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Zwischen Tekirdag und Marmaraeleglisi (Türkei) – Istanbul Zentrum – Istanbul Pendik (Tage 26-30)


Über Istanbul habe ich schon viel geschrieben, wer nachlesen mag, kann dies hier tun:

Istanbul Tagebuch 1 , Istanbul Tagebuch 2

Istanbul mit Kindern

Serhat sammelt:  https://gminggmangg.wordpress.com/2013/02/22/serhad-sammelt/

Unser fünfter Istanbulbesuch wollten wir ähnlich gestalten wie unseren letzten Aufenthalt hier, vor zwei Jahren, mit Ausnahme der Magenverstimmungen, selbstredend. Wer bei Twitter mitliest hat wohl Folgendes gelesen:
Diese und verwandte Rituellen Handlungen waren dann auch alles, was wir in den ersten drei Tagen unternahmen. Ausser Y waren wir alle irgendwie davon betroffen, sogar der Hund, aber Äm hat es am härtesten erwischt, sie ist, wie wir in der Schweiz sagen würden „nume no es Hämpfeli“ (nur noch eine Handvoll, also jetzt sehr dünn). Grosses Aufatmen, als es am vierten Tag allen wieder einigermassen gut ging und wir uns doch noch ein wenig in die Stadt stürzen und einige uns wichtige Orte aufsuchen konnten. Mit Hund ist Istanbul, wie zu erwarten, nicht zu empfehlen, um mit vielen Strassenhunden und wenigen Grünflächen nur zwei Stichworte zu nennen. Fährenfahrten waren trotzdem möglich, was ja wohl einige der wichtigsten Unternehmungen in Istanbul sind und trotz der Kürze der aktiven Zeit, hatten wir einige nette Begegnungen, besonders erwähnenswert finde ich hier den Drechsler Ismail, der den Kindern einen wunderschönen Kreisel schenkte.
Den letzten Tag in Istanbul verbrachten wir bei ungemein liebenswerten, türkischen Bekannten von unserer letzten Reise, etwas zentrumferner, im Stadtteil Pendik. Nilüfer ist Englischlehrerin, Serhat (nicht der von „Serhat sammelt“) jst Sportlehrer und ihre Tochter Jaren wird bald das Gymnasium abschliessen und wahrscheinlich Psychologie studieren. Als wir, nach einem kleinen irrigen Abstecher vor ihrer Tür standen, wurden wir mit Freudentränen begrüsst, innig umarmt, die Kinder liebkost. „Das muss ein Traum sein, das muss ein Traum sein!“, rief Nilüfer und beide konnten kaum glauben, dass wir es wirklich zu ihnen geschafft haben. Sels wohnen seit einiger Zeit im achten Stock, in einer der typischen Vorortblockbauten. Ihr ganzes gemeinsames Leben haben sie in Pendik verbracht, erlebten den Stadtteil, als er noch offener, „mehr im Geiste Atatürks“ geprägt war, erfuhren, wie um sie herum nach und nach Konservatismus Einzug hielt, mussten ihre alte Wohnung im 14.Stock nach dem grossen Beben aufgeben und in die Wohnung ziehen, in der wir sie nun besuchen. Sels mögen, nein, sie verehren Atatürk. Sie sind wohl als gemässigte Nationalisten zu bezeichnen, denen eine säkulare Türkei wichtig ist und die sich klar von religiös geprägter Politik abgrenzen, ja, sie missbilligen. Sie waren Teil der Menschen, die bei der Schliessung des Geziparks in Istanbul und seiner Wiederwahl vor einigen Tagen gegen Erdogan protestiert hatten, alle drei. Sels haben einen Kater Namens Seitin, den Serhat eines Tages einfach heim gebracht hat, weil er krank und für sein zartes Alter all zu einsam ausgesehen hat. Seither wohnt er bei ihnen, schwarz wie eine mondlose Nacht, mit grellgrünen Augen, einem seltsam erstaunten Gesichtsausdruck und ist gefühlt (Zitat) „Sohn und Bruder“. Die Sels müssen ihn tatsächlich sehr lieben, denn nicht nur hat das psychisch labile Tier ein eigenes Klo und verhindert gemeinsame Familienurlaube, es führt auch dazu, dass die Sels kaum mehr besucht werden, weil ihre türkischen Freunde entweder Angst vor dem Kater haben oder ein Tier in der Wohnung als unrein empfinden. Jedenfalls führte die Tatsache, dass sie Seitin den Stress mit dem Hund nicht zumuten wollten dazu, dass wir oft im Freien, an Picknicktischen auf dem gepflegten, hauseigenen Rasen sassen und damit für Aufruhr sorgten, denn sowas tut kein Einheimischer, erst recht nicht in heissen Sommern. Es ist nicht so, dass Nilüfer uns keinen reichhaltig und delikat gedeckten Tisch gedeckt hätte, aber innert Kürzester Zeit wurden uns von Nachbaren, die uns sitzen sahen, neben der ganzen nilüfschen Vielfalt, bosnische Spezialitäten aus der Bäckerei, Käse uns Butter aus dem Heimatdorf eines Nachbarn, türkische Kekse und türkischer Kaffee serviert, einfach so, aus Freundlichkeit. Gelebte Gastfreundlichkeit.
Daneben gab es viel zu reden, besonders Nilüfer, die gut Englisch spricht, interessierte sich für die kulturellen Unterschiede und erzählte mit Ehrlichkeit aber auch mit Liebe zur Türkei vom Leben hier. Während Serhat, dessen Englisch leider nicht für ein, bestimmt sehr bereicherndes, Gespräch reicht, aktiv nach Dingen suchte, die er noch für uns tun könnte, unser Auto wusch, uns nicht eine Cent ausgeben liess und sich abends erst in die gemütliche Runde gesellen konnte, nachdem er die beiden Kinder beim Einschlafen überwacht und uns regelmässig Bericht erstattet hatte.
Ja, die Sels haben die Gastfreundlichkeit mindestens miterfunden, sie sind herzensgute, warme Menschen, denen ich gerne zurückgeben möchte, was wir von ihnen erhalten haben. Ich hoffe sehr, dass es die Drei dereinst zu uns schaffen.

