Fünf der liebenswertesten und fünf der nervigsten Bilderbuchprotagonisten (15.Dezember)


In letzter Zeit habe ich öfters Listen von empfehlenswerten Kinderbüchern gelesen, scheint sich zu schicken, so kurz vor Weihnachten. Aber irgendwie ist es ja nur die halbe Wahrheit, denn neben all den grossen, pädagogisch wertvollen und erst noch schönen Bilderbüchern, gibt es auch nicht wenige unglaublich nervigen Bilderbuchcharaktere, beiden möchte ich hier Platz geben.

 

Fünf der liebenswertesten Bilderbuchprotagonisten:

Der Maulwurf aus „Vom Maulwurf der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ – Ein durch und durch aufgestellter und unzimperlicher Geselle, der, als ihm auf den Kopf geschissen wird, nicht etwa einen ekelbedingten Nervenzusammenbruch erleidet, rumheult oder sich auf blosses Rumfluchen beschränkt, sondern sich unerschrocken, unermüdlich und schlussendlich erfolgreich auf die Suche nach dem Schuldigen macht.

Petterson aus „Petterson und Findus“ – Ein etwas wunderlicher, älterer Griesgram mit gigantösem Herzen und unerschöpflichem Einfallsreichtum, der sich liebevollst und väterlich um den kleinen Kater mit offensichtlichem ADHS kümmert.

Amadeus aus „Katze, liebe Katze“ – Ein ebenso eigensinniger wie mutiger Mäuserich, der sich unglücklicherweise bis über beide Ohren in eine Katze verliebt hat und wider jede Vernunft und Umstände an ein glückliches, gemeinsames Ende glaubt und dafür kämpft.

Mister Brown aus „Mister Browns Katze“ – ein einsamer, älterer Herr, der einen kleinen Kater bei sich aufnimmt, ihn liebevoll umsorgt und vor lauter Fürsorge und väterlicher Liebe blind, erst im letzten Moment bemerkt, dass aus dem kleinen Kater ein ausgewachsener Tiger wird, es aber doch nicht übers Herz bringt ihn weg zu geben du deswegen kurzerhand sein Leben so umgestaltet, dass ein Zusammenbleiben möglich ist.

Franz von Hahn, Johnny Mauser und der dicke Waldemar aus „Freunde“ – Drei ungemein unterschiedliche Freunde, die gemeinsam Abenteuer und Banalitäten des Lebens meistern, von gemeinsamen Freeclimbing bis zu gemeinsamem Wiesenpinkeln.

Fünf der nervigsten Bilderbuchprotagonisten:

Frederick aus „Frederick“ – Der abgehobene, faule Sack, der statt die andern beim Schuften zu unterstützen, träge in der Sonne liegt und das auch noch so glaubhaft schönreden kann, dass das dümmliche Fussvolk verblendet schweigt.

Lars aus „Lars der kleine Eisbär“ – Ein kleiner Besserwisser der nur deswegen jedes seiner irrational vielen Abenteuer überlebt, weil der sein Kindchenschema derart grandios einzusetzen weiss, dass er ständig von Erwachsenen und anderen Mitleidigen gerettet wird.

Pitschi  aus „Pitschi“ – Eine kleine depressive Katze, die sich und Seinesgleichen nicht akzeptiert und erst nach einem psychosomatischen Krankheitsschub und fürchterlich viel Aufmerksamkeit zu Vernunft findet.

Globi aus der Globibuchreihe – Ein unattraktiver, charmeloser Menschpapagei, der in schlechten Reimen spricht und allerlei Dinge erlebt, die erstaunlicherweise sowohl unrealistisch als auch phantasielos sind.

Der Regenbogenfisch aus „Der Regenbogenfisch“ – Ein überheblicher und oberflächlicher, sich selbst bemitleidender Snob, der sich seine Freunde erkauft.

