Ein Geburtstag im Leben der Y oder Frag die Y am 4. Geburtstag


Was zwingend zu einem gelungenen Ypsilönchen-Vierjahresgeburtstag gehört:
  • Beim Frühstückstisch von einem pferdenen Ehrenkomitee begrüsst werden.
  • Den Magen mit Schokolade zur Tätigkeitsaufnahme auffordern.
  • Sich im neuen Dreijahreszeitenschlafsack auf dem Sofa die Morgenmilch genehmigen.
  • Einen rosa Rock und dazu die allerliebsten Wanderschuhe anziehen.
  • Mutters Erklärungen bezüglich der Bedienung der neuen Einfachkamera mit mildem Lächeln und “Weiss ich doch.” quittieren. (Und es tatsächlich wissen. Ich hörte meine eigene, geliebte teuere Kamera leise jubeln, als das Kind den deutlich hieb- und stichfesteren Apparat auswickelte. )
  • Die Befehlshabe über den KiTageburtstagskuchenbackvorversuch an sich reissen und die eigene Mutter zur Küchen(nicht Kuchen, haha)dekoration, allerhöchstens Aushilfe degradieren.
  • Den als gemütlich en Spaziergang angedachten Ausflug rennend bewältigen, weil die Pferde (siehe erster Punkt) sonst zu lange allein sind.
  • Als Dekoration eingeplante Erdbeeren in Schokolade tunken und essen, weil sie leider allesamt, so ein Pech, nicht so sehr gelungen und deswegen nicht präsentabel sind.
  • Den Geburtstagskuchen selber anschneiden.
  • Schaukeln “bis in den Himmel”.
  • Beim Abendessen die Lieblingsspeisen auf dem Teller vereinen: Mais, Spinat, Würstchen und Schokolade.
  • Nach dem Abendessen, bereits im Schlafanzug, in den Wald zur Schatzsuche begleitet werden und einen heimatlosen Zwerg samt Schatztruhe finden.
  • Beinah im gehen einschlafen, es aber gerade noch so schaffen von den sentimentalen Eltern ins Bett geleitet zu werden.
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***
 
 
Vor einigen Monaten habe ich ein Buch für Kinder in den Händen gehalten, dessen Inhalt aus Fragen an den Nachwuchs bestand. Daraus entstand die Idee, meinen Kinder (ab 3Jahren)  alljährlich, anlässlich ihres Geburtstags, die mehr oder weniger selben Fragen zu stellen und hier festzuhalten, um alle Jahre wieder auf Letztes und Letzteres zurückzublicken, Erinnerungen aufzuwärmen und uns über Entwicklungen zu freuen. Darum:
 
 

Frag die Y am 4. Geburtstag

 
Woran schnupperst du gerne?
„Smartiesluft.“
 
Was machst du wenn du Langeweile hast?
„Einfach abliegen.“
 
Wo möchtest du einmal wohnen?
„Ich will immer hier bleiben.“
 
Welches Haustier wünschst du dir?
„Ein richtiges Hündlein, ein schwarzes. Mit einer Leine dran die angewachsen ist.“
 
Wem hast du einen Brief geschickt?
„Schon allen. Nur J. nicht. Das sollte ich dringen. Kannst du das in den Kalender einschreiben?“
Was hast du geschrieben?
„Das sage ich nicht.“
 
Welche Musik magst du?
„Weihnachtsmusik.“
 
Welches Wort magst du besonders gern?
Gägägägägägä.
 
Welches Wort magst du gar nicht?
„Wenn jemand sagt: „Das möchte ich nicht.“ Das habe ich eben nicht so gern. Das finde ich blöd.“
 
Was kann Papa ganz besonders gut?
„Uns rumtragen.“
 
Was kann Mama besonders gut?
„An der Stange hängen.“
 
Welches Buch magst du ganz besonders?
„Das N-Buch.“ (Meine Schwester fertigte vor ihrer Abreise je ein Buch für die Kinder an, mit kleinen Erinnerungen und anderen Nettigkeiten.)
 
