Schlag karger und dürrer, allerdings nicht minder eindrücklich und schön. In der Absicht einen Stellplatz am Meer aufzusuchen, den wir im Internet gefunden haben, jagten wir den Gefährten weiter hoch, in die albanischen Berge, die uns noch von der Küste trennten. Es war eine atemberaubende Fahrt auf ziemlich guten Stassen, den kahlen, kargen, steinigen, kaum besiedelten Berg hoch, an Ziegenherden und völlig stressfrei im Weg einhertrottenden Eseln vorbei und schliesslich direkt in einen, für albanische Verhältnisse relativ touristischen Vorort von Sarandë, ans Meer. Nach einer kleinen Irrfahrt durch Sarandë, aufgrund erhöhter Schlaglochkonzentration hatten wir die abführende Hauptstrasse nicht als solche erkannt, fanden wir doch noch den angestrebten Weg, der parallel zur Küste, im Landesinnern weiter durch die Berge führte. Bis Berges Höhepunkt präsentierte sich die Landschaft bekannt bergig, karg, mit gigantös wunderbaren Ausblicken aufs Meer. Die Abfahrt führte, weiter im Landesinnern, durch eine urplötzlich ungemein grüne, bewaldete Schlucht, einem kleinen Camperparadies mit vielen Stellplätzen und ebensokleinen Restaurants und schliesslich noch einen kürzeren Streckenabschnitt dem Meer entlang durch etliche schöne, alte Käffer mit dem Antlitz von alten, staubigen, verschlafenen Bergdörfern und grandiosem Ausblick aufs Meer. Ab und zu führen wir gemächlich hinter einem Mauleselgespann her oder musten warten bis die Kuh auf der Strasse ihr Kalb fertig gesäugt hatte, oder bis die entgegenkommenden Säue sich so in eine Reihe bequemten, dass die Strasse für uns passierbar wurde.
Hinter einem kleinen Restaurant, unter Oliven- und Orangenbäumen, fanden wir schliesslich ein Plätzchen für eine Nacht, ziemlich in Hochstimmung, muss gesagt werden, denn, man erinnere sich an die Einleitung, alleine für diesen Tag hat sich die Rückkehr nach Albanien gelohnt.

    Bemerknisse

  • Das Verstehen des Phänomens derart teurer Autos (NICHT Geländerfahrzeuge) bei derart schlechten Strassenverhältnissen bleibt mir wohl ewiglich verwehrt.
  • Sie planen für Ihr Kind eine Karriere bei der Verkehrspolizei? Reisen Sie mit Gefährten und ähnlichen Fahrzeugen. Unser 15 Monate altes Kind beherrscht die Kunst des lautstarken Einweisens, inklusive gewichtiger Miene und ausdrucksstarken Gebärden.
  • Dass der Albanien(Griechenland-, Türkei-)gewöhnungsprozess eingesetzt hat merken Sie daran, dass sie nicht mehr jede auf Strassen daherbringende Kuh, oder schweinische Weglagerer ablichten.
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    Finikoundas – Messologi – Ioannina (49-50)


    Die Strecke von Finikoundas bis Patras ist eher eintönig, die Dörfer die wir durchfahren scheinen hauptsächlich genau den Zweck zu erfüllen, nämlich durchfahren zu werden und den Reisenden hie und da Benzin, Verpflegung und eine Toilette zu bieten. Kurz: Wenig Leben, viel Industrie, dazwischen riesige Felder, Plantagen und Gewächshäuser. In Patras befahren wir schliesslich die fürchterlich teure aber schicke Brücke und hegen eigentlich das Ansinnen, ziemlich rasch einen Stellplatz zu suchen um den Kindern noch etwas Auslauf zu gönnen, hatten wir doch unser Maximum an Kilometern pro Tag längst überschritten (<;;300 km, in der Regel +/- 150 km und nie mehr als drei Fahrtage hintereinander), werden aber nicht fündig und fahren weiter, bis wir schliesslich nach Messologi gelangen, einen der erstaunlichsten Orte, die ich je besucht habe. Wir fahren, Campingplatzschildern folgend, über Umwege und die Ufpromenade in den Ort ein. Was nach Leben uns steppenden Touristentanzbären klingt, war es vielleicht einst auch, jedenfalls lassen grosszügig positionierte Bänke und elegante Promenadenbeleuchtung darauf schliessen, heute arbeitet die Natur an der Rückeroberung, das Ganze erinnert an apokalyptische Filmszenen. Nicht dass wir nur verschlossene Türen vorfänden, nein, hier und da hat ein Laden seine Türen offen, oder eine Taverne Tische und Stühle gedeckt und draussen, aber anstatt das Gefügl von Leben zunvermitteln, verstärken sie nur den Eindruck, dass hier die "besseren Zeiten" länger schon Vergangenheit sind. Die Meerseite zeigt sich ebenso ungewöhnlich, wirkt sumpfig seicht und ist eine olfaktorische Katastrophe, vereinzelt stehen Pfahlbauten. Unvorstellbar, wie ein Ort so viel Trostlosig- und Verlassenheit ausstrahlen und trotzdem so eigentümlich schön wirken kann. Kurz nach dem Hafen führt eine Strasse urplötzlich ins Meer hinaus, wir folgen ihr gebannt, kösnnten gar nicht anders und fahren gut zwei Kilometer auf dem Damm meereinwärts. Am Ende finden wir eine kleine Pfahlbautensiedlung, einen Strand, eine Taverne, griechische Sonnenanbeter, Fischer und erstmals etwas Leben und beschliessen spontan hier zu bleiben.
    Am nächsten Morgen brechen wir früh auf, es zieht uns zurück nach Albanien. Ich will dem Land unbedingt noch eine zweite Chance geben. Die Strecke zur Grenze ist Latin unspktakulär. In Ioannina übernachten wir, auf dem Gelände eines Ruderclubs, letztmalig auf griechischem Boden.