Bemerknisse
Istanbul ist fest in der Hand herrenloser Katzen, die Tier liegen an jeder Ecke, auf jeder Treppe, auf jedem Fenstersims und unter jedem Tisch, sie werden nicht nur geduldet, sondern auch gefüttert, manchmal mit Katzenfutter, aber besonders gerne mit Hähnchenresten. Hühnerknochen allenthalben, ein Paradies für Allesfresserköter wie der unsere, der ständig zur Selbstbeherrschung ermahnt werden muss.

Ein besonderes gelungener Moment ist, wenn man, von Krankheitstagen gezeichnet, mit gesunder Tochter an der Hand, auf der Suche nach Wasser und Schonkost durch die Strassen irrt, von einem Pärchen aus Ägypten angesprochen wird und den Gesten auf die Fotokamera entnimmt, dass sie eine Fotografin fürs Urlaubsfoto suchen, nach der Kamera greifen will, stattdessen aber gebeten wird sich und Kind in fotografierbare Pose zu bringen. Überhaupt sind die Menschen hier auch heuer hin und weg, ob der kindlichen Blondheit.

Ein türkisches Lieblingshobby scheint das Desinfizieren von Händen und nach Möglichkeit auch allen anderen Körperteilen zu sein. Wer etwas auf sich hält, führt mindestens einen Literflasche Desinfektionsmittel in floralen oder fruchtigen Geruchsrichtungen mit sich, besser in mehreren Ausführungen, damit für jede olfaktorische Vorliebe etwas dabei ist.

Kranke Kinder führen bei Herrn G. zu sofortigem Hypochondern mit gleichem Krankheitsbild, ausserdem trägt er sein Telefon grundsätzlich mit vorgewählter Rega-Nummer, den Daumen in allzeitigerWählbereitschaft.

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Durankulak (Bulgarien) – Bulgarien (Tage 21-22)


Es gibt nicht so viel Neues zu berichten, momentan, wir bewegen uns nun seit einer Woche an der bulgarischen Küste von nettem Ort zu nettem Ort fort, geniessen Meer und Wärme und damit genau das, was wir vor einer Woche noch so sehr herbeigesehnt haben.