Was würdest du verändern, wenn du Königin wärst?
„Alle Menschen müssen mich immer tragen.“
 
Was kannst du besser als Mama und Papa?
„Schaukeln.“
 
Was sammelst du?
„Muscheln.“
 
Wie bringst du andere zum lachen?
„Wenn ich ihnen sage „Du bisch e frächi Täsche.“ Das finden sie lustig.“
 
Erzählst du deinen Lieblingswitz?
„Ein Fridimutz kletterte mal auf ein Haus. Dann hat er etwas gesehen, es war ein Pinguin. Dann fragte er den Pinguin: „Was machst du da?“ Dann hat der Pinguin gesagt: „Picknicken.“
 
Welchen Wunsch hast du?
„Ein Pinguintisch mit Kleber drauf.“
 
Was macht dich wütend?
„Wenn Äm meine Sachen kaputt macht.“
 
Was findest du lustig?
„Das was Äm mir ins Ohr flüstert.“
 
Möchtest du einmal Kinder haben? Wieviele?
„Ja. Zehn. „
 
Was möchtest du gut können?
„Mit einem ganz grossen Fahrrad fahren, auch mit Pedalen, wie ich es schon kann, aber mit einem noch grösseren. Und lesen.“
 
Wovor fürchtest du dich?
„Vor Hunden.“
 
Wohin möchtest du reisen?
„Zu E.“ (Tochter „unserer Deutschen“ in München.)
 
Was spielst du am liebsten alleine?
„Eisenbahn.“
 
Was spielst du am liebsten mit anderen?
„Pferde, Bébé, Hunde und andere herzige Sachen.“
 
Was macht dich traurig?
„Wenn alle weg sind.“
 
Was macht dich glücklich?
“Ein pinkiges Pony, das mich immer trägt.”
 
Warum heisst du, wie du heisst?
„Einfach.“
 
Was machst du, wenn du gross bist?
„In Zürich einen Computer basteln. Und Elterngespräche machen.“
 
Wen oder was findest du niedlich?
„J.“ (Betreuerin aus der KiTa.)
 
Worüber hast du zuletzt mit jemandem gestritten?
„Weil Äm die Schnecke auf den Stein gesetzt hat. Das tut ihm weh. Der muss in die Erde. Aber sie wollte das nicht.“
 
Worüber möchtest du gerne mehr wissen?
„Wieso es schneit.“
 
Wenn du ein Tier wärst, welches Tier wärst du? Mama? Papa? Äm?
I“ch = Pony. Mama = Tiger. Papa = Ross. Äm = Leopard.“ (Ich hoffe schwer, dass hier keine Psychologen mitlesen.)
 
Wie siehst du aus?
„Wie L. Blond. Mit weissem Gesicht. Mit schwarzen Augen. Und sehr gross.“
 
Was ist das schönste, was du je gemacht hast?
„Pferde schauen.“
 
 
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Führeranschein


Ich habe es ja angekündigt: Ich fahre jetzt Auto. Ja, ich lerne erst und ja, noch darf ich das nur in Begleitung Erwachsener, äh, erfahrener Autofahrer tun, aber ich fahre. Ich fahre erstaunlich, nun ja, ich will nicht sagen gut, aber doch relativ erstaunlich. Erstaunlich besser als gedacht. Beachtet man, dass mich blosses Filmeschauen zwar so langweilt, dass ich daneben noch mindestens ein Buch lesen muss, besser zwei, aber es kaum schaffe, gleichzeitig in zwei verschiedenen Töpfen zu rühren, war es doch überraschend, dass ich diese motorischen Parallelaktivitäten einigermassen zu meistern vermag. Was mir bisher nie so richtig bewusst war, ist wie seltsam sich die unterforderten Beifahrer benehmen, die verkrampfte Haltung, die gellenden Schreie, das Krallen ins Sitzpolster und geflüsterte Stossgebete. Ehrlich, alle meine bisanhinen Beifahrer sind grundsätzlich liebe und geschätzte Menschen, aber ich hoffe sehr, dass sie diese derart irritierenden Verhaltensweisen, doch schon vermehrt brenzlige Situationen provoziert haben, beizeiten ablegen oder dafür Zeitfenster jenseits meiner Fahrstunden finden.