      Bemerknisse

  • In den Filialen der IKEA merkt man nicht in welchem Land man sich befindet. (Eigentlich wollte ich DIESEN Verstoss gegen alle (Reise)Regeln ja verschweigen…)
  • Ich habe eine zweispaltige Liste angefertigt auf der gegfundene wie verlorene Gegenstände der Reise aufgelistet werden. Die Spalte mit den Verlusten ist unverhältnismässig länger und mein iPhone steht seit heute auch drauf.
  • Wer Griechisch lesen kann ist in Griechenland klar im Vorteil, insbesondere als Kartenleserin. Wer es nicht kann gewinnt ziemlich rasch an Fähigkeiten, die hauptsächlichen in Disziplinen wie Hochgeschwindigkeits-Finde-die-10-Unterschiede-Spielen dienlich sind.
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    Mystra (Nähe Sparta) – Finikoundas (47-49)


    Unsere Route führte uns weiter über bergiges Gebiet, allerdings unterschied sich die Landschaft doch erheblich von unserem letzten Streckenabschnitt und erstmals seit sehr langem, durchquerten wir wieder dichte Nadelbaumwälder, die nicht aus Pinien bestanden. Der Gefährte meistert derartige Strecken nach wie vor erstaunlich gut und so können wir uns jeweils relativ sorgenfrei auf unsere Umgebung konzentrieren. Mit der Annäherung an die Küste und Kalamata änderten sich Dörfer, von klitzekleinen solide anmutenden Steinhaussiedlungen mit klarem und einzigem Ortskern- bzw. Platz und obligater Riesenkirche zu ausufernderen Kleinstädten, zunehmend bestehend aus Betonbauten, und zum Meer inklusive den typischen Bausünden im Dienste des Tourismus. Jawoll, aus war die Einsamkeit unserer bisherigen Reise auf dem Peleponnes, Messinien ist touristischer (hauptsächlich Touristen aus Deutschland und Italien) als jede Gegend, die wir seit Kroatien befahren haben und erstmal auf unserer ganzen Reise, wurden wir von einem Campingplatz weggeschickt, weil er restlos ausgebucht war. Trotzdem fanden wir in Finikoundas ein nettes Plätzchen und verleibten uns in einer Taverna im Städchen die allerbeste Mahlzeit seit unserem Eintreffen in Griechenland ein. Von irgendwelchen finanziellen Krisen, so der wohlgenährte Tavernenpatrone, der gerne voller Besitzerstolz am Tischchen an vordester Front trohnt, raucht und seine Tochter mit liebevoller Rüppelhaftigkeit durch die Räume scheucht, spüre man hier wenig, sein Geschäft wachse nach wie vor und er freue sich auf die Wiedeinführung der Drachmen. Als wir uns bei den beiden beim Abschied für die vielen kleinen und liebevollen Aufmerksamkeiten (frittierte Zucchini und Auberginen, geschnittenes Obst als Dessert für die Kinder, ein Raki für uns Erwachsenen, unaufgefordert, kostenlos) bedanken und das vorzügliche Essen loben, klopft sich die Tochter nur seufzend auf den Runden Bauch. Sie weiss. (Taverna to Kyma, ortsmittig, wahnsinnig liebevolle Besitzer, sehr geeignet mit Kindern, da direkt am Strand (Sandel- und Plantschmöglichkeit für Kinder = ruhiges Essen für Eltern)).

