Von Volks- und anderen T(r)ümmern


Die letzten paar Tage verbrachten die Gminggmanggs in den Bergen. Da wir (noch) führerscheinfrei leben, wurden wir von Ypsilönchens Patenonkel chauffiert. Ich vermute, dass er zum Zeitpunkt seiner Zusage entweder ganz von altrusitischen Geistern beseelt oder auf der Suche nach Nahtoderlebnissen war. Autofahrten mit Ypsilönchen sind die Hölle eher anstrengend. Sie schreit. Laut Ohrenbetäubend. Grell bis schrill. Bis zum Beinaherbrechen. Es hilft kein Spielzeug, kein Kauzeug, kein Trinkzeug und kein waghalsiges Stillmanöver in  voller Fahrt (keine Angst, Ypsilönchen blieb stets angeschnallt in ihrem Autositz) keine eigentlich unerlaubten aber heissinniglichst geliebten Lutschkaupatschgegenstände wie Ypsilönchenpapas auseinanderfallende Birkenstöcke oder Ypsilönchenmamas Winterlederstiefel, Kind mit Schuhtick, ganz der Papa. Unser Aussehen und Verhalten, das bei Hinfahrten, nach wochenlanger Arbeit und mit nachvollziehbaren Ferienbedürfnissen für jeden verständlich, sorgt nach Rückfahrten eher für ungläubige Blicke und Kopfschütteln: Wir altern mit jeder Autofahrt mit Ypsilönchen um Jahrzehnte, verlieren an Hörvermögen und Aufnahmefähigkeit, gewinnen an Falten, Augenringen und Begriffsstutzigkeit. Entsprechend semidelirisch ging die Übergabe unseres Feriendomizils vonstatten, wir nickten beflissen wann immer unser urchiges Gegenüber während der Erklärung der Gepflogenheiten im Umgang mit der Ferienwohnung längere Sprechpausen machte, lächelten lieblich und schüttelten ihm die Hand, wenn immer er sie uns entgegenstreckte, in der Annahme er wolle sich verabschieden. Tatsächlich muteten die ansonsten eher all zu schnellen und körperkontaktscheuen Gminggmanggs, zwar halbdebil, so doch zumindest auch gemütlich und ganz doll lieb an. Ja, da oben wird Langsam- und Freundlichkeit noch geschätzt, Idyllidyll und Friedundfreud.

Besonderen Wert legte der Hausbesitzer darauf, alles wieder genau so vorzufinden, wie es beim Betreten der Wohnung war. Genau so. Ganz genau. Nach dem die nun tatsächlich zur Verabschiedung gereichten Hand geschüttelt und Herr Urchig verschwunden war, nisteten wir uns, hurtig jede Ecke fotografiert keine Weltordnung hält unserem Chaos stand, ein.

Als relativ uneineheimisch entlarvten wir uns spätestens, als wir uns bis zur Bewegungsunfähigkeit angezogen, Berge = kalt, nach draussen begaben und Herr Gminggangg in sein langgezogenes und mit fragwürdig eingesetzten urchigen Begriffen bespicktes Ichbinkeintouristberndeutsch verfiel, das nur so haarscharf daneben ist, dass zum einen jeder bemerkt das er ein Tourist ist, sich zum andern jeder Einheimische leicht veräppelt vorkommt. Ich pflege Herrn Gminggmangg per Fingerzeig abzulenken und den Beleidigten einen meiner stapelweise mitgeführten Entschuldigungsunderklärungszettel zuzustecken: „Ich wurde zwangsverheiratet! Dieser Mann meint jeden Dialekt fliessend zu beherrschen, eine Tatsache auf der ein nicht unerheblicher Teil seines Selbstbewusstsein gründet, üben Sie sich in Nachsicht und tun Sie so als halten Sie ihn für einen Ihresgleichen, ihr Karma wird es Ihnen danken. Ich auch!“

Um noch auf den Artikeltitel zu kommen: Ich fand den schlicht gelungen und beim Versuch die Reise mit Ypsilönchen per Auto anzutreten, waren wir zumindest volksdümmlich.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Von Volks- und anderen T(r)ümmern

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