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San José, Gapo di Gato – Mesones, Rìo Mundo – Cuenca – Lago do Caspe – Rio Segre (Spanien) – Agde (Frankreich) – Bern Tage 28-33)


(Vorgestern ist mir aufgefallen, dass wir gemäss Blog, noch immer unterwegs sind, schön wärs, aber deswegen der Nachtrag:)

Immer noch magenbeschwerdengeplagt brechen wir am Morgen auf und fahren ziemlich zielgerichtet ins Landesinnere. Rasch merken wir, dass sich unsere Entscheidung lohnt, denn schon nach wenigen Kilometern finden wir statt überfrequentierten Küstenschnellstrassen einsame Landstrassen, statt Hotelbunkern und Appartementkomplexen verschlafene Käffer und statt verbauter Landschaft den freien Blick auf Feld und Wald, die allgemeine Zufriedenheit steigt erheblich. Sobals wir uns dem Nationalpark Rìo Munde nähern, in dem wir zu übernachten gedenken, wirddie Landschaft bergig karg, farbtönern atlasgleich, aber benadelwaldeter und deutlich schroffer. Kantig ragen hohe Felsen in dieTäler hinein und auf höchsten Gipfeln trotzen besonders widerborstige Nadelbäumchen der sie umgebenden Felsigkeit. Zwei Plätze werden im ADAC in der Umgebung beschrieben, beide klingen ähnlich, aber wir entscheiden uns für den, der in einem kleinen Dorf, Fuente del Taif, liegt. Über enge, semiformidabel geteerte Kleinststrassen, auf denen ich nur ungern ein entgegenkommendes Fahrzeug kreuzen würde, landen wir in einem Weiler mit ungefähr vier Häusern, Fuente del Taif. Die eine und einzige Dorfstrasse, die um eines der ungefähr vier Häuser führt, ist leer, nir an einer der randständigen Hauswänden klettert ein einsamer Maurer. Ihn fragen wir nach dem Campingplatz und ernten irritierte Blicke. „Hier gibt es keinen Campingplatz.“ meint er und lächelt milde. Er erklärt uns temporeich in Nuschelspanisch den Weg, wir fahren irgendwie und landen erneut in Fuentes del Taif. Unauffällig versuchen wir den gekommenen Weg einfach zurück zu fahren, um dann einem Campingschild, das wir vor 33 Km gesehen haben, zu folgen. Aber unauffällig durch ein Dorf fahren, das nur eine Strasse hat, ist eher schwierig und so bescheren wir dem Maurer zumindest einen Nachmittagslacher. Wieder auf dem richtigen Weg und ziemlich pampamittig, merken wir, dass die Benzinlampe leuchtet. Mit Schweissverlust, bergabwärts-Kuppeln und den letzten Tropfen Benzin schaffen wir es zur Tankstelle, die unweit des ausgeschilderten Campingplatzes liegt. Unser Schlafplatz ist schattig liegt am Fluss, umgeben von Bergen, ist ruhig und so ganz anders als die Küstentrubelplätze. Und er hat Wlan. Auch auf dem Klo.

Wir beschliessen nun endgültig den Heimweg anzutreten, wenn auch mit einem kleinen Abstecher nach Agde, wo wir schon zweifach einige Zeit verbracht haben. Die Landschaft vermag uns erneut zu begeistern und nach dem bergigen Gebiet des letzten Tages, fahren wir heute in eine Gegend ein, bei der mir unweigerlich das Wort „lieblich“ einfällt: Sanfte, sonnenblumen- und kornbewachsene Hügel, hie und da knorrige, alte Olivenbäume und allenthalben ein kleines, hübsches Dorf mit belebtem Ortskern. In Cuenca, einer Kleinstadt umgeben von hohen, engen Schluchten, in die Häuser wie Schwalbennester gebaut wurden, legen wir eine Stadtbesichtigungspause ein. Cuencas Altstadt, mit ihren wunderschönen, alten Häusern, in Erdtönen, die, zwar gut erhalten, doch von gelebten Leben und Zeitspuren zeugen, sucht an Pittoreskität ihresgleichen, alleine die Enge mancher Gassen, die immer mal wieder den Blick über umliegende Schluchten und Berge freigeben, lassen multiple Verzückung erleben. Aber genug des Kitschs, nach der Besichtigung fahren wir zum nahegelegenen Campingplatz, finden einen netten Übernachtungsplatz und geraten, 5 Sekunden nach dem Herr G. endlich seine langersehnte Paella bestellt hat, mitten in einen paukisch und trompetal begleiteten Paellawettbewerb, bei dem 8 Parteien immense Pfannen (Mindestens 1,5m Durchmesser) auf den Platz schleppen und zum Probieren animieren. Schade, dass mir sowas nicht schmeckt.