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Gminggmanggs bei den Götebürgern – Teil 2


Teil 1

Mein erster Eindruck von Schweden entsprach ganz den gängigen Klischees: Die gar nicht so lange Fahrt vom Flughafen gen Innenstadt war geprägt von Nadelwäldern, Seen und farbenfrohen nordischen Holzhäusern. Nur die Elche fehlten. Und Nils Holgerssons Wildgänseschwärme. Die Innenstadt unterschied sich auf den ersten Blick nicht erheblich von den diversen anderen europäischen Städten, die ich bisher besucht habe. In einem von Göteborgs Universitätsvierteln quartierten wir uns, ganz in der Nähe meiner Schwester, in ein Gästezimmer des Studentenwohnhauses, ein grosses backsteinernes Gebäude umgeben von ebensolchen Klonen, ein.

Götemöve

Götemöve

Der erste Spaziergang den wir unternahmen, führte ins Viertel in dem wir auch übernachteten. Es zeigte sich rasch, weshalb Göteborg als Universitätsstadt bezeichnet wird: Wir waren mit OmaG und den Kindern gleichzeitig die ältesten und jüngsten Umherschlendernden in Sichtweite. Um weiter in die Stadt vorzudingen, benutzten wir eine in die Jahre gekommene, kinderwagenhassende Strassenbahn. Das ÖV-Netz Göteborgs scheint relativ gut ausgebaut und für etwa 150 Kronen (zu Chf ungefähr 7:1) erstanden wir ein Dreitagesticket das uns für die Fahrt auf dem gesamten Netz, inklusive einiger Schiffe berechtigte und das wir in den beiden folgen Tagen auch rege nutzten.

Götebrücken

Götebrücken

Götebürger mit Wahrnehmungsschwierigkeiten

Götebürger mit Wahrnehmungsschwierig-keiten

Göteborg ist nett, es hat seine pompösen Viertel, die etwas an Wien und Budapest erinnern, irgendwo protzt der Stadtbegründer auf einem Sockel rum, anderswo posiert, von Touristen besonders beliebt, Poseidon*, es gibt nette Strassenkunst, Kanäle, Parks und Einkaufsmeilen, aber so richtig vereinnahmen wollte sie mich nicht, diese Stadt. Jedenfalls bis ich mir im Viertel Haga, einem ehemaligen Arbeiterquartier mit pittoresken nordischen Häusern, in einem liebevollst eingerichteten, kleinen Café mir Kuchenauswahl zum niederknien, neben dem besten Kaffee seit langem, den allerköstlichsten, warmen Apfelkuchen mit Vanillesauce einverleibte. Den Kinder wurden derweil Erdbeeren und Waffeln gereicht. Nur ein wenig, nur zum probieren. Und danach nochmal. Und nochmal. Undsoweiter.

Götehimmel

Götehimmel

Und dann hat Göteborg noch das Meer. Wir fuhren mit der Strassenbahn durch die halbe Stadt zum Saltholmen-Ferry Termial, von wo aus wir mit einem der Fährboote, das die diversen kleinen Inseln mit dem Festland verbindet, eine kleine Rundfahrt machten. Bei wunderbarem Wetter tuckerten wir gemächlich, durchs grünblaue Wasser, von Haltestelle zu Haltestelle, vor den Fenstern die minimalistisch begraste Rundfelslandschaft, malerische Kleinstdörfchen und Fischerhäuschen.

Götefischerhüsli

Götefischerhüsli

Götepittoreskerie

Götepittoreskerie

Sollte es dereinst zu einem erneuten Ausflug nach Göteborg kommen, und ich, so Murphy will, zu dem Zeitpunkt nicht gerade mit zwei fiebernden Kindern gesegnet bin, würde ich die Stadt sehr gerne bei Nacht erleben. Dereinst. Vorerst verreise ich wieder wärmer.

Frau G., Ypsilönchen und ein alter Schwede.

Frau G., Ypsilönchen und ein alter Schwede.