      Bemerknisse

  • Nach gut der Hälfte unserer Reise hüstelt der Gefährte langsam nach einer Rundumrestaurierung, noch fallen keine ernsthaften und teuren Reparaturen an, aber einige Keinigkeiten sollten wir wohl bei Gelegenheit mal angehen.
  • In Messinia versuchen wir es beim Sprachendurchprobieren erstmals erst im zweiten Durchgang auf Englisch, besser bedient ist man hier nämlich mit Deutsch.
  • Seit Istanbul hatten wir nie mehr auch nur einen Tropfen Regen.
  • Wenn Sie etwas von einem Griechen wollen, sagen Sie einfach erst etwas Nettes über das Land, Landschaft oder Einheimische, ich verspreche, Sie können damit nicht nur Wohlwollen sondern auch Tempo des Gegenübers erheblich positiv beeinflussen.
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    Isthmia (Nähe Korinthos) – Ermioni (Peloponnes) – Mystra (Nähe Sparta) (Tage 44-46)


    Die ersten Kilometer die wir auf dem Peleponnes zurücklegten werden uns wohl weniger wegen der durchaus ansehnlichen Landschaft in Erinnerung bleiben, sondern weil diese Gegend gerade von massiven Bränden heimgesucht wurde. Zwar brannte zum Zeitpunkt unserer Durchfahrt nichts mehr, aber so mancherorts stieg noch Rauch auf, der beissende Geruch des Feuers lag noch in der Luft und ganze Landstriche waren verkohlt, öd und schwarz. Als wir an den ersten betroffenen Familien, bzw. ihrn ehemaligen Häusern vorbei fuhren, kamen wir nicht umhin, uns seltsam fehl am Platz und dekadent in unserem Reisetun zu fühlen, erwogen die Umkehr und verwarfen wieder, denn offenbar sind auch andere Teile von Griechenland betroffen und das Land durchfahren müssen wir nun in jedem Falle. Wir fuhren also weiter und verbrachten die folgenden Nächte, nur wenige Kilometer von den Bränden entfernt, auf einem kleinen, feinen, ruhigen und unbedingt empfehlenswerten Platz (Hydras Wave bei Ermioni), in der Nähe eines menschenleeren Strandes.
    Die Brände schienen allesamt gelöscht und tatsächlich fanden wir auf unserer Weiterfahrt keine weiteren brennenden Landstriche vor und konnten uns ganz auf die wundervolle Landschaft des Peleponnes konzentrieren, die ich irgendwie kaum zu beschreiben vermag ohne mich dauernd irgendwelcher Superlative zu bedienen. Auch wenn und gerade weil wir noch längst nicht alles gesehen haben steht fest, dass wir wiederkommen werden, am liebsten in der Nebensaison, die auch jetzt schon merklich begonnen hat. Die touristischen Dörfer sind leer, ebenso die Strände und die Strasse und überhaupt scheint dieser Teil Griechenlands wirklich nicht gerade überbevölkert zu sein. Landschaftlich gesehen erstaunlich, denn wer möchte hier nicht leben, wo sich Olivenbaumfelder kilometerweit ziehen, wo bewaldete Berge den Blick übers weite Land erlauben, wo kleine, verschlafene Nester aus Stein, und stets mit gigantischen Kirchen, sich dekorativ an die Berghänge schmiegen? Andseits vermag ich mir kaum vorzustellen, wovon man hier leben sollte. Wer studiert wird wohl unweigerlich zur Stadtflucht gezwungen.
    In der Nähe von Sparta suchten wir uns eine Bleibe für die Nacht, Herr G. wollte das so, denn Herr G. mag die griechisch Mythologie und Geschichte und somit auch die Spartaner. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht in den Touristensouvenirläden die allerbesten Kleinstdinge (<;;4€) zusammenzukaufen um sie als Reiseerinnerungen irgendwo am Gefährten anzubringen und von Sparta musste, logischer und allerzwingendsterweise, ein Spartaner her. Das Nachtlager ist bezogen, wir haben nun einen Minispartaner, ein giganöses Vielfrassvöllegefühl und schlafen nun hoffentlich bald neben und trotz lauten italienischen Nachbarn.
    (Man bemerke die Tatsache, dass ich mich soeben des Präsens bedient habe: Ich habe mit der Reiseberichteschreiberei aufgeholt!)

      Bemerknisse

  • Irgendwo am Hinterteil des Peleponnes, nein, diese Widersprüchlichkeit lasse ich auf sich beruhen, sah klein Y. aus Bern, Schweiz, erstmal den Trickfilm „Heidi“, auf Griechisch.
  • Herr G. Hat einen kleinen Spartaner, ich liebe ihn trotzdem.
  • Der fleissige Italiener vernachlässigt es auch im Urlaub nicht, gängige Klischees zu erfüllen, ist laut, zahlreich, isst um Mitternacht Spaghetti, unterhält sich dabei schreiend über Pizza und telefoniert anschliessend mit der Nonna.
  • Reisen macht Kinder klug:
    Y: „Wofür sind diese Windräder?:
    Frau G., ziemlich unterbelichtet: „Die drehen sich im Wind.“
    Y: „Nein, die machen Strom.“
    Frau G.: „Weisst du denn wofür wir Strom brauchen?“
    Y: „Zum Kaffee machen.“
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