Wie haben uns unsere Fahrtage bis Agde auf 3h-Strecken eingeteilt, um nicht dem Fahrkoller anheim zu fallen. Trotzdem brechen wir morgens relativ spät auf, um schon nach wenigen Kilometern wieder anzuhalten, weil wir eine spontan entdeckte Schlucht genauer betrachten wollen. Eine kleine Aussichtsplattform nahe Cuenca gibt den Blick frei über die steil abfallenden Felsen, gen tiefgrünblauen Fluss am Schluchtgrund, der förmlich „Spring rein!“ schreit. Einige Kilometer weiter finden wir schon wieder Zwischenstoppgründe: Ein herrlich blauer Stausee, leider zu versumpft um bebadet zu werden. Danach kommen wir etwas zügiger vorwärts, mittagen an einem kleinen Fluss und stossen dann auf grotesk in der Landschaft rumdarbende Dorfruinen. Danach führt unser weg über eine Kleinstrasse auf eine unheimlich weite, plateauartig anmutende Ebene voller gemähter, sonnengebleichter Strohfelder, neben uns der Abgrund ins Tal, hinter dem, begrenzt durch steil abfallende, farblichschichtern hinreissend schöne Sandsteinfelsen, schon das nächste Platteau beginnt. So eben das Platteau, so gerade verläuft die Strasse, Kurven passieren wir nur beim Höhengradwechsel zwischen den Plateaus. Nach dem Wechsel ins Tal finden wir uns am Ufer des Sees wieder, an dem wir zu nächtigen gedenken, werden fast sofort schlafplatzfündig und verbringen eine ruhige Nacht.

Die nächsten beiden Tage verbringen wir hauptsächlich in den Pyrenäen, auf Durchfahrt und in Pyrenäenflüsschen badend, bis wir, wieder im Flachland, sehr direkt nach Agde fahren, um uns da noch einmal ausgiebig vom Meer zu verabschieden, ziemlich zufrieden mit der Entscheidung, grundsätzlich den Weg durchs Landesinnere, statt der Mittelmeerküste gewählt zu haben. Von Agde fahren wir schliesslich direkt heim, nach Bern.

Bemerknisse:

Wo Bergankündigungsschilder wie Zeltplatzschilder aussehen, herrscht Daueraufruhr.

Spanier können ihre Klischees, von Quichotte über Stiere, Cerveja und Paella war alles dabei, nur „Olé!“ hat niemand gerufen, ausser Herr G., der dafür multipel. Sekündlich. Enttäuschend.

Ich müsste endlich damit aufhören, mich meines bescheidenen Spanischs zu bedienen, denn ich bereite die Bröselsätze jeweils so akribisch und einigermassen akzentfrei vor, dass meine Gegenüber vermuten, ich spräche gutes Spanisch und mich mit minutenlangen Speedmonologen bedenken.

Fantastisch ist auch, wie Herr G. spanischkenntnisfrei, spanischsprechende Gegenüber deutlich schneller versteht, weinfach weil er mit einer äusserst ausgeprägten Begabung, Kontexte und Nonverbalitäten zu deuten, gesegnet ist.*

*(Mutmasslich und ehrlicherweise bin ich wohl eher mit einer diesbezüglichen Unterentwicklung „gesegnet“.)