Bemerknisse

  • Der Göteborger mit Stil trägt sein Laptop als Accessoire unterm Arm.
  • Mals Tourist gehört es offenbar, sich mit der Statue des *Poseidon abzulichten. Das kann man jetzt auch ganz bedenkenlos, obwohl der Gott des Meeres nackt posiert, denn es ist nicht viel zu sehen. Der Ärmste musste nämlich offenbar nach allseitiger Volkesentrüstung ob der Grösse seines Gemächts ein gutes Stück seines Guten Stücks lassen.
Göteprüderie

Göteprüderie

  • So unpraktisch kranke Kinder normalerweise auf reisen sind, so ausgesprochen erquicklich sind getragene Fieberkinder bei den bissigen Winden des Nordens.
  • Würde es sich bei besagtem Gepäckstück nicht um den Kinderkoffer samt wichtiger Inhalte handeln, würde ich behaupten, dass sich so ein Kofferverlierenlassen lohnt, denn anstatt vermisste Gut wie alles andere Treppen und Aufhänge hochzuschleppen, wird es am nächsten Morgen von Fluggesellschaftsmitarbeitern aufs Zimmer gebracht.
Alte Schwedin, junge Schweizerin

Alte Schwedin, junge Schweizerin

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Ich sammle Briefmarken.


Ich sammle Briefmarken. Dieses öffentliche Geständnis mag Sie jetzt vielleicht überraschen, denn dieses Hobby scheint der Inbegriff schnödöder Spiessbürgerlichkeit zu sein und mit derartigen Attributen mag sich wohl kaum einer freiwillig kokettieren. Aber ich sammle Briefmarken. Nicht absichtlich, ist wohl anzufügen, ein Umstand der allerdings nichts an den schlussendlichen Tatsachen ändert: Ich sammle Briefmarken. Gerade hat mir mein letzter Auslandaufenthalt in Schweden weitere wunderbare Markenexemplare beschert, acht an der Zahl, alle identisch. Ich sammelte sie unabsichtlich.

Wie das passieren kann?

  1. Alles beginnt stets mit der Intention, eine Reise zu tun. (Es folgt nun eine Veranschaulichung am Beispiel Göteborg/Schweden.)
  2. Ich denke mir also: Oh, meine Schwester auslandsemestert in Göteborg, nett, da war ich noch nie, eine gute Gelegenheit nach Schweden zu fahren!
  3. Ich stu-, organi- und reserviere was es so zu stu-, organi- und reservieren gibt.
  4. Beim Packen überlege ich mir, wessen Adressen es für allfällige Postkarten zu notieren gilt. In dem Falle nun einige der unglaublich liebenswerten Leute aus diesem Internet, die mir in letzter Zeit Herz, Füsse und die Fettpolster wärmten.
  5. Ich göteborge so vor mich hin, bin sehr motiviert und kaufe bei einer der ersten Gelegenheit zehn nette Postkarten mit netten Postkartenmotiven samt zehn Briefmarken mit netten Briefmarkenmotiven zu netten Preisen.
  6. Vier von zehn Karten versehe ich schliesslich mit einer Schrift, die ohne kyptoanalytische Berufserfahrung leserlich und einem Text, der orthographisch zumindest Drittklässlerniveau erreicht.
  7. Ich verstaue die vier akzeptabeln Karten, die sechs dem Tode geweihten kryptischen Erstklässlerwerke und die Briefmarken in meiner Tasche, um sie beim nächsten Briefkasten einzuwerfen.
  8. Ich entnehme die vier akzeptabeln Karten, die sechs dem Tode geweihten kryptischen Erstklässlerwerke und die Briefmarken meiner Tasche. Daheim. In Bern.
  9. JE-DES MAL.

Kedenschwarten

 

… Teil 2 unseres Ausflugs nach Göteborg folgt morgen, so denn die Zug- und Zeitgötter wollen.

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Gminggmanggs und die Götebürger – Teil 1


Die Anreise

Für die Kinder wird im Mai ein sehr reisereiches Lebensjahr zu Ende gehen, unsere Reise und den Abstecher nach München eingerechnet, haben Äm und Y ihr zweites, beziehungsweise viertes, Lebensjahr in 13 verschiedenen Ländern verbracht, eine Tatsache, die sie allerdings weit weniger beeindruckt als mich. Die beiden nehmen was auch immer kommen mag, solange Herr G. oder ich in umklammerbarer Nähe sind.