Neu ist vielleicht, dass wir, wie geahnt, auch heuer nicht ohne Halt an Istanbul vorbei fahren können und ab Montag drei bis vier Tage in der Metropole weilen werden. Wahrscheinlich werden wir nicht all zu viel unternehmen, nur geliebte Ecken wieder aufsuchen, den Komfort eines eigenen Badezimmers geniessen, ausgiebig duschen, Fingernägel lackieren, bevorzugt haarlose Stellen rasieren, Augenbrauen trennen und sowas eben. Ausserdem werden wir während unseres fünften Aufenthalts in Istanbul rausfinden, wie es sich in der Stadt so bewegen lässt, wenn man neben Kindern auch noch einen Hund dabei hat.
Heute übernachten wir nochmal in Bulgarien, morgen wollen wir den Grenzübertritt wagen, in Edirne übernachten, übermorgen einen Kleinstplatz am Mittelmeer wieder aufsuchen und am Montag, wie gesagt, in Istanbul sein. Heuer gastieren wir übrigens mit AirB&B, was ich mit Spannung erwarte. Damit wissen wir für fast eine Woche ungefähr, wo wir jeweils schlafen werden und sind damit durchgeplant, wie kaum je auf Reisen.
Höhepunkt des heutigen Tages waren die unglaublich riesigen, in den Süden ziehenden Storchschwärme. Abertausende der beeindruckend grossen Vögel, die sich, die Thermik nutzend unvergleichlich elegant aneinander uns miteinander, in Wellenbewegungen, manchmal In Wirbeln, bewegen, ohne sich zu berühren. Ein krasses Naturspektakel, das offenmundig staunen und in allerpositivstem Sinne im Vergleich ganz klein fühlen lässt. (Da kein von mir gemachtes Foto dem Schauspiel auch nur entfernt gerecht wird, lasse ich die Bebilderung bleiben.)

Bemerknisse
Ich vermag nicht zu ergründen, wie die Bulgaren mit ihren Schildern zurecht kommen. Für mich sind die Verkehrsschilder eher schwierig zu lesen, und das liegt noch nicht mal an der Schrift, sondern daran, dass nie genau ersichtlich ist, auf welche Strassen sie sich beziehen. So können Wegweiser die aktuelle Kreuzung meinen, oder die Kreuzung danach oder die Kreuzung danach oder sie reiben dir auf die Nase, welche Abzweigung du soeben verpasst hast.

Es erstaunt mich überhaupt nicht mehr, dass der Reiseführer (Lonley Planet) von Bulgariens Strassen als den mit gefährlichsten Europas spricht, hier fährt jeder wie er kann. Und damit meine ich „so schnell, wie er kann“. Es wird immer und überall überholt. Von links, von rechts, über ausgezogene Linien, bei Gegenverkehr, übers Trottoir, als Anhängsel hinter dem Krankenwagen…IMMER! Man kann sich zu keinem Zeitpunkt auch nur entfernt darauf verlassen, dass irgendjemand sich an Verkehrsregeln hält und das Warten auf freiwilligen Einlass beim Einspuren kann getrost vergessen und direkt mit dreistem Eindrängeln begonnen werden.

Herr G. findet gut, dass ich blogge, weil er beim Durchlesen das Programm der folgenden Tage erfährt.

Ich kann seit heute den Gasherd selber bedienen. Ich würde es positiv als Lernfortschritt formulieren, Herr G. nennt es Beweis für seine Kochknechtschaft.

 

 

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Serhad sammelt.