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Tage 25 bis 27 Moullay Busselhalm (Marokko) – Marbella (Spanien) – San José, Gapo di Gato


Unsere letzte Nacht in Marokko ist kurz, nach einschlafverzögerndem Nachtlärm, wecken morgens die Motore de Fischerboote.die Kilometer bis Tanger sind schnell bewältigt, auf dieser Strecke existiert eine mautpflichtige Autobahn. Die marokkanische Autobahn ist ein skurriles Ding. Nicht dass sie schlecht wäre, oder von Eselkarren befahren, wie wir das andernorts schon erlebt haben, bis auf Fussgänger, die gerne auf dem Pannenstreifen flanieren oder auf Mutfahrgelegenheiten warten, fährt Alles wie euroautobahngewohnt, aber die Autobahn ist auch zu den einschlägigen Stosszeiten äusserst leer. Es fahren ausserdem ausschliesslich neue, relativ teure Automodelle und überdurchschnittlich viele Fahrzeuge mit ausländischen Nummern auf der Autobahn. Das ist relativ einfach erklärt: Die Mauthöhe hält gut und gern mit dem europäischen Standard mit und ist damit für die meisten Marokkaner (Durschnittslohn kaum 200Euro/Monat) wohl ein zu teurer Spass. Wie sehr in diesem Land diesbezüglich Welten aufeinander prallen, zeigt sich eindrücklich, wenn neben der feinstbeteerten Teuerbahn, auf der der SUV-Porsche mit über 100 durch die Gegend brettert, ein Schotterweg verläuft, auf dem ein Bauer per Eselfuhrwerk seine Hühner gen Dorf bringt. In Tanger finden wir den Hafen problemlos, ergattern gar ein Ticket für quasi sofort, füllen eilern Formulare aus und stellen uns in die Reihe. Bevor wir aufs Schiff fahren können, wird das ganze Gefährt geröntgt, damit will man vermeiden, dass blinde Passagiere an Bord und nach Europa geschleppt werden. Zudem wird unser ganzer Bus abgeklopft und sogar ein Polizeihund samt Halter wird in unsere Richtung geschickt, allerdings wieder abgezogen, als wir erwähnen, dass wir ebenfalls einen Hund haben. Danach werden unsere Pässe inspiziert, Personen gezählt und mit zwei Stunden Verspätung dürfen wir endlich aufs Schiff. 35 Minuten später sind wir schon in Spanien und durchlaufen die Zollmaschinerie erneut. Erstmals überhaupt will jemand Hundes Papiere, Chip und sogar das Tier sehen. Für einige bange Minuten fürchten wir, irgendeine Impfung versäumt zu haben, aber nachdem die Papier erneut kontrolliert und der Gefährte erneut abgeklopft wurde, dürfen wir endgültig Spanischen Boden betreten, die irrtümlich illegal eingeführte Marokkokuhmilch ebenfalls im Gepäck. Der Rest der Fahrt lässt sich relativ leicht Zusammenfassen: Die Küste nach Gibraltar (Costa del Sol) ist wahrscheinlich recht schön, unter all den Hotelbunkern und Appartementkomplexen zumindest. In Marbella, weil wir nicht mehr fahren mögen, suchen wir einen Schlafplatz und landen auf einem riesigen, vollen Campingplatz, dicht an dicht mit Nachbaren, die wir nicht wollen und, ach, kollern uns in die Nacht.