Bis auf Kanada habe ich noch nie ein nördlicheres Land als Deutschland besucht. Als also meine Schwester beschloss, sich für ein Auslandsemester nach Göteborg auszuquartieren, war klar, dass ich sie besuchen werde. Am allerliebsten wäre mir selbstredend eine Reise per Gefährt(en) auf dem Landweg gewesen, aber dieser Plan scheiterte an zeitlichen Gegebenheiten, an den schlecht harmonierenden Schulferien von Herrn G. und mir und an der Tatsache, dass ich nach wie vor keinen Führerschein habe. (Hier sei angemerkt: Ich befinde mich in diesem Prozess an einem unerwartet fortgeschrittenen Punkt, aber mehr dazu an anderer Stelle.) So machte ich mich, die Kinder und deren Oma (OmaG) im Schlepptau, also auf, per Flugzeug die Götebürger heimzusuchen.

Die Anreise, zwei relativ kurze Flüge mit längerem Aufenthalt in Kopenhagen, wo ich die Kinder als Springpferdchen über Kofferhürden jagte, war derart kurzweilig, dass wir gefühlt urplötzlich und etwas perplex in strömendem Regen und bissigen Seitenwind mitten auf dem Göteborger Flugplatz standen und den Eingang ins Gebäude erst in hoffnungslos irreversibler Zerzaustheit fanden. Glücklicherweise ist das Flughafengebäude nicht sehr weitläufig und so fanden wir rasch den Weg zur Gepäckausgabehalle und sogar zum richtigen Förderband. Koffer um Tasche ward von ihren rechtmässigen Besitzern in Empfang genommen, die Wartenden wurden weniger, bis nur noch wir andächtig um das leise quietschende, unablässig drehende Band standen und mit, zwar mikroskopisch kleiner, aber doch noch bestehenden Hoffnung der Gepäckstücke harrten, die da kommen sollten. Schliesslich tuckerte meine Tasche an, hernach OmaGs handtaschengrosses Gepäckstück und danach ein roter Kleinkoffer, der es offensichtlich niemandem angetan hat.

Die Tasche der Kinder aber kam nicht. Mit viel Geduld und gutem Willen schauten wir dem roten, verschmähten Kleinstkoffer bei sieben weiteren Runden zu, danach begab ich mich zum Schalter der Vermissten. Der Kindertaschenverbleib sei unklar, meinte der junge Verantwortliche, worauf ich, winderzerzaust, mit irrem Blick (Bindehautentzündung) und betonter Verzweiflung zu einer flammenden Erklärung der Dringlichkeit der Tasche ansetzte. Sichtlich verängstigt versicherte er mir, dass das Stück so bald als angekommen nachgeliefert werde und erkundigte sich, ob mit Notfallübernachtungsmaterial ausgeholfen werden könne. Es wurde ihm auch nicht wohler, als ich statt nach Windeln in einer zwischenzeitlichen Wortverwechslung nach Damenbinden verlangte. Der Rest der Anreise verlief zwischenfallsfrei und die Schweden empfingen uns mit ähnlich offenen Armen, wie die Schweizer uns unter Tränen verabschiedet hatten.

Bemerknisse

  • Für spannende Momente beim Warten auf den Flugzeugstart können Sie sorgen, in dem Sie mit ihrem quengelnden Kind durch die Gänge schreiten und hie und da die Intention absitzen zu wollen antäuschen – entgleitende Gesichtszüge bei den bereits Sitzenden sind garantiert.
  • Kleinkinder, die ihren einschlafenden Eltern über den Kopf streichen und Melodien summen sind niedlich, Kleinkinder, die ebendies bei wildfremden Nebenpassagieren tun, wirken eher befremdlich.
  • Je anzuger, desto rollkofferer.
  • Hunderte Von Flugzeugsitzplätzen, Sie erwischen zwar Fenster, aber über dem Flügel.
Prävolal - Warten.

Prävolal – Warten.

Perivolal - "Über den Wolken" der allzeit penetrante Zwangsohrwurm

Perivolal – “Über den Wolken” der allzeit penetrante Zwangsohrwurm

Teil 2

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Schwedengmanggs


Das einzige schwedische Wort das ich mir geläufig, ist “pyssla”, “basteln”. Das kann nicht schaden, auch wenn es bei meiner unterentwickelten Bastelpassion ironisch anmutet. Göteborg, wir kommen (basteln)!
Gepackt ist ja schon mal.

