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Tage 5 und 6: Vieux-Boucau-les-Bains – Santoña – San Vincente – Garaña


Wir schlafen lange, eigentlich zu lange für meinen Geschmack, und brechen erst gegen 11 Uhr Richtung San Sebastián auf. Ich bin erstmals seit meiner Kindheit wieder in Spanien, für Mann, Kinder und Hund ist es sogar das erste Mal. Eigentlich wollten wir irgendwann am Vormittag in San Sebastiàn sein, 1, 2 Stunden durch die Innenstadt trampeln und uns gegen Nachmittag ein Schlafplätzchen ausserhalb der Stadt suchen. In die Stadt eingefahren, regnet es, es hat massenhaft Autos, noch mehr Menschen und einen geeigneten Parkplatz finden wir auch nicht. Wir beschliessen die Stadt, nach einem Zwischenhalt an der Bucht, vis-à-vis des alten Stadtzentrums, wieder zu verlassen und umfahren dabei auch gleich noch de nächste grössere Stadt, Bilboa. Bilboa. Bilboa. Ich hätte die Stadt ja alleine wegen ihres Namens besuchen wollen, aber nach dem übervollen San Sebastiàn fehlte auch mir die Motivation. Bilboa. Bilboa. Der Küste entlang, fernab der Autobahn, wird es wieder ruhiger, wilder und einsamer. Wir finden uns beeindruckt unter einem Schwarm Weisskopfadler wieder, die über den rauen Klippen kreisen. Nach dem Storchenzug über Bulgarien und der Türkei wohl eines meiner beeindruckendsten Tiererlebnisse. Bei Santoña, wo das Meer sich tief in die Schwemmlandebene gräbt, beschliessen wir nach einem Schlafplatz zu suchen und folgen einem Campingschild, das mitten durch die Industriezone führt. Für einige Minuten verschlägt es uns schier den Atem, denn Santoña liegt nicht nur optisch wirklich attraktiv, es liegt offensichtlich auch günstig für Sardellenfang und -verarbeitung und ist Sitz mehrerer Ölsardinenfabriken. Während Mann, Kind 2 flach durch den Mund atmen, um den penetranten Fischgeruch zu entfliehen, atmet Kind 1 in vollen Zügen jubilierend ein. „Fisch, hier gibt es Fisch!“ Zwei Fünftel von uns (Der Hund hätte wohl auch nichts gegen etwas Fischewälzen einzuwenden.) sind dann auch einigermassen erleichtert, als die Beschilderung uns wieder aus der Industrie, an eine weitläufigen Strand, abgegrenzt durch hohe Felsen führt. Der Camping liegt direkt angrenzend und noch ehe wir Genaueres abklären können, sind die Kinder schon auf dem Weg zum Meer. Für echtes Baden ohne Neoprenanzug ist das Wasser zu kalt, aber rund um riesige Findlinge hat sich dank der Gezeiten etwas Wasser gesammelt, das sonnengewärmt angenehme Badetemperatur erreicht hat und die Kinder glücklich macht. Die Nacht ist kühl, windreich und gemütlich.
Am Morgen ist das Wetter durchzogen, kalt und regnerisch. Wir brechen bald auf, umfahren die nächste Stadt um dann wieder der Küste entlang zu tuckern. Irgendwo nach San Vincence machen wir eine lange Pause und schlendern einem wunderschönen Flussdelta entlang, das sich über eine weite, moorige, grün umsäumte Ebene erstreckt. Baden ist verboten, was uns in Anbetracht des rauhen Klimas kaum kümmert. Nach dem ausgiebigen Zwischenhalt fahren wir weiter, verschmähen überfüllte Campingplätze und folgen irgendwann einem unschinbaren Schild, das auf Campingmöglichkeit verweist. Wir fahren und fahren, über Kleinststrasse in ein unscheinbares Kaff, namens Garaña, das mit ebenso unscheinbaren Schildern für einen Strand und „Bufones“ wirbt. Der Campingplatz ist im Garten eines Hotels und herrlich unüberfüllt. Wir parkieren den Gefährten und marschieren zwei Kilometer, den Schildern eintlang zum Strand, in Form eines weit ins Land hinein reichenden, in Sand gebettteten, meterlang seichtwässirigen Meeresarmes. Ein perfekter Kinderbadestrand. Neben diesem einen Meeresarm sind hier „nur“ steile, felsige Klippen zu finden und eben die ausgeschilderten Bufones, Löcher in den Klippen, die bei entsprechendem Wellengang Wasser empospritzen wie kleine Geishire. Letzteres sehen wir leider nicht, atemberaubend schön sind die Steilklippen alleweil.

Bemerknisse:

Sagte ich schon, dass Bilboa ein ziemlich toller Stadtname ist?

JakobswegwandererInnen unterscheiden sich hauptsächlich am Gesichtsausdruck vom gemeinen Wanderer. Je leidender desto jakobsweger.

Die Sache mit den Campinduschen habe ich schon mal erörtert: Ein Fakt den es auch zu beachten gilt: Aufgeweichte, abblätternde Duschendecke ist ein schlechtes Zeichen, bereiten Sie sich auf ein abgekalteten, über Deckenumwege indirekten Duschstrählchen vor.