Am nächsten Morgen beschliessen wir, der Küste in einem Nationalpark noch eine Chance zu geben und gegebenenfalls das Meer vorerst zu verlassen. Für viele Kilometer wird es aber nicht anders, schöne Landschaft lässt sich nur unter Häuserschichten erahnen und als die Häuserschichten aufhören, beginnen die Gewächshäuserschichten. Hier kommen sie also her, die supermarktschen Wintertomaten. Es ist von der Strasse aus kaum auszumachen, wie es hinter den Gewächshäusern aussieht, aber gegen Mittag wollen wir eine Pause einlegen, fahren nach dem Zufallsprinzip irgendwo raus und landen in La Rábita. Tatsächlich gibt es eine Welt hinter den Gewächshäusern, wie wir feststellen dürfen. In dieser Welt steht ein nettes Dörfchen, gebaut um einen Kiesstrand, besucht von einer Hand voll Einheimischen, die im klaren Wasser baden und in der Strandbar essen. Wir imitieren Vorgelebtes, baden, setzten uns für ein Eis in die Strandbar und fühlen uns wohl. Die Strandbar ist mehr ein kleines Strandrestaurant, der Sohn serviert und kassiert, der Vater steht in der Küche und die Mutter grillt Fisch und Wassergetier über offenem Feuer. Uns stellt man ungefragt einen Teller mit leicht frittierten Sardinen und Tomatensalat auf den Tisch und so wir essen zufälligerweise den besten Fisch unserer Reise. Falls also auch Sie mal gerade frustriert der spanischen, verappartementeten und vergewächhäuserten Küste entlang fahren: Machen Sie ruhig Pause in La Rábita in der Strandbar „Villegas y Cachopan“. Den Naturpark fanden wir danach auch, sogar unverbaut, überfüllt war der Campingplatz trotzdem und so beschlossen wir einfach, fortan durchs Landesinnere zurück zu fahren.

Bemerknisse:

Nach Marokko kommt man nicht umhin, in Spanien zu bemerken, wie viele  Frauen sich in der Öffentlichkeit bewegen und vor allem, wie viele Frauen sich nicht arbeitend, sondern zum Vergnügen in der Öffentlichkeit bewegen, in Cafés sitzen, oder plaudernd rumstehen.

Oder dass es in Spanien tatsächlich vorkommt, dass FahrerInnen- und Beifahrerinnensitze beide von Frauen besetzt sind, während die Männer sich in die Rückbank quetschen.

Dafür zahlen wir für eine Nacht auf dem Campingplatz in Spanien soviel, wie für vier Nächte samt Verpflegung in Marokko.

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Tage 7 und 8: Garaña – Santiago de Compostela – Mougàs


Am nächsten Morgen stehe ich früh auf und geleite den Hund zur Morgenrunde. Ich, gesegnet mit überhaupt keinem Orientierungssinn, komme auf die spassige Idee, dass ich statt über Strassen und Wege, querfeldein zu den Klippen finden könnte. Sagen wir es so: Nach stündigem Marsch sah ich die Klippen von Weitem. Zurück bei Familie und Gefährt, brechen wir auf, wir wollen heute einen Platz in Santiago de Compostela erreichen, den uns unsere Deutschen empfohlen haben. Die Strecke zieht sich unerfindlich lange und als wir gegen 16 Uhr ankommen, beschliessen wir den Ausflug ins Stadtzentrum auf den nächsten Tag zu verschieben und den Nachmittag und Abend stattdessen in Pool (Kinder), Stuhl (Mann) und Hängematte (Ich) zu verbringen.