Sie ändert ihr Gesicht stets völlig unerwartet, diese Stadt, gerade noch pflügten wir uns durch Touristenströme, vorbei an Führern die farbige Schirme schwenkend ihre weissbesockte Herde im Zaum zu halten versuchen, vorbei an kichernden Westeuropäerinnen, die minimst bekleidet, verschleierte Einheimische seltsam unangebracht kontrastieren, vorbei an Mais-, Marroni- und Pilavverkäufern, vorbei an den Strassenmusikanten mit ihren tanzenden Filzhaarkindern und weit vorbei an der Grenze des Erfassbaren, versuchten wir uns eindrucktrunken ausser Reizüberflutung zu retten und taumelten, eine unscheinbare Treppe runter, mitten in ein Quartier, das so gar nichts mit dem herausgeputzten Pflaster von vorhin zu tun hatte. Es ist ruhig, bedenkt man, dass wir uns mitten in einer Millionenstadt befinden, beinah still, es herrscht kein Verkehr. Hier sind sie noch zu finden, Istanbuls alte osmanisch traditionellen Holzhäuser, windschief zwar, von Geschichte und Generationen gezeichnet, verlottert aber wunderschön und mit dem Stolz der Trotzenden. Auf der Strasse spielen Kinder mit einer offensichtlich erziehungsresistenten Jungziege, während ihre bekopftuchten Mütter uns misstrauisch betrachten. Wie grüssen freundlich und bleiben vor einem besonders zerfallenen Haus stehen. Brandspuren, ein beachtliches Loch in der Fassade, notdürftig mit einer Plastikplane bedeckt, Lebensspuren, dieses Haus hat Geschichte, unübersehbar. Wir stehen, betrachten, erdenken Umstände die zum Jetzt führten und mutmassen, ob es noch bewohnt sei, als die Plastikplane zur Seite geschoben wird. „Merhaba!“ ruft er und winkt uns zu. „Merhaba!“ rufen wir zurück, ein wenig ertappt. „Ihr sprecht Deutsch?“ fragt er und lässt sich mit für sein Alter beachtlicher Anmut durch das Loch auf die Strasse gleiten. „Ja.“ erwidere ich. „Wohnen Sie hier?“ Er heisst Serhad, erzählt von seinem Deutschlandaufenthalt (Sämtliche Türken, die wir trafen waren mal in Deutschland, Österreich oder der Schweiz oder haben dort mindestens einen Onkel.) und lädt uns auf einen Cay in seine Wohnung ein. Durch über die Mauer, durch das Loch, gelangen wir in einen, seinen einzigen bewohnbaren Raum. Es ist düster, denn Strom hat er keinen mehr, wie er erklärt, er koche auf dem alten Holzofen, das reiche und gebe in kalten Nächten erst noch warm. Er bietet uns Stühle an, die ich, mit viel Dankbarkeit um unsere bescheidenen Körpermassen, besetze, reicht uns Tee und nimmt selber dem Bettsofa Platz. Ich mag die türkischen Caygläser, sie schmiegen sich hervorragend in die Hand, Daumen und Mittelfinger reichen um gerade soviel nicht um Glases Hals, dass die Tropfen, die sich nach dem Trinken bilden, ungehindert gen Boden rinnen können. Während sich Herr G. und Serhad unterhalten, ich werde als Frau nicht direkt angesprochen, sehe ich mich um. Der Dielenboden, der, wird er begangen, jedes Gespräch durch sein Knarren unterbricht, ist übersäht mit Dingen die ich zunächst als diverse Anhäufungen zufälliger, alltäglicher Gegenstände wahrnehme. „Ich ordne.“ sagt Serhad, meinem Blick folgend. „Ich ordne, weil ich kann. Was ich kann, ist ordnen.“ Mit zunehmender Gewöhnung an die Dunkelheit, wird mir klarer, wovon er spricht. „Ich ordne und sammle, das habe ich mein Leben lang getan. Erst sammelte ich Wissen, Sprachen, um genau zu sein, dann sammelte ich Probleme, dann sammelte ich Verluste, im Ausland schliesslich ordnete ich Müll, hier ordne ich Altmetall.“ Er weist auf den hölzernen Karren, der durch die halbgeöffnete Plastikplane zu sehen ist. Die Sammler der Stadt sind allgegenwärtig, ihr Ruf nach Altmetall oder ausgedienten Elektrogeräten ebenso Teil des Istanbuler Klangbilds, wie der Ruf der Verkäufer und Muezzine. „Jetzt trenne ich das Altmetall, das ich verkaufen kann, vom Altmetall, das ich nicht wegwerfen kann. Ich sammle für Geld und mich und irgendwann wir hier kein Platz mehr sein.“ Er zeigt auf den metallbedeckten Boden. „Ich behalte was niemand will und ordne nach Farbton. Aber es wird zu viel und irgendwann wird hier kein Platz mehr sein. Für mich. Aber anders kann ich nicht. Ich glaube, der Brand hat endgültig etwas kaputt gemacht. Da oben, meine ich.“ er berührt seine Stirn. „Nicht als es passierte, ich weiss ja nicht mal, wann es passierte. Ich war weg und als ich nach Jahren wieder kam, war da ein Loch. Ein Loch in Allem.“ Wir schweigen, weil es nichts zu sagen gibt. Serhad erwartet Nichts. Nach einigen Minuten bedanken wir uns für den Tee, versprechen ein Wiederkommen bei unserem nächsten Istanbulbesuch. „Mashallah!“ sagt Sherad „Und auf Wiedersehen!“ „Mashallah!“ sagen wir, „Hoffentlich.“

Als wir nach Jahren wiederkommen, steht Sherads Haus nicht mehr, es ist, wie diverse andere Holzhäuser dieses Quartiers, wohl der Stadtbildreinigung zum Opfer gefallen.