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Die Hochzeitsrede


Es gibt zwei Gründe, die dafür sprechen, dass ich hier eine Hochzeitsredenvorlage veröffentlichen muss. Der erste Grund ist die Tatsache, dass meine Selbstrede zum 50. Geburtstag derart viele verzweifelt nach Inspiration suchende Suchmaschinenbedienende hierher führt (nur hierher führt, von tatsächlicher Redenschreibhilfe war keine Rede), dass ich davon ausgehe, dass auch eine Hochzeitsrede immer mal wieder Grund für Internetrecherchen sein könnte. Der zweite Grund ist ein nahendes Ereignis, dem ich als Trauzeugin bewohnen werde, schlicht damit ich etwas zu sagen hätte, würde ich denn darum gebeten.

Die Hochzeitsrede

Plingpling … Ich möchte um Ihre Aufmerksamkeit bitten. Stefanie und Reto haben mich ja darum gebeten, heute, an dem Tag, von dem sie jetzt mutmasslich noch denken, dass er der glücklichste ihres Leben sei, eine Rede zu halten. Ich freute mich sehr darüber und fühlte mich geehrt um mich gleichzeitig mit mehreren Schwierigkeiten konfrontiert zu sehen. Erlauben Sie mir, diese hier kurz zu nennen. Erstens: Jeder weiss, dass Reden durch das Schlagen eines Messers ans Weinglas angekündigt werden. Das Brautpaar aber wünschte sich die Rede vor dem Dessert, wenn also nur noch Dessertgabeln zu Glasschlagen zur Verfügung stehen. Mit dem Auftrag der Rede, erhielt ich also auch die Aufgabe, mein Messer zu hüten, auf dass es beim Dessert noch in sauberem Zustande hier liege, was wiederum zur Folge hatte, dass ich die ersten Gänge schneidewerkzeugabstinent bewältigen musste, was sich besonders bei der mundgerechten Verarbeitung des Pferdesteaks als relativ herausforderndes Ansinnen herausstellte. An dieser Stelle möchte ich mich bei der liebreizenden Anna-Lena zu meiner Linken… Ach, Anna-Marie heissen Sie? … Ich möchte mich also bei der liebreizenden Anna-Le … Scheisse! … MARIE! Anna-Marie für den vorzüglichen Fleck Portweinsauce auf ihrem Kleid entschuldigen. Und für meinen Versuch ihn wegzuwischen, was die Sache sowohl aus ästhetischer, wie auch aus zwischenmenschlicher Sicht verschlimmerte. Wie dem auch sei: Der Glas-Messer-Doppelschlag ist gelungen, Sie alle haben ihn vernommen und haben, bis auf Katharina und Susanne, Ihre Tischgespräche eingestellt, um mir zu lauschen.