Wir dürfen den Gefährten auf dem Platz lassen, obwohl wir keine weitere Nacht hier bleiben wollen. Der Platz, ein kleiner Campingplatz, 2 Kilometer vom Zentrum entfernt, ist überhaupt sehr weiter zu empfehlen: Die Plätze sind schattig, die Bäume stehen in hängemattetauglichen Abständen und die Betreiber sind freundlich und unkompliziert. Während ich und die Kinder den Bus nehmen wollen, will Herr G. die Strecke ins Zentrum mit dem Hund zurücklegen, weil der nicht in den Bus darf. An der Haltestelle angelangt, stellt sich aber heraus, dass wir noch 20 Minuten warten müssten. Da ich ohnehin schon fast hyperventiliere, weil mich der Umstand minim in Stress versetzt, dass ich weder Namen noch Nummer der Haltestelle, an der ich aussteigen müsste weiss, beschliessen wir alle zu laufen. Das ist kein Problem, wie sich herausstellt, die Kinder lieben es, den allenthalben eingegossenen Muscheln (Jakobsweg) zu folgen und bald sind wir mitten im hübschen Stadtkern. Sie Gassen sind eng, die Häuser niedrig, weissgetüncht mit Sichtbalken oder steinern, dafür höher, mit schönen, alten, oft farbigen Toren. Die Stadt wirkt klein und lebendig, überall sind Pilger mit ihren obligaten Wanderstöcken und zu grossen Rucksäcken. Nahe der Kathetrale treffen wir auf Iria Ribadomar. Ihre Bilder stechen massiv aus der Masse kitschiger Stadtmalereien heraus. Sie zeichnet, wie sie sagt, unser Morgen, Kühe, Dudelsackspieler und Pilger in Gasmasken, alles auf Karton. Eine der Kühe nennen wir nun eigen, von der Stadt haben wir genung. Wir fahren wieder raus ans Meer. Vor der portugisischen Grenze finden wir einen kleinen freundlichen Platz, wo man zwar, aufgrund der scharfkantigen Felsen nicht baden kann, dafür aber Krebse, Seeigel und kleine Fische findet. Einheimische finden auch mal eben in 5 Minuten 3 Gigantofische. Erstaunt sehen wir dabei zu, wie ein Mann mit seinem Sohn ans Ufer geht, ein rundes Netz ins Wasser hält und drei Fische raus zieht. Nach dem er wieder gegangen ist und wir seinen Platz eingenommen haben, sehen wir auch wieso: Sein Netz hat genau über das Abwasserrohr einer nahen Fabrik gepasst. Ich will nicht wissen, was die Fische alls so intus haben. Erstmals bleibt es abends lange heiss und auch der Kläffer von nebenan lässt die Nacht zu kurz werden

Bemerknisse

Sie haben alle Hunde, die Spanier, jedenfalls wenn man kleinen aggressiven Köterchen mit minimalistischer Körpergrösse und gigantischem Kläffstimmvolumen so bezeichnen mag. Die Hunde gehorchen nicht die Bohne, Leinen schleifen sie allerhöchstens dekorativ lose am Boden hinterher und sie kacken offensichtlich so blitzschnell und dezent, dass ihre Besitzer den Prozess irgendwie nie sehen und folglich auch nicht beseitigen können.

Wer auf Reisen die Strassen des Balkans gewohnt ist, wird auf Reisen in andere Richtungen allenthalben Erstaunen ob den tollen Strassen bekunden.

Je näher an Santiago, desto schneller wird gepilgert. Kurz vor der Kathedrale gilt es Deckung zu suchen, wenn wieder eine Herde berucksackter, beinverbundener, stockschwingender Pilger ins Ziel galoppiert.

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Tage 5 und 6: Vieux-Boucau-les-Bains – Santoña – San Vincente – Garaña