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Tage 3 und 4: Lapalisse – Dune du Pyla – Vieux Boucau les Bains


Am Morgen des dritten Reisetages stehe ich früh auf, um den Hund auf seine Morgenrunde zu begleiten. Der Spaziergang führt in den Park, am Fusse des Schlosshügels, wo ich schliesslich beim Albern mit dem Vieh erstmalig auf dieser Reise mein Handy verliere, danach panisch den Rest der angehörigen Zweibeiner wecke, um das Gerät einige Minuten später im Gras wieder zu finden. Nun sind zumindest auch die unsäglich langschlafenden Herr G. und Kind 2 wach und mein Tageszeitplan gerettet. Wir künden den Kindern für den Tag lange Fahrzeiten, im Dienste der Meererreichung an, ein Ziel, das auch die beiden motiviert und wir schaffen viele unattraktive Autobahnkilometer bis kurz vor Bordeaux. Dort kramen wir das Notizbuch hervor, wo „unsere Deutschen“ (Bekannte, die wir vor 6 Jahren in Albanien kennengelernt hatten und die seither zu Freunden geworden sind) uns zuvor ihre Höhepunkte niederschreiben liessen, unter anderem die Dune du Pyla. Europas grösste Wanderdüne soll unsere erste Station am Meer werden, beschliessen wir und fahren die Kilometer gen Düne zügig durch. Am Fusse der sandigen Attraktion hat es einige Campingplätze, deren blosses Antlitz uns schon von Aussen einigermassen abschreckt, aber die gigantische Düne, die sich im Hintergrund, durch den Pinienwald erahnen lässt, zieht uns so sehr in ihren Bann, dass wir uns überwinden und ein Plätzchen auf einem der beengenden, überfüllten, masslos überteuerten Plätze suchen. Meine Laune sinkt stetig, diese Enge, diese Menschen, die Düne muss wirklich was hergeben, damit sich dieses Opfer lohnt. Nach Ankunft brechen wir sofort auf, die Düne zu erklimmen. Weltuntergangesk liegt sie vor uns, ungefähr so würde ich mir eine gigantische Flutwelle vorstellen, schlicht eindrucksvoll. Mit Elan und dem Willen das Meer zu sehen, machen wir uns daran, die Gigantin zu besteigen. Das ist ein ziemlich anstrengendes Unterfangen, besonders für die Beine einer Fünfjährigen, es geht einen Schritt voran, 1/2 Schritt rutscht man wieder hinunter, aber spätestens nach 1/3 ist das Schweissopfer, das man beim Aufstieg gebracht hat, zu hoch, um aufzugeben. Man muss sich die Aussicht zwar verdienen, aber oben angelangt, ist der Blick atemberaubend, gen Landesinnere über weite Wälder, gen Meer über weite Strände, Küste und eine vorgelagerte, sandige Erhebung, die wohl mit der Flut zur seichten Untiefe wird. Das Runterrennen von der Düne, mach dann um so grösseren Spass, auch wenn der Sand in jede Ritze dringt. Abends starten die Bleus dann die grosse Finalparty und wo ich vorher noch kurz den Gedanken hegte, dass ein Europameisterschaftssieg des Gastlandes, in dem ich gerade weile, irgendwie nett wäre, verliere ich den Gedanken ziemlich schnell, als mit klar wird, welche Lärmkonsequenzen so ein Sieg nach sich trüge. Man kann durchaus sagen, dass ich nicht unerheblich erleichtert bin, als mit dem Schlusspfiff auch Stille einkehrt. Bereits im Bus liegend, hörte ich die Masse desillusioniert zu ihren Gefährten und Zelten schlurfen, heimlich jubilierend.
Am nächsten Tag fahren wir über kleine Strassen, parallel zur Küste, Richtung Spanien. Anfänglich führt uns der Streckenabschnitt durch ausgedehnte Nadelwälder, die mutmasslich dem Handel mit Holz dienen, sind doch immer wieder weite Strecken abgeholzt und neu bepflanzt. Spätestens nachdem wir an riesigen Holzstapeln und ebensoriesigen Haufen ungeordneter Baumwurzelstöcke vorbeifahren, scheint die Sachlage klar: Man lebt hier vom Holzschlag. Es scheint, als hätte sich hier jeder mal eben seine Lichtung geschlagen und ein Haus hingebaut, lose verteilt stehen die Häuser, in Teils sehr weiten Abständen allein, oder zu mehrt, dicht an der Strasse, jedes grosszügig mit Rasen versehen und umzäunt, wie ich das bisher eher von den USA kannte. Immer wieder fahren wir an wunderschönen, sehr gepflegt wirkenden Häusern vorbei, die mit ihren massiven Längsbalken aussehen, als wären sie absichtsvoll gestreift gestrichen worden. Irgendwann nehmen wir eine nett aussehende Querstrasse nach rechts und landen an einem ausgedehnten Sandstrand, wo wir eine ausgiebige Pause machen. Danach fahren wir nur noch wenige Kilometer weiter, finden einen Stellplatz, dinieren im Dorf und schlafen früh und lärmunbelastet.
Bemerknisse:
Finalfranzosenfans färben sich flaggig. Alle.
Erstmeeresblick beim Klettern über Gigantodünen sieht besonders gut aus.
Je sandzischenzähnenknirscher bei nächtlichem Erwachen, desto ferier.

 

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