Reto… Stefanie… Ich erinnere mich noch sehr genau, an damals, als ihr euch, am Bar- und Strassenfest in Niederhünigen, kennen gelernt und sofort verstanden habt. Es war glückliche Fügung, könnte man sagen, jedenfalls für einige von uns. Ich will damit sagen: Für andere weniger. Also für mich. Aber es wäre wohl nicht angebracht, hier auf meine tragische, ebenfalls partiell in diesem Moment entsprungene Liebesgeschichte mit Laura einzugehen. Jedenfalls habe ich das Lied gesucht und gefunden, das gespielt wurde, als ihr erstmals zusammen getanzt habt. Andreas, könntest du bitte!? … Andreas! … Lieber eher als nachher. … Ja, ich meine sofort, du musst nur die Playtaste betätigen. … Nein, die mit dem gleichschenkligen Dreieck, das seltsamerweise auf seiner rechten unteren Ecke blanaciert, anstatt artgerecht auf seiner Grundgeraden zu stehen. … Grün, das gleichschenklige Dreieck ist grün! … Ja, etwas nach Rechts. … Stopp! Die ist es! … (Die Stereoanlage spielt Macarena) … Einige der Bewegungen von damals kann ich sogar noch, schaut her!… (Musik spielt weiter.) … Jetzt Stopp drücken, Andreas! … Die Taste mit dem feuerwehrroten Quadrat, ich habe sie dir gezeigt! … (Stereoanlage: „Ein Fluch in Versform: Ich verfluche diese Stunden, als ich dich oh Laura traf,) … Andreas! Jetzt drück die verdammte Stopp-Taste! … (Stereoanlage: „so verletzt, zerstört, geschunden, wie ein Massenmetzgerschaf. Meine Eingeweide hast…“Stille. ) … Himmelherrgott, danke, Andreas! Das ist mir nun etwas, ähm, unangenehm, ich bitte Sie über die kleine technische Störung hinweg zu sehen. Liebes Brautpaar, seit diesem Abend seid ihr unzertrennlich, wortwörtlich, darf angefügt werden. Hand hoch, wer die beiden noch nie ihre Zahnspangen hat verheddern sehen! Haha, kleiner Scherz am Rande. Tatsache ist, dass die beiden sich immer ähnlicher werden und das liegt nicht nur an den identischen Trainingsanzüge, in denen sie jeweils bei Plauschtennisrunden erscheinen oder an den, ebenfalls identischen, frechen Heimpantoffeln, die sie bei Einladungen gern gleich selber mitbringen, um zu Besuch keine kalten Füsse zu kriegen. Kalte Füsse kriegte heute offensichtlich auch niemand ihr seid beide noch da und habt euch heute mutig Lebenslänglichkeit versprochen. Lebenslänglich! Das muss sich einer erstmal vorzustellen versuchen! Le-bens-läng-lich! Das ist wirklich relativ lang, für uns ungebundenen Müssiggänger gar unerträglich lang. Ehrlich, ich wollte nicht sollen müssen, was natürlich nicht heisst, das ich es euch nicht gönne, denn seit Retos mörderischen Intermezzos mit meiner Wasserschneckenzucht gönne ich ihm Einiges. Aber das ist eine andere Geschichte und selbstredend nur ein weiterer kleiner Scherz. Im Grunde möchte ich euch nur meinen Respekt für die Entscheidung aussprechen, euch in ewiglichen Absichten zu binden, obwohl ihr doch gar nicht wisst, ob da nicht noch Besseres des Weges kommt. Bestimmt ist es, damit niemand von euch all zu sehr hinter fremde Zäune linsen muss, von Nöten, an euerer Beziehung zu arbeiten, wie, hm… Genau! So wie mein Laptop, den ich eben immer mal wieder updaten muss, denn sonst funktioniert er nicht einwandfrei. Nun gut, der wird, wie alle diese Geräte, wohl in einigen Jahren derart überholt sein, dass ich ihn wegwerfen und einen neuen besorgen muss, weil das Arbeiten daran so schlicht keinen Sinn mehr ergibt und wer will schon so ein altes Teil, wenn Klügeres, Besseres, Ästhetischeres erwerblich würde. Das klang bei meiner gestrigen Übungsrede vor Spiegel und Wasserschnecken eindeutig schlüssiger, man verzeihe mir. Was wir, als die Personen die ihr geladen habt, diesen Tag mit euch zu feiert, wohl alle am liebsten wollen, ist, neben einem Stück von der ebenso kalorienreich wie köstlich anmutenden Torte, euch das Beste und Schönste zu wünschen. Viele Kinder, beispielsweise, wenn ihr sowas überhaupt mögt, was ich bei derartigen genetischen Voraussetzungen natürlich begrüssen würde. Aber ich will nicht vorgreifen und mit den weisen Worten schliessen, die mir ein Freund in der zweiten Klasse einst ins Freundebuch schrieb: Lebe glücklich, lebe froh wie die Maus im Haferstroh!

Und, bevor ich gänzlich schliesse, noch mal: Entschuldige Anna-Lisa, ich hoffe du bringst die wirklich vorzüglichen Flecken, an dieser Stelle sei der Küche gedankt, wieder aus deinem Kleid. Das Dessertbuffet ist eröffnet! … Wie? … Oh! Entschuldigt, das Buffet ist NICHT eröffnet. Das Brautpaar möchte das selber tun. … Andreas, bitte tu das Zuckerbrautpaar zurück auf die Torte! … Andreas, STELLEN NICHT LEGEN!

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