Wir schlafen lange, eigentlich zu lange für meinen Geschmack, und brechen erst gegen 11 Uhr Richtung San Sebastián auf. Ich bin erstmals seit meiner Kindheit wieder in Spanien, für Mann, Kinder und Hund ist es sogar das erste Mal. Eigentlich wollten wir irgendwann am Vormittag in San Sebastiàn sein, 1, 2 Stunden durch die Innenstadt trampeln und uns gegen Nachmittag ein Schlafplätzchen ausserhalb der Stadt suchen. In die Stadt eingefahren, regnet es, es hat massenhaft Autos, noch mehr Menschen und einen geeigneten Parkplatz finden wir auch nicht. Wir beschliessen die Stadt, nach einem Zwischenhalt an der Bucht, vis-à-vis des alten Stadtzentrums, wieder zu verlassen und umfahren dabei auch gleich noch de nächste grössere Stadt, Bilboa. Bilboa. Bilboa. Ich hätte die Stadt ja alleine wegen ihres Namens besuchen wollen, aber nach dem übervollen San Sebastiàn fehlte auch mir die Motivation. Bilboa. Bilboa. Der Küste entlang, fernab der Autobahn, wird es wieder ruhiger, wilder und einsamer. Wir finden uns beeindruckt unter einem Schwarm Weisskopfadler wieder, die über den rauen Klippen kreisen. Nach dem Storchenzug über Bulgarien und der Türkei wohl eines meiner beeindruckendsten Tiererlebnisse. Bei Santoña, wo das Meer sich tief in die Schwemmlandebene gräbt, beschliessen wir nach einem Schlafplatz zu suchen und folgen einem Campingschild, das mitten durch die Industriezone führt. Für einige Minuten verschlägt es uns schier den Atem, denn Santoña liegt nicht nur optisch wirklich attraktiv, es liegt offensichtlich auch günstig für Sardellenfang und -verarbeitung und ist Sitz mehrerer Ölsardinenfabriken. Während Mann, Kind 2 flach durch den Mund atmen, um den penetranten Fischgeruch zu entfliehen, atmet Kind 1 in vollen Zügen jubilierend ein. „Fisch, hier gibt es Fisch!“ Zwei Fünftel von uns (Der Hund hätte wohl auch nichts gegen etwas Fischewälzen einzuwenden.) sind dann auch einigermassen erleichtert, als die Beschilderung uns wieder aus der Industrie, an eine weitläufigen Strand, abgegrenzt durch hohe Felsen führt. Der Camping liegt direkt angrenzend und noch ehe wir Genaueres abklären können, sind die Kinder schon auf dem Weg zum Meer. Für echtes Baden ohne Neoprenanzug ist das Wasser zu kalt, aber rund um riesige Findlinge hat sich dank der Gezeiten etwas Wasser gesammelt, das sonnengewärmt angenehme Badetemperatur erreicht hat und die Kinder glücklich macht. Die Nacht ist kühl, windreich und gemütlich.
Am Morgen ist das Wetter durchzogen, kalt und regnerisch. Wir brechen bald auf, umfahren die nächste Stadt um dann wieder der Küste entlang zu tuckern. Irgendwo nach San Vincence machen wir eine lange Pause und schlendern einem wunderschönen Flussdelta entlang, das sich über eine weite, moorige, grün umsäumte Ebene erstreckt. Baden ist verboten, was uns in Anbetracht des rauhen Klimas kaum kümmert. Nach dem ausgiebigen Zwischenhalt fahren wir weiter, verschmähen überfüllte Campingplätze und folgen irgendwann einem unschinbaren Schild, das auf Campingmöglichkeit verweist. Wir fahren und fahren, über Kleinststrasse in ein unscheinbares Kaff, namens Garaña, das mit ebenso unscheinbaren Schildern für einen Strand und „Bufones“ wirbt. Der Campingplatz ist im Garten eines Hotels und herrlich unüberfüllt. Wir parkieren den Gefährten und marschieren zwei Kilometer, den Schildern eintlang zum Strand, in Form eines weit ins Land hinein reichenden, in Sand gebettteten, meterlang seichtwässirigen Meeresarmes. Ein perfekter Kinderbadestrand. Neben diesem einen Meeresarm sind hier „nur“ steile, felsige Klippen zu finden und eben die ausgeschilderten Bufones, Löcher in den Klippen, die bei entsprechendem Wellengang Wasser empospritzen wie kleine Geishire. Letzteres sehen wir leider nicht, atemberaubend schön sind die Steilklippen alleweil.

Bemerknisse:

Sagte ich schon, dass Bilboa ein ziemlich toller Stadtname ist?

JakobswegwandererInnen unterscheiden sich hauptsächlich am Gesichtsausdruck vom gemeinen Wanderer. Je leidender desto jakobsweger.

Die Sache mit den Campinduschen habe ich schon mal erörtert: Ein Fakt den es auch zu beachten gilt: Aufgeweichte, abblätternde Duschendecke ist ein schlechtes Zeichen, bereiten Sie sich auf ein abgekalteten, über Deckenumwege indirekten Duschstrählchen vor.

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