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31 Kommentare

Eingeordnet unter Elternsein, Neulich

31 Antworten zu “Fünf der liebenswertesten und fünf der nervigsten Bilderbuchprotagonisten (15.Dezember)

  1. Ich mag Frederick.. und den Maulwurf Grabowski. Wen ich absolut nicht leiden kann, ist der allgegenwärtige Benjamin Blümchen.

    • Ja, den Benjamin mag ich auch nicht.

    • Für mich sind Bücher immer sehr negativ zu bewerten, wenn sie kommerziell und in Reihe produziert werden… Und gleich das ganze Merchandising hochgefahren wird. Da geht es nämlich nicht mehr darum etwas für die Kinder zu machen. Ein Kunstwerk zu schaffen usw. sondern nur um Kohle.
      Petterson und Findus sind für mich keine echten Kinderbücher. Auf jeden Fall nicht für die ganz Kleinen. Waren sie auch nie für konzipiert.
      Manche Bücher finde ich einfach toll weil ich mich erinnere wie sie auf mich als Kind wirkten. Als Erwachsener sehen sie dann ganz farblos und seltsam aus. Ich erinnere an den Effekt des Schmetterlinges in der kleinen Raupe Nimmersatt ;-) Du meine Güte wie war der prächtig in meinen Kinderaugen… Ich war mega enttäuscht als ich das Buch als Erwachsener noch einmal in die Hand bekam.
      Den Regenbogenfisch finde ich aufgrund der Bilder schön. Diese angehängten auf megapädagogisch getrimmten Geschichten ignoriere ich sowieso meist ;.)

      • Ja, für die ganz Kleinen sind Petterson und Findus wohl noch etwas überfordernd, aber schon mit 1,5-2 Jahren werden die Bilder mit ihren vielen Details ungemein spannend.

        • das sind für mich die ganz Kleinen :-) Die Kinder können eben noch nicht verstehen, dass eine 12 mal gezeichnete Katze eigentlich EINE Katze sein solle die sich bewegt oder rennt (Comicstil). In Schweden werden diese Bücher erst ab einem Alter von 3 Jahren empfohlen, aber das muss natürlich jeder für seine Kinder individuell entscheiden.
          Es gibt auch durchaus Kinder die nach den Büchern Angst habe und nicht gut einschlafen. Manchmal weiß man als Erwachsener einfach nicht woran es liegt und völlig „harmlose“ Bilder erschrecken Kinder oder haben einen tieferen Effekt.

        • Ob man die Kinder die Geschichten verstehen, spielt meines Erachtens bei manchen Büchern eine sekundäre Rolle, Wimmelbüche haben ebenfalls oft keine Geschichte und trotzdem lieben die Kinder sie und können Einiges daraus ziehen und genau als diese, Wimmelbücher eben, können Petterson und Findus auch herhalten. (Die Sache mit den potentiellen Kinderängsten steht für mich auf einem komplett anderen Blatt und selbstredend muss darauf eingegangen werden.Ich habe offensichtlich Kinder die hierfür (noch) nicht anfällig sind.)

  2. kris

    oh gott, endlich die wahrheit über den depperten regenbogenfisch schwarz auf weiß.

  3. Also _ich_ mag den eloquenten Frederick, auch wenn er als Vorbild wirklich nichts taugt :-)
    Und ehrlich: Die verfressene Raupe gehört auch auf die Nerv-Liste. Sie hat mich schon öfter in Erklärungsnotstand gebracht, wieso sie essen darf bis Bauchweh (zwei Würste, zwei Stück Kuchen!) und gewisse Menschenkinder nur ein Stück Torte kriegen.

    • Fredericks Eloquenz will ich ihm auch gar nicht absprechen, im Gegenteil, er schafft es ja all die anderen Mäuse wortreich einzulullen, Eloquenz haben aber viele Politiker des Grauens auch.
      Ich merke, Frederick wird geliebt, gestern Abend hatte ich auf Twitter schon eine ziemlich unterhaltsame Diskussion um seinen Charakter.