Der Sammler, der Ordner

Der Sammler, der Ordner

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Bemerknisse zweieinhalb Reisender III


  • Auch die Rückreise verlief wunderbar ruhig (bis auf die ersten paar Flugstartminuten) und Ypsilönchen zeigte sich vorzüglich vorzeiglich.
  • Yspilönchen wurde nach Ankunft in heimischen Gefilden einer gründlichen Grundreinigung unterzogen, ohne dass jedoch sämtliche duftenden Nachwirkungen parfümgeschwängerter, körpergeruchsintensiver Kuntschknuffknuddelanfälle hätten beseitigt werden können. Noch immer lässt sich ein zart penetranter Hauch türkischer Kinderliebe erahnen.
  • ... die Adresse hätte ich Ihnen.

    Sollten Sie mal Gewichte benötigen... die Adresse hätte ich Ihnen.

  • ... die Gewichte.

    Da, im dritten Haus von überrechts hinten... die Gewichte.

    wäre da nicht erwähnte olfaktorische Belastung.

    Und im heimischen Garten könnte die Sicherheit vor Kusstiraden genossen werden, wäre da nicht erwähnte olfaktorische Belastung.

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Bemerknisse zweieinhalb Reisender II


  • Der allerwerteste Herr Gminggmangg und ich sind ja nun das dritte Mal (einen längeren Zwischenstopp auf Durchreise mitgezählt) in Istanbul, normalerweise erkunden wir Städte eher zu Fuss als per Zuhilfenahme von Verkehrsmitteln und legen so ungeheure Tagesstrecken zurück, da nun aber unsere Ho(s)tels, bei Verweilereien in Istanbul immer in etwa in der gleichen Region lagen, hatten wir immer in etwa das selbe Problem: Den Galatahügel, den zu erklimmen, dachten wir, um andere Istanbulteile zu besichtigen unumgänglich ist, wenn denn nicht per öffentliche Verkehrsmittel ein nicht unerheblicher Umweg gemacht werden will. Wir klommen also mit und ohne Gepäck schon zig Mal den Hügel hoch und beklagten uns dabei schweisstriefend ob der Tatsache, dass es überall öffentliche Verkehrsmittel gibt, bloss an der einen Stelle, an der wir ihrer bedürften, nicht. Die Gegebenheit, dass wir heuer mit Ypsilönchen istanbullen, also stets einen Kinderwagen mit Inhalt oder aber zumindest Tragehilfe mit Inhalt umherschleppen, liess und einen Reiseführer zur Hand nehmen, der uns prompt kundtat, dass für besagte Schweissstrecke eine Untergrundstandseilbahn bestünde, deren Existenz, neben der Tatsache, dass wir unsere präypsilönchenen Recherchierarbeiten anzweifelten, auch noch erklärte, weshalb wir, neben einheimischen Verkäufern, stets die einzigen waren, die derart Gewichtiges den Hügel hoch und runter schleppten. Tünel, wir lieben dich.
  • Weiter sehe ich nun ENDLICH ein, weshalb die Minarettinitiative unbedingt angenommen und damit die ansonsten unweigerlich eintretende Islamisierung mit ihren rufenden Muezzinen verhindert werden musste: Ypsilönchen weint jedes Mal rotzwässer- und jämerlich, wenn zum Gebet gerufen wird.
  • Mit der türkischen Anstehpolitik indes, bekunden wir noch etwas Mühe und finden uns stets am Schlangenende, Tintenkopfanfang als Letzte wovon, wofür und überhaupt wieder. Dafür hätte ich mit Baby im Tragegestell nie auch nur für Minutenbruchteile zu stehen brauchen, weil wirklich immer jemand seinen Sitzplatz angeboten hat. Reichlich ungewohnt für uns Schweizer…
  • Auch die Türken zeigen sich etwas irritiert, wenn ein Baby Kleinkind mit tiefer, kehliger Stimme, die deutlich an The Exorzist erinnert, nach Mama ruft. Eigentlich wollte ich das ja umfassend dokumentieren, scheiterte aber an meinem Unvermögen hier eine Audiodatei hochzuladen, weshalb  Sie vorerst mit dem erschrockenen Türken vorlieb nehmen müssen.
...  und erschrockenen Türken

Vom Knurren...und erschrockenen Türken

... du weisst schon!

Für die Schaf(f)lüstererin... du weisst schon!

Güzel, güzel! (Nein, liebe schweizer Ostblöckler, güzel ungleich Güsel.)

Und noch etwas für schön. Güzel, güzel! (Nein, liebe schweizer Ostblöckler, güzel ungleich Güsel.)

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