Neà Moudaia (Nähe Thessaloniki) GR – Alexandropuli GR (Tage 20 und 21)


Der Gefährte eiert. Also sein Rad, aber das spielt eine herzlich kleine Rolle. Er eiert, natürlich, seit fünf Minuten nachdem wir ein Loblied auf seinen Rundlauf geträllert haben. Zwar haben wir unser Etappenziel, Alexandrupolis, erreicht, werden aber länger bleiben müssen als erwartet, befinden wir uns doch in einem ziemlich (griechisch) orthodoxen Land und Arbeiten am Sonntag (und nach 20 Uhr) (und zur Mittagschlafzeit, zwischen 14 und 17 Uhr) (und wenn es so heiss ist) ist reine Blasphemie. Die Stimmung bei der Ankunft war gedrückt, ein Grossstadtcampingplatz ist kein Ort den wir für mehr als eine Nacht hätten aufsuchen mögen. Die Receptionistin erklärte uns voller Begeisterung, sie hätte uns einen Platz im Griechenteil der Anlage in Mitten lauter Dauercamper verschafft, da sei es schattig und die Toiletten ganz nah. Wir verdrehten innere Augen, suchten den Platz und richteten uns ein. Nach der Entdeckung des W-lanbestückten Strandes und einem Bad in badewannenwarmem Wasser bestrebten wir, gleich zu essen und früh zu nächtigen. Es war schwül, immer noch heiss und das Lüftchen das wehte konnte noch nicht mal als lau bezeichnet werden und erinnerte eher an die Produktionen eines Heissluftföhns. Das war um sieben. Sie erinnern sich? Griechenteil der Anlage? Mittagsschlaf bis 18 Uhr? Jetzt steppte der Griechische Bär hier erst los, und wie! Rund um uns wurden die Grills auf die Strasse geschoben und mit grossem Bimborium und noch mehr Rauch angefeuert, erste Biere und Wein gereicht, Spiesse aller Gattung und Farben zubereitet und hernach auf die perfekte Glut gewartet. Mit der Dämmerung verbreiteten sich die allerköstlichsten Düfte nach gegrilltem Gemüse und Fleisch, Tische wurden auf den Strassen zusammengeschoben, Stühle eingesammelt, hie und da ein Feuer entfacht. Schliesslich versammelte man sich sitzend oder stehend um die Tische, und ass, trank, vorallem aber plauderte, mal hier mal da, Kinder rannten oder kurvten auf Fahrrädern von Tisch zu Tisch, bekamen hier eine Mund voll zu Essen, da ein liebevolles Tätscheln und dort Luftküsschen zugeschickt. Irgendwann begann jemand zu singen, es folgte der Auftritt einer spontan zusammengefundenen Band und gemeinschaftliches Tanzen und Singen alter, äusserst sentimentaler griechischer Lieder. Kurz: wir fanden uns urplötzlich in einem griechischen Kleinstdorf in Festlaune wieder. Y fand nach kurzer Zeit kleinmädchen- und zauberhaften griechischen Anschluss, mit dem sie bis Mitternacht durch die Gegend flanierte, Äm schlief irgendwann ein, Herr G. und ich wurden zu Gesprächsrunden geladen, abgefüllt, gemästet, zum Tanz genötigt und ab und zu an eine grosse, weiche griechische Brust gepresst.

    Bemerknisse

  • Herr G. befahl dies hier niederzuschreiben: Herr G. trinkt Vodka mit Zitrone wie ein echter Grieche.
  • Wer Griechen erst belustigen, dann entsetzen möchte erzählt, dass er eine Wohnung im Haus seiner Eltern hat UND Miete bezahlt.
  • Wer neben Griechen campt, kommt mit Vorteil mit wenig Frischluft aus, denn das Auto bleibt besser geschlossen, man weiss nie, wann der nächste Grill rauchvoll angeworfen wird.
  • Wer einen (Hoch)Sommer in Griechenland verbringt, passe sich deren Zeiten an, denn erstens ist an Schlaf zu gewohnten Schlafenszeiten ohnehin nicht zu denken, zweitens ergibt es tatsächlich Sinn, die heisseste Zeit des Tages einfach zu verschlafen.
  • Griechen haben immer recht. Wird das Gegenteil bewiesen, war bestimmt der Vodka von gestern Schuld.
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    Anmerkung: Mittlerweil weilen wir schon in Istanbul, Berichte folgen.

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    3 Kommentare

    Eingeordnet unter Bemerknisse, Neulich, Reise 2012, Reisen mit Kindern

    3 Antworten zu “Neà Moudaia (Nähe Thessaloniki) GR – Alexandropuli GR (Tage 20 und 21)

    1. mammasusanna

      Ah ja, campende Griechen! Waren auch mal in solch einer Nachbarschaft, die hatten Kühlschrank etc, alles dabei… Und wischten etwa alle 2h ihr Wohnwagenvorteppich – was mich doch sehr erstaunte und uns das Gefühl gab, unser Puff rund um unser Zelt doch auch mal wieder aufräumen zu müssen… Ach, geniessts! Möcht auch grad….
      (Wir „mussten“ den Schnaps immer mit Gurke trinken/essen…)

    2. Barbapapa

      Tönt anstrengend. Und ihr scheint es trotzdem genossen zu haben.

    3. Hallöchen,
      Habe noch nicht alles nachgelesen, was ich in der Zwischenzeit verpasst habe – aber die Fotos sind wirklich schön! Deine politische Korrektheit ist übrigens immer noch lustig :-)
      Liebe Grüsse,
      Änni

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