  4. ich hab mich schon vor jahren über den regenbogenfisch aufgeregt. hab dennoch ein lustiges detail: mir sagte ein grinsender politiker einmal, dass der eigentlich den linken gefallen müsste – weil der quasi kommunistisch mit allen teilen will. :-)))

  5. … ich selber bin ja überheikel, wenn es um Kinderbücher geht – dennoch mag ich z.B. Pitschi gerne; hat aber wohl wirklich mit eigenen Kindheitserinnerungen zu tun und nicht wirklich mit dem Buch an sich. Was ich jedoch absolut völligst unterstütze und am liebsten noch ausführen und verstärken würde, ist die Ablehnung des faschistischen, vorurteilschürenden, eingebildeten Globis – da läuft es mir schon kalt den Rücken runter, wenn ich nur daran denke. Globi ist ein Rassist, er ist ein eingebildeter Klugscheisser und seine grenzwertigen Versli tun meinen Augen, in den üblen Fällen, in denen ich diese grauenhaften Bücher vorlesen musste, auch den Ohren weh. Wah!!!
    (Was ich übrigens auch ganz schlimm funde, ist der Barbapapa-Clan!)
    Liebe Grüsse,
    Änni

  6. Andrea Mordasini, Bern

    Ui, und ich liebe die Globi-Bücher, auch wenn sie nicht immer politisch korrekt sind… Aber ich verbinde mit den Globi-Büchern sehr schöne Kindheitserinnerungen, und die sind mir mehr wert als vieles andere ;). Und deshalb stehen in den Büchergestellen der Kinder neben vielen anderen, auch pädagisch wertvollen Kinderbüchern *kicher*, eine grosse Anzahl MEINER Globi-Büchern (Jahrgang 1971 – ca. 1984), und die meisrten noch sehr gut erhalten und kaum verkritzelt :).

    • :-) Zum Glück sind die Geschmäcker verschieden, zum Glück gibt es für alle passende Bücher und zum Glück ist die Welt bunt… Ich dagegen mag nicht nur Pitschi, sondern auch Lars. Findus und Petterson kenne ich nur von einer Kinderlieder-CD her, und diese löst bei mir ähnlichen Schüttelfrost aus wie Globi… Jedem seine Vorlieben und seine Traumata! Liebe Grüsse, Änni

    • Kindheitserinnerungen sind doch ohnehin irgendwie außer Konkurrenz….

  7. was sagt ihr denn zu den ganz alten Klassikern wie Elsa Beskow? Olle bei König Winter? Hänschen im Blaubeerwald etc? Oder Sybille v Olfers: die Wurzelkinder?

  8. mammasusanna

    Meine Favoriten sind: Baggerfahrer Ben, Feuerwehrmann Finn, Bauer Bernd und Lokführer Leo (man beachte das Ding mit den Anfangsbuchstaben…) welche alle versammelt in einem dicken Buch uns seit fast zwei Jahren begleiten, immer brav am Schaffen, völlig charakterlos und gut drauf…

    (vom Pitschi-Autor mag ich den „Geburtstag“ lieber, ausser das da der super-Bello nervt…)

  9. Andrea S.

    und dann noch Mimmi und Brumm

  10. claudia

    Sie sollten unbedingt die kleine Hexe Lisbet lesen, von Lieve Beaten.
    Sie gehört für mich zu den liebenswertesten Kinderbüchern die ich gelesen haben.

    Neben Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg ist noch die ominipotente und alles immer richtig machende Conny sicher mit das allernervigste das ich vorlesen musste.

  11. Ich bin Kunsthistorikerin – wie könnte ich Frederick nicht lieben? Vivat!

  12. Darcy

    Hahahahahahahaha, deine Beschreibung vom Regenbogenfisch ist so so geil!!

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